Helgas Thesen
Helgas Thesen - # 7

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Nicole Fritz
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Re: Helgas Thesen

Post 91 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Helga hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 22:19 Wärst du vor 25 Jahren auf dem Entwicklungsstand wie heute gewesen, wenn du damals die Informationen gehabt hättest, über die du heute verfügst? Oder hat sich die Gender- Disphorie im Laufe der Jahre entwickelt?
Hallo Helga,

Bei mir würde ich es so einschätzen: Die Dysphorie war seit meiner Kindheit vorhanden, ich kam nur nie auf die Idee, das es etwas mit Gender zu tun haben könnte. Ich mochte einfach nur die meisten Sachen nicht, die mit der männlichen Rolle verknüpft waren: kurz geschnittene Haare, Anzug und Krawatte, dunkle und klobige Schuhe ... . In den 1970ern lebte ich auf, als sich Jeans, T-Shirt und Turnschuhe als Alltags-Kleidung durchsetzten und ich die Haare lang wachsen lassen konnte. - Dann musste ich zur Bundeswehr ... .

Nach der Pubertät kam ein sexueller Aspekt hinzu: Ich fand keine Partnerin. Einerseits war ich sehr schüchtern und andererseits wirkte ich wohl auf die Mädchen oder jungen Frauen einfach nur total langweilig. Mit der Selbstbefriedigung kam so der Wunsch auf mich zwecks sexueller Erregung in eine Frau zu verwandeln. Aber auch das brachte ich nicht mit einer Gender-Dysphorie in Verbindung. Ich wusste zwar, dass es Transsexuelle gab, aber mit dieser Szene kam ich nie irgendwie in Kontakt. Das galt als krank oder pervers. Damit wollte ich nichts zu tun haben. Und von meinem Fetisch musste ich ja niemandem etwas erzählen.

Auf die Idee irgendwie trans(*?) sein zu können, kam ich erst 2017 nach dem Tod meiner Mutter durch dieses Forum. Und von nicht-binär hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört oder gelesen.

Wie wäre es also gewesen, falls ich den Mut aufgebracht hätte mich bei meiner Partnerin zu outen? - Vermutlich hätte ich ihr gestanden, dass ich da so einen Fetisch habe - und deshalb auch meistens keine Lust auf Sex, oder so ähnlich. Wäre irgendwie dämlich gewesen. Also ließ ich es. Die Partnerschaften brachen aber trotzdem immer auseinander. Mit den heutigen Informationen aus dem Internet wäre es aber vielleicht anders abgelaufen.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole Fritz
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Re: Helgas Thesen

Post 92 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Helga hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 22:57 Schon als kleiner Junge habe ich Radios, Rasenmähermotoren, Uhren und ähnliches auseinandergenommen, weil ich verstehen wollte wie sie funktionieren. Mit den wenig anschalichen Erklärungen von Lehrern und ähnlichen Fachmenschen wollte ich micht nicht zufrieden geben.
Ist da gerade ein blauer Klecks auf meine Leinwand gespritzt?
Warum ein blauer Klecks? Für mich ist das einfach nur Wissensdurst abseits der überheblichen Besserwisserei bei Lehre und Wissenschaft. Da ist doch wieder nur dieses Klischee, dass Technik etwas für Männer sein soll.

Bei mir fing es auch so an. Dann waren es Motorräder, Autos, Computer, ... . Der derzeitige Stand ist ein eigenes physikalisches Modell mit 6 Dimensionen, mit dem ich das Universum sowohl materiell als auch spirituell beschreibe. Dazu versuche ich gerade das Konzept für ein neues Buch zusammen zu basteln.

