Elon Musk und ich
Elon Musk und ich - # 3

Lebensplanung, Standorte
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Elon Musk und ich

Post 31 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 29. Jan 2025, 16:49 Wie kann ich meine Grenzen kommunizieren, ohne von Teilen der LGBTQ*-Gemeinschaft sofort als transphob oder schlimmeres bezeichnet zu werden, nur weil ich nicht alles akzeptieren kann oder will?
Das ist das Dilemma. Eine wahrscheinlich kleine Minderheit macht Stimmung aus allen Rohren. Das hat schon bei den Posaunen von Jericho geholfen. Ich glaube das Grenzen ziehen ist wirklich ein schwieriger Akt, wenn man die eigenen Forderungen ernst nehmen will. Aber die queere Mehrheit steht dem Treiben auch negativ gegenüber. Letztlich steht neben den eigenen Forderungen auch der Anspruch der gegenseitigen Rücksichtnahme und Begrenzung der Rechte des Einzelnen, wenn Rechte anderer betroffen sind. Hier nehme ich für mich in Anspruch, diese unangetastet zu lassen. Im Gegenteil, ich bin auch bereit, jederzeit das Treiben von solchen Menschen zu kritisieren und mich dagegen zu stellen, die aus Krawallsucht Unruhe stiften. In der Zielsetzung und in dem Schaden, die solche Menschen anrichten liegen für mich die Unterschiede. Ich sehe ein, dass diese Haltung angreifbar ist. Sie entspricht jedenfalls meinem Empfinden. Darüber kann mit mir diskutiert werden.

Der CSD ist für mich eine Veranstaltung, die mit dem Christopher Street Day nicht mehr viel gemein haben. Das war keine friedliche Veranstaltung, sondern eine Verfolgung von queeren Leuten durch die Polizei. Die muss nicht durch Selbstzelebrierung, schlimmer als Karneval (?) gefeiert werden. Deshalb werde ich niemals auf eine solche Veranstaltung gehen. Und was Menschen so sexuell treiben, ist mir auch egal, aber nicht in der Öffentlichkeit eines Umzugs.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Elon Musk und ich

Post 32 im Thema

Beitrag von Alicia »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 29. Jan 2025, 15:13
Und wer auch immer an der Spitze steht, der hat das beste Leben.
Naaaaaja.
Ich möchte nicht für viel Geld mit denen tauschen, die an der Spitze stehen. Diese Position verleiht zwar Macht über andere, ist aber mit der ewigen Aufgabe verbunden, sich gegen die anderen Machtgeilen verteidigen zu müssen, die einem ans Leder wollen. Das ist bei den Silberrücken im Urwald, Mähnenträgern in der Steppe und anderswo auch nicht anders.
Und am Ende hat man nicht mal Zeit, die ganze Kohle auszugeben, sprich ein gutes und entspanntes Leben zu führen. (Geht dann eh nicht bei all den Paparazzis von Blöd und Bunte).
Eine Lebensweise zu erfinden ist nichts. Sie zu verinnerlichen, ein Anfang. Sie zu leben ist alles.
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Re: Elon Musk und ich

Post 33 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Alicia hat geschrieben: Mi 29. Jan 2025, 17:44
Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 29. Jan 2025, 15:13
Und wer auch immer an der Spitze steht, der hat das beste Leben.
Naaaaaja.
Ich möchte nicht für viel Geld mit denen tauschen, die an der Spitze stehen. Diese Position verleiht zwar Macht über andere, ist aber mit der ewigen Aufgabe verbunden, sich gegen die anderen Machtgeilen verteidigen zu müssen, die einem ans Leder wollen. Das ist bei den Silberrücken im Urwald, Mähnenträgern in der Steppe und anderswo auch nicht anders.
Und am Ende hat man nicht mal Zeit, die ganze Kohle auszugeben, sprich ein gutes und entspanntes Leben zu führen. (Geht dann eh nicht bei all den Paparazzis von Blöd und Bunte).
Das siehst Du so. Und ich. Und viele andere Menschen auch. Aber Leute wie Trump und Musk und Putin und Merz und Weidel - die sehen das anders. Die sind aber schon als Kinder ein paar Mal zu oft gegen die Wand gelaufen und finden diesen "Karrierepfad" einfach toll. Und denen macht dann das, was Du als Nachteil siehst, gar nichts aus. Weil die lernen, damit zu leben.
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Re: Elon Musk und ich

Post 34 im Thema

Beitrag von Wally »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 29. Jan 2025, 12:43
Ich will über meinen Körper selber bestimmen.

Komisch, warum klingt das so sehr nach feministischen Thesen ?
Weil man diesen Satz am häufigsten von Feministinnen hört - freilich in einer ganz anderen Frage, die sich uns MzF schon aus körperlichen Gründen gar nicht stellt. Ob sie speziell in dieser Sache recht oder unrecht haben, will ich jetzt gar nicht diskutieren. Jedes Recht hat auch seine Grenzen: nämlich dort, wo es mit fundamentalen Rechten anderer Menschen kollidiert. Im Fall der Abtreibung ist das eine sehr schwierig zu beantwortende, ethisch-philosophische Frage. Wir werden sie hier nicht beantworten können. Geht's auch ne Nummer kleiner?

Gerade eben bin ich wieder über den Ohrlöcher-Thread gestolpert. Da hat eine vor einiger Zeit berichtet, dass sie zwar gerne Ohrlöcher hätte, diese Vorhaben aber aus familiären Gründen "endgültig gecancelt" hat. Natürlich gibt's an dieser Entscheidung nichts zu kritisieren: jeder hat halt seine Prioritäten. Trotzdem krampfte sich da beim Lesen einiges schmerzhaft in mir zusammen: was müssen das für Lebensverhältnisse sein, in denen sich jemand bis in so belanglose Details hinein den Umgang mit seinem eigenen Körper vorschreiben lässt? Wo ist da die selbstverständliche, ganz konkrete, praktische Freiheit geblieben, die in diesem Fall doch ganz sicher KEINE grundlegenden Rechte der Familienmitglieder tangiert? Sind das denn Nazis, die ihren Papa der Gestapo verpfeifen würden, wenn sie ihn mit Ohrschmuck erwischen? Warum steht er nicht einfach zu diesem völlig harmlosen Wunsch, warum streitet er nicht darum mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der er darauf bestehen würde, die Brötchensorte zu essen, die er lieber mag? Um mehr geht's doch da momentan gar nicht :?

Ich kenne das sehr gut aus meinem eigenen, transsexuellen Werdegang: die allermeisten Widerstände gegen den jeweils nächsten Schritt kamen aus mir selber. Was habe ich da nicht alles den Menschen in meinem Umfeld unterstellt: wie sie mich auslachen, anfeinden, verachten, isolieren und hinter meinem Rücken über mich lästern würden, wenn sie mich auch nur ein einziges Mal in einer Damenbluse oder mit Ohrhängern zu Gesicht kriegen würden... Das hatte schon auch seinen realen Hintergrund: in meiner Kindheit in den 50er und 60er Jahren, die mich noch geprägt haben, war das ja wirklich noch so, mich selber eingeschlossen. Mit Politik hatte das damals überhaupt nix zu tun, wir waren einfach ALLE so drauf, schon von je her, wir kannten es nicht anders. Dann später meine schreckliche, erste Ehe: das allgemeine Umfeld hatte sich da schon sehr verändert, das TSG wurde in dieser Zeit von einer SPD-Regierung beschlossen. Aber die hysterischen Anfälle dieser Frau, sobald sie auch nur die leiseste Andeutung von irgendwas angeblich Unmännlichem an oder bei mir entdeckte, ihre endlosen, wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen bis hin zu massiven Gewalttaten in diesen 5 Jahren gingen natürlich nicht spurlos an mir vorüber. Auch das hatte nix mit Politik zu tun; sie war selbst SPD-Mitglied, ihr Vater war ein SPD-Bürgermeister in Hessen, ein patenter Typ, mit dem man prima über alles reden konnte; von dem hatte sie das ganz sicher nicht. Nein: die war einfach nur ganz persönlich so verdreht, einfach krank, vermutlich Amphetamin-süchtig. Ich habe da zwar nie was gefunden, aber die Symptome passten wie die Faust auf's Auge, und einmal hat sie mich sogar tatsächlich um ein Rezept gebeten, "zum Abnehmen", was ich ihr selbstverständlich verweigerte. --- Diese schlimme Zeit wirkte noch jahrzehntelang in mir nach und verfestigte wiederum meine Ängste vor jeglichem Outing - obwohl die reale Welt um mich herum längst eine völlig andere war.

