Rausgehen und verstecken ?
Rausgehen und verstecken ? - # 2

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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Lana
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 16 im Thema

Beitrag von Lana »

chris hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 16:14 Menschen [die] keinen Anstoß am Crossdressing nehmen
Vielleicht ist es nicht deutlich geworden, weil ich ober so viel geschrieben habe, aber genau das ist meine Erfahrung:
Da draußen nimmt keiner "Anstoß" an unserem Sein oder Tun. Es interessiert die Leute einfach nicht. Denen ist es egal, ob du groß oder klein bist, alt oder jung, einen Rock trägst oder nicht.
Positiv formuliert: Im Alltag wirst du ziemlich umfassend mit Toleranz konfrontiert :P

Warum sollte sich jemand um dein Äußeres kümmern? Das Thema hat nur noch in ein paar abseitigen gesellschaftlichen Nischen skandalwert.

Ich erfahre es so, dass du, so lange du nicht missionieren willst, in Ruhe gelassen wirst, ja, weitestgehend ignoriert wirst. Selbst im Bekanntenkreis sind die Allermeisten nicht weiter interessiert. Man nimmt es halt zur Kenntnis, so ähnlich, wie wenn du dir eine neue Haarfarbe gönnen würdest. Nach kurzer Zeit redet niemand mehr darüber, weil man sich daran gewöhnt hat.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
manchmal_melissa
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 17 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Hi ihr Lieben,

bei mir ist es noch nicht so lange her, dass ich zum ersten Mal en femme draußen war und hier Bilder mit Gesicht gepostet habe. Ich kann deshalb beide Seiten ganz gut verstehen.

Mich zu zeigen hat bei mir immer mit meinem Wohlbefinden zu tun. Wenn ich mein Spiegelbild mag, zeige ich mich gerne. Wenn nicht, dann nicht. Als ich hier die ersten Bilder hochgeladen habe, mochte ich nur Teile davon. Meinen Körper fand ich schön und feminin, so wollte ich gesehen werden. Außerdem ist so ein Körper herrlich anonym. Mein Gesicht dagegen war mir viel zu männlich, es passte nicht zu diesem Körper und glich viel zu sehr der Person, die ich sonst auch war. So wollte ich nicht gesehen werden, also schnitt ich das Gesicht regelmäßig raus.

Mittlerweile habe ich auch Bilder von mir, auf denen ich mir besser gefalle, inklusive Kopf. Außerdem würden mich auch Bekannte darauf nicht direkt erkennen. Deshalb traue ich mich, sie komplett zu posten. Interessanterweise mache ich das erst, seitdem ich auch en femme draußen war. Auch da hatte ich einen ähnlich hohen Anspruch an mich selbst. Wenn ich so nicht hätte gesehen werden wollen, wäre ich nicht rausgegangen.

Draußen war ich dann von Anfang an unter Menschen. Allein irgendwo rumzulaufen, wo sonst niemand ist, wäre mir irgendwie witzlos vorgekommen. Vielleicht hängt das aber auch daran, dass es immer zu meiner Vorstellung gehört hat, draußen auf andere Menschen zu treffen. Aus dem Grund wollte ich ja entsprechend zufrieden mit meinem Äußeren sein. Versteckt habe ich mich dementsprechend auch nie. Nur einmal habe ich mir sehr viel Zeit dabei gelassen, den Kofferraum auszuräumen. In der Garage schräg gegenüber war nämlich gerade ein mir unbekannter Nachbar eingeparkt, und von dem wollte ich nicht unbedingt in ein Gespräch verwickelt werden.

Möchte ich nun aktiv gesehen werden draußen? Schwierige Frage… Ich hatte, bevor ich zum ersten Mal draußen war, einen wiederkehrenden Traum. Ich lief en femme über einen Marktplatz einer Kleinstadt, die es nicht gibt. Ich hatte oft Kleinigkeiten zu erledigen, musste etwas einkaufen oder zur Bank. Am Anfang hatte ich immer die Angst, als Mann erkannt zu werden. Aber dann sah ich die Menschen um mich herum und wusste plötzlich, zweifelsfrei und ganz tief in mir drin, dass ich als Frau wahrgenommen werde. Und entsprechend weiblich fühlte ich mich dann auch. Das wollte ich auch im echten Leben.
Ich denke, dass es mir darum geht: Als Frau wahrgenommen zu werden. Dazu muss man mich zwangsläufig erst mal wahrnehmen. Wenn ich in der Fußgängerzone an hundert Leuten vorbeilaufe, für die ich Luft bin, gibt mir das nichts. Wenn ich aber merke, dass Menschen mich tatsächlich sehen (und im besten Fall als junge Frau einsortieren), freut mich das sehr. Ich versuche aber nicht aktiv Aufmerksamkeit zu erregen und aus der Masse herauszustechen. Ich bin einfach nur froh, wenn das Gefühl stimmt, so wie in meiner geträumten Kleinstadt.

