Männlichkeit in der Weiblichkeit ?
Männlichkeit in der Weiblichkeit ? - # 12

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
Antworten
Michi
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 5985
Registriert: Mo 19. Dez 2016, 09:45
Pronomen: sie
Forum-Galerie: gallery/album/11
Hat sich bedankt: 725 Mal
Danksagung erhalten: 886 Mal
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 166 im Thema

Beitrag von Michi »

JuLa67 hat geschrieben: So 19. Jan 2020, 14:06 Ich habe fast 50 Jahre vergeudet...!?
Nein, ich brauchte die Zeit oder auch den Leidensdruck, die Lebenserfahrung um den Ausweg als solchen zu finden.
Ja, da spielen natürlich die individuellen Lebensumstände eine mehr oder wenige große Rolle.
Und ja, ich trauere manchmal ein wenig den Jahren hinterher: Was hätte ich alles erleben können als Frau?!
Andererseits hätte ich früher gar nicht die Selbstsicherheit gehabt, zu Larissa zu stehen. Meine Familie hätte mir das ausgeredet.
Aber das ist doch das, was Nicole meint. Die Familie, die Druck auf dich ausgeübt hat, wenn du nicht wie erwartet funktionierst, anstatt dir den Raum zu geben dich entwickeln zu können, so wie du bist, die hat dir damit doch letztlich viel von deiner Lebenszeit genommen.

Und mir ging es ebenso. Mir war schon sehr früh klar, dass ich anders bin, als ich gemäß der etablierten Geschlechterstereotypen sein sollte. Und das Umfeld hat es gut verstanden, entsprechenden Druck aufzubauen, dass ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, etwas darüber zu sagen, wie ich mich fühle. Statt dessen lernte ich frühzeitig, mein Ich zu verbergen und zu verleugnen. Nur hat mir das nichts genützt, weil ich nichts an meinem Sein ändern kann. Aber das wusste ich damals als Kind noch nicht. Und das ist ja das Perfide: Kinder müssen sich darauf verlassen, was sie von den Erwachsenen, von der Gesellschaft vorgelebt bekommen.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
ExUserIn-2026-04-08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3886
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Pronomen:
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 1027 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 167 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

!EmmiMarie! hat geschrieben: Fr 17. Jan 2020, 19:18 Jungs brechen häufiger die Schule ab, während Mädchen viel mehr Interesse haben was aus sich
und ihrem Leben zu machen.
Hierzu eine Studie: https://www.berlin-institut.org/fileadm ... _final.pdf
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Marlene K.
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2149
Registriert: Fr 10. Aug 2018, 17:54
Geschlecht: größtenteils weiblic
Pronomen: sie, ohne Überempfin
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 222 Mal
Danksagung erhalten: 66 Mal
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 168 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 07:49
!EmmiMarie! hat geschrieben: Fr 17. Jan 2020, 19:18 Jungs brechen häufiger die Schule ab, während Mädchen viel mehr Interesse haben was aus sich
und ihrem Leben zu machen.
Hierzu eine Studie: https://www.berlin-institut.org/fileadm ... _final.pdf
Ich bin ganz vorsichtig bei solchen Datenerhebungen. Wenn ich weiß, dass der Wohnort, der Beruf des Vaters (nicht oder weniger der Mutter) und der Name einen deutlichen Einfluss auf die Noten und deren Bewertung der Schüler*innen durch die Lehren*den haben lässt es bei mir Zweifel an der zutreffenden Bewertung sowohl der Schüler*innen als auch der daraus gewonnenen Daten aufkommen.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
ExUserIn-2026-04-08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3886
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Pronomen:
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 1027 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 169 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Carry hat geschrieben: So 19. Jan 2020, 09:59 Also ich für meinen Teil möchte schon behaupten, dass ich mich durchaus ganz subjektiv "weiblich" fühle - natürlich nicht immer ganz bewusst - denkt man ja auch meistens nicht drüber nach - aber ich kann schon durchaus "weiblich" empfinden, auch ohne Interaktion mit anderen.
Hi Carry,

das ist für mich ein spannender Satz. Ohne Dir etwas absprechen zu wollen, kann es nicht sein, dass Du Dich weiblich fühlst, weil es konform ist, Dich als Cis-Frau weiblich zu fühlen ? Was wäre, wenn Bio-Männer, die sich als Trans* verstehen, die gleichen Gefühle hätten, sie aber nicht als "weiblich" bezeichnen ? Könnte es nicht sein, dass Du Gefühle als "weiblich" bezeichnest, weil Du sie als weiblich verstehen willst ? Was macht sie denn so spezifisch weiblich ?