Erst eine Psychotherapie half mir dann schließlich Anfang der 90er Jahre aus dieser Sch....e heraus. 1998 ließ ich mir die Brust aufbauen und kriegte das sogar von der Krankenkasse bezahlt - unter einer inzwischen seit 16 Jahren an der Macht befindlichen CDU-Regierung, die damals wirklich noch konservativ war, weit "rechtser" als später die Merkel-CDU, die schließlich so weit nach links abdriftete, dass sich davon die AfD nach rechts abspaltete. Helmut "Rübe" Kohl war mir zwar aus vielerlei Gründen verhasst, 1998 wurde er m. E. völlig zu Recht abgewählt; aber speziell für uns Transsexuelle war auch diese Regierung nie ein Problem, obwohl noch entschieden "rechtser", als es heute die AfD ist. Schon seit den 70er Jahren stellten sich meine Ängste und Bedenken vor jedem weiteren Schritt Richtung Frau immer und immer wieder als Schimäre heraus: ich selber hatte meinen Mitmenschen eine transfeindliche Haltung unterstellt, von der dann real in der Transition kaum jemals etwas sichtbar oder spürbar wurde.

In der Rückschau auf all diese Jahrzehnte mutet es mich heute höchst skurril an, überhaupt irgendeine Verbindung zwischen Politik und Transfeindlichkeit zu vermuten. Ganz egal, welche Regierung seit den 60er Jahren gerade an der Macht war: mit der Genderpolitik ging es seitdem unter ALLEN Regierungen in Deutschland stetig bergauf; irgendeinen gravierenden, "transfeindlichen" Rückschlag hat es da bisher nie gegeben. Es war nicht Parteipolitik, sondern der gesamte Zeitgeist, der sich zwar langsam, aber in der Summe der letzten 50 Jahre um so radikaler gewandelt hat. Die Politik hat sich dem stetig angepasst.

Einer heutigen Partei in Deutschland - egal welcher - eine "Nazi"-Ideologie zu unterstellen, ist schon an sich absurd, weil diese Ideologie in einer völlig anderen Welt und Zeit wurzelte, deren Denkweise für heutige Generationen kaum noch nachvollziehbar ist. Die Sprache, die Wortbedeutungen, die Ansichten, der Zeitgeist, das ganze, politische und wirtschaftliche Umfeld - einfach ALLES hat sich allein schon in den 25 Jahren seit der Jahrtausendwende so radikal gewandelt wie bis zur Zeit der Nazis vielleicht in 100 Jahren. Würde sich heute einer hinstellen und eine ideologisch - nicht nur phonetisch mit schnarrendem "rrr" - den Nazis entsprechende Rede halten, dann würde der heute gar nicht mehr verstanden; auch in der AfD würden sich die allermeisten Leute nur noch verständnislos kopfschüttelnd an die Stirn tippen. Und selbst wenn heute wirklich jemand willens und in der Lage wäre, diese Ideologie praktisch nachzuvollziehen, dann könnte der erst recht nicht eine Nazi-typische Vernichtungspolitik gegen Transsexuelle reproduzieren: die Begriffe "transsexuell" oder "transgender" gab's ja damals noch gar nicht, die Nazis konnten sich da gar nix darunter vorstellen. Die haben unsereins einfach unter Schwule subsummiert (und als solche verfolgt) oder unter Lesben eingeordnet (und als solche in Ruhe gelassen). Ihre Verbrechen an den Schwulen (genauso wie die an den Juden) konnten sie überhaupt nur deswegen begehen, weil Schwulenfeindlichkeit (genauso wie Judenfeindlichkeit) damals schon seit Generationen allgemeiner Zeitgeist nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen, westlichen Welt war. Wie die Nazis mit unsereins umgegangen wären, wenn sie uns denn überhaupt schon als eigenständige Gruppe gekannt hätten, das weiß NIEMAND. Die Nazis haben zwar gewissenlos, aber trotzdem (aus ihrer damaligen Sichtweise) rational und interessengeleitet gehandelt; das waren keine Teufel, die alles nur irgendwie denkbare Böse einfach nur um des Bösen willen getan hätten. Sie waren menschliche Verbrecher! Von welchen Interessen sie sich im Umgang mit uns hätten leiten lassen - und mit welchen Folgen für uns, das bleibt Spekulation.

Die Transfeindlichkeit, die sich gegenwärtig in den USA breit macht und - wie jeglicher Zeitgeist seit 80 Jahren - wohl bald auch zu uns herüberschwappen wird, hat nichts mit "Nazi" zu tun: sie ist komplett neu, es gab sie so noch nie! Das macht sie leider nicht harmloser... Es handelt sich dabei um ein komplettes Umschwenken des Zeitgeistes: weite Teile der amerikanischen Bevölkerung haben mittlerweile einfach die Schnauze voll von den immer groteskeren Auswüchsen "woker" Indoktrination und Bevormundung, von ideologischer Gleichschaltung der Medien, von Universitäten, in denen Hautfarbe mehr zählt als Sachkompetenz, von "politisch korrekten" Sprachregelungen, von der ständigen Zunahme gar nicht mehr verfolgter Kleinkriminalität, vom Zusammenbrechen der in den USA eh schon schwachen Sozialsysteme usw. Eben all das linke Zeug, das der "Marsch durch die Institutionen" auch dort verbrochen hat - zweifellos mehrheitlich in guter Absicht, aber dann schlecht gemacht, weil Kompetenz nun mal nicht ungestraft durch Ideologie ersetzt werden kann. Solange es den Leuten gut ging, haben sie diesen ganzen, ethisch-moralischen Schwulst gerne als Nachtisch angenommen. Aber seit die Hauptspeise in einer zunehmend dysfunktionalen Staatswirtschaft für viele immer karger wird - und zwar am meisten ausgerechnet für diejenigen, die die "Demokraten" besonders zu protegieren pflegten - gilt für sie auch in Amerika wieder der Satz: "Erst kommt das Essen, dann kommt die Moral". Von der Hautfarbe des Präsidenten können sich auch Schwarze nix kaufen.

