Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?
Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen? - # 2

ab08
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 16 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo meine Lieben,

man sollte andere Meinungen stehen lassen können, ohne die Person anzugreifen.
--> Bitte, bitte akzeptiert, dass Claudia ihre Meinung hat und dabei bleibt.

Claudia ist eine Frau, genau wie ich eine Frau bin. - Wir kennen uns jetzt über dieses Forum schon länger. -
Ihre Meinung über Gutachten etc. teile ich überhaupt nicht, trotzdem finde ich es wichtig, dass sie sich so deutlich hier äußert :!:

Ich bin eine überzeugte Demokratin ...
"Gemeinsame Ziele" darunter verstehe ich Ziele, die von der überwiegenden Mehrheit unterstützt werden.
Daher freue ich mich, dass da oben, ganz zu Beginn (fast) alle steht, denn alle, das geht nicht, bzw. bedeutet Diktatur.
und ich bin eine überzeugte Demokratin ...

Ganz liebe Grüße an alle
Andrea )))(:
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JanaH
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 17 im Thema

Beitrag von JanaH »

Es wurde hier von absolut niemand Claudia als Person angegriffen, deshalb ist ein Erinnern an Demokratie und freie Meinungsäußerung schlicht unnötig. Ich frage mich auch, was damit bezweckt wird.

Über Zwangsgutachterei muss ich nicht diskutieren, die gehört schnellstmöglich abgeschafft!


Liebe Grüße und einen schönen Tag wünscht

Jana
ExuserIn-2018-07-15

Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 18 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-07-15 »

Claudia hat geschrieben: Mo 29. Jan 2018, 10:43 Ein Wort noch an Semele:
Nur als Info: Wir können uns gerne weiterhin im Rahmen des Threads sachlich auseinandersetzen. Kein Problem.
Allerdings habe ich weder Lust noch Interesse, mit dir privat Meinungen oder vermeintliche "Tipps" auszutauschen oder private Themen außerhalb des Threads zu besprechen - sorry. Deshalb lösche ich deine PN ungelesen und werde das auch künftig so tun, da sich die Ignore-Funktion hier leider nicht auf PN erstreckt.
Im privaten Bereich hat wohl jede(r) ein Recht darauf, selbst zu entscheiden, mit wem sie / er will und mit wem nicht.

Semele
Ulrike-Marisa
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 19 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...dem muss ich unbedingt widersprechen. :mrgreen:
Verschiedene Meinungen hier im Forum, unserem Forum für Betroffene, sind wichtig für den internen Austausch von Daten, Fakten und Ideen usw.
Das sind Grundlagen demokratischen Verhaltens in der Gesellschaft. Monolithische Meinungen gehören hier nicht so recht hin. Gerade das soll doch unser Forum ausmachen, dass wir auch andere Meinungen respektieren, wie z.B. Andrea (AB08) schon schrieb. Die Frage ist hier doch die, wie wir miteinander umgehen, wenn wir unterschiedliche Meinungen zu einem Thema haben. Völlig unakzeptabel, wenn zu einer einzelnen Meinung eine Art shitstorm gegen die Person ausgelöst wird. Wo sind wir denn? Jemand tut seine/ihre Meinung oder Bewertung kund und das haben doch erst mal alle anderen Leser/innen zu respektieren. Eine Antwort oder Gegenmeinung ist doch zulässig und gewünscht - aber doch bitte in vernünftiger und unverletzender Art und Weise der Wortwahl und Argumentation. Es gilt immer noch, der Ton macht die Musik. :!:

...wollte ich mal loswerden, Gruß, Ulrike-Marisa :roll:
Anne-Mette
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 20 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Und noch ein Wort an (fast) alle: Eine unterschiedliche Sicht der Welt wird hier scheinbar nicht mehr gern gesehen. Soviel zum Thema Vielfalt.
"Allgemeinplätze" wurde uns gesagt, wenn wir mit solchen Sätzen zu beeindrucken versuchten, "da solltest Du schon mit mehr Inhalt kommen!"

