Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein
Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein - # 2

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
Susi T
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 16 im Thema

Beitrag von Susi T »

Seid wann tragen Frauen Lumpen um nie gesehen zu werden?
Ich glaube mit Schwarz/Weiß kommen wir hier nicht weit.
Hatten uns erst letztens im kleinen Kreis unter Frauen unterhalten warum die Einschätzung das Frauen nurnoch Hosen und Sneaker tragen falsch ist. Wir können uns Heutzutage aussuchen was wir tragen, es wird deutlich weniger vorgeschrieben. Wenn uns danach ist machen wir uns chick und wenn nicht reicht eben auch ne Hose und Pulli.
Bei Unterwäsche ist das nicht anders, wenn mir danach ist trage ich was schickes und nicht immer beabsichtige ich einen Zweck. Natürlich fühl ich mich sexy wenn ich gut aussehe, das geht fast jeder Frau so die sich in Schale schmeisst, sonst würde sie es nicht machen.
Wenn ich mich fertig mache um raus zu gehen fühle ich mich besser, wenn ich es nicht machen würde, würde ich Möglicherweise an Dysphorie eingehen. Warum sollte ich mir sowas antun? Was soll falsch daran sich gut zu fühlen? Was dafür nötig ist, ist nunmal bei allen unterschiedlich. Meine neu entdeckte Sexualität hilft nicht nur das ich mich wohl fühle, ich habe eine riesen Entwicklung in Sachen Hrt gemacht. Etwas was nicht unüblich ist und immer wieder zu hören ist. Bleibt nur die Frage was normal und unnormal ist. Wer bestimmt das und warum sollten wir uns bestimmen lassen?
Was im Schlafzimmer passiert geht niemanden etwas an solange niemand zu Schaden kommt pflegt meine Thera zu sagen und so ganz Unrecht hat sie da wohl nicht.
Liebe Grüße, Tira (flo)

Was mich aber auch stört ist wenn wir auf Sexualität reduziert werden. Meine Transistion hat im Ursprung damit Null zu tun.
Weswegen mich der Begriff Sexualität im Zusammenhang mit Trans oder Inter massiv stört. Denn niemand begreift das damit nicht Sex gemeint ist.
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Aria
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 17 im Thema

Beitrag von Aria »

Tira hat geschrieben: Mi 30. Aug 2023, 12:15 Bei Unterwäsche ist das nicht anders, wenn mir danach ist trage ich was schickes und nicht immer beabsichtige ich einen Zweck. Natürlich fühl ich mich sexy wenn ich gut aussehe, das geht fast jeder Frau so die sich in Schale schmeisst, sonst würde sie es nicht machen.
Tira, sich in seiner Kleidung sexy fühlen und sich durch seine Kleidung sexuell erregt fühlen, sind für mich himmelweite Unterschiede.

Im übrigen, können sich auch Männer in ihrer Kleidung sexy fühlen. Keine Ahnung, warum das immer nur den Frauen zugeschrieben wird.
¡no lamento nada!
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 18 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Liv hat geschrieben: Di 29. Aug 2023, 17:12 Ich will auch mal feiern, tanzen und die Sau rauslassen, begehrende Blicke auf mir spüren. Das Spiel mit meinen weiblichen Reizen gehört da ganz selbstverständlich dazu und ich sehe das auch als integralen Bestandteil meiner Sexualität. Aber es ist immer ein Drahtseilakt, dessen bin ich mir bewußt.
hey..

das fand ich in deinem Post ein gutes Statement.
Nicht ich reize mich sondern ich reize andere und das hat was..das muss ja auch nicht über die Kleidung passieren.
Es gibt auch so viele sprachliche Mittel, jemand zu reizen und das mache ich ultra gerne.

Mein Lieblingsmensch schreibt mir die Gabe zu, das ich alle Menschen irgendwie um den Finger wickeln kann.
Ich kann aber genauso hart abblitzen lassen und das ist ein Teil meiner Persönlichkeit, ich fände es schade
das weder nutzen zu dürfen noch drüber zu reden.
Und ich finde über Sexualität kann man reden, warum auch nicht, und oft reden Menschen darüber sogar ohne
was zu sagen.
Bei Sätzen wie "und dann hatten wir GV" denke ich mir und jetzt, war da was? Bestenfalls Schaumschlägerei für den
imaginären DarkRoom in Kopf.. das sagt kein bisschen was..

aber gut, ich red vielleicht auch zu viel

Alles Liebe Marie (flo)
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 19 im Thema

Beitrag von Liv »

