Ich lese hier auch schon eine ganze Weile lang mit, erinnere mich ebenso an den alten Thread, in dem Betty dann plötzlich verstummte. Schade, denn dort wurde genau die Frage gestellt, die sie offenbar nicht beantworten will. Es scheint leichter zu sein, in einem neuen Thread für Stimmung zu sorgen.
Eine aufmerksame Leserin stellte nämlich fest, dass die "Problematik" mit Bettys Mann nicht - wie es z.B. hier den Anschein hat - neu ist, sondern seit vielen Jahren besteht. Das bedeutet, sie hat sich
jahrelang damit irgendwie arrangiert.
Es wäre deshalb nur fair, endlich die Karten auf den Tisch zu legen,
Betty: Was hat sich nun geändert, dass dir dermaßen der Kragen platzt? Das Outing deines Mannes als CD liegt doch schon ewig zurück. Also warum machst du ausgerechnet jetzt ein derartiges Fass auf?
Wie dir sicher nicht entgangen ist, spielen hier alle mit sehr offenen Karten. Wenn du das nicht tust, fällt es schwer, überhaupt dein Problem zu verstehen.
Also leg endlich deine Karten auf den Tisch, um eine ehrliche Diskussionsgrundlage zu schaffen!
betty hat geschrieben: So 11. Mär 2018, 11:21
Ich verstehe euch ja, ihr habt hier im forum eine seelenoase gefunden. Hier verurteilt euch keiner, hier sagen euch die anderen, wie toll und echt ihr nach außen hin wirkt. Tut euch allen gut, kann ich total verstehen.
Da muss ich dir sogar Recht geben, auch wenn ich die Steine schon fliegen höre ... In einigen Threads treibt mir die Selbstbeweihräucherung die Tränen in die Augen. Ich will niemandem unterstellen, nicht die wahre Meinung zu posten, aber die Meinung scheint eben oftmals ziemlich getrübt und vor allem rosarot zu sein. Egal ob TV, CD, TG oder * : Wer als äußere Frau auftritt, will auch genau so wahrgenommen werden. Logisch, sonst könnte man auf all die Mühen der Wandlung oder Angleichung verzichten. Ich habe selbst - wie viele andere zweifellos genauso - erlebt, welche unerträglichen Schmerzen es bereitet, den eigenen weiblichen Ansprüchen nicht zu genügen. Der Drang, das Äußere dem Inneren im Fall TG anzupassen, ist extrem narzisstisch und wird schnell essentiell, ja existentiell. In meiner Anfangsphase haben Probeschminken und Damenfrisur über mein Leben entschieden. Wäre das schief gegangen, würde ich diese Zeilen jetzt nicht schreiben können. Ich hätte das Scheitern, ohne verhöhnt und beschimpft zu werden als Frau rauszugehen, nicht verkraftet.
Deshalb wäre es auf der einen Seite gefährlich, der Fragestellerin zu bescheinigen, dass sie noch immer wesentliche männliche Züge offenbart und eben nicht einer Bio-Frau gleicht, auf der anderen wäre es nicht minder gefährlich, ihr Bio-Frauen-Identität zuzuschreiben.
Im ersten Fall könnte die Meinungsäußerung eine Krise auslösen, im zweiten einen extremen Höhenflug, der dann auf der Straße ganz schnell mit einer brutalen Bruchlandung enden könnte, wenn die ersten Lacher und amüsierten Blicke kassiert werden. Nicht alle sind so stark, jede Art von öffentlicher Kritik komplett als sog. "Kopfkino" ins Reich der Phantasie zu verbannen, um quasi komplett kritikfrei herumzulaufen. Diese Gabe besitzt nicht jede.
Aus diesen Gründen halte ich mich aus solchen Threads komplett raus, weil ich keine der beiden o.g. Antworten geben mag. Selbst hole ich mir meine Antworten lieber aus dem täglichen Leben. Ich bin noch nicht so lange als "Vollzeitfrau" unterwegs, sodass ich Reaktionen um mich herum schon noch registriere. Obwohl ich mich selbst nicht in Frage stelle (dann könnte ich gar nicht nach draußen gehen), brauche ich von Zeit zu Zeit ein Feedback zur Selbstbestätigung. Mein Slogan ist, solange mir Frauen die Tür zum Damenklo offenhalten, ist die Welt in Ordnung
betty hat geschrieben: So 11. Mär 2018, 11:21
Aber macht ihr euch da nicht alle etwas vor? Wenn es doch soooo normal ist, wenn ein Mann als Frau verkleidet durch die Gegend läuft, dann frage ich euch, warum macht ihr das in weit entfernten Städten, heimlich wenn es dunkel wird. Zieht euch auf Toiletten um und versteckt eure Sachen. Wenn es doch so normal ist.