LG Nicole
Lavendellöwin
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Re: Helgas Thesen

Post 93 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Helga hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 22:57
!EmmiMarie! hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 12:50 eine konkrete Frage, meine Liebe-suchst du mit dem Thread eine Rechtfertigung (vor dir selbst vielleicht)
so zu sein wie du bist?
Hallo Marie,
die Phase der Selbstrechtfertigung habe ich zum Glück längst hinter mir gelassen.
Es ist mehr das Bedürfnis, die Dinge nicht einfach hinzunehmen, sondern ihnen auf den Grund zu gehen. Schon als kleiner Junge habe ich Radios, Rasenmähermotoren, Uhren und ähnliches auseinandergenommen, weil ich verstehen wollte wie sie funktionieren. Mit den wenig anschalichen Erklärungen von Lehrern und ähnlichen Fachmenschen wollte ich micht nicht zufrieden geben.
Ist da gerade ein blauer Klecks auf meine Leinwand gespritzt?
Liebe Grüße
Helga
Hmm...

okay...da haben wir einen Unterschied. Ich versuche die Funktionen von einer Sache voll auszuschöpfen...warum das Ding
das überhaupt macht, ist mir eher egal. Hat eine Person ein Problem die mit einer Sache arbeitet, erkläre ich wie sie besser
damit arbeitet, weil die zugrunde liegende Technik für das bessere Arbeiten nicht wirklich relevant ist...
und ich verlasse erst das Haus, wenn da wieder eine gute Stimmung zwischen der arbeitenden Person und ihrem Arbeitsplatz
herrscht-das dauert zwar länger ist aber nachhaltiger wie wenn jemand nur die technischen Aspekte durchzieht.
Welche Farbe hat der Punkt?
Kollegen sagten ich mache Folklore, aber weisst du was ich stehe dazu...

mhm...

hat gestern wer Leschs Kosmos geschaut? Sehr interessant...es passt ein wenig zum Thema..



Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Helgas Thesen „ die Farbkleckstheorie

Post 94 im Thema

Beitrag von Wally »

Helga hat geschrieben: Mo 4. Okt 2021, 20:59 (...)
Soweit die "Farbkleckstheorie". Es ist sicherlich noch nicht alles schlüssig und bedarf der Überprüfung, dennoch würde ich den Entwurf einfach mal zur Diskussion stellen.
Liebe Grüße
Deine "Farbkleckstheorie" ist nichts weiter als eine Variation der "tabula rasa": die menschliche Psyche als eigenschaftsloses, weißes Blatt Papier, dem jeglicher (!) Inhalt erst durch Umwelteinflüsse von außen aufgeprägt wird. Diese Theorie ist bei gewissen (vorwiegend totalitären) politischen Richtungen sehr beliebt, weil sie den Menschen als ein beliebig form- und manipulierbares Wesen sieht. Aber mit dem, was wir aus Biologie, Psychologie und Evolutionstheorie wissen, läßt sich das (Gottseidank!) nicht vereinbaren.

Vor allem kann diese "Farbkleckstheorie" nicht erklären, wie es dazu kommt, dass sich Transsexuelle gegen! alle gesellschaftlichen Färbungsversuche nach der anderen Seite entwickeln bzw. sich schon als Kind gegen all diese Farbkleckse von außen behaupten. Mich haben sie ja meine ganze Kindheit und Jugend hindurch geradezu permanent in der blauen Farbe gebadet, geraden weil bei mir das Rot damals schon unübersehbar durchschien; und selbst als Erwachsener kriegte ich nur sehr ausnahmsweise auch mal ein rotes Kleckschen von außen her ab. Bis zum Zeitpunkt meiner Psychotherapie (da war ich 40) wollte ich sogar blau sein und hielt das Rote an mir für krank und pervers. Erst in der Psychotherapie wurde mir klar, dass ich im Gesamtbild - Kleckse hinüber oder herüber - einfach schicksalhaft und unveränderlich rot bin: es nützt mir nix, blau sein zu wollen, da ändert auch alle Kleckserei nix dran. Um in Deinem Bild zu bleiben: das Papier selber ist halt rot.