Liebe Grüße,
Melissa
Knäckebrötchen
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 18 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Liv hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 15:03
sbsr hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 10:52
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 4. Feb 2025, 18:12 Ich WILL gesehen werden, wenn ich draußen bin
Da unterscheiden wir beide uns zum Beispiel grundlegend,
[…]
Einfach nur eine Frau sein, die unbehelligt durch die Straßen läuft und in ein Restaurant geht, ohne das jemand groß Notiz nimmt.
[...]Da sitzt man 2h in der Maske und gibt ein kleines Vermögen dafür aus und dann wird man nicht wargenommen [sic!]??[...]
Willkommen in der Welt der Frauen )))(:

In der Realität macht das halt kaum eine Frau. Weil es eben Zeit- und Geldverschwendung ist.
Liv hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 15:03
Daniela04 hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 11:14
sbsr hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 10:52 Dummerweise passt ausgerechnet meine Vorliebe für schöne Kleider nicht dazu, weil ich mich damit leider von der Durchschnittsfrau abhebe.
Das ist genau auch mein Problem, liebe Svenja: Wenn schon Frau, dann richtig Frau und dann fällst Du einfach auf!
Das ist vermutlich gerade das Problem jeder Frau, die gerne schöne Kleider, kurze Röcke oder hohe Schuhe trägt: Man fällt unter den ganzen Flared-Jeans-mit-Sneakern-Frauen halt deutlich auf. Aber viele Frauen wollen gar nicht auffallen, da wer auffällt oft auch gleich angegraben wird. Zudem ist auffallen wollen natürlich auch Typsache und eine Frage des Selbstbewusstseins.
Sorry, als "Flared-Jeans-mit-Sneakern-Frau" ein kleiner Perspektivenwechsel: ihr seid Hobby-Frauen? Dann seid ihr genauso wie mein Stiefopa, der, wenn er zu seiner Modeleisenbahn in den Hobby- und Bastelkeller ging, seine Schaffner-Uniform (vom eigenen Opa geerbt) anzog...

Bitte verwechselt nicht euer Hobby-Outfit mit dem, was Frauen in ihrem Alltag tragen. Ihr putzt euch für eine "Shopping-Tour" raus wie für einen Gala-Empfang, wo jede "Flared-Jeans-mit-Sneakern-Frau" einfach nur zur Arbeit geht, einkaufen, Kinder abholt... Ja, ich kann mich auch super fein machen. Und das mache ich auch gerne. Und dann genieße ich das auch: Wenn ich mal mit Freundinnen etwas schicker essen gehe, oder ins Theater oder auf eine Vernissage... aber für den Alltag, da wo ich Treppen laufen muss, vielleicht mal auf eine Leiter klettern? Allein schon im Bus sitzen ist im hoch geschlitzten Rock echt herausfordernd. Und der geht eigentlich bis zu den Knöcheln. Fun Fact: auch eine "Flared-Jeans-mit-Sneakern-Frau" trägt gerne Röcke. Sogar im Winter.

Wenn ich das schon lese..." Wenn schon Frau, dann richtig Frau"... als ob die, die euch mal zur Welt gebracht haben, ihr Leben lang so rumgelaufen wären, wie ihr euch "richtige Frauen" ausmalt. :lol: Männer, erklärt mir die Welt!
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 19 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 21:36 als ob die, die euch mal zur Welt gebracht haben, ihr Leben lang so rumgelaufen wären, wie ihr euch "richtige Frauen" ausmalt. :lol: Männer, erklärt mir die Welt!
Nun ja, so bis in die 60er schon. Hosen wurden ab den späten 60ern vermehrt getragen, zeitgleich mit den Miniröcken.

LG Heike
"Es ist nicht die Zeit in deinem Leben, es ist das Leben in deiner Zeit." Bruce Springsteen
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 20 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

HeikeCD hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 21:49
Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 21:36 als ob die, die euch mal zur Welt gebracht haben, ihr Leben lang so rumgelaufen wären, wie ihr euch "richtige Frauen" ausmalt. :lol: Männer, erklärt mir die Welt!
Nun ja, so bis in die 60er schon. Hosen wurden ab den späten 60ern vermehrt getragen, zeitgleich mit den Miniröcken.