Aria hat geschrieben: Mi 30. Aug 2023, 10:52 Du möchtest also damit sagen, dass es zur gängigen weiblichen Sexualität gehört, entsprechende Wäsche zu tragen und/oder FSH zu tragen um sexuelle Lust dadurch zu erlangen?
So ein Käse, da hast Du mich gründlich missverstanden! Ich habe weder über weibliche Sexialität noch über die Transsexuelle geschrieben. Ich bin nur der Meinung das viele transvestitische Fetische eine Ersatzhandlung für ein reales Ausleben vorhandener weiblicher Persönlichkeitsanteile sein können - wie stark auch immer diese ausgeprägt sein mögen. Erfahrungsgemäß lässt diese rein sexuelle Ausrichtung stark nach, wenn diesen Anteilen Raum gegeben wird, z.B. durch gemäßigtes Crossdressing außerhalb der eigenen vier Wände. Die weitere persönliche Entwicklung ist dann höchst individuell, kann aber bis zu einer Disphorie reichen.
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 20 im Thema

Beitrag von Malvine »

Liv hat geschrieben: Mi 30. Aug 2023, 19:22 Ich bin nur der Meinung das viele transvestitische Fetische eine Ersatzhandlung für ein reales Ausleben vorhandener weiblicher Persönlichkeitsanteile sein können
Dem würde ich so spontan zustimmen. An mir selber habe ich beobachtet, das der Wunsch sich zu Hause in schöne Dessous zu hüllen nachgelassen hat, seit dem ich en femme in der Öffentlichkeit unterwegs bin. Ich habe auch nicht den Wunsch unter meiner Kleidung Dessous zu tragen - da muß es einfach praktisch für das Auftreten sein.
Dennoch betrachtet bei immer noch das männliche Auge die Frau im Spiegel. Ich möchte für mich selber attraktiv und begehrenswert sein.

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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 21 im Thema

Beitrag von Helga »

Interessanter und wichtiger Thread.
Die Kernfrage, die dahinter steht: "Darf ein Crossdresser beim Blick in den Spiegel sexuelle Erregung empfinden?" Die Antwort darauf: "Natürlich!" Für einen Menschen, der sich allgemein sexuell zu Frauen hingezogen fühlt, ist ein solches Empfinden durchaus folgerichtig.
Die Vorbehalte, die hiermit verbunden sind, spielen sich wie üblich nur im Kopf und wie häufig in der Vergangenheit ab. Transvestitismus und alles was damit zusammenhängt ist kein neues Phänomen, sondern seit Jahrtausenden bekannt. Neu ist allerdings, dass wir uns heute damit (zumindest in unserer Gesellschaft) völlig frei ausleben können. Früher war es illegal und fand im Verborgenen oder ggfs. im (bezahlten) Schutz eines Rotlichtviertels oder Bordells statt. Schlimmer noch: Ein Mensch, dem das männliche Geschlecht zugeschrieben wurde, der aber dauerhaft in der Rolle des weiblichen Geschlechts leben wollte, hatte keine Möglichkeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen - außer mit Prostitution. Dies ist leider in anderen Kulturen noch immer so. So hat sich in die Kollektivwahrnehmung das Stigma vom schwulen Mann eingebrannt, der sich als Frau verkleidet, um (unerfahrene) heterosexuelle Männer zu verführen. Klassiker wie "Lola" bauen zu allem Überfluss auch noch auf diesem falschen Klischee auf. Ich vermute die Frage: "Bist du jetzt schwul geworden?" hat wohl so ziemlich jedes Mitglied dieses Forums schon einmal zu hören bekommen.
Ob wir wollen oder nicht spukt dieses Klischee in unseren Köpfen herum. Ein solches Klischee möchte natürlich niemand bedienen. Die Abwehrhaltung dagegen besteht häufig in der völligen Negierung bzw. Ablehnung jeglicher Sexualität. Ich finde es bezeichnend aber auch erschreckend, dass hier im Forum immer wieder die Einnahme von Östrogenpräparaten zur Unterdrückung von sexuellen Regungen empfohlen wird. Mag sein, dass hiermit die Hoffnung auf eine Art "Heiligsprechung" analog zur christlichen Lehre verbunden ist. Ob daraus eine dauerhafte Erfüllung folgt ist, mag jeder Mensch für sich selbst entscheiden.
Natürlich darf und sollte jeder Crossdresser und Transmensch eine eigene Sexualität haben, die aber reine Privatsache ist und daher andere nur soweit angeht, wie freiwillig darüber berichtet wird.
Eine Grenze ist dort, wo allgemeine Sehgewohnheiten oder der "gute Geschmack" zu sehr strapaziert wird. Wer dazu neigt unter dem Kleid Zelte zu bauen, sollte kräftige Mieder tragen oder zuhause bleiben.
Wir müssen allerdings sehr aufpassen, dass uns über irgendwelche Kampagnen, die aus den USA herüber schwappen (siehe diverse Beträge) nicht eine Sexualität angedichtet wird, die nicht die unsere ist.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 22 im Thema

Beitrag von Liv »

Aria hat geschrieben: Mi 30. Aug 2023, 10:52 Für micht ist und bleibt das Hauptkriterium für Transsexualität Dysphorie und der starken seelischen Belastung, die dadurch entsteht.
Sorry Aria, dass ich mich jetzt auf dich einschieße. Aber das kann ich so nicht stehen lassen, insbesondere nicht in diesem Thread. Ich hätte auch gerne schneller reagiert, aber ich musste erstmal meine Gedanken sammeln und die Bissspuren aus der Tischkannte feilen. Aber solche Statements haben mich in meiner Selbsterkenntnis mindestens 20 Jahre zurückgeworfen.

Als ich mit ca. 10 Jahren das erste Mal in den Kleidern meiner Mutter vor dem Spiegel posierte, war ich überwältig von Gefühlen. Ich fühlte mich so leicht, so frei, so schön - und bekam eine Erektion. Damit war für mich klar: Das ist etwas Sexuelles - und das bespricht man nicht mehr mit den Eltern. Chance vorbei. Gleichaltrige Freundinnen ("Jungs dürfen keine Kleider tragen") und Freunde ("Schwuchtel!") waren aber auch keine Hilfe.

So verbrachte ich einen Großteil meiner Pubertät in dunklen Kellern und lenkte mein Interesse auf den Bau von Computern. Das Internet (man nannte es damals nicht so) versprach die große Freiheit. Auf irgendeinem Bulletin Board fand ich dann Informationen über Transsexualität: Ich las traurige Bericht über Depressionen und abgehängte Spiegel. Auf direkte Nachfrage hinsichtlich meiner offensichtlichen sexuellen Erregung und Phantasien bekam ich Benjamin und Blanchard um die Ohren gehauen. Mir wurde direkt ins Gesicht gesagt, echte Transsexuelle hätten eine Dysphorie und keine Errektion! Ich sei komplett fehl am Platz und solle mich bitte eher in den Fetisch-Ecken im Netz umsehen, die es damals schon zuhauf gab.

Mann, war ich erleichtert: Ohne Dysphorie und viele schwarze Wolken kann ich ja schlecht trans sein und die sexuelle Erregung ist ein Ausschlusskriterium par excellence. Nun gut, dann habe ich also einen Fetisch, wenn auch einen seltsamen. Um die Beule in meinem Schritt zu verbergen, erfand ich - komplett auf mich allein gestellt - ausgefeilte Tucking-Techniken mit Panzertape, die heute noch jede Dragqueen alt und jeden Urologen blass werden lassen. Aber hey, ich konnte Bikinis tragen und es fühlte sich sooo gut an!! Zusammen mit meinen damals brustlangen Haaren und meiner schmächtigen Figur hätte ich so problemlos in jedes Freibad gehen können. Bin ich aber nicht - weil es ja ein Fetisch war. Und Fetische gehören in klebrige Nachttischschubladen und nicht in die Öffentlichkeit.

Es kam in meiner Jugend oft vor, dass ich für ein Mädchen gehalten wurde. Ich habe es nicht aktiv provoziert, aber jedes Mal sehr genossen. Es gab kaum einen Schullandheim-Aufenthalt oder Jugendherbergsübernachtung, bei der ich nicht verbotenerweise bei den Mädchen geschlafen habe. Wenn ein Betreuer kam, habe ich im Halbdunkel meine langen Haare über die Bettkante hängen lassen oder den Träger eines geborgten Nachthemdes aufblitzen lassen. Ich fand das unglaublich erregend, und die Mädchen, die früher oder später auch physisch mit mir unter einer Decke steckten, wussten das durchaus zu schätzen. Aber ist das nicht schon wieder viel zu sexuell, viel zu lebensbejahend um trans zu sein?

Hätte mir damals jemand etwas wie die Gender Dysphoria Bible in die Hände gedrückt, oder mit anderweitig erklärt, dass fehlende Dysphorie gerade kein Ausschlusskriterium ist oder mir erklärt, dass es so etwas wie Gendereuphorie gibt und sich diese auch körperlich zeigen kann, kaum zu unterscheiden von einer Sexuellen Erregung — ich wäre sofort auf Knien erst zu meinen Eltern und dann zum Therapeuten gekrochen.

Aber nein, stattdessen bin ich auf die Trans-Gatekeeper gestoßen, die mich mit einem Fußtritt in die Fetisch-Ecke befördert haben. Vielen Dank auch!

So habe ich dann wohl oder übel meine Männlichkeit akzeptiert. Ich bin ins Fitnessstudio gegangen und habe mir ein V-Kreuz antrainiert. Ich habe mir meine schönen Haare abrasiert, um die mich viele Mädchen beneidet haben. Ich habe eine kurze und heftige Militärkarriere gestartet um mir und der ganzen Welt meine Männlichkeit zu beweisen. Aber egal durch welchen Dreck ich schwer bewaffnet gekrochen bin und wo auch immer in der Welt ich aus einem Hubschrauber gesprungen bin: Immer war Sie mit dabei. Mein blöder Fetisch.

Ich habe mich intensiv mit Stanislawski und Strasberg beschäftigt. Ich habe mein Schauspiel perfektioniert. Ich habe gelernt, Männer zu spielen - und Frauen. Vielleicht war auch einiges in meinem Leben nur gespielt. Aber egal auf welcher Bühne ich stand: Immer war Sie mit dabei. Mein blöder Fetisch.