Ob da nun genetische, hormonelle oder irgendwelche traumatischen Einflüsse dahinter stecken, weiß ich nicht; so, wie es sich mir persönlich darstellt, würde ich am ehesten eine hormonelle Dysregulation während bestimmter Phasen der Schwangerschaft vermuten, die das Gehirn Transsexueller ganz oder teilweise im Gegensatz zum chromosomalen Geschlecht ausdifferenzen lässt. Die geschlechtliche Differenzierung wird ja nicht bloß eindimensional durch Testosteron/Östrogen gesteuert, da wirken ganze Kaskaden von Botenstoffen; dieses System kann theoretisch an sehr vielen Stellen "gestört" sein. Ich bin mir aber sicher, dass jedenfalls meine transsexuelle Veranlagung NICHT von der Umwelt aufgeprägt wurde: meine Umwelt hat ja ganz im Gegenteil jahrzehntelang nix unversucht gelassen, mich blau einzufärben! Trotzdem war und blieb ich rot.

Freilich nicht einheitlich rot im Sinne einer Papierfarbe, sondern als dominierende Farbe im Sinne eines Mosaiks - wobei aber wiederum jedes einzelne Steinchen in der Substanz durchgefärbt ist. Man kann jedes dieser Steinchen kurzfristig übermalen; aber längerfristig und sobald man am Lack herumkratzt, kommt eben doch wieder die Originalfarbe zum Vorschein.
Herzliche Grüße
Wally
Christel_Inter
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Re: Helgas Thesen

Post 95 im Thema

Beitrag von Christel_Inter »

Dali hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 07:51 Reicht es vielleicht hier schon, dass Frauen und Mädchen von klein auf die Möglichkeit hatten, sich maskulin zu kleiden, ohne dass es jemanden interessiert hat? Aber das wäre dann wieder eine Reduktion auf die Kleidung.
Dali, vielleicht hilft ein Nachdenken über die andere Treppe:
  • "Welche Aufgabe hat Kleidung?"
  • "Nach welchen Kriterien wählen wir uns die Kleidung grundsätzlich und für den Moment oder Anlass aus?"
  • Erst bei der zweiten Frage kommen auch der "Ausweis" oder (wegen der Doppeldeutigkeit) der "Pass" ins Spiel: "Zu welcher Sozialen Gruppe möchte ich mich ordnen, und dort anerkannt werden?"
  • Damit ist dann aber immer zwingernd noch immer keine Rede vom sozialen oder biologischen Geschlecht,...
Anzahl und Verteilung Transfrauen <> Transmänner... - wenn ich nicht zu falsch informiert bin, hält sich das durchaus die Waage. - - Streng genommen stellt sich mir die Frage, warum aber will Mensch überhaupt vom anderen schon beim Anblick wissen: "Frau oder Mann?"
Ist es nicht viel wichtiger, Menschen zu begegnen, zu denen eine gute Beziehung wachsen kann, für einen Moment, für einen längeren Weg oder...! - wir stehen uns mit diesen Schuhkarton-Sortierungen so heftig im Weg.
Christel grüßt
Mein Kleidungsstil verfolgt nicht das Ziel "FRAU", sondern mein Sein als Ich-Bin-Ich - ein Inter*-Mensch! ÜBRIGENS: Mein Name ist amtlich "Christel"
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Re: Helgas Thesen

Post 96 im Thema

Beitrag von Nora_7 »

Wally hat geschrieben: Mi 6. Okt 2021, 15:05 Ob da nun genetische, hormonelle oder irgendwelche traumatischen Einflüsse dahinter stecken, weiß ich nicht; so, wie es sich mir persönlich darstellt, würde ich am ehesten eine hormonelle Dysregulation während bestimmter Phasen der Schwangerschaft vermuten, die das Gehirn Transsexueller ganz oder teilweise im Gegensatz zum chromosomalen Geschlecht ausdifferenzen lässt. Die geschlechtliche Differenzierung wird ja nicht bloß eindimensional durch Testosteron/Östrogen gesteuert, da wirken ganze Kaskaden von Botenstoffen; dieses System kann theoretisch an sehr vielen Stellen "gestört" sein. Ich bin mir aber sicher, dass jedenfalls meine transsexuelle Veranlagung NICHT von der Umwelt aufgeprägt wurde: meine Umwelt hat ja ganz im Gegenteil jahrzehntelang nix unversucht gelassen, mich blau einzufärben! Trotzdem war und blieb ich rot.
Hallo Wally,
ich hatte hier schon mal auf ein Buch von Leon Kaplan verwiesen "Das Mona Lisa Syndrom - Männer, die wie Frauen fühlen". Es ist von 1990 und fasst sehr schön die damals bekannten Effekte und deren Auswirkungen während der Schwangerschaft hin. Auch genau dieser Punkt ist dabei - Abhängigkeit der sexuellen Orientierung von Hormonstatus der Mutter zu bestimmten Entwicklungszeitpunkten.
Christel_Inter hat geschrieben: Mi 6. Okt 2021, 16:10 - Streng genommen stellt sich mir die Frage, warum aber will Mensch überhaupt vom anderen schon beim Anblick wissen: "Frau oder Mann?"
Tja Christel, das ist das Kernelement der Evolution und ganz tief in den Genen drin: ist die Person zur Fortpflanzung geeignet (?) - die erste vegetative, automatisch ablaufende Prüfung bei Sichtung einer (anscheinend gegengeschlechtlichen) Person. Und die meisten Religionen lehnen ein "Fake" dazu strikt ab, bis hin zur Todesstrafe. Leider sind die Religionen überall allgegenwärtig. Zum Glück und dennoch nimmt die Akzeptanz von TG langsam aber stetig zu. Ich war am WE mit 3 weiteren "Personen" in einem Club, geht ja in BW wieder mit Tanz ohne Maske. Absolut kein Problem, Spaß gehabt bis zum Ende. Nur 2 dieser Frauen besaßen die biologisch definierte XY-Kennung.

LG Nora_7
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Dali
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Re: Helgas Thesen

Post 97 im Thema

Beitrag von Dali »

Christel_Inter hat geschrieben: Mi 6. Okt 2021, 16:10 warum aber will Mensch überhaupt vom anderen schon beim Anblick wissen: "Frau oder Mann?
Das ist mir im Prinzip egal. Mich hätte nur ganz allgemein interessiert, wie die "Verteilung" ungefähr sein wird. Ich höre halt immer mehr von m zu f, statt andersherum.

LG

Dali
Christel_Inter
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Re: Helgas Thesen

Post 98 im Thema

Beitrag von Christel_Inter »

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Melanie72
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Re: Helgas Thesen

Post 99 im Thema

Beitrag von Melanie72 »

Hallo Helga (moin)
Helga hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 22:19 Wärst du vor 25 Jahren auf dem Entwicklungsstand wie heute gewesen, wenn du damals die Informationen gehabt hättest, über die du heute verfügst? Oder hat sich die Gender- Disphorie im Laufe der Jahre entwickelt?
Die Frage möchte ich mit einem ganz kräftigen und entschlossenem JA beantworten. Mit 12-16 vielleicht. Aber mit 25 bestimmt, wenn ich in der Zeit von 12-18 nicht so damit beschäftigt gewesen wäre es mir selber auszureden. Der Gedanke kam immer wieder auf. sei es durch Filme, irgendeinen Bericht in der Zeitung, oder sogar eine Person in der Arbeit, die sich Outete. Aber ich habe es mir selber nicht erlaubt, weil ich Angst hatte so zu sein, ... weil mir Gesellschaft Angst machte so zu sein. In Filmen wurde sich darüber lustig gemacht, die Berichte in Zeitungen gingen immer in die Richtung: "Das ist nicht normal". Das Erlebnis, wie hinter dem Rücken des Arbeitskollegen getuschelt und gekichert wird. Alles das hat im Laufe der Jahre den Gedanken gefestigt: "Du DARFTS nicht so sein !!". Also die Disphorie war meiner Meinung nach schon immer da.Ich durfte sie nur nicht ausleben.
Als ich damals (wieder) mit dem Crossdressing anfing, dieses mal mit anderem Hintergrundwissen, fingen die Mauern an einzustürzen. Stück für Stück. Immer schneller. Plötzlich waren alle diese Vorurteile entkräftet:
"Du bist der einzige der das Macht" -> Viele Leute im Forum gefunden.
"Du musst Männer lieben" -> Forum und Transpersonen gefunden, die auch Frauen lieben.
"Dann ist auf jeden Fall eine OP nötig" -> Mit Hormonen passiert schon einiges und es gibt Personen die lassen sich nicht Operieren, entweder aus gesundheitlichen Gründen, oder weil sie es einfach nicht brauchen
"Dich werden alle auslachen" -> Ausgehen als Frau - Niemand regt sich darüber auf.
"Du wirst keine Freunde mehr haben" -> Keiner meiner Freunde hat sich abgewendet. Ich habe sogar neue Freunde gefunden und sogar Freundschaften vertieft.
"Deine Familie will mit dir nichts mehr zu tun haben" -> Ok, Mein Vater und meine Schwiegereltern sind tot. Aber der Rest der Familie kommt damit klar.
"Deswegen bist du kein Transgender" -> Welche Punkte sind noch übrig? Kein einziger mehr!