LG Heike
Also meine Großmütter hatten (alle 3) keine "schönen Kleider" - höchstens "1 schönes Kleid" und definitiv keine Stöckelschuhe für die meiste Zeit ihres Lebens. Macht sich beim Schweineschlachten und Kohleschippen nicht so...

Also, wenn hier die Rede von Rock-mit-Kittelschürze-und-Blockschuhen als "schöne Kleider" ist, ok, dann habe ich mich wohl geirrt.
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 21 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Lana hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 16:36 Positiv formuliert: Im Alltag wirst du ziemlich umfassend mit Toleranz konfrontiert
Hier liegt leider ein falsches Verständnis unserer Sprache vor. Dazu gibt es hier irgendwo von mir das Thema 'Neu-Sprech nach Orwell'. Es ist nicht Toleranz, es ist Ignoranz. Toleranz wäre, wenn man uns anschauen würde, und sich dann zusammen reißen müsste, damit man seinen Unmut darüber nicht mit schrägen Blicken oder hässlichen Bemerkungen zum Ausdruck bringt. Tolerieren bedeutet erdulden. Man erduldet uns aber nicht, man schaut meistens einfach nur nicht hin. Also ignoriert man uns. Und immer häufiger akzeptiert man uns sogar. Tolerieren soll mich bitte keiner - einfach weg schauen ist vollkommen ausreichend.

LG Nicole
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 22 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Noch ein Aspekt.

Warum sind wir irgendwo draußen meistens alleine auf den Fotos zu sehen? - Ich habe meine alten Fotos durch gesehen, die ich ins Netz gestellt habe, und da bin ich auch fast immer nur alleine zu sehen, obwohl ich irgendwo unterwegs war, wo man viele Leute trifft.

Ich denke, es ist so: Dass man sich irgendwo mit gleichgesinnten trifft und ein gemeinsames Foto gemacht wird, ist eher selten. Sind aber fremde Leute auf dem Foto zu erkennen, gibt es schnell Ärger wegen Verletzens der Privatsphäre. Also was tun? Die Gesichter auf dem Foto verdecken, oder besser nur solche ins Netz stellen, wo man alleine zu sehen ist?

LG Nicole
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 23 im Thema

Beitrag von Violetta Arden »

Also rausgehen und verstecken? Nein, ganz sicher nicht. Ich verstehe die Bedenken der Ladies, die vielleicht die ersten Schritte nach draussen wagen. Aber es macht keinen Sinn, nach draußen zu gehen und möglichst nicht gesehen werden, im Dunkeln ein paar Schritte stöckeln und mit rasendem Herz wieder zurück zum Auto oder nach Hause. Das kenne ich nur zu gut von meinen Anfängen. Aber, wenn ihr nach draussen geht, solltet ihr die Selbstsicherheit haben, zu akzeptieren, daß ihr gesehen werdet. Wenn frau nicht ganz extrem geoutfittet oder geschminkt ist, wird, wenn die Locations "normal" ist, kaum eine Reaktion zu bemerken sein. Und den ein oder anderen schrägen Blick muss man einfach akzeptieren. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber wer Angst hat, entdeckt oder enttarnt zu werden, sollte lieber zu Hause bleiben und sich am Spiegelbild erfreuen.
Ich kann mich an keine unangenehmen Situationen erinnern wenn ich enfemme draußen war. Und mit einem Lächeln kann frau immer punkten.

Aber ich weiß auch, daß die Selbssicherheit erst mit der Zeit kommt. Aber es lohnt sich auf jeden Fall. Das Feeling enfemme durch die Straßen zu bummeln oder zu shoppen ist einfach genial und ruft immer nach Wiederholung.
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Gesichtsblind

Post 24 im Thema

Beitrag von Wally »

Flora hat geschrieben: Di 4. Feb 2025, 18:57 ich WILL draußen sein (zumindest gelegentlich), ich AKZEPTIERE es dann mitunter gesehen zu werden und ich VERMEIDE es nach Möglichkeit von Bekannten gesehen zu werden (und bei letzterem kommt für mich erschwerend dazu, dass ich selber Leute und Gesichter schwer erkenne).
Das interessiert mich jetzt: ich bin nämlich auch "gesichtsblind".

