Hallo Zusammen,
die Rückfahrt von Kiel nach Luzern war eigentlich schon fast Routine.
Am Morgen geduscht, rasiert und nur mit Gesichtswasser und einem dezenten Lippenstift versorgt.
Dann meinen BH, das Unterhemd, meine dicke dunkelgraue Strumpfhose, darüber das graue Strickkleid mit Oversized Rollkragen und unten meine Tamaris Halbschuhe (ca. 7cm).
Mit den Schuhen komme ich sehr gut klar, allerdings hat mir der Koffer beim Einsteigen in den ICE fast dem Knöchel gebrochen, als ich im Einstieg kurz gestrauchelt bin.
Die Taxifahrt zum Bahnhof war total entspannt und der Taxifahrer war echt nett. Allerdings ist er fast bei Rot über die Ampel gebrettert, weil er auf meine Schuhe geschaut hat, oder so.
Man hat schon gemerkt, dass er neugierig ist, aber er hat sich nicht fragen trauen. Und ich war um Sechs am Morgen noch nicht unbedingt kommunikativ.
Leider hatte ich im Zug ein Gegenüber, dass dauernd an seinem Laptop vorbei auf meine Oberweite gestarrt hat. Ich hab ihn dann einfach in ein Gespräch verwickelt (Woher/Wohin/ ach Sie sind Lehrer.... ).
Hier habe ich dann angesetzt und gefragt, wie es denn mit Transgendern in seinem Umfeld aussieht. Er müsste da doch bestimmt auch schon Kontakte gehabt haben.
Daraus hat sich dann wirklich eine recht entspannte Unterhaltung entwickelt, während der wir dann einfach mal die Laptops zugeklappt und zusammen einen Kaffee genommen haben.
Ich habe auch sehr viel aus seinem Umfeld erfahren, er natürlich im Gegenzug auch einiges von mir.
Leider musste er in Frankfurt umsteigen - bis dahin hatten wir wirklich die ganze Zeit gequatscht. Die Zeit ist bis dahin wie im Flug vergangen.
Sein "Nachfolger" hat sich dann kurz hinter Frankfurt gegenüber gesetzt und mit dem hatte ich leider nicht so viel Glück.
Zum Ersten hat er schon mal gleich sein Fahrgestell zu mir rübergestreckt, was ich ihm dann freundlich versagt habe.
Dann wanderte sein Laptop immer weiter über den Tisch - auch hier musste ich ihn auf die Grenze zwischen seinem und meinem Bereich hinweisen.
Beim dritten Mal Füsse ausstrecken hab ich ihn "ganz aus Versehen" voll mit dem Absatz auf dem Fußrücken getroffen, als ich auf Toilette musste.
Ich habe ihm dann klar gemacht, dass das gleich nochmal passiert, sollte er seine Kackstelzen nicht auf seiner Seite behalten.
Zu seinem Glück hat er auf eine Eskalation der Lage verzichtet und sich kurz darauf einen anderen Platz gesucht.
Aber auch dort ist er sofort mit seinem Gegenüber ins Gehege gekommen.
Der Highlight der Fahrt war die Zugbegleiterin, die mich als Frau angesprochen hat, obwohl meine Bahncard und das Ticket auf meinen Boyfriend ausgestellt waren.
Das hat bei mir richtige Glücksgefühle ausgelöst.
Wirklich richtig doof angestarrt wurde ich dann in der S-Bahn nach Hause. Zum Glück nur 2 Haltestellen.
Zwei Jugendliche. Sie haben aber die Klappe gehalten.
Ich hätte nach der langen Fahrt wahrscheinlich auch nicht mehr viel Geduld mit ihnen gehabt.
Gegen 17 Uhr war dann der Koffer in der Wohnung und ich recht schnell auf der Couch.
Ich habe die Fahrt genossen und klar, auf dem Weg zur Toilette und so, gab es schon manch verwirrten Blick, aber so was muss man auch mal aushalten können.
So was Mausgraues wie mich sieht man ja nicht alle Tage durch den ICE stöckeln.
LG
Christiane