Ich erkläre es gerne nochmal in halbwegs leicht verständlicher Sprache: "Geschlechterdichotomie" bedeutet, dass Männer und Frauen in den verschiedensten Kontexten (Gesellschaft, Medizin, Forschung etc.) als strikt voneinander getrennte Gruppen wahrgenommen werden - nicht mehr und nicht weniger. Ich wiederhole auch gerne nochmal das Zitat, das das Thema sehr schön konkretisiert:Wally hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 11:13 Die "Geschlechterdichotomie" - also das duale Konzept einer geschlechtlichen Fortpflanzung - ist ein Grundprinzip der Natur, das nicht nur schon lange vor dem Menschen, sondern schon lange vor der Entwicklung der allerersten, höheren Organismen unsere gesamte Evolution bestimmt hat.
"Die bestehende bipolare Dichotomie von Mann und Frau verlangt nach klaren, voneinander abgrenzbaren physischen, psychischen und sozialen Verhaltensdispositionen, welche als stabile Schablonen Wahrnehmungs-, Denk-, Verhaltens- und Handlungsmuster lebenslang strukturieren (sollen). Gleichsam werden durch eine eindeutige Zugehörigkeit und eine stabile Identität als Mann oder Frau die für die jeweilige Geschlechtskategorie kulturell, sozial, politisch und religiös vorgesehenen Partizipationsmöglichkeiten bestimmt. Gelingt diese individuelle Verortung als Mann oder Frau nicht, gerät die Betroffene bzw. der Betroffene in unserer Gesellschaft gleichsam in ein soziales und kulturelles Niemandsland, in welchem Prozesse der Sozialisation und Identitätsbildung ambivalent und widersprüchlich verlaufen können."
(Quelle: Schildberger, B.: Zur sozialen Produktion der Geschlechterdichotomie; Z Geburtshilfe Neonatol 2011; 215(1): 6-9; DOI: 10.1055/s-0031-1271741)
Es geht bei der "Geschlechterdichotomie" also nicht um das "duale Konzept einer geschlechtlichen Fortpflanzung", sondern um das, was der Mensch daraus konstruiert hat.
Darüber hinaus möchte ich Dir zum Thema Chromosomen etc. gerne noch die beiden folgenden Artikel empfehlen, die ich bereits an anderer Stelle hier im Forum verlinkt hatte:
Sex isn"™t chromosomes: the story of a century of misconceptions about X & Y
Sex redefined: The idea of two sexes is simplistic.
Manchmal sollte man sich erstmal gründlich über bestimmte Begrifflichkeiten informieren, bevor man sich zu solch - sagen wir mal - "plumpen" Äußerungen hinreißen lässt.Wally hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 11:13 Tschulligung: wie weit "neben der Kapp" muß man eigentlich sein, um [...]. Da wedelt das Ringelschwänzchen mit der Sau![]()
Ich fürchte, hier belügst Du Dich selbst. Würdest Du Deinen Horizont mal auf den Bereich jenseits der "(deutschsprachigen) Szene" erweitern, dann würdest Du möglicherweise erkennen, dass hier von "Allgemeingut" gar keine Rede sein kann.Wally hat geschrieben: Do 16. Jan 2020, 11:13 Das war vor 30 Jahren mal so. Ich selber gehörte damals zu den Ersten in der (deutschsprachigen) Szene, die das offensiv in Frage stellten und propagierten, dass wir Transgender (ebenso wie Intersexuelle) zur Bandbreite menschlicher Normalität gehören - weil "Geschlecht" oberhalb des chromosomalen Levels eben nicht mehr ein digitales "Entweder/Oder", sondern ein Kontinuum zwischen zwei (!) Polen ist, innerhalb dessen man dann auch drei oder fünf oder 67 "Geschlechter" definieren kann - wie man's gerade für praktisch hält. Inzwischen ist diese Erkenntnis schon lange Allgemeingut geworden.