Richtig klar wurde mir das erst, als ich mal vor 2 Jahren ein Video sah, in dem jemand irgendeinen Text zitierte - auf Englisch, immer mit derselben Stimme; ich verstand nicht mal, um was es da ging, war auch unwichtig. Wichtig war nur, dass bei der Person in dem ca. anderthalbminütigen Video so ca. zwei Dutzend mal das Gesicht (nur das nackte Gesicht, nicht die Haartracht) ausgewechselt wurde, und zwar angeblich lauter bekannte Personen: Schauspieler, Politiker, Musiker... 2. Garnitur, also nicht die gaanz bekannten. Ich hatte das beim ersten Mal Anschauen überhaupt nicht bemerkt - bis auf ein einziges Mal, als das eingewechselte Gesicht einen Vollbart hatte! Die anderen waren alle glattrasiert.
Über das Video wurde anschließend diskutiert, und ich war völlig baff, als die meisten berichteten, dass sie so zwischen zwölf und über 20 Gesichter persönlich erkannt hatten. Nun gucke ich schon seit Jahrzehnten überhaupt kein Fernsehen mehr und nur selten Filme, ich kenne von daher auch nur wenige Promis. Aber auch bei einem zweiten Versuch, bei dem ich ja über die Gesichtswechsel bereits informiert war und gezielt darauf achtete, gelang es mir nur 5 oder 6 mal, so einen Wechsel überhaupt wahrzunehmen, und nur zwei dieser Gesichter kamen mir irgendwie bekannt vor, ohne dass ich sie auch nur in irgendeine spezielle Kategorie einordnen konnte. Offenbar fehlt mir da ziemlich weitgehend eine Fähigkeit, die andere Menschen üblicherweise haben. Ich bin gesichtsblind.

Im Alltag hatte ich damit nie ernsthaft Probleme. Offenbar habe ich gelernt, Menschen nicht nur am Gesicht, sondern an einer ganzen Reihe Merkmalen zu erkennen und dieses Handicap so weitgehend auszugleichen. Bei meinen Patienten im zahnärztlichen Beruf z. B. musste ich so gut wie immer erst auf die bereitliegende Patientenkarte gucken, um den Namen zu lesen. Das Gesicht sagte mir allenfalls "neuer Patient" oder "war wohl schon mal da, kennste zumindest irgendwoher". Sobald ich ihnen in den Mund guckte, konnte ich dagegen am Zahnstatus und eventuell schon von mir gelegten Füllungen etc. sofort erkennen, welcher "Fall" das war... Meinem Vater muss das wohl ähnlich gegangen sein; der war auch Zahnarzt und hat uns auch mal ähnliches darüber erzählt.

Menschen, mit denen ich täglich zu tun habe, oder deren Gesicht ich schon sehr oft und intensiv betrachtet habe (z. B. Bundeskanzler oder Schauspieler wie Rühmann oder H. Bogart) erkenne ich dagegen sofort am Gesicht, und das auch noch nach sehr langer Zeit. Ein Punkt wurde mir auch erst nach obigem Video klar: warum ich mich bei Filmen oder Theaterstücken mit mehreren, mir noch nicht bekannten Schauspielern oft so schwer tue, der Handlung zu folgen: ich verwechsle da ständig die Personen. Und neulich wurde ich mal in einer Arztpraxis, in der ich zum ersten Mal war, von der Helferin an der Rezeption fröhlich mit Namen begrüßt. Ich: "Ähhh, hm... Kennen wir uns?" Es war eine Nachbarin, die schon seit 15 Jahren direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite wohnt... Ich sehe die halt so alle 1-2 Wochen mal flüchtig aus der Entfernung und komme vielleicht einmal pro Jahr kurz mit ihr ins Gespräch - so habe ich sie wohl auch schon ein Dutzend mal "neu kennengelernt", ohne das selber überhaupt zu realisieren. Peeeinlich... :oops:

Mit CD hat das insofern zu tun, weil ich nur sehr schwer einschätzen kann, wieviele und welche Personen mich zu meinen Zeiten als Teilzeit-Frau womöglich schon mal ohne mein Wissen "erwischt" haben - weil ich die dann meinerseits wohl in den seltensten Fällen erkannt habe. Ähnlich wie meine Rotgrün-Blindheit (mit 40) habe ich meine Gesichtsblindheit (mit über 70) erst sehr spät überhaupt richtig realisiert - und wieviel das im Alltag und in sozialen Kontakten dann doch ausmacht.