Was hast Du erwartet?
...dass wir Dir alle nach etwas Diskussion und Geplänkel zustimmen und sagen: "ja, Claudia, Du hast Recht!" ?

Vielfalt ist, dass hier auch Meinungen veröffentlicht werden, die von sehr vielen transsexuellen Menschen nicht geteilt werden, ja ihnen sogar zum Schaden gereichen können.
Selbst bei dem Behördenakt des Namens- und Personenstandswechsels willst Du den Bürgern nicht zubilligen, was sie bei Entscheidungen mit ähnlicher Tragweite völlig problemlos bewilligt bekommen.
Deine Argumente finde ich relativ "dünn" und sie laufen auf ein "weil es mir nicht gefällt" hinaus.

Dabei es handelt sich in den meisten Fällen um "mündige Bürger", die sich zu den angesprochenen Schritten entschließen.
Ich habe mit sehr vielen transsexuellen Menschen zu tun - und ich habe nicht einen getroffen, der "aus Spaß" und "mal eben" seinen Namen und den Geschlechtseintrag umtragen lassen will.
... und ich glaube nicht, dass man ausgerechnet bei diesem Thema den Bürger vor sich und seinen eigenen Entscheidungen schützen muss.

Name und Geschlecht sind rein persönliche Angelegenheiten; da ist für mich nicht einsehbar, dass der Staat entscheidet und die Zwangsgutachterei aufrecht erhält.

Gruß
Anne-Mette
ExuserIn-2018-07-15

Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 21 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-07-15 »

MichiWell hat geschrieben: So 28. Jan 2018, 18:31 Auch wenn ich selbst nicht betroffen bin, so empfinde ich die Zwangsgutachterei doch als menschenunwürdig.

Sie gehört ohne Wenn und Aber abgeschafft.

Wenn ich von Personen lese, die dies selbst durchmachen mussten, dass sie diesen Zwang dennoch befürworten, dann frage ich mich, was da für eine Motivation dahintersteckt. Eine Begründung erfolgt allenfalls mit fadenscheinigen Argumenten, so dass sich mir der Eindruck aufdrängt, dass dahinter eher Neid und Mißgunst steckt, dass es andere mal leichter haben könnten als sie selbst.


Kopfschüttelnd
Michi
Oh, oh - nach dem letzten Beitrag von Claudia drängt sich mir mehr und mehr der Verdacht auf, dass Michi Recht haben könnte. Es gibt gerade im Trans*Bereich nicht wenige, die sich tatsächlich in Gruppen nach Rangfolgen sortieren, wer von ihnen am meisten gelitten hat. Einer Diskussion über diese besonders traurige Art eines missverstandenen "Wettbewerbs" durfte ich sogar einmal selbst im großen Rahmen beiwohnen.
Claudia hat geschrieben: Di 30. Jan 2018, 10:41 Da hättest Du nachlesen können, mit welchen Problemen ich während der Transition kämpfen musste. Dagegen ist der sinnvolle Alltagstest ein Spaziergang.
Das ist schlimm und Probleme bei der Transition wünscht man niemand. Schlimmer ist jedoch, wenn derart Betroffene dann aus qualvoller Erfahrung und / oder Verbitterung so auftreten, als würden sie dem Rest der Welt keine Erleichterungen zubilligen. Das ist keine Unterstellung, sondern nur mein ganz subjektiver Eindruck.

Semele
ExuserIn-2018-05-31

Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 22 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-05-31 »

Hallo
Also ich bin Trans das wisst ihr auch und grade echt Probleme mit dem Gutachterrei da es nun mit mein Therapeuten,der
selber Gutachten schreibt 3 Gutachten in weider hinsiecht schon sind. und nun noch eins haben wollen.
Was mich jetzt langsam echt behindert denn vieles will ich erst machen wenn die PÄ durch ist und ich fühle mich
ziemlich von oben gegängelt und mann kann sowas auch rückgängig machen aber die OP die ich jetzt rein rechtlich
schon machen könnte nicht. Außerdem hörte ich das eh 99% etwa genehmigt oder durchgehen sind.
Und ja auch ich bin Voll Frau mit sogenannten Männlichen Anteilen (was auch immer das sind und wie eingeordnet werden),
aber in erster Line bin ich erstmal Mensch und das ist für mich wichtiger als alles andere !
Also ich finde auch das Gesetz muss geändert werden ,auch wenn mann trotz PÄ durch ist doch manchmal bei der
einen oder anderen oder mir, sieht oder merkt wie ich geboren wurde.
Eure Christiane
Michi
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 23 im Thema

