Flora hat geschrieben: Do 6. Feb 2025, 12:11
Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 21:36
Dann seid ihr genauso wie mein Stiefopa, der, wenn er zu seiner Modeleisenbahn in den Hobby- und Bastelkeller ging, seine Schaffner-Uniform (vom eigenen Opa geerbt) anzog...
... und wer wollte ihm das auch verleiden? Gut, ich versteh schon die Aussage: man lässt ihm halt seinen Spaß daheim im Keller, vielleicht belächelt man ihn ein wenig oder findet es ein bisschen skurril (oder auch nicht), aber natürlich wird er dadurch nicht zu einem echten Eisenbahner.
Aber wenn man das Bild mal weiterspinnt und er nun aus dem Keller rausgeht und als großer Eisenbahnfan halt dort ein bisschen herumflaniert wo die echten Eisenbahner sind - da wirds dann spannend. Auffällige Phantasieuniform mit viel Klimbim und Brimborium? Historische Uniform, die heute keiner mehr trägt? Ganz normale moderne Uniform? Letzterer Fall ist ja der spannende und man muss dann unterscheiden: ist an seinem Habitus, seinen Aktionen oder irgendwas anderem an ihm erkennbar, dass er kein echter Eisenbahner ist? Was denkt man dann über den Stiefopa? Ist eine täuschend echte Uniform sowas wie Amtsanmaßung oder stört es eigentlich niemanden, ist ja kein Staatsorgan und er schadet ja niemandem damit, er fällt auch nicht weiter auf, naja und wenn's ihm Spaß macht... Macht es im übrigen einen Unterschied, wenn er grade mitten in der Umschulung zum Eisenbahner steckt oder "darf" er es auch so zum Vergnügen? Und wer legt das eigentlich fest? Leute in Fußballtrikots, die selber keine Fußballer sind? Leute in Turnschuhen, die nie Sport machen? Leute mit Segelschuhen und Yachting-Poloshirt, die kein Boot haben?
Nochmal: ein Mensch hat ein Hobby (Eisenbahn) und nimmt das so ernst, das er sich für das richtige Feeling extra umzieht. Das hat etwas mit
Wertschätzung zu tun. Wo ihr da rauslest, dass ich das Hobby Crossdressing oder meinen Stiefopa damit belächeln oder abwerten will, das müsst ihr mir mal zeigen. Da bin ich gespannt.
Ich habe den Mann erst sehr spät kennen gelernt. Wäre ich als Kind schon in Kontakt zu ihm gekommen, ich hät's vermutlich total gefeiert und mit gemacht. Leidenschaft kann nämlich auch ansteckend sein.
Was den Rest angeht: Stichwort: geerbte Uniform. Sein Großvater (oder Vater...? Meh, Siebgedächtnis...) war tatsächlich Bahner. Ich habe seinen Dienstfrack hier hinter mir im Schrank hängen. Leider bin ich inzwischen rausgewachsen, aber damals mit Mitte 20 sah der richtig fesch aus. Ich hatte allerdings nie das Faible für Eisenbahnen, ich bin damit auf Goth-Parties gegangen...
Drüber hinaus: wäre mein Opa damit an die Bahn gegangen, hätte er sich niemals als Zugführer ausgegeben. So wenig wie jemand, der ferngesteuerte Flugzeuge fliegt sich als A380-Pilot*in. Selbst wenn eins auf dem Feld die entsprechende Uniform trüge. Zu den pseudo-cleveren Fragen: wer, der sein Fantrikot trägt, behauptet denn, Profifußballer*in im entsprechenden Team zu sein?
Again: ein Hobby ist ein Hobby und als solches erst einmal weder toll noch doof. Ihr erwartet eine Wertung, die ich nicht vorgenommen habe. Warum das so ist, das weiß ich nicht.
Das, worum es mir ging: nehmt euer Hobby, nehmt es ernst, aber begeht eben keine "Amtsanmaßung". "Frau-sein" ist kein Hobby. Ein begeisterter Bahn-Fan oder Fußball-Fan oder sportschuhtragender Nichtsportler kann sich bestimmt richtig intensiv und fachkundig mit einem Profi unterhalten und austauschen. Trotzdem würde er niemals behaupten "vom Fach" zu sein.