Mich würde jetzt mal interessieren, ob welche - und wieviele - von Euch auch davon betroffen sind. Mögt ihr da mal kurz was dazu sagen? Bitte, ausdrücklich auch dann, wenn Ihr nicht betroffen seid, um da mal eine grobe Vorstellung vom Zahlenverhältnis zu bekommen.
Herzliche Grüße
Wally
Flora
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 25 im Thema

Beitrag von Flora »

Wenn man sich diesen (sehr erhellenden) Thread mal so durchliest, reden wir ja von mindestens drei verschiedenen Sorgen und Ängsten (und damit teilweise auch aneinander vorbei):

- erstens die ich-bezogenen (Scham vor sich selbst, Gefühl etwas falsches zu machen)
- zweitens jene vor unmittelbar unangenehmen, erniedrigenden oder gefährlichen Erlebnissen ( Gekicher, Getuschel, Sprüche, Beleidigungen, Angriffe)
- drittens jene vor Gerede und sozialer Ächtung.

Was Nr.1 angeht bin ich mit mir mittlerweile völlig im Reinen. Mit Nr.2 habe ich im Wesentlichen keine Erfahrung, glaube aber jenseits tätlicher Angriffe damit umgehen zu können nach dem Motto "egal, den Typen siehst du eh nie wieder". Heikel finde ich Nr. 3. Das Gefühl, keinerlei Einfluss darauf zu haben, welche Kreise das zieht, und das können im ländlichen Raum, wo jeder um maximal drei Ecken jeden kennt, größere sein als in Hamburg oder Berlin (wo man dafür andere Sorgen hat). Außerdem färbt es potentiell auf andere Familienmitglieder ab, zumal wenn diese aus beruflichen Gründen von vielen gekannt werden. Allein schon deshalb wäre hier die Einstellung "sch... drauf, da steh ich drüber" äußerst rücksichtslos und das, was ich dabei gewönne, stünde außerdem für mich, da Crossdressing für mich nicht das alles überragende Lebensthema ist, in keinem Verhältnis zu den Sticheleien, die ich und vor allem mein Umfeld dann ertragen müssten.

Ich habe auch kein "Ziel" auf das ich hinarbeite oder das Gefühl, etwas zu verpassen... umgekehrt kann ich aber auch wenig damit anfangen, wenn jemand sagt "ja dann bleib halt zu Hause". Warum denn, wenn ich Lust hab rauszugehen?
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 26 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Wally hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 23:47 Das interessiert mich jetzt: ich bin nämlich auch "gesichtsblind".
Hallo Wally,

das ist ein interessantes Thema, aber ich denke, das führt ein wenig zu weit weg vom Thema. Kannst Du vielleicht dazu ein eigenes Thema aufmachen ?

@all:Vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Die Diskussion ist ja lebhafter als ich erwartet habe. Ich schrieb weiter oben "ich will gesehen werden". Das muss ich konkretisieren, da ich mich wohl etwas missverständlich ausgedrückt habe. Damit meine ich, Ich möchte in meiner Eigenschaft als Frau wahrgenommen werden. Ich meine damit nicht, im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen. Watzlawick schreibt hierzu:
Es hat den Anschein, dass wir Menschen mit anderen zum Zweck der Erhaltung unseres Ichbewusstseins kommunizieren müssen.

in Paul Watzlawik Man kann nicht nicht kommunizieren, Das Lesebuch, zusammengestellt von Trude Trunk, Verlag Hans Huber, 2011, S.51

Er beschreibt das in ein einem Zusammenhang einer Situation, in der eine Person A einer Person B eine Definition seiner Selbst anbietet und B mehrere Möglichkeiten der Reaktion hat: Bestätigung, Verwerfung oder Entwertung. Was passiert also, wenn ich en femme auf die Straße gehe ? Ich biete über meine Kleidung eine Selbstdefinition an und warte auf eine Reaktion. Ich bin sogar auf eine Reaktion angewiesen (auch eine Nichtreaktion ist eine Reaktion). Ich erfahre die Bestätigung im Regelfall und das stabilisiert mich. Ein Verwerfung kommt selten in milder Form vor, destabilisiert mich nicht. Erst eine Entwertung ist ein tiefgreifender Eingriff. Ich werde nicht nur nicht als diejenige gesehen, die ich glaube zu sein. Ich werde de facto als "nicht existent" bertachtet. Ich glaube, dass ist die größte Angst in uns, die Angst vor psychischer Misshandlung.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 27 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