Sie war also schon immer da. Ich habe sie einfach nur eingemauert. Inzwischen sind alle Punkte entkräftet. Ich fühle mich total frei und selbstbewusst. Mein Selbstwertgefühl hatte ich damit auch eingemauert und nicht rausgelassen. Ich konnte nicht ICH sein. Ich habe nicht zu mir selbst gestanden, weil ich mir selber nicht erlaubt hatte so zu sein, wie ich sein wollte. Das kann ich jetzt und ich liebe und genieße es :-)

Ganz liebe Grüße

Melli
„Ich glaube, dass die einzig wahre Religion darin besteht, ein gutes Herz zu haben“ - Dalai Lama
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Re: Helgas Thesen

Post 100 im Thema

Beitrag von Helga »

Lorelai74 hat geschrieben: Mi 4. Mai 2022, 22:14 Hast du ein Einfordern und Erzwingen aus meinen Worten gelesen?
Hallo Lori, (ich schiebe die Antwort mal in einen anderen Thread um den von Vencent nicht zu kapern)
nein. Definitv nicht! Weder bei dir noch bei Vencent. Das war eher allgemein gesprochen.
Wir haben hier im Forum des Öfteren Beiträge über Kinder und Jugendliche, insbesondere in Form von geteilten Pressebeiträgen. Daraus wird deutlich, dass sich die Einstellung der Gesellschaft zum Thema "TransX" seit unseren Kindertagen deutlich gewandelt hat. Kinder dürfen sich jetzt endlich ausprobieren, ohne sanktionen fürchten zu müssen. Das ist gut so! Nicht so gut ist, dass das Pendel häufig in die andere Richtung ausschlägt. In jedem Beitrag, ist irgendwie von Pubertätsblockern und weitergehenden Maßnahmen die Rede. Als Gegenleistung für ihre Toleranz baut die Gesellschaft die Erwartungshaltung auf, dass auf diese Toleranz auch eingezahlt wird. Du hast die Freiheit, also nutze sie! Du hast die Wahl, also wähle! Wenn wir akzeptieren, dass du "TransX" bist, dann musst du auch "TransX" sein.
Als wir vor Jahrzehnten unser Interesse an Dingen entwickelten, die eigentlich den anderen Geschlecht vorbehalten waren, hatten wir einfach nur Angst entdeckt zu werden. Das war nicht gut. Heute dürften sich viele Jugendlich ziemlich unter Druck gesetzt fühlen bis zur Pubertät eine Entscheidung zu treffen. Das ist auch nicht besser.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: Helgas Thesen

Post 101 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Hi Helga,

Manches ist Fluch und Segen.
Es ist ein Segen dass sich die Jüngeren informieren können und auch über soziale Netzwerke Menschen finden die ähnlich sind wie sie und sich austauschen können.
Es ist Fluch weil es auch Druck erzeugen kann in der Selbstfindung, weil da plötzlich viel mehr Möglichkeiten da sind.