Es ist selbstverständlich nicht normal! Liebend gerne wäre ich ein geborener Mann, der zu 100% hinter seinem biologischen Geschlecht steht und sich mit sich selbst komplett identifizieren kann! Die Erkenntnis, eine transidente Frau zu sein, hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen, mich wochenlang in einen nervlichen Ausnahmezustand versetzt, enorme Angstzustände ausgelöst. Einerseits war es befreiend, endlich zu wissen, warum mein bisheriges Leben dermaßen verkorkst war, ich ständig neben mir stand, vor mir selbst weglief und immense Energien vergeudete, irgend etwas gnadenlos zu bekämpfen, was ich nicht beim Namen nennen konnte. So ein Leben führt jemand, der keine Identität besitzt. Alles scheitert, ist negativ, deprimierend, leer und sinnlos, bis nur noch der Wunsch nach einem baldigen Tode existiert. So muss kein "normaler" Mann leben und ich wünsche das niemandem!
Ich hatte in meinem bisherigen Leben noch nie Berührungspunkte mit Trans*, musste ewig im Internet recherchieren, wie das bezeichnet wird, was ich von einer Minute zur anderen erfahren hatte. Der Wechsel des äußeren Geschlechts ist die größte und tiefgreifendste Wandlung, die ein Mensch erfahren kann. Das stellt zwangsläufig höchste Ansprüche an die Person selbst und seine gesamte Umgebung, insbesondere an die Familie, die Menschen, die am nahesten stehen.
Nun stell dir mal vor, als Mann in einem weiblichen Körper gefangen zu sein: Die hohe Stimme nervt, der Busen, der Hintern, die Vagina, das lange Haar, der größtenteils haarlose Körper usw. Ein paar Dinge könntest du mit geringem Aufwand korrigieren, dir die Haare kurz schneiden, Männersachen anziehen (was bei Frauen ja problemlos in der Öffentlichkeit geht), vielleicht noch die Brüste mit Minimizern quetschen u.ä. Aber ganz schnell sind diese Dinge ausgeschöpft und du fühlst dich noch immer besch..., eben trotz allem viel zu sehr weiblich und viel zu wenig männlich. Der Druck steigt ins Unerträgliche und nun werden auch Möglichkeiten in Betracht gezogen, die mehr und mehr in den Körper eingreifen und nicht rückgängig zu machen sind. Deshalb heißt dieser Drang
Leidensdruck.
Nichts anderes ist es bei Frauen, die im Körper eines biologischen Mannes stecken. Der Drang, auch äußerlich zur Frau zu werden, lässt sich nicht einfach wegdrücken. Ich für meinen Teil kann gar nicht anders, als HET zu machen und komplett als Frau zu leben. Vermutlich wäre ich auch jemand, auf den du zeigen und sagen könntest, dass da so ein Mann wäre, der sich als Frau verkleidet und das nicht normal wäre. Nur mit dem Unterschied, dass du mir nicht irgendwo im Dunkeln begegnen würdest, sondern mitten in der Öffentlichkeit am hellichten Tage! Ich lebe so, weil ich so bin und nicht anders kann.
Niemand nimmt die Strapazen aus Jux und Laune auf sich, das äußere Geschlecht zu wechseln. Das fängt bei dem Riesen-Theater mit der Lebenspartnerin an und endet bei den Auswirkungen einer HET und den zahlreichen Krankenhausaufenthalten und keineswegs schmerzfreien Folgen einer GAOP.
betty hat geschrieben: So 11. Mär 2018, 11:21
Aber ich schlage euch was vor. Geht mit euren Frauen mal ins Gespräch : wieviel eurer Partnerinnen würden sich wünschen, das ihr Mann ein "ECHTER" Mann wäre. Wieviel weinen heimlich und hoffen, daß es weg geht. Wieviel eurer Partnerinnen haben Angst vor einer Trennung, wieviel bleiben, weil sie Angst vor finanziellen Schwierigkeiten, vor sozialem Abstieg oder vor zerbrechen der Familie haben( wenn Kinder da sind). Wieviele Frauen haben Angst vor dem Alleinsein? Fragt eure Frauen, was sie sich wünschen würden, wenn ne kleine gute Fee käme.
Komisch, das sind genau die Fragen, die auch ich mir als Auslöserin des Ehe-Konflikts gestellt habe.
Was meinst du, wie viele biologische Männer sich ebenfalls diese Fragen stellen, die verstecken und verdrängen, bis sie zusammenbrechen? Lies die Threads hier und du weißt, was ich meine.
