Liebe Anja,
Anja61 hat geschrieben: Fr 13. Dez 2024, 12:50
Aber ich weiß nicht, wohin das führen wird. Damit meine ich weniger meine Beziehung. Wohin wird sich Anja entwickeln? Nur Frauenkleidung anzuziehen, reicht ihr vielleicht nicht mehr. Eine kleine körperliche Veränderung wäre schon schön - aber die Risiken und Nebenwirkungen?
Das liegt in der Natur der Sache - wir sind auf der Suche nach unserer Identität oder unserem Selbst, und
können gar nicht wissen, was vor uns liegt.
Entscheidend ist, dass wir keine Antworten auf diese Fragen haben, bevor wir uns auf den Weg machen. Vicky-Rose hat mal das Bild gezeichnet vom Nebel, in dem wir uns langsam voran tasten. Wir können weder den Weg klar erkennen, vielleicht sehen wir nur die nächsten paar Schritte, noch ist uns das Ziel bekannt. Wir wissen nicht, ob demnächst eine unerwartete Wendung vor uns auftaucht, oder ein Abgrund. Wir wissen auch nicht, wann der Nebel sich lichten wird, falls das überhaupt je geschieht. Und wo wir dann sein werden, können wir bestenfalls erahnen.
Es gibt sehr wohl Hinweise auf verschiedene Richtungen, die uns zu bestimmten Zielen führen mögen. Wir bekommen diese Anhaltspunkte von anderen Menschen, die irgendwann mal ähnlich planlos durch unbekanntes Terrain gestolpert sind wie wir, und die uns (hoffentlich!) mit brauchbaren Infos versorgen können.
Aber nicht jeder Weg ist für alle geeignet. Manche mögen es kurz und knackig, da darf es auch mal steil und steinig bergauf gehen. Andere brauchen einen bequemen, gut ausgebauten und abgesicherten Weg, wo sie vielleicht zugewandt Begleitung finden, um nicht alle Hürden alleine zu überwinden.
Was besser funktioniert, muss jeder selbst für sich herausfinden. Irrtümer eingeschlossen. Wo es hinführt, und wie weit, bleibt dennoch erstmal unklar.
Wären wir allein auf dieser Welt, könnten wir uns vielleicht unbefangen aufmachen, sobald wir unsere Angst vor dem Unbekannten einigermaßen in den Griff bekommen haben und bereit sind, uns auf etwas Neues einzulassen.
Nur dürfte das auf die Meisten nicht zutreffen. Da gibt's Partner, Kinder, weitere Familie, Freunde...
Gut, dann nehmen wir die halt mit auf unsere Wanderung, oder?
Das wird nicht ganz einfach werden. Oder wie wäre eure Motivation, euch von jemandem den Weg zeigen zu lassen, der sich nicht auskennt, und euch weder sagen kann, wo genau es hingehen soll, noch, wie lange es dauert?
So ähnlich geht es wohl den Menschen in unserem Umfeld, die wir "mitnehmen" sollten, wenn wir sie nicht verlieren wollen.
Ich glaube, die einzige Möglichkeit, sie mit in den Nebel zu nehmen, ist, wenn sie das selbst wollen. Und dabei können wir sie unterstützen, sich zu motivieren, ohne Kompass durch den Nebel zu gehen. Einfach weil unterwegs sein interessanter ist, als zu Hause rumzusitzen. Es eröffnet die Möglichkeit, erwas dazu zu lernen, sich selbst besser kennenzulernen und Dinge zu erfahren, von denen man vielleicht noch nie zuvor gehört hat. Ein bisschen Neugier und kindliche Unbeschwertheit sind dabei sicher hilfreich.
Dann stelle ich mir das sehr schön vor, wie wir so im Nebel stehen, mit einem für uns wichtigen lieben Mensch zusammen, und wir haben beide keine Ahnung, wo wir gerade sind und wie es weitergeht.
Aber wir sind nicht verloren, egal, wie grau und dick der Nebel auch sein mag.
Wir haben immer noch uns.
So lange wir uns gegenseitig nicht aus den Augen verlieren, sind wir auf dem richtigen Weg.
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal