Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?
Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein? - # 3

Lebensplanung, Standorte
Anja
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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 31 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 28. Sep 2018, 16:29 Ein extremes Beispiel ist der Alkoholismus beim Partner. Hier muss ich ihn verlassen, damit er die Chance bekommt, durch sein dadurch gestiegenes Leid Fortschritte zu machen.
Finde ich merkwürdig diesen Ansatz.
Sollte ich in so einer (oder auch einer anderen) Situation nicht für den Partner da sein?
Wenn ich mir das mal umgedreht vorstelle (ich bin dem Alkohol gerne zugeneigt), würde es mich vermutlich nur dazu bringen, noch mehr Frustsaufen zu veranstalten. Fortschreiten würde hierbei nur mein Alkoholkonsum. Wenn meine Partnerin solche Probleme hätte, wäre es doch meine Aufgabe, für sie da zu sein, ihr zu helfen, ihr Alkoholproblem in den Griff zu bekommen, bzw. den Grund für den Konsum herauszubekommen und aufzulösen. Sie hängen zu lassen und mich zu trennen fände ich abwegig. Ich würde genau das Gegenteil tun. Mich ihr zuwenden statt mich abzuwenden.

Grüße
die Anja
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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 32 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Anja hat geschrieben: Mo 1. Okt 2018, 11:31
Finde ich merkwürdig diesen Ansatz.
Sollte ich in so einer (oder auch einer anderen) Situation nicht für den Partner da sein?
Diese Haltung ist verständlich. Wenn meine Hilfe angenommen wird, ist das ja auch richtig. Aber im fortgeschrittenen Stadium schade ich mir selber mehr als ich dem Anderen nutze. Im Gegenteil, ich kann sogar zu einem Teil seines Problems werden.

Psychologen haben sich intensiv mit der Thematik beschäftigt. Schau einmal bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Co-Abh%C3%A4ngigkeit

Ich fand das anfangs auch komisch, habe aber dann den tieferen Sinn verstanden. Liebe äußert sich nicht immer in Hilfsbereitschaft. Ich würde als ein wichtiges Kriterium den Selbstschutz ansehen.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 33 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin) Vicky,

vielen Dank für den Link. Eine interessante (andere) Sicht auf so ein Problem.
Ich glaube, wenn man wirklich so einen Fall zu Hause hat, muss man differenziert an eine Lösung herangehen. So vielfältig wie die Menschen bzw. ihre Probleme sind, so viele Lösungen gibt es auch. Wie gesagt, in meinem Fall würde es das Problem vermutlich eher verschlimmern.
Von dieser Co-Abhängigkeit höre ich zum ersten Mal, danke für die Info. Zu viel wissen kann man ja nicht (smili)

Grüße
die Anja
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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 34 im Thema

Beitrag von Frieda »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 28. Sep 2018, 16:29
Luna hat geschrieben: Fr 28. Sep 2018, 16:08
Frieda hat geschrieben: Fr 28. Sep 2018, 09:20 - "Bedenke! Das die beste Beziehung die ist, in der jeder Partner den anderen mehr liebt, als braucht."
Wie wahr. Wenn beiden Partnern das Glück des jeweils anderen am Wichtigsten ist, ist das wohl die beste Voraussetzung für eine lange Beziehung.
Das ist in meinen Augen eine Fehlinterpretation. Es geht nicht darum, dass man das Glück des Anderen höher hängt als das eigene. Es geht um das Brauchen und die Liebe ausschließlich aus der eigenen Sicht. Das ist etwas ganz anderes.

Liebe Vicky, lass mich bitte auch nach dieser verstrichenen Zeit hier rauf noch reagieren.
Lunas Wahrnehmung ist richtig, sie hat mich ohne Abstriche 100%-ig hier richtig verstanden!

Namaste🙏
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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 35 im Thema

Beitrag von Frieda »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 28. Sep 2018, 16:29 Eine gute Partnerschaft beruht m.E. auf dem Prinzip der gleichen Augenhöhe. Ist das auf Dauer nicht gewährleistet, kann ich keine gute Beziehung mehr erwarten. Vielleicht ist das auch die Antwort auf Friedas Frage, wann die Selbstverantwortung aufhört und der Egoismus anfängt.
Natürlich stimme ich dir hier zu Vicky, dass eine Partnerschaft auf Augenhöhe beruhen sollte! Auch darauf bezogen, dass in meiner Wahrnehmung das Glück des Anderen wichtiger ist, als das eigene!

Die Antwort auf meine Frage "Wo hört die Selbstverantwortung auf und wo beginnt der Egoismus?" fand ich darin, dass mein tun keine Selbstverantwortung mehr ist, wenn es in Folge dessen, Anderen Leid zufügt!
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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 36 im Thema

Beitrag von Luna »

Hallo Frieda,

ich habe mir Deine Zeilen nochmals durch den Kopf gehen lassen.
Frieda hat geschrieben: Sa 29. Sep 2018, 09:35
Luna! Du bist nicht die Erste und wirst auch nicht die Letzte sein, die auf diese Worte von mir : Wenn du in der Welt etwas siehst, das du für nicht akzeptabel hälst, kannst du dir sicher sein, das dein Verstand verwirrt ist." so reagiert hat, wie du reagiert hast!

