Hallo Helga,Helga hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 22:19 Wärst du vor 25 Jahren auf dem Entwicklungsstand wie heute gewesen, wenn du damals die Informationen gehabt hättest, über die du heute verfügst? Oder hat sich die Gender- Disphorie im Laufe der Jahre entwickelt?
Bei mir würde ich es so einschätzen: Die Dysphorie war seit meiner Kindheit vorhanden, ich kam nur nie auf die Idee, das es etwas mit Gender zu tun haben könnte. Ich mochte einfach nur die meisten Sachen nicht, die mit der männlichen Rolle verknüpft waren: kurz geschnittene Haare, Anzug und Krawatte, dunkle und klobige Schuhe ... . In den 1970ern lebte ich auf, als sich Jeans, T-Shirt und Turnschuhe als Alltags-Kleidung durchsetzten und ich die Haare lang wachsen lassen konnte. - Dann musste ich zur Bundeswehr ... .
Nach der Pubertät kam ein sexueller Aspekt hinzu: Ich fand keine Partnerin. Einerseits war ich sehr schüchtern und andererseits wirkte ich wohl auf die Mädchen oder jungen Frauen einfach nur total langweilig. Mit der Selbstbefriedigung kam so der Wunsch auf mich zwecks sexueller Erregung in eine Frau zu verwandeln. Aber auch das brachte ich nicht mit einer Gender-Dysphorie in Verbindung. Ich wusste zwar, dass es Transsexuelle gab, aber mit dieser Szene kam ich nie irgendwie in Kontakt. Das galt als krank oder pervers. Damit wollte ich nichts zu tun haben. Und von meinem Fetisch musste ich ja niemandem etwas erzählen.
Auf die Idee irgendwie trans(*?) sein zu können, kam ich erst 2017 nach dem Tod meiner Mutter durch dieses Forum. Und von nicht-binär hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört oder gelesen.
Wie wäre es also gewesen, falls ich den Mut aufgebracht hätte mich bei meiner Partnerin zu outen? - Vermutlich hätte ich ihr gestanden, dass ich da so einen Fetisch habe - und deshalb auch meistens keine Lust auf Sex, oder so ähnlich. Wäre irgendwie dämlich gewesen. Also ließ ich es. Die Partnerschaften brachen aber trotzdem immer auseinander. Mit den heutigen Informationen aus dem Internet wäre es aber vielleicht anders abgelaufen.
Liebe Grüße
Nicole