Primär betrifft das alles uns Transsexuelle eigentlich gar nicht. Persönlich sind die Leute seit Jahren unverändert freundlich zu mir, wenn ich in Kleid und Pumps daherkomme: die Männer galant und hilfsbereit, wie ich es vorher als Mann nie kannte, die Frauen spontan offen und kommunikativ, wie ich es als Mann bei fremden Frauen ebenfalls nie kannte. Ich fühle mich da nach wie vor pudelwohl und kenne auch niemanden, der sich schon mal hintenrum über mich beklagt hätte. Von Diskriminierung keine Spur... Auch in Damentoiletten wurde ich noch nie belästigt. Bei Sauna kann ich nicht mitreden, weil ich das eh nicht vertrage. --- Aber z. B. bei Diskussionen auf "fischundfleisch" (da ist von ganz rechts bis ganz links alles vertreten, und keiner nimmt dort ein Blatt vor den Mund, da geht's oft heiß her) kommt dann schon mal raus, wo der Hase hinläuft: auch da wurde ich zwar noch nie persönlich wegen meines Geschlechtsstatus angepöbelt. Durchaus häufig werde ich aber als Transe politisch angegriffen: die Leute beklagen sich über lästige Sprachvorschriften, über unfaire und dysfunktionale Quotenregelungen, über weibliche Gleicher-Stellungsbeauftragte, über groteske Strafandrohungen, wenn man mal versehentlich falsch "gendert", oder darüber, dass man schon gleich seinen Job riskiert und mit einem Bein im Gefängnis steht, wenn man bloß mal einen dreckigen Witz reißt - während Feministinnen gleichzeitig hemmungslos auf Männern rumtrampeln und so richtig bösartig Gift spritzen dürfen, da passiert NULL. Selbst für erwiesene Falschbeschuldigungen mit verheerenden Folgen für die betroffenen Männer wird höchst selten mal eine strafrechtlich belangt, von zivilem Schadenersatz ganz zu schweigen. Für diesen ganzen Komplex linksfeministischer Auswüchse macht man mich als Transe pauschal mitverantwortlich und wünscht mich dafür zum Teufel, sobald's politisch wird; dabei hatte ich mit all dem noch nie was am Hut und schreibe öffentlich schon seit Jahrzehnten dagegen an. Aber das wissen halt nur die, die mich näher kennen. Alle anderen werfen mich als Transe mit Linksfeminismus und Rotgrün automatisch in einen Topf.

Freilich haben die Linken uns lange Zeit protegiert (ohne uns allerdings jemals gefragt zu haben, ob wir das überhaupt wollen), und manchmal haben wir davon sogar profitiert. Aber gleichzeitig haben sie uns auch kräftig instrumentalisiert und als Galionsfiguren für allen nur erdenklichen Schwachsinn missbraucht, für den man uns im kommenden Backlash die Rechnung präsentieren wird. Dabei sind wir doch eigentlich von der Sache her eine völlig unpolitische Gruppe, die mit den allermeisten Streitpunkten zwischen "links" und "rechts" primär gar nix zu tun hat. Der Backlash trifft uns zwar bloß en passant - trotzdem kann er uns als kleine Minderheit tödlich treffen. Ich fürchte, wir werden schon in wenigen Jahren sehr bereuen, jemals so mit rotgrün verbandelt gewesen zu sein, weil der Profit in keinem Verhältnis zum späteren Schaden steht. Man wird uns nicht nur für ALLE politischen Fehler der Rotgrünen hinterher pauschal mitverantwortlich machen; man wird uns in der Folge auch ähnlich dämonisieren, wie es die Linken jetzt mit "Rrächts" versuchen. Wir sollten uns aus diesem Konflikt schon von vornherein so weit wie nur irgend möglich raushalten - sonst werden wir da gnadenlos zwischen den Fronten zerrieben.

So - das wurde jetzt mal wieder eine monsterlange Mail (sie kürzer zu machen hätte noch viel länger gedauert). Aber ich musste mir das dringend mal von der Seele reden. Ich weiß, dass ich Einigen hier damit böse auf den Schlips trete; die "Diskussion" danach wird wohl wieder mal wüst werden. Ist mir diesmal aber egal, angesichts der dramatischen Lage. Hauptsache, wenigstens ein paar Leute lesen es und lassen es sich mal durch den Kopf gehen.
Herzliche Grüße
Wally
Lina
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Re: Elon Musk und ich

Post 35 im Thema

Beitrag von Lina »

Jetzt habe ich in etwa die ganzen Posts durchgelesen und stolpere wieder auf die eine ewig zurückkehrende Frage. Zumindest wird die Frage immer wieder auftauchen, wenn ich dabei bin:

Warum reden so viele Leute hier überwiegend von der Physiologie und der Biologie? Die Rechten tun es. Shapiro tut es. Die Feministen tun es. Und viele LGBT+ Personen springen ohne zögern auf den Wagen und reden überwiegend von Physiologie. Das ist doch der geringste Anteil von dem Ganzen. Sicherlich ist eine MzuF Transsexuelle biologisch gesehen ein Mann. Aber das da mit Mann und Frau funktionierte ausgezeichnet unter Menschen viele 100.000 Jahre, ohne dass man Wörter für "Mann" und "Frau" brauchte. Es ist also offenbar nicht wegen der Biologie, dass man diese Bezeichnungen brauchte. Die entstanden zusammen mit der Kultur und der Sprache. Dann muss man sich logischerweise auch fragen, wofür Genderbezeichnungen oder andere Wörter, die Hinweise auf Gender enthalten, benutzt werden? (Bei mir auf Malta wäre das z.B. auch Verben). Werden sie überwiegend benutzt um biologische Interaktionen zu beschreiben? Oder eher sozio-kulturelle Interaktionen?
Das lässt sich ja einfach nachweisen - einfach einen Namen wie Ursula von der Leyen in die Suchmaschine eingeben. Und was kommt aus? Seitenweise von Links, wo man lesen kann, was für eine Stellung in der Politik, sie bezieht, welche Ausschüsse sie leitet, Gesetzesentwürfe von ihr usw. Ich habe KEINE EINZIGE Eintragung gefunden, wo es erwähnt wird mit wem oder wie, sie Sex hat, ob sie überhaupt Sex hat, was ihr Arzt bei der mutmaßichen Untersuchung gesagt hat.

Das geht mich auch nichts an, würde bestimmt jemand sagen. EBEN!!

Sie wird mit dem Pronomen "sie" erwähnt, in Maltesisch und ein paar andere Sprachen würde man auch die weibliche Form des Verbs benutzen - weil. Ja warum eigentlich. Wahrscheinlich weil sie in vieler Hinsicht der kulturellen Code nach als Frau gesehen wird. Wir WISSEN nicht mal, ob das biologisch stimmt. Sie könnte eine der Inter-Personen sein, wo sie äußerlich als weiblich eingestuft wird, mit einem Pseudo-Vagina und Hoden im Körper, entsprechende Chromosome. Aber das geht uns nichts an. Den Rechten, Shapirs, den Feministen auch nicht.

Also diskutieren wir jetzt Physiologie und Biologie, oder diskutieren wir in Wirklichkeit soziokulturelle Codes und Handlungsmuster? Wenn "ja", warum dann damit Zeit verschwenden Biologie zu diskutieren. Wenn TERFS, REchte, oder andere so wenig Selbstrespekt haben, dass sie sich nur als was Biologisches, oder als Sexobjekte sehen, oder so primitiv sind, dass sie andere nur als Sexobjekte sehen, mach sie darauf aufmerksam. Dann kann man gleich weiter gehen und das diskutieren, worum es WIRKLICH geht.
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Elon Musk und ich

