Quelle: https://i.postimg.cc/BbKYrmMX/Whats-App ... -50-57.jpg
Mira hier, in aktueller Pracht ^^ allerdings ohne Outfit, noch im Krank-zuhause-Kuschelanzug.
Zunächst mal möchte ich mich noch einmal bedanken für die vielen Antworten. Ihr helft mir damit sehr, einfach weil ihr häufig einfach die richtigen Fragen stellt. Das bringt mich derart zum nachdenken und bewegt sehr viel alte, erstarrt geglaubte Materie. Schon seit dem Besuch bei dem Therapeuten hatte ich mir vorgenommen, MakeUp wieder einmal eine Chance zu geben. Ich hatte das lange in irgendwelchen Schubladen verstaut. Heute habe ich es gemacht, in einem von KI für mich und auf Basis meiner Produkte entwickelten "Kurs". Ziel war ein alltagstaugliches, dezent natürliches MakeUp. Und ich bin sehr zufrieden damit - das ist neu. Zwar sehe ich immer noch, dass "Karl" eben auch noch da ist, mit Bartschatten und zu großer Nase für die "süße" Frau, nach der ich mich fühle, aber das konnte ich heute deutlich besser akzeptieren.
Übrigens die Sache mit der "Entscheidung" für eine Seite habe ich mit dem Therapeuten nicht diskutiert. Als ich zu ihm ging, wollte ich ja eigentlich meine Stimmungsschwankungen behandeln lassen. Er hat eher meine "Entscheidung" aufgebrochen, meine weibliche Seite zu unterdrücken - wobei das eher eine Verzweiflungsentscheidung war, weil ich mit dieser Seite nicht weiter kam.
Jetzt ist alles bereits ganz anders. Ich habe in diesen wenigen Tagen gelernt, dass ich keine Frau bin oder sein möchte. Ich bin Mann und Frau und noch mehr. Es klingt auch für mich seltsam, aber ich will mich da überhaupt nicht festlegen. Das hieße ja wieder, sich selbst einzuschränken. Übrigens spiegelt sich das auch in meinem Berufsleben. Ich brauche Abwechslung. Ich mache am Liebsten jeden Tag etwas Anders. Dinge die mir Spaß machen, mache ich gern mal länger, aber spätestens nach einer Woche wird mir ganz schön langweilig.
Mit dem Make-Up nicht genug. Heute Nachmittag stand Geburtstagsgeschenk für Muttern basteln an, mit den Geschwistern. Als es so weit war, war ich gerade 10 Minuten mit dem MakeUp fertig. Meine Partnerin kam heim, (lobte mein Make-Up!) und wir fuhren zu meiner Schwester. Ich ließ es einfach drauf. Außerdem zog ich mich nicht um. Unter dem Kuschelanzug trug ich schillernde Leggings und einen "Kleid"-Ähnlichen Hoodie. Die Perrücke setzte ich ab. Ich mag die Frisur zwar sehr, aber ich glaube im Alltag würden mir lange Haare ziemlich auf die Nerven gehen - so auch beim Basteln. Außerdem.. überfordern wollte ich meine Geschwister nun auch nicht.
Die Reaktionen waren geteilt. Die offenste meiner Schwestern schenkte mir sofort ein Kompliment ("ich finde, das sieht auch ohne Perücke gut aus!"), die älteste und vielleicht konservativste meinte ("warst Du wohl beim Fasching?"). Die dritte Schwester fragte interessiert, warum ich Make-Up trüge (also warum genau heute, sie weiß Bescheid und wir sprechen aktuell auch etwas darüber).
Die anwesenden Kinder musterten mich kurz, lächelten dann und spielten weiter. (Diese Reaktionen mag ich am Liebsten