Nur eine kleine Anregung ... ;-)
Carry hat geschrieben: So 19. Jan 2020, 10:19 Wie schön müsste eine Welt sein, in der alle einfach nur, sagen wir mal "Kartoffelsäcke" tragen würden und es nur um die Seele eines Menschen und dessen Charaktereigenschaften ginge - ohne dieses ewige Klamotten-Gehabe und diesem irrsinnigen Hype und Kommerz darum.
Das gab es schon einmal. In Maos China gab es die geschlechtsneutralen "Kittel". Aber so ganz hat sich das auch nicht durchgesetzt. Ich denke Kleidung ist ein Kommunikationsmittel. Ich sage damit etwas über mich aus. Und so, wie es hier keine "Nicht-Kommunikation" gibt, drückt man mit scheinbar ausdrucksloser Kleidung auch etwas aus. In meinen Augen ist auch nicht die Kleidung ein Problem, sondern der Modeterror, und damit der Verlust an Selbstbestimmung, der damit verbunden ist. Aber mir ist en femme Kleidung wichtig, denn es sagt etwas über mich aus. En homme ist es mir auch eher gleichgültig. Da putze ich mich am ehesten, um meiner Frau zu gefallen...
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
ExUserIn-2026-04-08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3886
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Pronomen:
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 1027 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 170 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Anne-Mette hat geschrieben: So 19. Jan 2020, 10:37 Zusammenfassungen
Das ist ein gutes Stichwort. Verstehen wir Zusammenfassung als eine gruppierung von Menschen mit gemeinsamen Merkmalen, muss das nicht bedeuten, dass diese Merkmale scharf und ausgrenzend sind. Bleiben wir beim Beispiel "Rentner". Sind Rentner, die zusätzlich noch einer geregelten Arbeit nachgehen, noch Rentner oder sind sie Arbeitnehmer ?

Das Kernproblem besteht doch darin, dass wir als Allgemeinheit Mann und Frau ausschließend sehen: ein strenges entweder oder. Auf der anderen Seite lassen wir aber zu, gleichzeitig männliche und weibliche Aspekte zu besitzen. Das ist mMn ein Widerspruch.

Es ist für mich absurd, mich als Frau mit Penis zu bezeichnen. Und ja, ich könnte mir ein Leben als Frau in einem weiblichen Körper vorstellen. Hätte ich einen weiblichen Körper, würden mich wahrscheinlich die Realitäten (z.B. die Folgen eines anderen Hormonhaushalts) drastisch ernüchtern. Aber die Vorstellung eine Frau zu sein, macht mich im Sinne, wie es Wally beschrieben hat, "vollständiger". Das ist eine perfekte Kurzformulierung für mich. Das betrifft sowohl Lebensgefühl wie auch die sexuelle Komponente. Ich kann es mangels Vorstellungsvermögen nicht erklären, wie ich das eine vom anderen trennen könnte. Geschlecht bedeutet für mich immer auch Sexualität, auch wenn ich en femme nur zeitweise an Sexualität denke.

Ein anderer Aspekt, der in der Diskussion aufkam, war der Begriff "Fremdbestimmung". Genau das ist es, was ich auch nicht mag. Wenn mich jemand in eine Gruppe einsortiert, kann und will ich das nicht verhindern, aber ich wehre mich vehement dagegen, das als Attribut mit mir herumschleppen zu müssen. Ein Kichern von Teenies, wenn ich aus der Damentoilette komme, macht mir nichts aus (schon passiert). Wenn man mich verjagen wollte, schon (noch nicht passiert). Wenn mich jemand eklig findet, ist das sein Problem (schon passiert). Wenn mich jemand deswegen beschimpft, wird das zu meinem Problem (noch nicht passiert). Es gibt Situationen, in denen ich sicher bin, fremdbestimmt zu sein. Ich bin zwar schon en femme gesehen worden, aber ich oute mich trotzdem nicht auf der Arbeit. Es würde vermutlich Nachteile bedeuten. Zumindest müsste ich sehr viele Diskussionen über mich als Person aushalten, die ein Cis-Mensch nicht kennt. Niemand muss sich erklären, weshalb er als Mensch mit Penis "typisch männlich" auftritt. Das ist mir, zumindest derzeit, zu viel.

Nichts in dieser Welt ist schwarz-weiß. Wo hört das Meer auf, wo fängt das Land an ? Wo ist der Übergang von Erde zu Weltraum ? Liegt das Innere des Magens im Menschen oder ist es noch außen ? Falls inn, wo ist die Grenze und warum dort ? Die Einteilungen sind durch Menschen gemacht, um kommunizieren zu können. Aber sie sind nicht eindeutig. So sehe ich das mit Mann und Frau auch. Und hier liegt mMn auch das Problem. En femme drücke ich für Andere aus, ich sei potentiell gebährfähig. Das kann (und wird) als "Betrug" verstanden (werden). Was in unserem Kopf passiert, hat sicher auch ohne konkreten Anlass eine biologische, sprich arterhaltende, Komponente (wie die im Detail aussieht, sei einmal dahin gestellt). Insofern kann man den "Betrug" verstehen.