Ja es hat sich etwas getan in der Gesellschaft, aber es ist auf vielen Ebenen auch noch gleiches da. Die Ausgrenzung ist noch da und das Mobbing ist noch da und die Kräfte die ein zurück wie es früher war kommen auch auf den Plan.
Grundsätzlich ist aus meiner Sicht im Kern der Gesellschaft ein binäres Geschlechterbild mit heterosexuellem verankert. In den Meinungen aber auch in den Gesetzen
Und Bestimmungen.
Dieses Setting führt aus meiner Sicht zur Erwartung dass ein Mensch sich in diese Normen einzugruppieren hat.
Menschen die es nicht tun werden oft wie eine Bedrohung der "natürlichen" Ordnung behandelt.

Vielleicht wenn sich diese Ordnung erweitern würde um
Mehr Optionen und Möglichkeiten, dann könnten auch junge Menschen noch freier wählen und sich ausprobieren.

VLG
Lori
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Re: Helgas Thesen

Post 102 im Thema

Beitrag von Christel_Inter »

Lorelai74 hat geschrieben: Do 5. Mai 2022, 09:12 Menschen die es nicht tun werden oft wie eine Bedrohung der "natürlichen" Ordnung behandelt.
Ich habe wohl verstanden, dass wir in unserer OFFENHEIT ZU UNS SELBST eine Bedrohung für die engen Geister darstellen. Doch die Ordnung bringen wir ja nicht durcheinander, sondern wir representieren die Ordnung, von anderen als Un-Ordnung empfunden wird. Viel zu lange mussten wir die Zwangsordnung als UnOrdnung empfinden und ertragen!
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Re: Helgas Thesen

Post 103 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Hallo Christel,

danke für deine Sicht.
Das Menschen und als "Bedrohung" sehen, liegt an einem Psychologischen Effekt: der Genderconfusion.
Unsere Gehirne versuchen alles einzuordnen in sicheres oder unsicheres/"Gefahr".
Dieser Effekt läuft automatisch ab und ist kaum durch das Bewusstsein steuerbar.
Transidentitäre Menschen werden - weil wir nicht in bekannte Kategorien passen - in die Unsicherheitskategorie eingestuft.
Dafür können die Menschen die erstmal nichts.
Ist etwa unsicher dann laufen bekannte SchutzMechanismen ab: Rückzug, oder Konfrontation oder Totstellen.

Wir machen die Menschen unsicher, aber nicht weil
Sie "eng" sind, sondern weil sie ganz normale Menschen sind.

Für was die Menschen etwas können ist wie sie reagieren auf die empfundene Unsicherheit.

Die Ordnung der Gesellschaft hat sich über Jahrhunderte gebildet und aber auch immer wieder geändert. Gerade ändert sich wieder etwas.
Und ja diese Ordnung übt einen Normierungszwang auf uns und auf alle aus.
Sei die Veränderung die du dir wünschst sagt ein bekanntes Sprichwort. Wo und wie setzt du dich für die Veränderung ein die Du Dir wünschst?
VG
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Re: Helgas Thesen

Post 104 im Thema

Beitrag von Christel_Inter »

Lorelai74 hat geschrieben: Do 5. Mai 2022, 10:32 Das Menschen und als "Bedrohung" sehen, liegt an einem Psychologischen Effekt: der Genderconfusion.
Unsere Gehirne versuchen alles einzuordnen in sicheres oder unsicheres/"Gefahr".
Dieser Effekt läuft automatisch ab und ist kaum durch das Bewusstsein steuerbar.
Transidentitäre Menschen werden - weil wir nicht in bekannte Kategorien passen - in die Unsicherheitskategorie eingestuft.
Dafür können die Menschen die erstmal nichts.
Ist etwa unsicher dann laufen bekannte SchutzMechanismen ab: Rückzug, oder Konfrontation oder Totstellen.

Wir machen die Menschen unsicher, aber nicht weil Sie "eng" sind, sondern weil sie ganz normale Menschen sind.

Für was die Menschen etwas können ist wie sie reagieren auf die empfundene Unsicherheit.