)
Alles in Allem waren die Reaktionen vollkommen in Ordnung. Früher dachte ich, eine Auseinandersetzung damit zu brauchen. Vielleicht Fragen, wie ich mich denn fühlte oder warum ich das brauchte. Heute war ich einfach nur da, so wie ich war und mich wohl fühlte. Und das schlägt genau in die Kerbe aus Euren Beiträgen. Warum sich fragen "bin ich Fisch oder Fleisch?". Ich bin ich und fertig. Dass ich damit nicht unbedingt in eine klare Schublade passe ist klar und das stößt manchen Menschen sicher sauer auf. Aber das ist nicht mein Problem. Kurz habe ich mich über den Satz "Warst Du wohl beim Fasching?" geärgert. (Alle meine Schwestern wissen Bescheid.) Dann dachte ich mir... Was solls. Wenn sie damit ein Problem hat, blöd für sie. Ich habe ruhig erwidert, "Nein, das hat mit Fasching nichts zu tun."
Ich muss noch eine Schippe drauflegen. Das Pizzabestellen mit meinen Schwestern lief schief. Meine Partnerin und ich entschieden uns, zu Burger King zu fahren. Dort angekommen sah ich die volle Hütte (lauter junge Leute, große Gruppen, etc.) . Ich bekam etwas Muffensausen. Meine Partnerin meinte nur "Da musste jetzt durch." Und ja.. ich wollte das ja auch. Also gingen wir rein, bestellten, aßen. Und als ich den Laden betrat, war ich plötzlich "voll da". Ich fühlte mich absolut selbstsicher und souverän. Ich war eine "komische Mischform, ein Mann mit Make-Up und Leggings und Schnürstiefeln". Aber ich ging normal aufs Männerklo, zwei große Kerle machten mir am Waschbecken Platz, beäugten mich komisch, ich wurde bei der Bestellung und am Tisch höflichst bedient.
Bemerkenswert war mein plötzliches Selbstbewusstsein. Ich war selbstbewusster, als ich als Mann jemals war. Weil ich komplett war. Ich war so, wie ich sein wollte. Echt, authentisch. Und da fielen mir Eure Schilderungen über Eure Partnerschaften oder auch Eure Expartner wieder ein. Dieser Zuwachs an Authentizität, durch das Ausleben einer versteckten Seite der Persönlichkeit. Und genau das ist es. Ein Teil meines Ichs, das bisher keinen Platz fand, weil dieser Teil sonst auch einen Ausdruck nach außen gebraucht hätte. Einen Teil meines Kleidungsstils, ein bißchen Make-Up, vielleicht eine lautere und impulsivere Stimme, ein anderes Durchsetzungsvermögen. Das war plötzlich da. Ich war authentisch, das habe ich selbst gemerkt. Meine Partnerin hat das etwas überfordert im ersten Moment. Als mir das dann klar wurde, habe ich es ihr genauso erklärt und auch ausgedrückt, dass ich mich komplett fühle und so, wie ich eigentlich bin.
Mir ist auch klar, dass das nur ein Ausschnitt meines Daseins ist. Mal bin ich mehr das eine, mal mehr das andere, mal beides. Aber warum festlegen oder sich darüber überhaupt Gedanken machen. Eben einfach sein, wie man sich fühlt.
Das werde ich lernen müssen, denn ich habe eher gelernt, zu verstecken, zu verdrängen und zu beherrschen. Freiheit auch zu leben bedeutet eine Umstellung und Mut zur Veränderung in manchen Situationen. Aber ich bin jetzt deutlich zuversichtlicher als vorher - insbesondere vor dem Ankommen in diesem Forum und dem Austausch mich Euch wunderbaren Gesprächspartnern.
Übrigens schätze ich besonders (weil ich einfach ein Fan davon bin) Eure teils hochkarätige Ausdrucksweise. Wenn ich Ausdrücke wie "ein ärztliches Plazet" lese, geht mir als Lateinerin das Herz auf

Ich liebe es, wenn jemand Sprache beherrscht. Und da ich selbst recht reflektiert bin, liebe ich auch andere Menschen, die reflektiert auftreten. In diesem Sinne

Danke Euch - für alles
Eure Mira =)