Ich habe letztendlich einen typisch männlichen Beruf ergriffen. Ich kenne so manchen DAX-Konzern von innen. Aber egal wo ich im schicken Dreiteiler durch die Büros getingelt bin, es war immer nur eine Seite von mir sichtbar. Immer war Sie mit dabei. Mein blöder Fetisch.

Es hat dann doch 20 Jahre gebraucht, bis ich nicht mehr konnte. Nicht weil ich rückständige Eltern gehabt hätte oder intolerante Freundinnen. Es hätte auch nicht an progressiven Ärzten und Psychologen gemangelt (meine halbe Familie besteht daraus) und auch nicht am lieben Geld. Sondern weil mir direkt und mantraartig aus der Trans-Community gesagt wurde, dass Trans und Sexualität nicht zusammen gehen. Das alles nur ein Fetisch sei, ein doofer Tick. Und das habe ich nur zu gerne geglaubt.

Also hört bitte auf anderen sagen zu wollen was echte Transsexualität sei. Die Welt ist viel zu vielschichtig und komplex um auf eine Skala gepresst zu werden, vor allem nicht auf eine aus dem letzten Jahrhundert. Sprecht lieber über eure ganz konkreten Erfahrungen, und klammert die Sexualität dabei keinesfalls aus. Sie kann wertvolle Hinweise geben.

Ja, es gibt viele häßliche Klischees über uns. Aber es liegt an UNS diesen Blick zu korrigieren. In dem wir alle nur betreten auf unsere Fußspitzen schauen und so tun als seien wir Heilige, machen wir uns unglaubwürdig.

So... das musste jetzt mal raus.

LG
Liv
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 23 im Thema

Beitrag von Wally »

Helga hat geschrieben: Mi 30. Aug 2023, 21:41 Ich finde es bezeichnend aber auch erschreckend, dass hier im Forum immer wieder die Einnahme von Östrogenpräparaten zur Unterdrückung von sexuellen Regungen empfohlen wird.
Liebe Helga,

Nur dieses eine Detail Deines Posts erregt meinen Widerspruch - ansonsten Zustimmung:

"zur Unterdrückung von sexuellen Regungen": wer empfiehlt das? Wer macht sowas - ausgerechnet zu diesem Zweck?

Abgesehen davon, dass sich dafür dann eher Cyproteronacetat (Anti-Androide) anbieten würden: dass die Libido unter einer solchen Medikation nachläßt, wird doch üblicherweise eher als eine störende Nebenwirkung in Kauf genommen.

Trotzdem halte ich die Einnahme von Östrogenen UND Antiandrogenen im Vorfeld einer GA-Operation für einen wichtigen Prüfstein: wenn nämlich der Wunsch nach Geschlechtswechsel auch bei weitgehend unterdrücktem Sexualtrieb weiter bestehen bleibt, dann ist das ein starkes Indiz für eine echte, transsexuelle Veranlagung. Es ist diagnostisch wertvoll.

Ich selber habe jahrelang Östrogene und Antiandrogene eingenommen. Ich habe sie aus zwei Gründen wieder abgesetzt: erstens, weil sie nicht (bzw. zu wenig) die erhofften, körperlichen Veränderungen brachten. Und zweitens, weil ich diese arg schwache Libido dann doch schade fand; da geht ein Stück Leben an einem vorbei.

Die Libido kam danach wieder - allerdings deutlich schwächer als vorher. Das wiederum war mir durchaus recht: vor allem wegen ihrer real für mich kaum lebbaren Zielrichtung hatte ich sie in der ursprünglichen Stärke als quälend erlebt. Früher fühlte ich mich davon getrieben; jetzt animiert und motiviert sie mich. Soviel "zur Unterdrückung von sexuellen Regungen" (smili)
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 24 im Thema

Beitrag von Susi T »

Danke Wally für die Anmerkung.
Hinzu kommt, das die Libido garnicht unterdrückt sein muß, sondern sich Häufig nur ändert, von männlich auf weiblich.
Sowas weiß man allerdings nicht vorher und lässt sich auch nur begrenzt Steuern. Letztendlich ist das aber für viele ein unbedeutenes Nebenprodukt einer Transistion, der Wohlfühlfaktor ist da meist wesendlich wichtiger.
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 25 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Wally hat geschrieben: Fr 1. Sep 2023, 16:57 "zur Unterdrückung von sexuellen Regungen": wer empfiehlt das? Wer macht sowas - ausgerechnet zu diesem Zweck?
Mhm..

was du über Antiandrogene sagst ist natürlich richtig.

Vielleicht hatte Helga es aber missverstanden, das bei einer ausreichenden Gabe von Östrogen
der Testosteronspiegel auch supprimiert wird. Und dann daraus gedeutet das die "männliche" Libido nachlässt.
Naja und das ist noch nicht mal so falsch. Wie Tira sagt, ist die Libido aber unter Umständen anders,
wie bei allen anderen Personen mit einem höheren Östrogen- und niedrigerem Testosteronspiegel als bei Männern.

Östrogen dafür zu empfehlen wäre aber schon ziemlicher Käse...
Hmmm, trotzdem je länger ich auf Ö bin umso mehr werd ich wuschig wenn vor meinem Küchenfenster ein
ansehnlicher Herr schwitzend beim Joggen vorbeikommt... (smili)
und mein Interesse an Frauen geht immer mehr gegen 0


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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 26 im Thema

Beitrag von Maura.Masqurin »

Liv hat geschrieben: Fr 1. Sep 2023, 14:12
Aria hat geschrieben: Mi 30. Aug 2023, 10:52 Für micht ist und bleibt das Hauptkriterium für Transsexualität Dysphorie und der starken seelischen Belastung, die dadurch entsteht.
Sorry Aria, dass ich mich jetzt auf dich einschieße. Aber das kann ich so nicht stehen lassen, insbesondere nicht in diesem Thread. Ich hätte auch gerne schneller reagiert, aber ich musste erstmal meine Gedanken sammeln und die Bissspuren aus der Tischkannte feilen. Aber solche Statements haben mich in meiner Selbsterkenntnis mindestens 20 Jahre zurückgeworfen.

Als ich mit ca. 10 Jahren das erste Mal in den Kleidern meiner Mutter vor dem Spiegel posierte, war ich überwältig von Gefühlen. Ich fühlte mich so leicht, so frei, so schön - und bekam eine Erektion. Damit war für mich klar: Das ist etwas Sexuelles - und das bespricht man nicht mehr mit den Eltern. Chance vorbei. Gleichaltrige Freundinnen ("Jungs dürfen keine Kleider tragen") und Freunde ("Schwuchtel!") waren aber auch keine Hilfe.

So verbrachte ich einen Großteil meiner Pubertät in dunklen Kellern und lenkte mein Interesse auf den Bau von Computern. Das Internet (man nannte es damals nicht so) versprach die große Freiheit. Auf irgendeinem Bulletin Board fand ich dann Informationen über Transsexualität: Ich las traurige Bericht über Depressionen und abgehängte Spiegel. Auf direkte Nachfrage hinsichtlich meiner offensichtlichen sexuellen Erregung und Phantasien bekam ich Benjamin und Blanchard um die Ohren gehauen. Mir wurde direkt ins Gesicht gesagt, echte Transsexuelle hätten eine Dysphorie und keine Errektion! Ich sei komplett fehl am Platz und solle mich bitte eher in den Fetisch-Ecken im Netz umsehen, die es damals schon zuhauf gab.

Mann, war ich erleichtert: Ohne Dysphorie und viele schwarze Wolken kann ich ja schlecht trans sein und die sexuelle Erregung ist ein Ausschlusskriterium par excellence. Nun gut, dann habe ich also einen Fetisch, wenn auch einen seltsamen. Um die Beule in meinem Schritt zu verbergen, erfand ich - komplett auf mich allein gestellt - ausgefeilte Tucking-Techniken mit Panzertape, die heute noch jede Dragqueen alt und jeden Urologen blass werden lassen. Aber hey, ich konnte Bikinis tragen und es fühlte sich sooo gut an!! Zusammen mit meinen damals brustlangen Haaren und meiner schmächtigen Figur hätte ich so problemlos in jedes Freibad gehen können. Bin ich aber nicht - weil es ja ein Fetisch war. Und Fetische gehören in klebrige Nachttischschubladen und nicht in die Öffentlichkeit.

Es kam in meiner Jugend oft vor, dass ich für ein Mädchen gehalten wurde. Ich habe es nicht aktiv provoziert, aber jedes Mal sehr genossen. Es gab kaum einen Schullandheim-Aufenthalt oder Jugendherbergsübernachtung, bei der ich nicht verbotenerweise bei den Mädchen geschlafen habe. Wenn ein Betreuer kam, habe ich im Halbdunkel meine langen Haare über die Bettkante hängen lassen oder den Träger eines geborgten Nachthemdes aufblitzen lassen. Ich fand das unglaublich erregend, und die Mädchen, die früher oder später auch physisch mit mir unter einer Decke steckten, wussten das durchaus zu schätzen. Aber ist das nicht schon wieder viel zu sexuell, viel zu lebensbejahend um trans zu sein?

Hätte mir damals jemand etwas wie die Gender Dysphoria Bible in die Hände gedrückt, oder mit anderweitig erklärt, dass fehlende Dysphorie gerade kein Ausschlusskriterium ist oder mir erklärt, dass es so etwas wie Gendereuphorie gibt und sich diese auch körperlich zeigen kann, kaum zu unterscheiden von einer Sexuellen Erregung — ich wäre sofort auf Knien erst zu meinen Eltern und dann zum Therapeuten gekrochen.

Aber nein, stattdessen bin ich auf die Trans-Gatekeeper gestoßen, die mich mit einem Fußtritt in die Fetisch-Ecke befördert haben. Vielen Dank auch!

So habe ich dann wohl oder übel meine Männlichkeit akzeptiert. Ich bin ins Fitnessstudio gegangen und habe mir ein V-Kreuz antrainiert. Ich habe mir meine schönen Haare abrasiert, um die mich viele Mädchen beneidet haben. Ich habe eine kurze und heftige Militärkarriere gestartet um mir und der ganzen Welt meine Männlichkeit zu beweisen. Aber egal durch welchen Dreck ich schwer bewaffnet gekrochen bin und wo auch immer in der Welt ich aus einem Hubschrauber gesprungen bin: Immer war Sie mit dabei. Mein blöder Fetisch.

Ich habe mich intensiv mit Stanislawski und Strasberg beschäftigt. Ich habe mein Schauspiel perfektioniert. Ich habe gelernt, Männer zu spielen - und Frauen. Vielleicht war auch einiges in meinem Leben nur gespielt. Aber egal auf welcher Bühne ich stand: Immer war Sie mit dabei. Mein blöder Fetisch.

Ich habe letztendlich einen typisch männlichen Beruf ergriffen. Ich kenne so manchen DAX-Konzern von innen. Aber egal wo ich im schicken Dreiteiler durch die Büros getingelt bin, es war immer nur eine Seite von mir sichtbar. Immer war Sie mit dabei. Mein blöder Fetisch.

Es hat dann doch 20 Jahre gebraucht, bis ich nicht mehr konnte. Nicht weil ich rückständige Eltern gehabt hätte oder intolerante Freundinnen. Es hätte auch nicht an progressiven Ärzten und Psychologen gemangelt (meine halbe Familie besteht daraus) und auch nicht am lieben Geld. Sondern weil mir direkt und mantraartig aus der Trans-Community gesagt wurde, dass Trans und Sexualität nicht zusammen gehen. Das alles nur ein Fetisch sei, ein doofer Tick. Und das habe ich nur zu gerne geglaubt.

Also hört bitte auf anderen sagen zu wollen was echte Transsexualität sei. Die Welt ist viel zu vielschichtig und komplex um auf eine Skala gepresst zu werden, vor allem nicht auf eine aus dem letzten Jahrhundert. Sprecht lieber über eure ganz konkreten Erfahrungen, und klammert die Sexualität dabei keinesfalls aus. Sie kann wertvolle Hinweise geben.

Ja, es gibt viele häßliche Klischees über uns. Aber es liegt an UNS diesen Blick zu korrigieren. In dem wir alle nur betreten auf unsere Fußspitzen schauen und so tun als seien wir Heilige, machen wir uns unglaubwürdig.

So... das musste jetzt mal raus.

LG
Liv
Ich kann jeden Satz von dir absolut nachvollziehen.

Bei mir ging es mit 12 Jahren los, als ich mich das erste Mal in den Kleidern meiner Mutter wohl fühlte. Als Kind noch eher nicht so richtig gewusst wie dran, änderte sich das, als ich in der Ausbildung Geld verdiente. Da kaufte ich mir mein erstes komplettes Frauenoutfit und empfand das auch sehr anregend. In der Folgezeit bestimmten eher aufreizende Outfits mein Crossdressing. Nicht immer empfand ich sexuelle Erregung, aber oft war das schon der Fall.

Während all den Jahren hatte ich immer glückliche Beziehungen. Die Auswahl an Partnerinnen war super. Der Sex mit ihnen auch. Ich habe schon immer ein glückliches und erfülltes Sexualleben. Auch jetzt mit meiner Frau bin ich mega glücklich und erfüllt. Dennoch blieb und bleibt der Reiz an sexy Frauenkleidung.

Erst mit den Jahren, nachdem ich schon mehr als 10 Jahre aktiv Crossdressing betrieb, änderte sich die Art des Crossdressing und es wurde kompatibel um rauszugehen. Heute ist es bunt gemischt. Mal finde ich mein Outfit total sexy und ich kann immer noch Erregung spüren. Mal will ich einfach nur für mich genießen oder es mal allen zeigen, und das ohne irgendwelche aufreizenden Gedanken. Dabei hat das nie einen Einfluss auf meine Beziehung und mein Sexualleben gehabt. Das Leben und liebe ich als Mann total.

Ich denke, dass die Sichtweise auf Crossdressing, Sexualität, gesellschaftlichte Themen, jeder für sich selbst definieren muss. Ein richtig, falsch oder irgendwelche festgefahrenen Sichtweisen sind hier nicht angebracht. Dafür ist das Thema so individuell wie jeder von uns auch
TUN ist wie wollen, nur krasser !!!
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 27 im Thema

Beitrag von Patricia »

Ich denke bei manchen von uns kann sich die Transidentität auf "seltsame" Art und Weise zeigen oder besser gesagt einen Weg suchen, wenn man sich (noch) im falschen Geschlecht befindet. Auch ich hatte durchaus solche und mit der Transition sind diese Fetische verschwunden. Ich hatte mal ein Video einer Therapeutin gesehen die davon gespochen hat, dass das bei Transsexualität durchaus vorkommen kann.