Post 36 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Hauptsache, wenigstens ein paar Leute lesen es und lassen es sich mal durch den Kopf gehen.
Hallo Wally, das mache ich gerne, vor allem, daich in vielen Punkten eine andere Meinung vertrete.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Weil man diesen Satz am häufigsten von Feministinnen hört - freilich in einer ganz anderen Frage, die sich uns MzF schon aus körperlichen Gründen gar nicht stellt. ...Geht's auch ne Nummer kleiner?
Sicher, ich habe da bewusst einen Zusammenhang geschaffen. Der Punkt ist der, dass wir heute noch weit entfernt von einer Gleichberechtigung sind. Es existieren noch immer, sowohl für Frauen und für Transmenschen, eklatante Ungleichheiten. Die Parallele die ich scheinbar gezogen habe, basiert natürlich auf anderen Grundlagen. Aber i Kern sehe ich die Gemeinsamkeit darin, dass es noch immer nicht egal ist, wie ich mich darstelle.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Gerade eben bin ich wieder über den Ohrlöcher-Thread gestolpert. ... was müssen das für Lebensverhältnisse sein, in denen sich jemand bis in so belanglose Details hinein den Umgang mit seinem eigenen Körper vorschreiben lässt? ...Um mehr geht's doch da momentan gar nicht :?
Dieses Problem ist ja kein politisches und deshalb passt der Vergleich nicht. Hier geht es um Angst, Scham und andere Gefühle. Die Geschlechterkategorien sind aus meiner Sicht nach wie vor gefestigt und stecken in den jeweiligen Personen. Hier steht eine gesellschaftliche Prägung dahinter, die extrem gefestigt ist. Aber diese Prägung ist ein Eingriff in die persönliche Freiheit der Selbstbeschreibung. Duzu unten mehr.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Ich kenne das sehr gut aus meinem eigenen, transsexuellen Werdegang: die allermeisten Widerstände gegen den jeweils nächsten Schritt kamen aus mir selber.
Da bin ich ganz bei Dir. Das sind ja gerade die Punkte, die ich oben beschrieben habe. Nur, man muss die Konsequenzen tragen wollen und können, wenn man sich auf den Weg macht, sein Leben selbstbestimmt zu führen. Ich kenne die Widerstände, die Du beschreibst, von mr selber. Und meine Frau zwinge ich damit, sich ebenfalls damit zu beschäftigen. Ausgang offen. Aber letztlich ist es auch aus meiner Sicht alternativlos, sonst bleibt man nur ein halber Mensch, aber vielleicht alleine. Ich muss stark sein, das zu riskieren und ich kann niemandem verdenken, wenn er/sie das nicht oder nur begrenzt schafft. Aber schade ist es allemal.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Erst eine Psychotherapie half mir dann schließlich Anfang der 90er Jahre aus dieser Sch....e heraus. ...1998 ließ ich mir die Brust aufbauen und kriegte das sogar von der Krankenkasse bezahlt - unter einer inzwischen seit 16 Jahren an der Macht befindlichen CDU-Regierung,..."
Hast Du schon vergessen, dass weite Teile des TSG als verfassungswidrig eingestuft wurden ? Regierungen wurden teilweise gezwungen, anders zu entscheiden. Das taten sie sicherlich nicht aus Einsicht.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 ... aber speziell für uns Transsexuelle war auch diese Regierung nie ein Problem, obwohl noch entschieden "rechtser", als es heute die AfD ist.
Beide Punkte bestreite ich. Vielleicht hast du das nie so empfunden oder wollest es nicht empfinden. Aber die Benachteilungen waren definitv stärker als heute. Und wie kommst Du darauf, dass die CDU damals "rechter" war ? Was verstehen wir unter AfD ? Ich denke, sie ist extrem konservativ in weiten Teilen aber auch rechtsextrem. Man kann in einem demokratischen Sinn Punkte im Wahlprogramm diskutieren. Aber interessant ist doch, dass ich keinerlei Hinweise sehe, dass sich diese Partei vom Rechtsextremismus distanziert und dafür sorgt, dass sie als demokratische Partei anzuerkennen ist. Auch in der Weimarer Republik gab sich ein Hitler den Anschein, es sei ja demokratisch. Seine Lügen hat er ja selber bestätigt. Da darf man schon sensibel sein, denn die Parallelen sind offensichtlich.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Schon seit den 70er Jahren stellten sich meine Ängste und Bedenken vor jedem weiteren Schritt Richtung Frau immer und immer wieder als Schimäre heraus: ich selber hatte meinen Mitmenschen eine transfeindliche Haltung unterstellt, von der dann real in der Transition kaum jemals etwas sichtbar oder spürbar wurde.
Dazu habe ich oben schon etwas geschrieben. Ich halte es den Menschen zugute, wenn sie meinen Ausdruck von Weiblichkeit akzeptieren. Dafür bin ich sehr dankbar. Aber auch hier zeigt die Geschichte, dass diese Menschen wahrscheinlich schweigen werden, wenn sie entsprechenden Druck verspüren.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 In der Rückschau auf all diese Jahrzehnte mutet es mich heute höchst skurril an, überhaupt irgendeine Verbindung zwischen Politik und Transfeindlichkeit zu vermuten. ...Es war nicht Parteipolitik, sondern der gesamte Zeitgeist, der sich zwar langsam, aber in der Summe der letzten 50 Jahre um so radikaler gewandelt hat. Die Politik hat sich dem stetig angepasst.
Ganz so einfach sehe ich das nicht. Der "Zeitgeist" ist etwas, das durch viele Menschen gegen äußeren Druck erkämpft wurde. Das ist sogar in totalitären Staaten gelungen. Aber wo stehen wir heute. Weltweit betrachtet sind unsere Recht bedroht oder werden sogar zurück geschraubt. Russland, Uganda, Ungarn, USA etc. sind nur Beispiele. Und überall nimmt sich die Politik das Recht heraus, Menschen in ihren Rechten einzuschränken und vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Ich werde niemals einer Partei vertrauen können, die so etwas schreibt:
Das Geschlecht wird durch die Geschlechtschromosomen bestimmt. Wir sehen es kritisch, dass „Geschlechtsumwandlungen“ zunehmend bagatellisiert werden.
Quelle: AFD-Programm 2021

Mal von der Begriffswahl abgesehen, kann ich das als eine Pathologisierung von Transmenschen deuten. Wir als Transmenschen kommen in dem Programm nämlich gar nicht vor.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Einer heutigen Partei in Deutschland - egal welcher - eine "Nazi"-Ideologie zu unterstellen, ist schon an sich absurd, weil diese Ideologie in einer völlig anderen Welt und Zeit wurzelte, deren Denkweise für heutige Generationen kaum noch nachvollziehbar ist...
Wenn man Nazi-Ideologie nur als das versteht, was im dritten Reich Stand war. auch eine AfD kann sich weiter entwickeln und an die moderne Welt anpasst. Ich glaube gerne, dass es Menschen in der AfD gibt, die durchaus demokratisch eingestellt sind. Aber das ist nicht der Punkt. Es sind auch Menschen am Werk, die absolut skrupellos sind. Sie sind die Wölfe, vor denen man Angst haben muss. Sie sind für mich der Maßstab, an dem ich die AfD messe, denn sie werden jeden Widerstand auch der gemäßigten in der AfD brechen.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Die Sprache, die Wortbedeutungen, die Ansichten, der Zeitgeist, das ganze, politische und wirtschaftliche Umfeld - einfach ALLES hat sich allein schon in den 25 Jahren seit der Jahrtausendwende so radikal gewandelt ...
Echt jetzt ? Schau mal hier:

https://www.tagesschau.de/investigativ/ ... r-100.html

Und das soll nicht besogniserregend sein ?