Ich will mal nur auf das erwähnte "Zerbrechen der Familie (wenn Kinder da sind)" eingehen:
Als meine Frau noch versucht hat, mehr den
Menschen in mir zu sehen als den
Mann, ging es unserer Familie gut. Als Paar lernten wir uns quasi nochmals neu kennen, wuchsen als Familie durch das Meistern der Umstellung scheinbar fester zusammen. Unser neunjähriger Sohn hatte mit meinem Anderssein die wenigsten Probleme. Wir unternahmen sehr viel gemeinsam, fuhren sogar ins Hotel zusammen in den Urlaub. Dass ich dabei stets als äußere Frau auftrat, verschaffte uns weder böse Blicke noch Anfeindungen. Derart problemlos hatte selbst ich mir das niemals erträumt.
Doch nach knapp einem Jahr entschied meine Frau ganz plötzlich, nicht mehr zu wollen.
Jetzt zerbrach die Familie,
jetzt spiele ich als Mensch keine Rolle mehr, werde beschimpft, als geisteskrank behandelt, von der Verwandschaft aufs Übelste geschnitten, vor meinem Kind in den Dreck gezogen. Monatelang hab ich geredet und gebettelt, zur Vernunft zurückzukehren. Selbst dann, wenn eine Trennung plötzlich unbedingt notwendig sein sollte, wäre das kein Grund, sich nicht mehr wie Menschen zu benehmen.
Sie können stolz darauf sein, mir inzwischen meinen Sohn komplett entfremdet zu haben. Dass er aber als Jüngster dabei auf der Strecke bleibt, plötzlich riesige Probleme in der Schule hat und nur noch am Ausrasten wegen der kleinsten Kleinigkeit ist, interessiert sie freilich nicht. Jetzt ist ein unhaltbarer Zustand erreicht, der nur noch durch die Scheidung beendet werden kann - und das so schnell wie möglich. Ironie des Schicksals ist dabei, dass sich diejenigen, die ständig Benzin ins Feuer gossen, nun ganz dezent zurückziehen, nachdem alles in Trümmern liegt, und meine Frau keineswegs unterstützen.
Deshalb kann ich dich nur bitten, euch den Gefallen zu tun, dich möglichst schnell von deinem Mann zu trennen, wenn du es auf einmal nicht mehr aushalten solltest. Nach deinem Ton hier zu urteilen, scheint das nach meiner Auffassung wohl nicht abwegig zu sein. Das Schikanieren und Lamentieren bringt gar nichts und ist eventuellen Kindern gegenüber absolut unverantwortlich. Hier stoßen die Auffassungen von Kindern und Erwachsenen besonders böse aufeinander: Während Kinder meist keine Probleme mit einem Trans*Papi haben, können Partnerinnen und deren Familie damit überhaupt nicht leben, sodass auch die Kinder damit schlichtweg nicht leben können
dürfen. Davon werden sie "überzeugt", bis sie es "begriffen" haben.
Lorelai74 hat geschrieben: So 11. Mär 2018, 14:43
Wir wissen auch, dass wir den Männerbildern unserer PartnerInnen oft nicht entsprechen- oft komischerweise aber erst ab dem Zeitpunkt eines Outings. Und weil wir ahnen das unsere Partner oft damit Schwierigkeiten haben verleugnen manche ihre "Natur" so lange bis sie depressiv werden und Suizid begehen weil das aus ihrer Sicht die einzige Lösung ist.
Genau das sind die Folgen, wenn der Versuch unternommen wird,
es zu unterdrücken, die eigene Identität zu verleugnen. Meine Frau unterstellt mir, dass ich aus purer Böswilligkeit handle, sie jahrzehntelang belogen hätte, was bei mir absurd ist, da mir meine Transidentität aufgrund eines Traumas in früher Kindheit bis letztes Jahr vollständig unbewusst war. Ich hab vorher niemals Damenwäsche getragen und musste demzufolge auch nichts verstecken. Sie blockt das Thema komplett ab, will keine Dokumentationen dazu sehen, nichts darüber hören. Das ist in meinen Augen Transphobie in Reinkultur und dagegen komme ich nicht an.
Da ich jedoch mein Frausein komplett auslebe, kommt Suizid für mich nicht in Frage!
Lorelai74 hat geschrieben: So 11. Mär 2018, 14:43
...
Aber er hat es dir gesagt aus der Hoffnung das es für euch einen Weg miteinander gibt. Es scheint mir dass du es ja auch irgendwie akzeptierst, denn ihr seid noch zusammen...
Denk mal drüber nach
Das führt mich zur Ausgangsfrage zurück. Warum ging es - waren es 6 ? - Jahre lang und jetzt nicht mehr? Was verschweigst du uns und zettelst dadurch ellenlange sinnlose Diskussionen an?