Lana hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 15:22 Eigentlich wäre es mir am liebsten, wenn Gender als soziale Kategorie keine wichtige Rolle spielen würde und schon gar nicht die Zuordnung von bestimmten Kleidungsstücken zu einem Geschlecht.
Hallo Lana,
da stimme ich dir zu. Ich bin mir aber nicht sicher, wenn ich diesen Gedanken konsequent zu Ende denke, ob dies meinen inneren Wünschen wirklich entspricht? Es könnte ja bedeuten, dass es nur ein oder gar kein Geschlecht mehr gibt. Es geben nur noch das Geschlecht Mensch, was natürlich eine Utopie ist. Dann würde ich auch kein Problem damit haben, dass ich als cis Mann geboren wurde, aber mich als Frau verorte. Würde ich dies denn wirklich wollen? Mag ich nicht gerne Frau sein? Ich bin mir da nicht sicher. Spätestens die Realität zeigt mir, dass ich mit der männlichen Geschlechterrolle gar nichts am Hut habe. Ist es paradox, wenn ich mich gerade daran erfreue, gesellschaftlich vorgegeben in Bezug auf Einordnung der Kleidung, mich ausschließlich weiblich kleiden zu mögen? Mhm? :roll:
Um nun noch Bezug auf Vickys Thread zu nehmen, würde ich gerne wissen, teil von euch niemand die Sorge, dass wenn wir auch hier in einem mehr oder weniger geschützten Raum des Forums sind, dass das World Wide Web Schindluder mit unserem Bildern betreiben könnte? Einer meiner Sorgen zum Beispiel ist, da ich Lehrerin bin und Menschen beurteilen muss, sind nicht alle mit dem einverstanden, wie ich sie einschätze, deshalb könnten mir einige auch deutlich nicht wohlgesonnen sein. Private Details in diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen nicht in die Hände spielen. Wenn ich nur daran denke, dass unseren Politikerinnen gerichtlich abgesichert zugemutet wird, dass sie in der Öffentlichkeit verunglimpft werden dürfen, natürlich nur in einem gewissen Rahmen (ko), dann bleib ich doch lieber gesichtsanonym.

Liebe Grüße
Sophia
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 28 im Thema

Beitrag von Michaela Smile »

Flora hat geschrieben: Do 6. Feb 2025, 00:42 - drittens jene vor Gerede und sozialer Ächtung.

3. Das Gefühl, keinerlei Einfluss darauf zu haben, welche Kreise das zieht, und das können im ländlichen Raum, wo jeder um maximal drei Ecken jeden kennt, größere sein als in Hamburg oder Berlin (wo man dafür andere Sorgen hat). Außerdem färbt es potentiell auf andere Familienmitglieder ab, zumal wenn diese aus beruflichen Gründen von vielen gekannt werden.
aus meiner Sicht trifft es das genau. Ich will unbedingt vermeidendas meine Familei da "reingezogen" wird. und z.B. einer meiner Brüder gefragt wird was er den da für einen "perversen" Bruder hat...... (Begriff jetzt nicht falschverstehen, wird aber ugs so genutzt. für alles was nicht der eigenen Norm entspricht), und dieser dan in eine für ihn unbewusste Erklärungsnot bekommt. Das Gerede der Leute, ist die schlimmste Strafe die es auf´m Land gibt. das kommt meist nem Rufmord gleich.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 21:36 Bitte verwechselt nicht euer Hobby-Outfit mit dem, was Frauen in ihrem Alltag tragen. Ihr putzt euch für eine "Shopping-Tour" raus wie für einen Gala-Empfang, wo jede "Flared-Jeans-mit-Sneakern-Frau" einfach nur zur Arbeit geht, einkaufen, Kinder abholt... Ja, ich kann mich auch super fein machen. Und das mache ich auch gerne. Und dann genieße ich das auch: Wenn ich mal mit Freundinnen etwas schicker essen gehe, oder ins Theater oder auf eine Vernissage... aber für den Alltag, da wo ich Treppen laufen muss,
und das trifft vermutlich genau den Nagel auf den Kopf. Als Teilzeitfrau, haben wir ein Ideal Vorbild einer Frau, wie sie aussieht, und sich bewegt. und das ist halt meist nicht die Frau im Altags-Outfit sondern dann wenn alles feminine sichtbar wird. Und wenn wir uns dann rausputzen, dann eben genauso wie wir uns als Frau gerne sehen würden. Nur das diese Optik dann meist nicht ins alltägliche Straßenerscheinungsbild passt. Und dann fällt man eben auf. Auch die Cis-Frau, die in femininer Optik tagsüber einkaufen geht, bekommt da mehr Beachtung geschenkt. Es wird sich in beiden Fällen i.d.R. niemand was dabei denken, ist aber so.
Viele, unter anderem ich, wünschen sich, wie einfach es doch wäre, wenn Männlein und Weiblein doch einfach das gleiche tragen würden. Äh ja, darüber nachgedacht, .... genau das ist ja der Fall (im Alltag), nur hat sich das eben nicht in die von uns favorisierte Richtung entwickelt. Hosen sind im Alltag eben einfach praktischer.
Wenn wir uns also gerne in schöne Kleider werfen und damit unter Leute möchten, dann müssen wir damit halt auch die dazu passenden Anlässe auswählen um in der Menge nicht extra aufzu fallen.