Oder hier:
https://www.tagesschau.de/multimedia/se ... 01212.html

Die Beziehungen zu gewaltbereiten Szene sind offensichtlich. Im Programm der AfD steht beispielsweise:
Der Linksextremismus überschreitet zunehmend die Schwelle zum Linksterrorismus. Wir fordern daher verstärkte Anstrengungen im Kampf gegen den Linksextremismus....
Gewalttätige und -unterstützende linksextremistische und autonome Gruppen, die der sogenannten Antifa zuzuordnen sind, sind als terroristische Vereinigung einzustufen. Die von der Bundesregierung beabsichtigte Privilegierung von „Antifa-Recherchen“ muss verhindert oder ggf. umgehend abgeschafft werden.
Und was ist mit der rechten Gewalt ? Sie kommt nicht vor. Ist sie deswegen tolerabel oder marginal ?
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Die Nazis haben zwar gewissenlos, aber trotzdem (aus ihrer damaligen Sichtweise) rational und interessengeleitet gehandelt; das waren keine Teufel, die alles nur irgendwie denkbare Böse einfach nur um des Bösen willen getan hätten. Sie waren menschliche Verbrecher!
Die Distanzierung "Verbrecher" reicht mMn hier nicht aus. Jede Partei und jeder Mensch handelt interessengeleitet. Das ist eine massive Verharmlosung. Dass sie Teuflisches vor hatten, wurde bereits viele Jahre vor der Machtergreifung dokumentiert und bekannt.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Die Transfeindlichkeit, die sich gegenwärtig in den USA breit macht und - wie jeglicher Zeitgeist seit 80 Jahren - wohl bald auch zu uns herüberschwappen wird, hat nichts mit "Nazi" zu tun: sie ist komplett neu, es gab sie so noch nie!
Steile These, die ich bestreite. Ich denke nur einmal an die Geschehnisse um den Stonewall Inn.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 weite Teile der amerikanischen Bevölkerung haben mittlerweile einfach die Schnauze voll von den immer groteskeren Auswüchsen "woker" Indoktrination und Bevormundung, von ideologischer Gleichschaltung der Medien, von Universitäten, in denen Hautfarbe mehr zählt als Sachkompetenz, von "politisch korrekten" Sprachregelungen, von der ständigen Zunahme gar nicht mehr verfolgter Kleinkriminalität, vom Zusammenbrechen der in den USA eh schon schwachen Sozialsysteme usw.
Das mögen die Leute so denken, aber das ist in meinen Augen falsch. Hinter den meisten dieser Dinge stehen berechtigte Ansprüchen aus den Reihen der Benachteiligten. Beispiel Sprache: Sie formt unser Denken. Das dürfte unbestritten sein. Ein Satz wie "die weibliche Form wird mitgedacht" ist schlicht Blödsinn. Es bleibt die fehlende Gleichberechtigung. Und was die Sozialsysteme in den USA betrifft. Gerade sie werden jetzt wieder zurück gedreht. Die amerikanische Regierung hat sich die Ausweitung der sozialen Schere auf die Fahnen geschrieben. Und das soll Fortschritt sein ?
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Eben all das linke Zeug, das der "Marsch durch die Institutionen" auch dort verbrochen hat - zweifellos mehrheitlich in guter Absicht, aber dann schlecht gemacht, weil Kompetenz nun mal nicht ungestraft durch Ideologie ersetzt werden kann.
Wo sitzen denn die Ideologen ? Doch in der AfD:
Wir fordern dagegen die Wiederherstellung des grundgesetzlich garantierten, besonderen Schutzes der Familie.
AfD-Programm 2021

Wurde der jemals abgeschafft oder eingeschränkt ? Das wäre mir neu. Er wurde erweitert, um auch Menschen zu schützen, die andere Lebensformen bevorzugen. Ist das "Ideologie linksgrüner Seite" ? Oder
Das biologische Geschlecht wirkt sich unmittelbar auf viele Verhaltensaspekte von Männern und Frauen aus. Die Geschlechtsrollenbilder in den verschiedenen Kulturen bauen darauf auf. Sie können variieren, allerdings darf der Einfluss kultureller und sozialer Aspekte nicht überschätzt werden. Der Mensch ist kein beliebig umformbares Geschöpf, sondern bewegt sich stets in den von der Natur gesetzten Grenzen.
Nicht schlecht. Bestimmt dann die AfD wie diese "Grenzen der Natur" aussehen?
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Solange es den Leuten gut ging, haben sie diesen ganzen, ethisch-moralischen Schwulst gerne als Nachtisch angenommen.

Ethisch-moralischer Schwulst ? Wally, auch Du lebst in Deinem Transdasein von dem "Schwulst". Es ist die Grundlage unseres Grundgesetzes.
Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Primär betrifft das alles uns Transsexuelle eigentlich gar nicht. Persönlich sind die Leute seit Jahren unverändert freundlich zu mir, wenn ich in Kleid und Pumps daherkomme ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Elon Musk und ich

Post 37 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Wie Walli schrieb, wurden trans Personen vor, während und noch lange nach der NS-Zeit unter "homosexuell" geführt. Insbesondere Menschen mit männlichem Zuweisunggeschlecht. Das betrifft auch alle Menschen, die sich heute dem Spektrum von Crossdresser bis trans (und sogar nichtbinär) zuordnen würden.

Wie die NS-Regierung 1933 bis 45 mit Menschen umgegangen ist, die nicht cis / hetero waren, ist dokumentiert. Sie wurden wegen "Sittlichkeitsverbrechen" verhaftet, verurteilt, in KZs, Gefängnisse oder Psychiatrie gesteckt, sterilisiert, gefoltert und umgebracht.

Es ist dabei letztlich ziemlich egal, unter welchem Label nicht-cis Personen einsortiert wurden. Verhaftet, gefoltert, getötet wurden sie, weil sie nicht den Anforderungen an "Mann" entsprachen. Ja, die meisten Frauen wurden in Ruhe gelassen (ausser wenn sie "zu männlich" waren). Aber der Grund war, dass sie eh keine Rolle spielten.

Diese Verfolgung war kein Zeitgeist der 30er, sondern grundlegend in der Bevölkerung. Davor, während und danach. Die Nazis konnten einfach darauf aufsetzen und alle, die wir irgendwie zu LGBTQIA* zählen würden, zusammen mit anderen Minderheiten mit vernichten.

Diese generelle Abneigung gegen non-cis / non-hetero in der Bevölkerung wurde auch uns beigebracht. In hässlichen Bemerkungen, in platter Abneigung gegen Schwule und Lesben (und trans Personen sowieso), durch lächerlich machen, Berichte von Misshandlungen usw. Wir haben sie verinnerlicht und sie machte vielen von uns das coming-out und Transition häufig sehr schwer und qualvoll.

Liebe Leute: Die Skrupel und Zweifel von vielen hier, sich Klamotten zu kaufen, sie öffentlich zu tragen, sich Partner*innen und Freundys gegenüber zu outen, das ist genau der gleiche Geist, der in vielen Köpfen noch immer rumspukt, und den wir im Alltag, Medien, Politik erleben. Er erzeugt das Gefühl "nicht normal" zu sein. Das bedeutet: Das private ist politisch.

Dass wir es heute vielfach besser haben, ist nicht wirklich Verdienst der Politik, sondern von aktivistischen Gruppen und Menschen, die sehr viel Sichtbarkeit in widrigen Zeiten gezeigt haben.

Es ist auch Verdienst neuerer feministischer Bewegungen ("dritte Welle"), die Intersektionalität und den Blick auf grundlegende Strukturen eingeführt haben. Sie werden von "konservativer" (und natürlich rechter) Seite bekämpft wie eh und je. Da hat sich seit Jahrzehnten nichts verändert.


Kleiner historischer Rückblick auf non-cis/non-hetero Belange?

Die liberalste Blase der 20er Jahre in der gesamten westlichen Welt war Berlin. Magnus Hirschfeld hat mit seinem Institut für Sexualwissenschaft bahnbrechende Forschungen betrieben, überhaupt mal Phänomene beschrieben, ganz praktisch das tragen "gegengeschlechtlicher Kleidung" überhaupt legal möglich gemacht, und sogar die ersten medizinischen Massnahmen für trans Personen durchgeführt.

Ohne einen "Transvestitenschein", den Hirschfeld mit der Berliner Stadtregierung ausgehandelt hatte und der nur in Berlin galt, war Crossdressing nämlich bereits seit der Kaiserzeit strafbar. Die Stonewall-Riots (Christopher Street) würden übrigens wegen genau solcher Vorschriften ausgelöst, die die New Yorker Polizei, genau wie deutsche Polizei bis in die Nachkriegszeit, als Vorwand für Razzien und Verhaftungen nutzte.