Muss ich deutlich machen, dass ich nicht betrügen will ? Ich denke nein. Es muss meine Freiheit sein können, mich so auszudrücken, wie ich gesehen werden will. Dazu benutze ich symbolhaft Attribute, die einem gesellschaftlichen Verständnis unterliegen, z.B. Nagellack, FSH o.ä. Aber die Interpretation, ich sei willig und gebährfähig liegt nicht bei mir. Hier muss mMn das Umdenken stattfinden. Eine Bio-Frau im Mini ist ja auch kein Freiwild, auch wenn das manche Menschen meinen. Aber ich fürchte, das kann noch eine Weile dauern ...

Ganz großartig fand ich auch Carrys Beitrag zum Thema Partnerinnen.
Carry hat geschrieben: Fr 17. Jan 2020, 11:57 Wenn ein Trans*-Mensch in einer Beziehung ist und sich outet, dann hat das zwangsläufig ganz erhebliche Auswirkungen auf den anderen Part der Beziehung. Denn, ob man es nun gut findet oder nicht, i.d.R. ist es so, dass der Hauptanteil der Menschen sich in den herkömmlichen Rollenbildern ganz wohl fühlt und sich eben sein Leben so eingerichtet hat.
Ein Trans*-Mensch, der eben dies verschweigt, tut das ja auch - wenn auch nur zum Schein. In dem Moment, wo das Outing stattfindet, werden die Karten einfach innerhalb der Beziehung komplett neu gemischt. Viele sagen so oft, das hat doch mit der Partnerin nichts zu tun. Aber ich sage, das hat es sehrwohl! ...
Ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass eine Beziehung auch durch ein vermiedenes Outing beeinflusst wird. Beziehungen sind sehr stark wirkende Einflüsse beim jeweils Anderen. Eine Beziehung ohne Austausch, egal zu welchem Thema, bleibt an der Oberfläche. Trans* ist in einer Beziehung keine "Privatsache" mehr. Durch die Öffnung kommen Dinge in Bewegung. Es scheint mir, dass Menschen meinen, sie würden wie ein Satellit im Weltall alleine durch die Welt gehen. Aber da wir soziale Wesen sind, stehen wir in ständiger Wechselbeziehung (nicht nur im Paar), die uns immer beeinflusst. Und in diesem Beziehungsgeflecht beeinflussen wir uns alle gegenseitig viel stärker als es den Anschein hat. Die Paarbeziehung dürfte die Stärkste dabei sein.

Auch hier gilt Watzlawicks "Man kann nicht Nichtkommunizieren". Alles was ich tue oder auch nicht tue, beeinflusst mein Gegenüber. Ein Outing zwingt den Anderen, sich mit der Situation auseinander zu setzen. Die Frage, "was macht das mit mir" ist ganz wichtig. Es reicht nicht, einen Transmenschen zu akzeptieren, wie er ist. Es betrifft den/die Partner/in in der eigenen Persönlichkeit, denn es werden implizit Fragen aufgeworfen, die einer Selbstreflexion bedürfen. Es werden "Leichen" ans Tageslicht geholt, die man lieber tief vergraben ließe. Das erklärt auch die massive Ablehnung durch Partner/innen, wenn sie mit der Fragestellung Trans persönlich konfrontiert werden. Für Menschen, die in der Frage abgeklärt sind, ist das kein Problem, aber für Menschen, die hier Defizite haben, werden mächtig geschüttelt. Aber darin liegt eine Chance (https://www.zeit.de/2003/36/Stimmts_Chi ... iftzeichen).

Ohne auf alle Beträge eingegangen zu sein, bzw. eingehen zu können, vielen Dank für Eure Mühe. Es ist und bleibt spannend.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Anja
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1787
Registriert: Di 26. Jan 2016, 09:45
Geschlecht: weiblich
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Buchholz in der Nordheide
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 171 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Wally hat geschrieben: Mo 20. Jan 2020, 18:38 Ich "fühle mich weiblich", wenn ich beim Treppe runtergehen oder beim Joggen meine Brüste spüre - eine sinnliche Wahrnehmung, die ich dann rational dem Bewußtsein "ich bin weiblich" zuordne. Aber nachts allein im Bett? Da nehme ich nichts derartiges wahr, da müßte ich schon wirklich ein spezifisches, originäres Gefühl haben, das mir direkt und ganz unabhängig von der augenblicklichen Umwelt oder Tätigkeit das Gefühl "weiblich" vermittelt. Das habe ich nicht.
Ich glaube, wenn man das verstehen will, muss man das Gefühl von der Identität trennen.
Ist meine (Geschlechts)Identität weiblich, glaube ich resultiert mein Gefühl weiblich zu sein letzten Endes daraus. Dieses Gefühl wird beeinflusst z.B. durch den Austausch von Zärtlichkeiten mit meiner Frau oder auch z.B. durch ein besonders weibliches Outfit (schickes Kleid, hohe Schuhe). Dann fühle ich mich weiblicher und sexier als in Jogginghose und T-Shirt. Aber mein Wesen, meine Identität beeinflusst das nicht. Ich nehme mich immer als Frau wahr, ob ich nun allein bin oder im Bett liege. Aber das Gefühl von meiner eigenen Weiblichkeit ist mal schwächer und mal stärker, kann also anscheinend beeinflusst werden.
Carry hat geschrieben: So 19. Jan 2020, 10:19 Wie schön müsste eine Welt sein, in der alle einfach nur, sagen wir mal "Kartoffelsäcke" tragen würden und es nur um die Seele eines Menschen und dessen Charaktereigenschaften ginge - ohne dieses ewige Klamotten-Gehabe und diesem irrsinnigen Hype und Kommerz darum.
Nach meinem "Erklärungsmodell" würde das dann ja auch den starken Bezug eines CD's zur Kleidung erklären. Ich kann mich auch nackig weiblich fühlen, weil sich mein Körper durch die Hormone größtenteils dem einer Frau angepasst hat. Den weiblichen Körper hat ein CD ja normalerweise nicht. Vielleicht hilft dann die Kleidung dem weiblichen Gefühl auf die Sprünge, ähnlich wie es sich bei mir ja auch verstärkt, wenn ich mich besonders zurecht mache?
So kann sich vielleicht ja auch ein an sich männliches Wesen, einfach durch weibliche Kleidung dann (zeitweise) weiblich fühlen? Mir hat die Kleidung früher jedenfalls viel "gegeben", durch sie bin ich irgendwie in ein mentales Gleichgewicht gekommen...
Und da ich heute das richtige Leben lebe und sich mein Körper entsprechend verändert hat, bin ich nicht mehr so von der Kleidung abhängig? Hm, da raucht einem bald der Kopf...

Grüße
die Anja
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
Carry
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 276
Registriert: Mo 18. Nov 2019, 15:25
Geschlecht: w
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Marl
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 172 im Thema

Beitrag von Carry »

Jaddy hat geschrieben: Mo 20. Jan 2020, 16:10 Spannend. So ein Gefühl von "mit der Person möchte ich unbedingt Sex haben" hatte ich tatsächlich nie. Ästhetik ja, auch gerne nahe sein, quasi "romantisches", aber einen körperlichen Sextrieb ausgerichtet auf jemanden nicht.
Das finde ich in der Tat sehr spannend, auch dass es anscheinend ja doch einige Trans*-Menschen gibt, die genau das sagen....
Könnte das nicht der Grund sein, warum Hetero-Partnerinnen so oft Unverständnis ernten, wenn sie sagen, dass sie sich nicht vorstellen können, mit einer Frau zusammen zu sein, weil eben dann keinerlei sexuelle Anziehung mehr da wäre, die sich ja auf den Mann bezieht?!
Das wäre eine schlüssige Erklärung, warum Trans*-Menschen das so oft als "Intoleranz" oder "Ignoranz" abtun, wobei es sich aber eben um eine sexuelle Ausrichtung und Neigung handelt. Vielleicht könnt "ihr" das teilweise deswegen nicht nachvollziehen, weil ihr diese Art sexueller Anziehung nicht kennt?!

Ich kenne das Gefühl sogar sehr gut, dass ich jemanden sehe, und denke "Wow, mit dem hätte ich gerne Sex", also diesen rein körperlichen Trieb kenne ich durchaus. Das ist keine "männliche Domäne", es gibt auch eine Menge Frauen, die eben so einen "Trieb" haben - allerdings wird das gerne verschwiegen, weil sich das als Frau ja nicht "schickt", triebhaft zu sein.

Interessant ...
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"
ExUserIn-2026-04-08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3886
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Pronomen:
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 1027 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 173 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Carry hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 12:32 weil ihr diese Art sexueller Anziehung nicht kennt?!
Hm, ich wäre vorsichtig mit Verallgemeinerungen. Auch das Thema, wer wirkt wie auf mich sexuell anziehend, ist keine festgelegte Eigenschaft. Was mich richtig gut fühlen lässt, ist viel mehr eine gute Vertrauensbasis zu meiner Partnerin und das Gefühl, dass ich sein kann, wie ich bin. Und da das meine Frau ist, gäbe es für mich vermutlich keine Probleme in Sachen Anziehung, wenn sie auf einmal den Wunsch verspüren sollte, den Mann zu spielen. Des halb beschleicht mich ein wenig der Verdacht, dass hinter der Ablehnung von Partnerinnen auch ein ordentliche Portion Voreingenommenheit durch Erziehung stecken kann. Aber letztlich muss das Jede/r für sich selber entscheiden.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Carry
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 276
Registriert: Mo 18. Nov 2019, 15:25
Geschlecht: w
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Marl
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 174 im Thema

Beitrag von Carry »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 08:12 Carry hat geschrieben: ↑
So 19. Jan 2020, 09:59
Also ich für meinen Teil möchte schon behaupten, dass ich mich durchaus ganz subjektiv "weiblich" fühle - natürlich nicht immer ganz bewusst - denkt man ja auch meistens nicht drüber nach - aber ich kann schon durchaus "weiblich" empfinden, auch ohne Interaktion mit anderen.

Hi Carry,

das ist für mich ein spannender Satz. Ohne Dir etwas absprechen zu wollen, kann es nicht sein, dass Du Dich weiblich fühlst, weil es konform ist, Dich als Cis-Frau weiblich zu fühlen ? Was wäre, wenn Bio-Männer, die sich als Trans* verstehen, die gleichen Gefühle hätten, sie aber nicht als "weiblich" bezeichnen ? Könnte es nicht sein, dass Du Gefühle als "weiblich" bezeichnest, weil Du sie als weiblich verstehen willst ? Was macht sie denn so spezifisch weiblich ?

Nur eine kleine Anregung ...
Puuahh....ja, wenn ich nur Worte dafür hätte und ausdrücken könnte, was ich meine.... :?:
Es ist wirklich schwierig, das in Worte zu fassen.
Vielleicht hast Du Recht und es sind Gefühle, die man nur als "weiblich" interpretiert, die aber aus sich selbst heraus nicht spezifisch sind?!
Am weiblichsten fühle ich mich natürlich in der Interaktion mit einem Mann, der mir diese Weiblichkeit durch sein Verhalten mir gegenüber bestätigt - das steht ausser Frage - aber darum soll es ja nicht gehen. (Im übrigen, by the way, ist das genau der Grund dafür, dass so viele Hetero-Partnerinnen Probleme mit der Weiblichkeit ihres ansich männlichen Partners haben - dann wird nämlich die eigene Weiblichkeit nicht bestätigt, sondern allenfalls gespiegelt - und Spiegelung der eigenen Geschlechtsmerkmale bedeuten für einen Hetero-Menschen Konkurrenz!)

Ich fühle mich aber auch - nach meiner Interpretation - weiblich, wenn ich ganz tief in mir Ruhe und nur mit mir bin, wenn ich meine Weiblichkeit für mich ganz alleine ganz bewusst wahrnehme.
Wally hatte das Beispiel von Hunger und Durst genannt - das sind ja letztlich körperlich begründete Befindlichkeiten.
Davon ausgehend habe ich diese "weibliche Befindlichkeit" natürlich besonders, wenn ich innerhalb meines Zyklus z.B. einen Eisprung spüre - oder die Schmerzen der Gebährmutterkontraktionen, wenn ich meine Periode habe - es gibt ja nichts "ur-weiblicheres" als das.
Aber wie gesagt, diese körperlich begründeten Befindlichkeiten meine ich ansich nicht, wenn ich von Gefühlen spreche.
Diese spielen sich auf einer reinen feinstofflichen Ebene ab - die Seele, das Wesen, der Geist ...?!?!?
Wenn ich diese Gefühle beschreiben würde, müsste ich vergleichen, ich müsste also sagen, "es fühlt sich an, wie..." oder "so ähnlich, als wenn..." - das wird dem aber sicher nicht ganz gerecht.

Ach, Vicky, Du kannst mich mit Deinen Thesen und Fragen immer in so herrliche Gedankenexperimente schicken (he) ...
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"
Carry
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 276
Registriert: Mo 18. Nov 2019, 15:25
Geschlecht: w
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Marl
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 175 im Thema

Beitrag von Carry »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 12:50 Hm, ich wäre vorsichtig mit Verallgemeinerungen.
Hast Recht, das war blöd ausgedrückt, sorry - das "IHR" bezog sich da auf eben die Trans*-Menschen, die sagten, dass sie diese sexuelle Anziehung, wie Jaddy beschrieb, nicht kennen - davon gibt es ja mehrere - das sollte aber natürlich nicht auf alle bezogen sein! Tschuldigung (flo)
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"
Carry
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 276
Registriert: Mo 18. Nov 2019, 15:25
Geschlecht: w
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Marl
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 176 im Thema

