VanessaL hat geschrieben: So 3. Feb 2019, 12:30
Hallo,
ich möchte den nachfolgenden Satz von Nicole aufgreifen. Das ist nicht persönlich gemeint, sondern ich möchte ihn isolieren und in einem öffentlichen Kontext nehmen!
Nicole Doll hat geschrieben: So 3. Feb 2019, 12:00
Eine richtige Frau wird aus mir doch nicht mehr.
Das ist ein Satz, der es in sich hat und die Kernfragen von (Trans*)Frauen beinhaltet.
Kann ich überhaupt jemals eine Frau sein?
Und was ist überhaupt eine Frau?
Was ist denn dann eine richtige Frau?
Was machen Hormone aus mir?
Was macht eine GAOP aus mir?
Worüber reden wir hier? Welche Ebene sind gemeint?
Das ist höchst philosophisch .... und geht wirklich ans Eingemachte .... danke für diesen Satz, Nicole.
Liebe Grüße
Vanessa
Das sind Fragen, die den Kern der Sache ganz gut treffen.
Denke ich jedenfalls.
Eigentlich sind sie auch recht einfach zu beantworten. Das Problem dabei: Zumindest die ersten drei sind reine Fragen der Definition, die Antworten gelten also nur für denjenigen, der sie gerade gibt. Und auch dabei ist die Antwort von solchen Sachen wie Tagesform und Stimmung abhängig.
Wenn du also wissen möchtest wieviele Antworten zu jeder dieser drei Fragen möglich sind musst du nur die Anzahl der Probanten mit der Anzahl der Gedankengänge, die sie zu jeder Frage machen, multiplizieren.
Hier ein paar Antworten von mir:
Kann ich überhaupt jemals eine Frau sein?
Das hängt davon ab wie weit das Leben, das du führen möchtest, mit dem übereinstimmt was du als "Das Leben einer Frau definierst".
Als Beispiel:
Ich war lange Zeit der Meinung keine Frau sein zu können. Es fehlte das Passing, das Feminine und überhaupt...
Damals brachte mein Therapeut mich dazu mir Gedanken darüber zu machen wie ich denn leben möchte.
Es stellte sich heraus dass das Leben, das ich führen wollte, mit dem übereinstimmt was ich als das Leben einer Frau definiere.
Welch ein Zufall...
Ich bin also eine Frau...
Und was ist überhaupt eine Frau?
Jeder Mensch den du als Frau definierst.
Hier wirds etwas kompliziert.
Eben noch habe ich mich als Frau definiert, aber meine Vorstellung einer Frau war ein halbes Jahrhundert lang doch um einiges anders.
Was nun?
In meinem Weltbild gibt es keine rein "männlichen" oder "weiblichen" Menschen, in jedem steckt auch etwas vom anderen Geschlecht. Wir sind also alle in Wirklichkeit non-Binär, nur das die wenigsten (zumindest heutzutage noch) sich auch als solche definieren. Wenn ich also meine eigene Definition hinterfrage fällt mir auf das ich ein starkes Problem mit allem habe, was ich als "männlich" definiere.
Hätte ich dieses Problem nicht, wäre also objektiver, würde ich mich etwas anders definieren, nämlich Enby oder zwischen allen Stühlen. Tu ich aber nicht, mein männlicher Anteil ist mir zuwider weshalb ich mich als Frau definiere und mich dabei wesentlich besser fühle.
Damit kommen wir zur nächsten Frage:
Was ist denn dann eine richtige Frau?
Eine Person, die deiner Vorstellung einer Frau entspricht.
Wir haben ja schon bemerkt das meine Definition von "Frau" nicht objektiv ist. Meine Vorstellung von Frau ist es aber auch nicht.
Schließlich hat sich diese in der Hauptsache beim betrachten mir "schöner" Frauen gebildet, weniger beim reflektieren medizinischer Fakten oder philosophischer Überlegungen
Die definierte Frau, also ich, hat Körperliche details und Wesenszüge, die ich an mir verabscheue und am liebsten garnicht haben möchte. Die hat eine "richtige" Frau nun mal nicht.
Dafür hat die richtige Frau Attribute, auf die ich schmerzlich verzichten muss. Daher gibt es einen Unterschied zwischen "Frau" (das, was ich jetzt bin, eben alles andere als vollkommen) und "richtiger Frau" (eben das Wesen, das ich gerne wäre)
Kommen wir nun zu den nächsten beiden Fragen:
Was machen Hormone aus mir?
Die tatsächliche Wirkung der Hormone ist doch sehr ungewiss, niemand garantiert mir das mir Brüste wachsen, mein Körper weiblicher wird oder sonst irgendwas.
Sie geben mir Hoffnung, alles was darüber hinaus geht ist ein erfreulicher Bonus.
Objektiv gesehen ist also eine Hormontherapie ein Glücksspiel ohne jede Garantie, dafür mit der Chance auf reichlich unerwünschte Nebenwirkungen.
Hormone machen also nichts aus mir, trotzdem würde ich niemals drauf verzichten weil ich nicht damit leben könnte mich selbst dieser Hoffnung zu berauben.
Was macht eine GAOP aus mir?
Auch eine GaOp "macht" nichts aus einem.
Für mich ist sie die Möglichkeit mein Leiden zu mindern indem ich die von mir so sehr gehassten männlichen Genitalien los werde.
Ausserdem kann ich dann endlich wieder den Badeanzug in der Damendusche ausziehen...
Alles andere, ob du dich nachher weiblicher fühlst, ein anderes Liebesleben hast oder besser aussiehst, garantiert dir niemand.
Ich bin mir sicher dass jede Transfrau, die sich erhofft durch Hormone oder Op erst zur Frau zu werden, entweder extrem viel Glück haben muss oder maßlos entäuscht sein wird.
Op und Hormone werden dir auf deinem Weg eine Hilfe sein, machen aber nichts aus dir, was du nicht vorher schon bist.
Zum Schluss noch:
Worüber reden wir hier? Welche Ebene sind gemeint?
Ich denke wir reden hier über unsere individuelle Rolle in der Gesellschaft und als Ebene in diesem Zusammenhang sehe ich wie wir uns selber einschätzen.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!
Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...