Berlin bot bis 1933 dank Hirschfeld und seinen Mitarbeiter*innen ein Maß an Möglichkeiten für non-cis/non-hetero Menschen, das wir in Deutschland erst ungefähr in den 80er/90er Jahren wieder erreicht haben. Statt des "Transvestitenscheins" gab es (seit irgendwann in den 90ern, oder?) den dgti Ergänzungsausweis, der aber erst seit 2016 offiziell vom BMI anerkannt wird.

Das Institut und Hirschfeld selber waren den Nazis so zuwider, dass sie es 1933 als erstes Ziel ihrer Bücherverbrennungen ausgewählt haben (6. Mai 1933). Hirschfeld selber war zu dem Zeitpunkt schon im Exil.

Die Nazi-Regierung verschärfte den §175 (sexuelle Handlungen unter Männern, "widernatürliche Unzucht") aus der Kaiserzeit. Die Geschichte kann bei Wiki nachgelesen werden. Wie gesagt war "trans" nur deshalb kein Thema, weil ein von den sichtbaren Geschlechtsmerkmalen abweichendes Identitätsgeschlecht überhaupt kein Konzept war.

Merke also: Bis in die ca. 1970er war "trans" quasi gleichbedeutend mit homosexuell. Wer sich als Mann nicht an die Geschlechtsnormen hielt, war schwul. Was schwulen Männern angetan wurde, wurde genauso mit trans Personen getan.


Nach 1945 wurde der §175 in West-Deutschland quasi unverändert übernommen und auch so weitergeführt. Auch da gab es noch kein Konzept von Transidentität. Die Verfolgungen und - "streng rechtstaatlichen" - Verurteilungen zu Zuchthaus, Vernichtung der bürgerlichen Existenz schon bei Verdacht, usw gingen quasi unvermittelt weiter bis 1969, als die ersten Teile der großen Strafrechtsreform in Kraft traten: FDP und SPD gegen erheblchen Widerstand der CDU/CSU.

Reformiertes Strafrecht hiess freilich weder Akzeptanz in der Bevölkerung noch in der Politik. Wer nicht cis genug oder nicht hetero genug war, blieb besser im Schrank. Siehe soagr noch Kiessling (1984), Sedlmayr (1990). Öffentliche trans Personen? Also ausser Romy Haag und Charlotte von Marksdorf? Ah, Lilo Wanders. Ausdrücklich Transvestit. Nunja.

Und auch die Polizeien legten mindestens bis 2011 noch Rosa Listen an: "NRW: Skandal um Rosa Liste bei Polizei".


In der Politik hat sich allerdings seit den 1970ern kaum etwas verändert. Jedenfalls bei den Konservativen. Klingt komisch? Dann schaut hier:

In den 1970er Jahren gab es in der sozial-liberalen Regierung erste Ansätze für ein TSG, aber richtig Druck gemacht hat erst eine Entscheidung des BVerfG 1978; mal wieder.

Ich empfehle, mal die Redebeiträge im Bundestag dazu (1.Lesung, 2.+3.Lesung) mit denen zum SBGG (1.Lesung, 2.+3.) zu vergleichen. Es sind im Kern die gleichen Themen, damals noch strikter an der cis-hetero Familie orientiert. Kleine vs große Lösung, Scheidung wg Verhinderung gleichgeschlechtlicher Ehen, Kinder von trans Eltern, Zugang zu Räumen "des anderen" Geschlechts ohne OP ("deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts"), usw.

Aus der Begründung des Bundesrats, der 1980 mit der CDU/CSU-Mehrheit der Länder den Vermittlungsausschuss angerufen hat:
Dagegen besteht die Gefahr, daß bei einer kleinen Lösung, die nur geringere Voraussetzungen, insbesondere keine operativen Eingriffe, erfordert, auch Personen die durch das Gesetz eröffneten Möglichkeiten in Anspruch
nehmen, die nicht zum Kreis der Transsexuellen gehören. Insbesondere besteht ferner die Gefahr, daß eine erleichterte Möglichkeit der Vornamensänderung bei Personen, bei denen eine gewisse transsexuelle Veranlagung vorhanden ist, dazu führt, daß sie voreilig den „Umstieg" zum anderen Geschlecht versuchen, obwohl andere Auswege gegeben wären. Diese Gefahr kann nach den Erfahrungen in Schweden nicht ausgeschlossen werden: Dort wird die Zahl der Personen, auf die die dortige Regelung anwendbar ist, auf 7 bis 8 pro Tausend der Bevölkerung geschätzt, während für die Bundesrepublik Deutschland geschätzt wird, daß es insgesamt bis zu 5000 Transsexuelle gibt, d. h. etwa 7 bis 8 auf Einhunderttausend der Bevölkerung. Außerdem sind in den wenigen Jahren der Geltung der schwedischen Regelung dort schon mehrere
Fälle bekannt geworden, in denen eine Rückumwandlung begehrt wurde, obwohl nach bisheriger medizinischer Erkenntnis Transsexualismus irreversibel ist. Eine gesetzliche Regelung darf also nicht so ausgestaltet sein, daß sie transsexuelle Neigungen fördert und weitaus mehr Menschen, denen an sich auf andere Weise geholfen werden könnte, krank macht, als sie Kranken Hilfe bringen kann. Gegen die „kleine Lösung" spricht insbesondere auch die damit geschaffene Möglichkeit, schon frühzeitig in der Rolle des anderen Geschlechts aufzutreten. Dies sollte gerade verhindert werden, um eine vorzeitige Fixierung einer noch
nicht ausgereiften Persönlichkeit auf den Transsexualismus nicht zu fördern. Im übrigen ergeben
sich, wie schon die bisherigen Erfahrungen gezeigt haben, für die betroffenen Personen, soweit eine körperliche Anpassung an das Gegengeschlecht nicht vorgenommen wurde, beim Auftreten in der Rolle des Gegengeschlechts zahlreiche Schwierigkeiten und Peinlichkeiten, die vermieden werden sollten
(PDF, 27.6.1980)

Zusammengefasst: Trans ist nach deren Auffassung nur, wer ein für alle Mal rechtlich und körperlich zum "anderen" (binären) Geschlecht wechselt, nach allen Klischees und Stereotypen und mit maximalem Aufwand. Auf jeden Fall sollen die Hürden mögichst hoch sein, um die Zahlen klein zu halten.

Das heisst: Allein schon in der konservativen Denke hat sich seit über 45 Jahren quasi nichts verändert. Alle rechtlichen Fortschritte sind durch erfolgreiche Verfassungsbeschwerden und sehr viel Akzeptanzarbeit in der Öffentlichkeit zustande gekommen. Gegen den gleichen erklärten Widerstand. Und über die anti-trans Tiraden der Rechtsextremen brauchen wir da gar nicht erst zu reden. Da ist ja schon die grundlegende Akzeptanz nicht da. Allerhöchstens wenn sie sich eben genau diesen alten Vorstellungen unterwerfen.

Inzwischen ist wissenschaftlicher Konsens, dass trans nicht 0/1 ist. Es gibt nicht nur zwei Geschlechter (weder in Biologie noch Identität), Prozesse und Entwicklungen sind fliessend. Die wahre Zahl an nicht-cis-Personen liegt eher bei 1-4% statt 0,7 oder gar 0,007%, wie oben für D angenommen.

Sprich: Die gesellschaftliche Tabuisierung, das Verschweigen, die Hürden und Schikanen lassen Menschen leiden. Je restriktiver, desto mehr. Je nach Rechtslage wagen nur jene eine Transition, die besonders resilient sind oder besonders unempfindlich oder in einer privilegierten Situation (Geld, Umfeld), und die sich "dem anderen Geschlecht" so annähern können und wollen, dass sie auf der anderen Seite möglicherweise eine gewisse Akzeptanz erfahren, weil sie sich "den anderen" Konventionen fügen wollen und können.