Beitrag von Carry »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 12:50 Des halb beschleicht mich ein wenig der Verdacht, dass hinter der Ablehnung von Partnerinnen auch ein ordentliche Portion Voreingenommenheit durch Erziehung stecken kann. Aber letztlich muss das Jede/r für sich selber entscheiden.
Das ist natürlich möglich, aber ich kann ja nur für mich sprechen, für mich liegt das aber einfach an einer ganz eindeutig hetero ausgerichteten Sexualität - ich habe ja schon oft versucht, das zu erklären. Es liegt für mich in der Natur der Sache, dass ein Trans*-Mensch natürlich da offener ist, weil mehrere Kombinationen in der Sexualität denkbar sind - aber bei einem Menschen, der schlichtweg "nur" hetero ist, ist das einfach nicht der Fall.
Aus Sicht eines Transmenschen mögen wir Heteros vielleicht defizitär sein, weil wir andere Möglichkeiten gerne kategorisch ausschließen ...aus unserer eigenen Sicht sind wir das aber nicht, denn für uns stellt das ja kein Defizit dar.
An anderer Stelle schrieb ich Dir schon mal, dass ich gar kein Problem damit hätte (sofern ich nicht in einer Beziehung wäre natürlich nur...), Sex mit einer Frau auszuprobieren, wenn ich mich denn in irgendeiner Weise von einer sexuell angezogen fühlen würde - wieso auch nicht.
Wenn ich das kategorisch ablehnen würde, dann wäre das sicher durch Erziehung etc. geprägt.
Aber ich fühle mich von einem Frauenkörper und/oder Erscheinungsbild eben so gar nicht sexuell angezogen...stock-hetero eben :wink:

Wie ja aber die meisten mitbekommen haben, habe ich ja durchaus schon "Sexperimente" mit meinem Mann in Frauenkleidern gewagt - eben genau aus dem Grund, weil ich es probieren will, weil ich ja auch will, dass es der Mensch ist, der mich anzieht, und nicht "nur" sein Körper und/oder Erscheinungsbild.
Das ist aber gar nicht so einfach...

Klar stehe ich absolut dahinter, wenn ich sage, alles was man mit Liebe betrachtet, wird schön (respektive anziehend). Ich muss aber auch immer wieder feststellen, dass man gegen seine ur-eigene Neigung nicht so einfach ankommen kann - das erfordert eine Menge "Selbst-Manipulation" und das Lenken seiner eigenen Lust in Bahnen, die man ansich gar nicht als lustbringend empfindet. Der Kopf spielt da eine ganz große Rolle.
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"
Wally
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 699
Registriert: Fr 7. Sep 2018, 23:37
Geschlecht: Transfrau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Hurlach
Hat sich bedankt: 17 Mal
Danksagung erhalten: 191 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 177 im Thema

Beitrag von Wally »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 12:50 [Und da das meine Frau ist, gäbe es für mich vermutlich keine Probleme in Sachen Anziehung, wenn sie auf einmal den Wunsch verspüren sollte, den Mann zu spielen.
Hm... da müßte es bei meiner Frau schon wirklich SEHR begrenzt beim "Spiel" bleiben, damit ich das akzeptieren könnte. Würde sie plötzlich anfangen, Androgene zu nehmen, um Stimmbruch und Bartwuchs zu kriegen, dann könnte ich das unmöglich akzeptieren, dann wär's aus. Um das akzeptieren zu können, müßte ich zumindest bisexuell sein - was ich definitiv NICHT bin. Ich habe Barbara zu 100% als Frau kennen und lieben gelernt; auf einen Barbarus könnte ich das nicht übertragen, weil das meinen eigenen Empfindungen und Vorlieben heftigst zuwiderlaufen würde. Da kann ich Carry schon sehr gut verstehen.

Ich denke, die sexuelle Partnerorientierung ist selbst dann sehr entscheidend für das Gelingen und die Stabilität einer Ehe, wenn kaum noch Sex stattfindet. Der ganze Grundstock an Sympathie basiert letztlich darauf, das ganze Bedürfnis nach körperlicher und seelischer Nähe, auch weitab vom Sex. Eben deshalb halte ich es als Quintessenz meiner Erfahrungen für dringend erforderlich, dass man sich als Transgender schon gleich zu Beginn einer Beziehung vorbehaltlos offen zeigt, dass man da mit offenen Karten spielt. Es einer Partnerin, die damit nicht umgehen kann, jahrelang zu verschweigen, tut erstens BEIDEN Partnern weh, und zweites hindert es einen jahrelang daran, die wirklich passende Partnerin zu finden.