Vorab....ich nehme dir dies absolut nicht übel! Ich akzeptiere es (sogar) Luna!
Erlaubst du es mir bitte, dich auf etwas sehr respktvoll und höflich hinzuweisen und falls dir dann der Sinn nochmals danach steht, vielleicht wiederholt darüber nachzudenken!?

Kann es sein liebe Luna, dass du betreffs der Akzeptanz etwas unachtsam, die Bedeutung des Wörtchen Zustimmung mit unter gemischt hast!?
Nicht jede Akzeptanz Luna, beinhaltet Zustimmung!
Ich denke, ich weiß schon, was Du mit "Ruhe und Frieden" finden meinst. Soweit gebe ich Dir auch vollständig recht.

Und doch - soweit es mich persönlich betrifft - habe ich nicht Akzeptanz mit Zustimmung verwechselt. Ich sehe da durchaus einen Unterschied. "Zustimmung" heißt für mich einen Zustand für gut befinden; "Akzeptanz", sich mit einem Zustand abzufinden. Und ich denke - so schön es auch sein mag, vollständig mit sich selbst im Reinen zu sein und ein Gefühl des Friedens zu empfinden - manchmal bedarf es für mich (ganz persönlich) einer Inakzeptanz, die Widerstand generiert. Ich will da gar nicht an die große Welt denken; das gilt für mich auch in der Partnerschaft oder im Berufsleben. Wenn ich nicht bereit bin, eine Tatsache hinzunehmen, sie einfach nicht akzeptieren will (und ich meine das jetzt nicht im Sinne von verdrängen), dann erzeugt das bei mir aktiven Widerstand. Ich beginne darüber nachzudenken, was ich gegen das vielleicht sogar unvermeidlich Scheinende doch noch unternehmen kann. Diese Sturköpfigkeit oder Beharrlichkeit, vielleicht auch noch gepaart mit einer Portion Ärger oder sogar Wut, bringt mich dazu, nach Lösungen zu suchen, die möglicherweise auf den ersten (und auch den zweiten) Blick nicht sichtbar waren. Auch wenn Gefühle wie Ärger und Wut per se negativ besetzt sind, so können sie doch mitunter Energien freisetzen, die zu etwas Positivem führen. Akzeptanz hat daher für mich persönlich manchmal ein wenig den Beigeschmack des Passiven.
Frieda hat geschrieben: Sa 29. Sep 2018, 09:35 Lass es mich dir bitte an einem aktuellen Fallbeispiel zeigen, was ich meine.
Folge mir bitte mental in das andere Thema, was parallel zu dem deinen hier läuft, wo sich eine Partnerin (GESTERN) zu Wort gemeldet hat, weil sie sich zu meiner Meinung äußern möchte (was ihr absolut zusteht!). Die Dame hat sich mir gegenüber (und wahrscheinlich auch zu vielen anderen hier) in ihrem Denken und Tun behauptet! Ich wiederhole nochmals, dass darf sie, dieses Recht hat sie und soll ihr auch niemals genommen werden!
Nun zu meinem Gedankenanstoß den ich dir gerne geben möchte.
------Die Aussagen dieser Dame (von GESTERN!), auf meine Worte, werden nicht meine Zustimmung finden ABER dennoch akzeptiere ich sie!-------
Kann es sein, liebe Frieda, dass Du jetzt ein wenig Akzeptanz mit Toleranz verwechselst? Ich denke, eine andere Meinung zu tolerieren ist etwas anderes als deren Inhalt zu akzeptieren. Wie hat mal jemand (ich weiß nicht mehr wer) gesagt: "Ich bin zwar nicht Ihrer Meinung, aber ich werde immer dafür eintreten, dass Sie sie sagen dürfen." :wink:

Alles Liebe
Luna
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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 37 im Thema

Beitrag von Frieda »

Nun Luna, ich denke wir sind an einen Punkt angekommen (an dem übrigens Michi auch schon eine Weile steht), wo ich finde wir sollten dem anderen seine Sichtweise gönnen.
Auch Michi und ich kommen an diesem Punkt im Moment nicht weiter, und sie sucht (denke gelegentlich) nach Argumenten für mich, die mich evtl umstimmen könnten.
Also sieh dich nicht alleine mit deiner Meinung diesbezüglich zu mir.😉
Wie leicht Argumente zu finden sind weiß ich nicht, da mein Standpunkt, mein denken, mein fühlen spirituell ist (vorsichtig und nicht zu aufdringlich für euch ausgedrückt) sry.