Die Ordnung der Gesellschaft hat sich über Jahrhunderte gebildet und aber auch immer wieder geändert. Gerade ändert sich wieder etwas.
Und ja diese Ordnung übt einen Normierungszwang auf uns und auf alle aus.
Sei die Veränderung die du dir wünschst sagt ein bekanntes Sprichwort. Wo und wie setzt du dich für die Veränderung ein die Du Dir wünschst?
Hallo Lori, hallo all die anderen Mitlesenden!
Zunächst die ernst gemeinte Frage: Ist das der neueste Forschungsstand?
"Wir machen die Menschen unsicher, aber nicht weil Sie "eng" sind, sondern weil sie ganz normale Menschen sind." Menschen sind wir ALLE und es gibt das eher gar keine Norm, außer der, dass schon die Anatomie keine NORM kennt, sondern den Versuch, das optisch vorfindliche in einer Ordnung zu sehen umd aus die Ordnung Handlungsableitungen zu entwickeln. Dass es schon dabei zu Irritationen kommt - auch weil die vorfindliche Ordnung zu grobe Abgrenzungen zieht - ist auch den Medizinern bekannt.
Unser ALLER Problem ist ide Frage: Wie frei wurde mein Kopf trainiert, das Vorfindliche nicht sofort einzuordnen. Das beginnt mir der Meinung des anderen, und seiner Art Handlungen durchzuführen und Lösungen zu erzielen, bis eben hin zu dem, was wir Geschlechterrollen nennen.
Normal sind wir alle; Fragen wir nur mal die Kleinwüchsigen, die in ihrer Normalität dauernd um Hilfe schreien müssten, weil wir sie behindern... Wir? ja wir die angeblich Normalen.
Wie ich mich einsetze? - Jetzt war ich in einem Tagungshotel und ich merkte wieder mal überdeutlich die Unsicherheit des Personals am Counter, wie sollten mich zum Beispiel ansprechen. Ich sprach sie an, ob mein Eindruck stimmen würde (Ich bin dort seit 2014 1x im Jahr zugast); sie stimmten zu! Ich habe für solche Fälle schon einige Zeit eine kleine bunte Doppelkarte parat, mit den Worten: Sie dürfen mich gerne mit meinem Vornamen ansprechen und den Pronomen lassen sie einfach weg, da geht das ganz leicht... ein erleichtertes "das stimmt!" und ein freundliches Lächeln war das Ergebnis - und prompt (ich war selbst überrascht!) war das andere Personal auch in dieser Freiheit. - geht doch
Allmählich muss ich diese doppelseitig bedruckten Karten (Visitenkartenformat) nachdrucken lassen.
Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: http://christel-pruessner.de/__andro-st ... _2021_.png

Christel grüßt
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Re: Helgas Thesen

Post 105 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Hallo Christel,
Genderconfusion ist als psychischer Effekt beschrieben. Ja.

Und die Mechanismen der Amygdala, alle Sinneswahrnehmungen einzugruppieren und mit dem Hippocampus abzugleichen und je nach Eingruppierung eine angenehmes oder unangenehmes Gefühl auszulösen auch.


Eine Gesellschaft in der Kinder von klein auf mehr, diversere Geschlechtsbilder treffen würden, hätte wahrscheinlich den Effekt, das durch die andere Lernumgebung die Genderconfusion weniger oder gar nicht aufträte.

Leider sind die Menschen hier in einer Gesellschaft mit binären Geschlechtsbild aufgewachsen.

Und ja, das eine ist der Auslöser und das andere wie man darauf reagiert- und ja, auch bei der Reaktion spielt die Lernerfahrung jedes Einzelnen, mit allen Traumata und allen Prägungen eine Rolle.

Das ist keine Entschuldigung für die negativere Reaktionen auf TransMenschen, nur ein Erklärungsversuch warum es passiert.

Und so wie wir Toleranz für uns einfordern, braucht es auch unsere Toleranz den anderen mit seinem Sein. Auch mit seinen Einschränkungen.

Wie kann man es längerfristig ändern?
In dem wir uns zeigen und erklären, indem wir das Buld von binären auf divers verändern.

Deine Karte ist da sicher eine gute Idee Menschen zu helfen wie sie mit Dir umgehen können.

Viele Grüße
Lori
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