Herzliche Grüße
Wally
Herzliche Grüße
Wally
ExUserIn-2026-04-08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3886
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Pronomen:
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 1027 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 178 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Carry hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 13:18 dass man gegen seine ur-eigene Neigung nicht so einfach ankommen kann - das erfordert eine Menge "Selbst-Manipulation" und das Lenken seiner eigenen Lust in Bahnen, die man ansich gar nicht als lustbringend empfindet. Der Kopf spielt da eine ganz große Rolle.
Eben das meine ich. Der Kopf macht die Musik ... Aber ich will ja auch nicht widersprechen, dass es so ist, wie Du oder auch Wally schreibt. Ich habe trotz "stockhetero" auch einmal andere Erfahrungen machen können. Seit dem bin ich mir selber gegenüber kritischer, was Festlegungen betrifft. Problematisch wären nicht, wie Wally schreibt, Bartwuchs und Stimmbruch, sondern Veränderungen der Persönlichkeit, die z.B. mit Hormonveränderungen einhergehen. Ich muss mich in der Beziehung sicher fühlen, dann geht mehr als ich heute denke ...
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 4058
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 308 Mal
Danksagung erhalten: 1394 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 179 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Carry hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 13:00 Vielleicht hast Du Recht und es sind Gefühle, die man nur als "weiblich" interpretiert, die aber aus sich selbst heraus nicht spezifisch sind?!
Am weiblichsten fühle ich mich natürlich in der Interaktion mit einem Mann, der mir diese Weiblichkeit durch sein Verhalten mir gegenüber bestätigt - das steht ausser Frage - aber darum soll es ja nicht gehen. (Im übrigen, by the way, ist das genau der Grund dafür, dass so viele Hetero-Partnerinnen Probleme mit der Weiblichkeit ihres ansich männlichen Partners haben - dann wird nämlich die eigene Weiblichkeit nicht bestätigt, sondern allenfalls gespiegelt - und Spiegelung der eigenen Geschlechtsmerkmale bedeuten für einen Hetero-Menschen Konkurrenz!)

Ich fühle mich aber auch - nach meiner Interpretation - weiblich, wenn ich ganz tief in mir Ruhe und nur mit mir bin, wenn ich meine Weiblichkeit für mich ganz alleine ganz bewusst wahrnehme.
[...]
Davon ausgehend habe ich diese "weibliche Befindlichkeit" natürlich besonders, wenn ich innerhalb meines Zyklus z.B. einen Eisprung spüre - oder die Schmerzen der Gebährmutterkontraktionen, wenn ich meine Periode habe - es gibt ja nichts "ur-weiblicheres" als das.
Also mal ein wenig auseinander gedröselt...

1. Klar, wenn ein Mensch an der Partnerperson ausgerechnet (und hauptsächlich) die primären und sekundären biologischen Geschlechtsmerkmale attraktiv findet und da auch keine Varianz und_oder andere Spielarten in Erwägung ziehen kann, dann ist bei der körperlichen Transition irgendwann Schluss mit sexueller Anziehung und bei den meisten dann offenbar auch Ende der Beziehung. Is halt blöd, wenn Mensch auf dem Gebiet sehr eingeschränkt ist. Ich möchte die Perspektive aber auch mal umdrehen und fragen, mit welchem Recht 1 die Partnerperson quasi als Provider der ewig gleichen Attraktionsmerkmale verpflichten möchte. Veränderungen und Entwicklung verboten? Das geht ja schon biologisch nicht.

2. Weibliche Körperempfindungen. Nicht nur mein genderqueeres, aber doch ziemlich cis-weibliches Bunny fand ihren Körper eigentlich ganz prima, aber hat so wirklich alles gehasst, was mit Menstruation zu tun hatte (als sie noch da war). Eisprung, Krämpfe, Schmerzen, Blut, allein die Gedanken daran. Und ich kenne etliche cis Frauen, denen es so geht. Auch Frauen, die gerne Kinder geboren haben, aber auf einige "ur-weibliche" Dinge wirklich gerne verzichten würden. Also lässt sich das nicht als "weiblich" verallgemeinern.

3. Die Bezeichnung "weiblich" für dein persönliches Set an Empfindungen nach innen und aussen ist so pauschal nicht sinnvoll. Es ist "Carry-weiblich", denn es ist eben ein Gemisch aus Körpergefühl, Genderstereotypen, Balzritualen und Erwartungen. So ziemlich jede andere Person hat ein ganz anderes Set, was sie attraktiv findet, mit anderen tun möchte, welche Signale positiv ankommen und in welchen Situationen (bspw. Flirt vs Alltag). Auch dein Beispiel Gegensatz = Bestätigung vs Spiegelung = Konkurrenz kommt nicht immer hin. Dazu kenne ich zu viele cis-hetero-Frauen, die ihre (cis-)männlichen Partner gerne mit "weiblichen" Accessoires sehen. Sprich: Deine persönliche Definition taugt nicht zur Verallgemeinerung. Aber keine Sorge: Keine tut das.

