Moinsen
Diva hat geschrieben: Sa 23. Mär 2019, 20:08
Sei glücklich, dass du dank deines offensichtlichen familiären und sozialen Rückhalts das Ganze derart locker-flockig betrachten kannst.
Mir ist nicht wirklich klar, was das eine mit dem anderen zu tun hat

Außerdem könnte man genausogut andersherum argumentieren. Das ich den familiären und sozialen Rückhalt habe, weil ich das Ganze locker-flockig betrachte?
Ich gehe sehr offen mit meinem Geburtsgeschlecht um, genauso wie mit den Makeln, die dieses nach sich zieht. Ich kann damit leben und trotzdem glücklich sein. Und diese Offenheit wird mir anscheinend von meinem Umfeld zurückgespiegelt. Wenn ich das - aus welchen Gründen auch immer - nicht kann, reagiert dementsprechend auch das Umfeld darauf. Durch meinen Alltag begegne ich jeden Tag tausenden von Menschen und ich vergleiche mich natürlich auch mit anderen Frauen. Aber anstatt mir irgendwelche (unerreichbare) Modelfiguren anzuschauen, fallen mir eher Frauen auf, die mit ähnlichen Makeln wie ich behaftet sind. Gerade heute morgen am Bahnhof begegnete ich einer etwas jüngeren Frau, die locker 10cm größer war als ich. Somit sehe ich keinen Grund, über meine für Frauen überdurchschnittliche Größe zu jammern. Dieses Beispiel ließe sich mit beliebigen Körperteilen / Makeln wiederholen...
Ich habe einfach genug Frauen gesehen, mit denen ich nicht tauschen wollen würde, so stören mich meine Makel weniger und weniger...
Da hat meine soziales und familiäres Umfeld nichts mit zu tun. Vielleicht steigt die Akzeptanz in dem Umfeld proportional mit der Selbstakzeptanz?
Des weiteren möchte ich anmerken, das ich zu Hause nicht ins gemachte Nest gefallen bin, sondern eine Menge Beziehungsarbeit notwendig war und ist, damit unser Alltag funktioniert. Dabei stand meine Transistion nicht immer im Vordergrund. Wer meine Geschichte ein wenig verfolgt hat, weiß, das wir in dieser Zeit (der Transistion) unser zweites Kind bekommen haben. Wer selbst Kinder hat, kann sich vorstellen, was das bedeutet...
Meine Frau hab ich von Anfang an (noch im ersten Monat unserer Beziehung erzählte ich ihr von meinen weiblichen Anwandlungen) mitgenommen, wir haben häufig über meine Gefühle, Gedanken und Wünsche gesprochen, besonders wenn eine Sehnsucht oder ein Verlangen auftauchte, das bisher nicht da war... Das hat sicher einiges zum "Gelingen" beigetragen. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir reden über alles miteinander, was uns beschäftigt.
Ich sehe es so, das ich mir den Rückhalt selbst verdient und selbst erarbeitet habe. Und die Selbstakzeptanz trägt dazu bei.
Um Sternchen noch mal aufzugreifen, ich trage z.B. einen Bikini, wenn ich Lust dazu habe.
Ich bin groß, breit, übergewichtig, nicht operiert und habe eine männliche Stimme. Und es ist mir egal, ob das jetzt irgendwie komisch ausschaut.
Natürlich hatte auch ich "Problemstellen", die mich massiv gestört haben. Bei mir war es die fehlende Oberweite. Aber die 3 Jahre Hormontherapie haben da ganz gute Arbeit geleistet...
Es macht mich traurig, das so viele (vor allem ja auch geborene) Frauen so ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper haben. Ich versuche einfach, das Beste aus dem zu machen, was ich habe

Jeder muss für sich herausfinden, was ihm wichtig ist, um glücklich zu werden. Aber sich an Dingen aufzuhängen, die man nicht ändern kann, bewirken mit Sicherheit genau das Gegenteil...
Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ich auf andere Frauen so sympathisch wirke. Sie sehen eine Frau, die offensichtlich mit zig Makeln versehen ist und trotzdem zufrieden (mit ihrem Körper) durchs Leben geht...
Quasi ein Vorbild?
Grüße
die Anja