und was die Libido angeht...
Ich nehme Androcur sehr bewußt zu mir. An der männlichen Libido gibt es für mich nichts Schönes. Leider ist sie bei mir immer sehr stark gewesen und kommt gerne wieder wenn mein Tstosteron auch nur einen Mucks nach oben macht. Doch dem kann ich nicht viel abgewinnen. Keine Libido ist hingegen auch doof, das habe ich auch schon hinter mir. Aber so eine wohldosierte Portion Libido wie jetzt, damit kann ich sehr gut leben und recht gut umgehen.
So ähnlich wie Marie es schon sagte, (Manche, wenige) Männer wurden plötzlich vieeeeeel interessanter und Frauen sind eigentlich uninteressant, außer der einen, aber das ist eine andere Geschichte :)

LG
Patricia
Aria
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 28 im Thema

Beitrag von Aria »

Liv hat geschrieben: Fr 1. Sep 2023, 14:12
Aria hat geschrieben: Mi 30. Aug 2023, 10:52 Für micht ist und bleibt das Hauptkriterium für Transsexualität Dysphorie und der starken seelischen Belastung, die dadurch entsteht.
Aber solche Statements haben mich in meiner Selbsterkenntnis mindestens 20 Jahre zurückgeworfen.
Also Liv, Ich glaube um zu verstehen was hinter diesem Statement steckt, sollte ich erklären, wie ich für mich die unterschiedlichen Trans-Begriffe definiere und auch differenziere. Ein schönes Bild gibt dazu der Transgender-Umbrella ab:

Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://encrypted-tbn0.gstatic.com/imag ... s&usqp=CAU

Wie du daraus erkennen kannst, wird dort der Begriff Transsexuell als ältere Bezeichnung für diejenigen verwendet, die eine medizinische Transition anstreben. Die Motivation für diesen Schritt, sehe ich im direkten Zusammenhang mit einer körperlichen Dysphorie und dem damit verbundenen Leidensdruck. Letzterer ist es auch, der eine Indikation für medizinische Maßnahmen glaubhaft macht.

Transgender ist für mich der Begriff, der für unsere komplette Familie steht. In dieser kommen alle Spielarten des Trans-Dasein vor - auch fetischistischer Transvestismus. Und genau der beinhaltet das Spiel mit der gegengeschlechtlichen Kleidung als sexuelle Komponente. Und genau darum geht es ja wohl in diesem Thread. Da ist übrigens auch absolut nichts schlimmes bei - warum sollte es auch, es tut ja niemandem weh. Doch ist es für mich etwas anderes als - wie du es nennst - echte Transsexualität.

So wie du es schreibst, lässt mich vermuten, dass du viele unschöne Erfahrungen mit so genannten Gatekeeper hattest, die zwischen wahren und falschen Transsexuellen und zwischen echter und unechter Transsexualität unterscheiden. Ich wehre mich ebenfalls gegen dieses schwarz/weiss Denken, da ich der Meinung bin, das alles im Leben fliesst - also auch unser Sein. Manche wandeln sich wenig, andere viel mehr. Und gerade in unserem Thema, das ja das hinüber-fliessen quasi im Namen trägt, stösst so ein Verhalten bei mir auf absolutes Unverständnis.

Für mich gibt es nur eine Transsexualität und das ist diejenige, die eine medizinische Transition beinhaltet. Ich finde aber auch - und da bin ich wieder beim Fliessen unseres Seins - dass man sich sehr wohl zuerst in einer anderen Unterfamilie befinden kann (zB. Transvestismus) und irgendwann innerhalb der Transgender-Familie wechselt, weil man zB. die Erkenntnis erlangt hat, dass dies nicht der erfüllende Ort für sich ist.

Zu Beginn mochte ich es genau so wie du, mich zu dressen und schöne Stunden zu verbringen. Da war ich aber noch jung und die Infos über uns rar. Je älter ich wurde und mehr über trans* erfuhr, desto mehr Unzufriedenheit wuchs in mir und das dressen brachte mir nichts erfüllendes mehr - im Gegenteil, ich geriet in eine Abwärtsspirale an deren Ende die totale Selbstaufgabe stand. Ich suchte mir die Hilfe, die du scheinbar nicht brauchst, da du ja das von dir behauptest:
Liv hat geschrieben: Sa 24. Okt 2020, 22:06 Ich bin gerne ein Mann und mag meinen männlichen Körper.
Das konnte ich nie von mir behaupten. Ja, ich habe mein Leben gelebt und es gab auch viele gute Momente aber verglichen mit heute, war das kein Leben, es war ein existieren. Ich habe, wie du sagst:
Liv hat geschrieben: Fr 1. Sep 2023, 14:12 wohl oder übel meine Männlichkeit akzeptiert.
Aber was hilft die grösste Akzeptanz, wenn man daran kaputt geht, weil ständig diese kleine Frau im Ohr sitzt und um Hilfe schreit. Ich bin beinahe daran kaputt gegangen. Und deshalb war für mich irgendwann klar, dass ich kein Transvestit sondern transsexuell bin und die einzige Lösung wohl darin liegt, eine medizinische Transition in Angriff zu nehmen, mit allem was an negativen Side-Effects dazu gehört. Ich kann jeden Betroffenen nur beglückwünschen, der sonst ein tolles Leben hat und immer
Liv hat geschrieben: Sa 24. Okt 2020, 22:06 wenn ich will, kann ich mich mit ein paar Tricks in eine attraktive Frau verwandeln. That's my superpower.
von sich sagen kann. Transsexuelle haben keine Wahl, sie stehen am Abgrund, zwischen einem zerstörerischen Leben und dem Tod. Und von daher finde ich es nicht mehr als gerecht, wenn denjenigen ein anderer Stellenwert beigemessen wird, ohne dass da eine Wertung mit bei ist. Ich finde, so viel Achtung kann man innerhalb der Transgender-Familie erwarten, wenn man Respekt nicht nur als Einbahnstrasse betrachtet.