4. Bei weitem nicht alle trans oder nicht-binären Menschen haben wenig Libido vorher/nachher oder spüren wenig direkte sexuelle Attraktion im Sinne von "mit der Person muss ich jetzt sofort hintern Busch". Und auch nicht alle cis Personen haben das. Auch das ist ein sehr buntes Spektrum von full power über demi bis asexuell. Und asexuell heisst auch nicht unbedingt "gar kein Sex". Dazu gibt es auch die romantische Dimension, die auch sehr bunt ist. Und mal persönlich: Ich bin seit >25 Jahren in der BDSM Szene aktiv, habe ein aktives Sexleben, aber die Kicks und Trigger sind eben andere als was ich bei Menschen von aussen sehe / sehen kann - und ich muss für meine Sexualität eben nicht unbedingt irgendwas irgendwo reinstecken.

Ich finde es etwas keck, sowohl intensiven Sextrieb, wie auch 100% hetero-vanilla und die Kombi sexuell+romantisch als gegeben hinzunehmen. Dadurch, dass immer mehr Varianten sichtbarer werden, entdecken auch immer mehr Menschen, dass sie mit ihren abweichenden Empfindungen und Vorlieben nicht allein sind gegenüber dem immer wieder als so "normal" hingestellten Standard.

Das ganze Feld Sexualität und Beziehung ist eher eine variantenreiche Landschaft mit ein paar statistischer Häufungen, aber so wie ich es erlebe mehr Ausnahmen als alles andere - wenn sich 1 mal vom Gedanken an "normal" löst.

Deshalb schlagen wirklich alle Pauschalisierungsversuche über "ihr trans" und andere immer wieder fehl.
Carry
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 276
Registriert: Mo 18. Nov 2019, 15:25
Geschlecht: w
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Marl
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Männlichkeit in der Weiblichkeit ?

Post 180 im Thema

Beitrag von Carry »

Jaddy hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 14:01
Is halt blöd, wenn Mensch auf dem Gebiet sehr eingeschränkt ist.
Nö! Ist gar nicht blöd - weil aus meiner Sicht bin ich ja mal so gar nicht eingeschränkt. Mir reichen meine mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wunderbar aus!
Jaddy hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 14:01 2. Weibliche Körperempfindungen. Nicht nur mein genderqueeres, aber doch ziemlich cis-weibliches Bunny fand ihren Körper eigentlich ganz prima, aber hat so wirklich alles gehasst, was mit Menstruation zu tun hatte (als sie noch da war). Eisprung, Krämpfe, Schmerzen, Blut, allein die Gedanken daran. Und ich kenne etliche cis Frauen, denen es so geht. Auch Frauen, die gerne Kinder geboren haben, aber auf einige "ur-weibliche" Dinge wirklich gerne verzichten würden. Also lässt sich das nicht als "weiblich" verallgemeinern.
Was hat denn jetzt negatives oder positives Empfinden mit "weiblich" zu tun???
Nur weil etwas als negativ(schmerzhaft, nervig usw.) empfunden wird, kann es doch trotzdem weiblich sein...
Ich "freue" mich auch schon auf die Wechseljahre und dass ich das nicht mehr allzu lange jeden Monat mitmachen muss, aber dennoch fühlt sich das durchaus absolut weiblich an!
Und da wiederspreche ich mal ganz vehement: Wenn es eines gibt, was sich ausschließlich und absolut mit "Weiblichkeit" verallgemeinern lässt, dann ist es wohl das Prinzip der Menstruation!
Jaddy hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 14:01 3.Dazu kenne ich zu viele cis-hetero-Frauen, die ihre (cis-)männlichen Partner gerne mit "weiblichen" Accessoires sehen. Sprich: Deine persönliche Definition taugt nicht zur Verallgemeinerung. Aber keine Sorge: Keine tut das.
Hab ich auch nicht gesagt, dass das allgemeingültig sein MUSS, ist halt, aus meiner persönlichen Erfahrung heraus und dem, was mir andere "Schwestern" so sagen, einfach meine Erfahrung der scheinbaren Mehrheit.
Jaddy hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 14:01 4. Bei weitem nicht alle trans oder nicht-binären Menschen haben wenig Libido vorher/nachher oder spüren wenig direkte sexuelle Attraktion im Sinne von "mit der Person muss ich jetzt sofort hintern Busch".
Hab ich auch nie gesagt - sondern meinte ganz explizit Dich und jene, die Deiner Aussage, dass Du diese Art sexueller Anziehung nicht kennst, beipflichteten.
Jaddy hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 14:01 Ich finde es etwas keck, sowohl intensiven Sextrieb, wie auch 100% hetero-vanilla und die Kombi sexuell+romantisch als gegeben hinzunehmen.
Hab ich auch nie gesagt...
Jaddy hat geschrieben: Di 21. Jan 2020, 14:01 Deshalb schlagen wirklich alle Pauschalisierungsversuche über "ihr trans" und andere immer wieder fehl.

Ja, aber irgendwie muss ich "Euch" ja ansprechen ....das dient in der Regel einfach dem Verständnis des geschriebenen...
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"
Antworten

Zurück zu „Crossdresser- und Transgender-Café“