Ich weiss aber auch aus meinen Bekanntschaften mit Menschen, die vor Jahrzehnten ihre Transition hatten, dass sie, wie Walli es beschrieb, erst mithilfe einer Psychotherapie aus der Verstrickung von Anforderungen und Konventionen heraus gekommen sind. Die ihnen zur Akzeptanz ihres Wesen verholfen hat, ihnen Möglichkeiten aufgezeigt und sie begleitet hat, wo ihr Umfeld mindestens unverständig, aber auch keinen Fall akzeptierend war.


Fazit: Auf "konservativer" und rechter bis rechtsextremer Seite hat sich nichts getan. Die Wortwahl mag moderner sein, aber die Denke ist die gleiche: Zwei biologische Geschlechter, die gleichzeitig die gesellschaftlichen Rollen und die Dominanz von Männern festlegen. Keine Grauzonen und (binäre) Übergänge nur für jene, die maximalem Druck und willkürlichen Hürden standhalten. Die Zahlen und Konsequenzen klein halten, damit sich an den zweigeschlechtlichen - und patriarchalen - Strukturen bloss nichts ändert.

Trans Personen sind ihnen im Grunde eine Abscheulichkeit, selbst wenn sie es nicht so offen sagen wie Weidel, Storch und Co. Aus dem einfachen Grund, weil wir in Frage stellen, wie Männer und Frauen sein sollen, ebenso wie die Zuschreibungen zu den Geschlechtern.

Jede trans Person ist ein Beispiel dafür, dass biologistischer Unfug von "zuhören und rückwärts einparken" über "Frauen in Führungspositionen" bis zu Mario Barth einfach falsch ist.

Und das betrifft uns trans Personen. Streng genommen alle nicht cis-männlichen Personen. Auch die, die sich sicher wähnen. Wenn die Leute ab Mitte CDU bis rechtsaussen können, dann werden sie gegen uns vorgehen. Und sie werden mit ihrer Gräuelpropaganda und diskriminierenden Vorgaben auf die gleiche Mischung aus schwelender Ablehnung und Mitläufertum in der Bevölkerung treffen, die zu jeder Zeit bereit war, Minderheiten zu drangsalieren und zu vernichten.
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Re: Elon Musk und ich

Post 38 im Thema

Beitrag von Shoshana »

Jedes mal wenn ich hier den Begriff "Backlash" lese, verkrampft sich etwas. Dieser Begriff impliziert, dass in der Vergangenheit einer i.d.R. privilegierten Gruppe etwas weg genommen wurde und diese sich das jetzt zurückholen will.
Was wird cis Menschen die sich in ihrer Rolle wohl fühlen z.B.durch das Selbstbestimmungsgesetz weg genommen? Nichts. Die werden von dem Gesetz doch gar nicht tangiert. Von daher könnte denen das Gesetz genauso egal sein wie jemandem der noch nie ein Boot besessen hat, die Verkehrsregeln auf dem Wasser. Ist es aber nicht. Komisch.
Jaddy hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 13:08 Die Wortwahl mag moderner sein, aber die Denke ist die gleiche: Zwei biologische Geschlechter, die gleichzeitig die gesellschaftlichen Rollen und die Dominanz von Männern festlegen.
Jaddy, das schreibst du was. Das patriachale Weltbild beruht ja auf der, je nach Gusto, natur- oder gottgegebenen Überlegenheit und damit Vorherrschaft des Mannes - geistig und körperlich. Das verträgt sich aber jetzt so gar nicht mit Menschen die sich der binären Zuordnung entziehen oder gar die Seiten wechseln. Das wäre ja viel zu kompliziert und könnte die Grundlage in Frage stellen.
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Re: Elon Musk und ich

Post 39 im Thema

Beitrag von Wally »

Shoshana hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 21:52 Jedes mal wenn ich hier den Begriff "Backlash" lese, verkrampft sich etwas. Dieser Begriff impliziert, dass in der Vergangenheit einer i.d.R. privilegierten Gruppe etwas weg genommen wurde und diese sich das jetzt zurückholen will.
Was wird cis Menschen die sich in ihrer Rolle wohl fühlen z.B.durch das Selbstbestimmungsgesetz weg genommen? Nichts.
Das siehst Du ganz richtig! Eben deshalb habe ich ja in meinem letzten Post so eindringlich darzulegen versucht, dass wir uns aus diesem Konflikt möglichst heraushalten müssen - und vielleicht auch können, weil das in Wirklichkeit gar nicht unser Konflikt ist.

Der Backlash betrifft im engeren Sinn die linksfeministische und "woke" Politik, im weiteren Sinn den ganzen Komplex "linker" Politik. Die Konservativen (nicht die "Rechten"; "rechts" ist als Nazi-Keule längst zu einem nichtssagenden Kampfbegriff verkommen, da versteht heute jeder was anderes drunter) setzen dagegen jetzt zum Backlash an. Das geht doch in Wirklichkeit gar nicht gegen uns, wir haben denen nie was weggenommen (jedenfalls nix Wichtiges - das "Selbstbestimmungsgesetz" halte ich nicht für substanziell); wir sind nicht notwendigerweise deren Feinde! Wir machen uns nur selber völlig unnötig dazu, indem wir uns kritiklos und einseitig mit linksfeministischer Politik identifizieren und die Konservativen zum Hauptfeind erklären. Und dann heißt's halt "mitgefangen, mitgehangen".
Herzliche Grüße
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Re: Elon Musk und ich

Post 40 im Thema

Beitrag von Michi »

Wally hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 02:12 Gerade eben bin ich wieder über den Ohrlöcher-Thread gestolpert. Da hat eine vor einiger Zeit berichtet, dass sie zwar gerne Ohrlöcher hätte, diese Vorhaben aber aus familiären Gründen "endgültig gecancelt" hat. Natürlich gibt's an dieser Entscheidung nichts zu kritisieren: jeder hat halt seine Prioritäten. Trotzdem krampfte sich da beim Lesen einiges schmerzhaft in mir zusammen: was müssen das für Lebensverhältnisse sein, in denen sich jemand bis in so belanglose Details hinein den Umgang mit seinem eigenen Körper vorschreiben lässt?
Ich bin über die Maßen erstaunt, wie du die Ursachen im Kleinen so klar benennen kannst, und zugleich im Großen kategorisch negierst.

Dabei ist diese Fremdbestimmung, das Verbieten unseres Seins, was Svenja (sbsr) durch ihre Frau erfährt, doch nur das Abbild dessen, was der konservative bis extrem rechte Teil der Gesellschaft mit uns vor hat!

Tatsächlich ist es .. wie du richtigerweise schreibst .. für andere völlig belanglos, was wir .. du, ich, Svenja .. mit unserem Körper machen. Und doch machen sie es zu einem Problem, zu einem Politikum! Es geht ihnen nur darum, Macht über uns auszuüben. Und du spannst dich vor deren Wagen, bist mit dabei, uns zu bekämpfen und bekämpfst damit auch dich selbst. Mag sein, dass du irgendwie den Gedanken hast, du könntest das verhindern, indem du bei denen mitmachst. Aber das ist ein Irrglaube. Höre zu, was Leute wie die Storch sagen! Die wollen uns .. auch dich .. ganz klar weg haben. Die werden uns weg sperren, wenn es ihnen möglich ist und in den Kram passt.