Ich hoffe, es ist dir nun etwas klarer, warum ich solche Statements von mir gebe und auch darauf beharre, dass ich mich damit abgrenzen mag. Einfach, weil sich mein Leben so grundlegend und eingreifend verändert hat, dass es sich mit den allermeisten hier anwesenden nicht vergleichen lässt. Wenn du mehr erfahren magst, kannst du mich gerne privat dazu löchern aber hier habe ich alles zu dem Thema gesagt.

LG
Aría
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 29 im Thema

Beitrag von Wally »

Aria hat geschrieben: So 3. Sep 2023, 19:45 Für mich gibt es nur eine Transsexualität und das ist diejenige, die eine medizinische Transition beinhaltet.
Hallo Aria,

Nicht als Kritik, nur als Ergänzung: auch da sind die Grenzen fließend.

Was ist eine "medizinische Transition"? Für mich war das ein chirurgischer Brustaufbau, der sich für mich tatsächlich als notwendig für ein erfülltes Leben und auch nachträglich, seit 25 Jahren, als richtig und segensreich erwies. Ich kam seitdem nie auch nur im Traum auf die Idee, mir das wieder wegmachen zu lassen, obwohl das rein technisch recht problemlos möglich wäre.

Das genügte bei mir aber auch; den Unterleib habe ich so gelassen, wie er war. Und wenn die vorher schon versuchte Hormonbehandlung bei mir ein ausreichendes Brustwachstum bewirkt hätte, dann hätte ich nicht mal die Brust-OP gebraucht. Trotzdem verstehe ich mich ganz klar und eindeutig als "transsexuell" - und das wurde ja auch in den Gutachten zur OP und PSÄ bestätigt.

Es ist zwar reine Spekulation: aber wenn das Verhalten anderer Menschen (insbesondere potenzieller Partnerinnen) anders wäre, wenn das nicht gar so sehr durch die unmittelbare Körperform geprägt und stattdessen mehr durch Verhalten (verbal, Kleidung etc.) beeinflußbar wäre, dann hätte ich möglicherweise überhaupt keine medizinischen Maßnahmen gebraucht.

Ich halte Deine Definition von "Transsexualität" im Prinzip für richtig; aber auch das sollte man nicht absolut setzen.
Herzliche Grüße
Wally
Tatjana_59
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Re: Sexualität, Crossdressing und Trans-Dasein

Post 30 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Aria hat geschrieben: So 3. Sep 2023, 19:45Für mich gibt es nur eine Transsexualität und das ist diejenige, die eine medizinische Transition beinhaltet.
September 2015 konnte ich mit der Hormontherapie beginnen.
Januar 2016 war meine Pä/Vä durch.
Ich war erstmal glücklich soweit gekommen zu sein.
Allerdings sehr betrübt darüber aus gesundheitlichen Gründen (Herz) keine Gaop durchführen lassen zu können.
Bei einem Stammtisch in München wo Ulmer Mädels aus der dortigen Shg anwesend waren, wurde mir von diesen die Transsexualität abgesprochen, da ich nicht operiert bin, es auch vorerst nicht vorhabe.
Medizinische Gründe interessierten die Frauen nicht.
Welch ein Schwachfug aus dem Mund derjenigen, es war auch die Leiterin der Shg Ulm dabei.
Ich war definitiv Transsexuell!

Ende September 2017 haben sich meine Werte soweit gebessert dass mir der Kardiologe grünes Licht zur OP gab.
Schnell bekam ich einen Termin zum Vorgespräch bei Dr. Lidl, der hatte auch keine Einwände mehr.
Ich hatte dann das Glück im Januar 2018 schon operiert werden zu können, allerdings musste ich es noch schaffen in der relativ kurzen Zeit mein Gewicht um 17 kg zu reduzieren.
Ich schaffte es, Dr. Lidl operierte mich.

Wenn mir die OP weiterhin verwährt worden wäre, wäre ich eindeutig trotzdem Transsexuell gewesen, auch wenn es Menschen gab die mir das absprachen, auch in meinem Umfeld.

LG Tatjana
Zuletzt geändert von Tatjana_59 am Mo 4. Sep 2023, 14:50, insgesamt 1-mal geändert.
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