wer gerne auffällt, oder wem es egal ist, immer frisch drauf los. Ich bewundere euch dafür. Es gibt ja auch Cis-Frauen, denen das egal ist und denen aber auch bewusst ist, das sie Blicke auf sich ziehen ( und das dann auch bewusst celebrieren).

... nur so mal meine Gedanken dazu....


Grüßle
MIchaela
Michaela
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 29 im Thema

Beitrag von Liv »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 6. Feb 2025, 07:04 Er beschreibt das in ein einem Zusammenhang einer Situation, in der eine Person A einer Person B eine Definition seiner Selbst anbietet und B mehrere Möglichkeiten der Reaktion hat: Bestätigung, Verwerfung oder Entwertung. Was passiert also, wenn ich en femme auf die Straße gehe ? Ich biete über meine Kleidung eine Selbstdefinition an und warte auf eine Reaktion.
Diese Modell gefällt mir sehr gut, wobei ich es instinktiv jetzt in mehrere Richtungen erweitern würde:
  • Was ist wenn A und B identisch sind, also der Blick in den Spiegel, oder alternativ die Selfie-Kamera? Kommt das Stolz, Scham, Ekel? Kann ich mich anderen zumuten?
  • Was ist wenn Person B sich über A mit einer weiteren Person C unterhält? Wenn sich zwei Fremde über mich unterhalten, über was sprechen sie dann? Das sind für mich eher die spannenden Situationen, da hier deutlich ungefilterter gesprochen wird.
  • Ist 'Bestätigung' nicht zu unscharf? Wie hier schon angerissen wurde gibt es einen Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz. Wieviel Zweifel schwingt in meinem Gegenüber mit? Deutet dessen Körpersprache (Augenkontakt, Haltung etc.) an, dass ich als Frau gesehen werde?
Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 21:36 ihr seid Hobby-Frauen? Dann seid ihr genauso wie mein Stiefopa, der, wenn er zu seiner Modeleisenbahn in den Hobby- und Bastelkeller ging, seine Schaffner-Uniform (vom eigenen Opa geerbt) anzog...
Achja, und dann gibt es noch das friendly fire: Personen, die sich auf dem Olymp der Weiblichkeit wähnen und von dort Blitze der Entwertung schleudern. Jeder Zimmertranse, die sich im Pettycoat erstmals aus den eigenen vier Wänden traut, wird die Nichtigkeit des Tuns um die Ohren gehauen. Anstatt anzuerkennen, dass wie alle, vom Fetischisten bis zur Transfrau, mal irgendwie anfangen mussten und diese Anfänge zwangsläufig unbeholfen sind.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 21:36 Fun Fact: auch eine "Flared-Jeans-mit-Sneakern-Frau" trägt gerne Röcke. Sogar im Winter.
Fun Fact: Auch eine "Ich-liebe-kurze-Röcke-Frau" trägt 90% ihres Daseins eine Jeans, auch im Sommer. Was mich natürlich nicht davon abhält, in den restlichen 10% die komplette Klaviatur von Business bis Berghain zu spielen. Und nein, die Jeans macht mich nicht zur Transfrau. Ich trage sie aber, weil es einen unausgesprochenenen Konformitätsdruck spüre. Weil ich mich gerade nicht von der Masse der Frauen abheben will, muss ich zwangsläufig mit dem Strom schwimmen.