Ein ehrlich herzliches Namaste zu dir liebe Luna🙏
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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 38 im Thema

Beitrag von Michi »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 1. Okt 2018, 11:46 Psychologen haben sich intensiv mit der Thematik beschäftigt. Schau einmal bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Co-Abh%C3%A4ngigkeit

Ich fand das anfangs auch komisch, habe aber dann den tieferen Sinn verstanden. Liebe äußert sich nicht immer in Hilfsbereitschaft. Ich würde als ein wichtiges Kriterium den Selbstschutz ansehen.
Zu seinem suchtkranken Partner zu stehen, bedeutet aber nicht zwangsläufig eine Co-Abhängigkeit, genau so wenig wie Hilfsbereitschaft nicht bedeutet, das Fehlverhalten des suchtkranken Partners zu decken.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 39 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Stimmt Michi, das sehe ich auch nicht anders. Aber ich finde es richtig, eine Sache einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten. Aber irgendwann ist bei einem Suchtpartner ein Punkt erreicht, an dem die eigene Hilfsbereitschaft zu einem tiefgreifenden Schaden in mir selber führt. Hier ist Selbstschutz wichtig. Auch kann die Distanzierung vom Partner zu einer verstärkten Leidsituation im Partner führen, die erforderlich ist, damit er für sich selber wieder die Verantwortung übernimmt.

Aber wie Anja schon schreibt, das muss man individuell betrachten. Hier kann Beratung eine wichtige Rolle spielen.

@Frieda: Ich werde in Simones neuen Fred darauf antworten.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 40 im Thema

Beitrag von Whoopy Highfly »

Hallo ihr Lieben,
Ich weiß nicht, ob es hier hin gehört oder nicht. Es geht um einen Suchtkranken, den ich persönlich gekannt habe.
Der Mann war Lkw-Fahrer, die Ausbildung musste er 2Monate vor Abschluss abbrechen. Dann musste er aus familiären Gründen heiraten. Durch Stress auf der der Arbeit und Stess, Unversrtändnis zu Hause, ist er iin die Sucht getrieben worden. Sucht ist eine Krankheit, besonders wenn Existenzen daran hängen ist die Familie in Mitleidenschaft gezogen wird.
Frage mich nur: Wer hat Schuld?
Ihr braucht hierauf nicht zi antworten. Es soll ein Gedanke sein, der evtl. Berücksichtigt werden sollte

GLG
Steffi
Bin auf dem Weg. Bitte sucht mich nicht.
Melde mich demnächst wieder.

Bye
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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 41 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Geht es bei Suchterkrankungen um Schuld ?

Ich meine nein. Es geht darum, dass sich der Betroffene (Edit:selber) wieder in die Lage versetzt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Erkenntnis, was dazu geführt hat, kann hilfreich sein.

Eine Schuldzuweisung ist genau das Gegenteil. Es verlagert die Verantwortung nach außen an andere Personen oder Umstände.
Zuletzt geändert von ExUserIn-2026-04-08 am Di 2. Okt 2018, 08:21, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 42 im Thema

Beitrag von Michi »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 2. Okt 2018, 07:15 Auch kann die Distanzierung vom Partner zu einer verstärkten Leidsituation im Partner führen, die erforderlich ist, damit er für sich selber wieder die Verantwortung übernimmt.
Hallo Vicky,

da möchte ich dich korrigieren, denn ich sehe das genau umgekehrt. Die Distanzierung vom Partner führt auf jeden Fall zu einer verstärkten Leidsituation. Das kann(!) dazu führen, dass der Suchtkranke Verantwortung für sich übernimmt. Es kann aber genau so gut sein, dass ihn dies vollends in den Abgrund treibt. Ich kenne mehrere Fälle von Suchtkranken. Auf der einen Seite heute glücklich und zusammen mit ihrer Partnerin, auf der anderen daran zugrunde gegangen und tot.

Michi
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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 43 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ja, wahrscheinlich ist es besser, ein "Kann" zu benutzen. Aber wie schon gesagt, jeder Fall ist einzigartig. Und das große Problem für jeden Partner ist es, die furchtbare Entscheidung zu treffen, was für einen selber richtig ist: gehen oder bleiben. Vielleicht muss man auch gehen, damit man auf lange Sicht bleiben kann.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?

Post 44 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich denke, wie in allen fast Fällen gibt es hier wirklich keine allgemein gültige Lösung. Es gibt ja hier auch nicht schwarz und weiß. Als Partner*in kann ich ja auch meine Gefühle nennen und sagen, dass mir die Sucht des anderen weh tut und ich mich gegebenenfalls auch schütze.

Ich kenne wenige Dinge im Leben, eigentlich keine, die durch die Schuldfrage besser werden. Schuldzuweisungen oder die Annahme einer eigenen Schuld sind destruktiv. Das heißt nicht, dass ich nicht nach von mir gesetzten Ursachen suche und dafür um Verzeihung bitte und diese wenn möglich ändere.

Danke für die Anregung zum eigenen Denken an alle hier
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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