Zum Thema "Wegsperren":
Schon jetzt werden ja auf Grundlage der Neuerungen der Polizeigesetze der letzten Jahre nicht die Menschen in Haft genommen, für die die Präventivhaft vorgeblich gedacht war: für terroristische Gefährder, wie die, die in Mannheim, Halle oder Aschaffenburg. Die hat man wissentlich frei herumlaufen lassen, obwohl sie bereits mehrfach mit Straftaten in Erscheinung getreten waren! Stattdessen hat man ohne großes Aufheben in Bayern und anderswo junge Menschen in Präventivhaft genommen, weil sie für eine bessere Zukunft demonstrieren könnten!

Genau so kann und wird es uns .. auch dich .. treffen, wenn die AfD an die Macht kommt! Die Frage ist nicht "ob", sondern NUR "wann"!

Das ist kein Pessimismus, sondern Realismus!


Zu dem, was du sonst so schreibt, kann ich dir durchaus zustimmen. Wir stehen uns .. vor allem in der Anfangszeit .. selber sehr im Wege. Die Ursache dafür liegt ganz klar in der gesellschaftlich verbreiteten Transfeindlichkeit, die uns zwangsläufig geprägt hat, und die wir zumeist sehr stark internalisiert haben. Das lese ich auch aus den Worten über deine Entwicklung heraus.

Wally hat geschrieben: Fr 31. Jan 2025, 00:17
Shoshana hat geschrieben: Do 30. Jan 2025, 21:52 Jedes mal wenn ich hier den Begriff "Backlash" lese, verkrampft sich etwas. Dieser Begriff impliziert, dass in der Vergangenheit einer i.d.R. privilegierten Gruppe etwas weg genommen wurde und diese sich das jetzt zurückholen will.
Was wird cis Menschen die sich in ihrer Rolle wohl fühlen z.B.durch das Selbstbestimmungsgesetz weg genommen? Nichts.
Das siehst Du ganz richtig! Eben deshalb habe ich ja in meinem letzten Post so eindringlich darzulegen versucht, dass wir uns aus diesem Konflikt möglichst heraushalten müssen - und vielleicht auch können, weil das in Wirklichkeit gar nicht unser Konflikt ist.
Nein. Das ist ein klarer Fehlschluss. Sich unterwürfig und duckmäuserisch zu verhalten, mehr noch .. gegen Mitbetroffene zu wettern und damit im Endeffekt doch auch gegen sich selbst, hat noch nie dazu geführt, dass man seine Rechte zugestanden bekommt! Das sehe ich als unbestreitbar.

Wally hat geschrieben: Fr 31. Jan 2025, 00:17 Der Backlash betrifft im engeren Sinn die linksfeministische und "woke" Politik, im weiteren Sinn den ganzen Komplex "linker" Politik. Die Konservativen (nicht die "Rechten"; "rechts" ist als Nazi-Keule längst zu einem nichtssagenden Kampfbegriff verkommen, da versteht heute jeder was anderes drunter) setzen dagegen jetzt zum Backlash an. Das geht doch in Wirklichkeit gar nicht gegen uns, wir haben denen nie was weggenommen (jedenfalls nix Wichtiges - das "Selbstbestimmungsgesetz" halte ich nicht für substanziell); wir sind nicht notwendigerweise deren Feinde!
Doch, wir sind deren erklärte Feinde. Der Backlash ist Ausdruck konservativer, nationalistischer und rechtsextremer Gesinnung. Die opfern ganz gezielt Minderheiten, um Stimmung zu machen, Feindbilder zu pflegen und von den wirklichen Problemen abzulenken.

Wally hat geschrieben: Fr 31. Jan 2025, 00:17 Wir machen uns nur selber völlig unnötig dazu, indem wir uns kritiklos und einseitig mit linksfeministischer Politik identifizieren und die Konservativen zum Hauptfeind erklären. Und dann heißt's halt "mitgefangen, mitgehangen".
Das sehe ich anders. Du bist bereit, das perfide Spiel der Spaltung mitspielen, willst dich von denen separieren lassen, die dich unterstützen, und lässt dich gegen sie aufwiegeln.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Elon Musk und ich

Post 41 im Thema

Beitrag von Susi T »

Wollte nur Mal den Artikel reinschieben:
https://encyclopedia.ushmm.org/content/ ... azi-regime
So wie trans Frauen ganz normal als Schwul bezeichnet und beseitigt wurden, so wurden manche Lesbische als asozial beschuldigt, umerzogen oder umgebracht, mit dem Effekt das offenes Lesbisches Leben ebenso verschwand.
Also die Idee :" ich bin eine lesbische trans Frau" ging damals ganz sicher nicht auf(genauso wie manche homosexuelle Männer trotz hetero Ehe dran glauben mussten) und ob es heute helfen würde wage ich genauso zu bezweifeln.
Aber das Alter kann da tasächlich eine große Hilfe sein, damals wars wohl so, Narrenfreiheit sozusagen.
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Re: Elon Musk und ich

Post 42 im Thema

Beitrag von Shoshana »

Wally hat geschrieben: Fr 31. Jan 2025, 00:17 Der Backlash betrifft im engeren Sinn die linksfeministische und "woke" Politik, im weiteren Sinn den ganzen Komplex "linker" Politik.
Sorry, das ist substanzfreie Polemik.

Die Abschaffung der Sklaverei hat den Sklavenhaltern ihr praktisch kostenlosen Arbeitskräfte weg genommen.
Die Abschaffung der Monarchie hat den Fürsten, … ihre Machtfülle weg genommen.
Das Frauenwahlrecht hat den Männern ihren alleinigen Zugang zur Macht weg genommen.
Aber bis jetzt will sogar die AfD da nicht wieder zurück.

Jetzt konkret: Was hat die Politik der letzten 30 Jahre deiner Meinung nach wem weg genommen?
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Re: Elon Musk und ich

Post 43 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Shoshana hat geschrieben: Fr 31. Jan 2025, 09:08 Jetzt konkret: Was hat die Politik der letzten 30 Jahre deiner Meinung nach wem weg genommen?
Finanziell so einiges. Weniger netto, mehr brutto. Und wer wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand steht ist für gewisse Kreise empfänglicher. Allgemein gesagt jetzt, ich z.B. brauche mich ein Glück nicht zu beklagen.
Aber für die Beförderungslawine in den Ministerien jetzt kurz vor der Wahl fehlt mir allerdings jegliches Verständnis. Genauso wie für den Ausbau des Kanzleramtes für 700Mio. Erstmal. Wird eh das doppelte.
Oder, jedes Amt bekommt pro Jahr Zuschüsse für Neuanschaffungen, nicht das Sparen wird belohnt, nein, um den gleichen Betrag nächstes Jahr wieder zu erhalten müssen neue Sachen her. Da werden Büromöbel entsorgt die gut und gerne noch ein paar Jahre gut sind.
All solche Kleinigkeiten summieren sich dann zu einem Brei das Menschen von "abgehobener Kaste" sprechen.
Wie oft soll der 'Bund der Steuerzahler' das noch reklamieren?
"Es ist nicht die Zeit in deinem Leben, es ist das Leben in deiner Zeit." Bruce Springsteen
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Re: Elon Musk und ich

Post 44 im Thema

Beitrag von Shoshana »

Echt jetzt??
Was davon hat bitte mit dem postulierten "Backlash" zu tun?
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Re: Elon Musk und ich

Post 45 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Shoshana hat geschrieben: Fr 31. Jan 2025, 11:28 Echt jetzt??
Was davon hat bitte mit dem postulierten "Backlash" zu tun?
Beziehe diese Frage mal auf meinen Beitrag, und Ursachenforschung und die dann damit zusammenhängenden Auswirkungen warum etwas so kommt wie es kommt hat auch damit zu tun wie gut es den Menschen eben geht. Und wenn es den Menschen wirtschaftlich schlechter geht sind sie halt nervöser und die Toleranzschwelle sinkt. Das Hemd ist näher wie die Hose, vereinfacht gesagt. Und dann kommt es zu Gegenströmungen, aka "Backlash".
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