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Vicky_Rose hat geschrieben: Di 4. Feb 2025, 18:12 Warum macht Ihr Bilder von Euch und zeigt Euch nicht?
Es gibt in der Tat ne Menge schöner Bilder von mir, aber ich bin da aus verschiedenen Gründen eher sparsam im Teilen. Ich bin halt keine Selbstdarstellerin, der Sinn von Instagram erschliest sich mir bis heute nicht.

LG
Liv
Wally
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 30 im Thema

Beitrag von Wally »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 6. Feb 2025, 07:04
Wally hat geschrieben: Mi 5. Feb 2025, 23:47 Das interessiert mich jetzt: ich bin nämlich auch "gesichtsblind".
das ist ein interessantes Thema, aber ich denke, das führt ein wenig zu weit weg vom Thema. Kannst Du vielleicht dazu ein eigenes Thema aufmachen ?
Wollte ich eigentlich, indem ich den Betreff geändert habe. Kam aber dann trotzdem im selben Thread. Hab's soeben nochmal als neues Thema gepostet.
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 6. Feb 2025, 07:04
Es hat den Anschein, dass wir Menschen mit anderen zum Zweck der Erhaltung unseres Ichbewusstseins kommunizieren müssen.

in Paul Watzlawik Man kann nicht nicht kommunizieren, Das Lesebuch, zusammengestellt von Trude Trunk, Verlag Hans Huber, 2011, S.51
Ich denke, genau da hoppelt der Hase: Crossdressing war für mich immer schon ein soziales Ding. Nicht das Outfit an sich war für mich der eigentliche Reiz dabei, sondern die Vorstellung, mich ganz konkret anderen Menschen so zu zeigen, und von ihnen auch deutlich so wahrgenommen zu werden. Nur Angst und Scham haben mich den längsten Teil meines Lebens davon abgehalten, das auch konsequent zu tun. Im stillen Kämmerlein fühlte es sich für mich aber immer als schale Ersatzbefriedigung an: mehr Sehnsucht als wirklicher Genuss.

Ganz zentral betraf das gerade auch meine Sexualität. Obwohl CD auch in meinen Masturbationsfantasien schon ganz von Beginn an, schon seit der Pubertät, immer eine riesengroße Rolle spielte, und obwohl meine CD-Experimente im stillen Kämmerlein auch sehr, sehr häufig in einen Selbstbefriedigungsakt mündeten, war CD für mich nie ein Fetisch: direkt und unmittelbar als Ding konnte mich das nie befriedigen. In meinen Masturbationsfantasien war es immer Bestandteil sozialer/sexueller Interaktion mit anderen Menschen; meine eigene Weiblichkeit - und gerade auch meine weibliche Sexualität - suchte sich darin einen Weg in die äußere Interaktion. Und gerade, weil das so tief und untrennbar mit meiner Sexualität verknüpft war, hatte es auch so besonders mit Angst und Scham zu tun, die mich dann wiederum real davon abhielten und ins stille Kämmerlein einsperrten.

Wirklich zufriedengestellt und in Ruhe gelassen hat mich das alles erst, seit ich 24/7 als Frau lebe. Seitdem spielt Crossdressing auch in meinen sexuellen Fantasien keine Rolle mehr: in meinem - auch sexuellen - Selbstverständnis bin ich seitdem einfach Frau, ich brauche das endlich nicht mehr zu simulieren (obwohl ich es körperlich nach außen jeden Tag tue). Erst in der Kommunikation konnte ich zu meinem jetzigen Ich-Bewusstsein finden - genau so, wie Watzlawik es postuliert hat.

Im Alltag ist das für mich inzwischen selbstverständlich geworden. Dass ich damit endlich zufrieden leben kann, dass diese ständige, bohrende Sehnsucht nach einem anderen Dasein endlich weg ist, bin ich inzwischen gewöhnt. Bewusst wird mir das wiederum fast ausschließlich in sozialer und kommunikativer Interaktion: eben nicht, wenn ich ohne merkliche Reaktionen meiner Umwelt durch den Alltag gehe, sondern genau dann, wenn ich z. B. ein Kompliment für mein Outfit bekomme, oder wenn ich mal wieder erfreut feststelle, dass Männer mir galanter und hilfsbereiter und Frauen offener und spontaner begegnen, als das früher der Fall war. Dann fühle ich mich einfach pudelwohl und weiß auch wieder, warum ich seit Jahren so zufrieden bin und nicht um alles in der Welt wieder in die männliche Rolle zurück will.
Herzliche Grüße
Wally
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