Beitrag von Michi »

Daenerys Targaryen hat geschrieben: Di 30. Jan 2018, 13:12 Dass der ein oder andere bei einer - wie die Juristen durchaus respektvoll sagen - "Mindermeinung" mal mit den Augen rollt oder etwas kerniger dagegen hält, ist doch kein Problem, so lange niemand beleidigend wird.
Hallo Daenerys,

danke, dass du das schreibst. Ich fühle mich mit obiger Aussage durchaus angesprochen.

Ich halte aber nicht einfach nur dagegen, weil ich die Meinung meines Gegenüber niedermachen will, wie mir das zuweilen unterstellt wird. Viel mehr ist es mir gegerell wichtig (nicht nur bei Mindermeinungen), die dahinter steckenden Bewegründe und Motivationen zu erfahren und zu hinterfragen. Und da muss man zuweilen schon mal etwas intensiver nachbohren, um nicht nur mit lapidaren Statements und Allgemeinplätzen abgespeist zu werden. Erwünschter Nebeneffekt ist, dass ich meine Positionen und Ansichten dabei immer wieder überdenke und korrigiere, und gleichzeitig die Hoffnung habe, dass es auch den anderen so geht.


Liebe Grüße
Michi
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Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 24 im Thema

Beitrag von ab08 »

MichiWell hat geschrieben: Di 30. Jan 2018, 17:44 Viel mehr ist es mir generell wichtig (nicht nur bei Mindermeinungen), die dahinter steckenden Beweggründe und Motivationen zu erfahren und zu hinterfragen. Und da muss man zuweilen schon mal etwas intensiver nachbohren, um nicht nur mit lapidaren Statements und Allgemeinplätzen abgespeist zu werden. Erwünschter Nebeneffekt ist, dass ich meine Positionen und Ansichten dabei immer wieder überdenke und korrigiere, und gleichzeitig die Hoffnung habe, dass es auch den anderen so geht.
Das finde ich sehr lobenswert und versteh ich wirklich sehr gut. --
... aber Vorsicht, denn nicht jedem/ jeder ist dieses Hinterfragen recht. - Manche wollen sich nicht zu offen über ihre Motivation äußern,
weil sie es eventuell beispielsweise als zu privat empfinden. --> Daher ist bei diesem Nachbohren viel Sensibilität erforderlich, wenn man niemand verletzen will.
(Ich unterrichtete 12 Jahre Jugendliche in der Psychiatrie, dort ging es sehr oft darum, sensibel zu hinterfragen, um wirklich qualifiziert helfen zu können.)

Liebe Grüße und weiter viel Erfolg (yes)
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 25 im Thema

Beitrag von Michi »

ab08 hat geschrieben: Di 30. Jan 2018, 20:00 Das finde ich sehr lobenswert und versteh ich wirklich sehr gut. --
... aber Vorsicht, [...]
Hallo Andrea,

danke für deine Worte. Ich weiß das zu schätzen, gerade auch wenn es von Menschen kommt, mit denen ich nicht immer so ganz einer Meinung bin.

Liebe Grüße
Michi
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 26 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Guten Morgen,

gestern war ich das erste mal beim Endikrinologen und habe dort eine Broschüre per Mail bekommen:
"Trans* nicht selbst gewählt - aber angenommen" Ein Leitfaden auf dem Weg zur Geschlechtsangleichung

Damit beschäftige ich mich das erste Mal konkreter mit der "Verwaltungs-Frage", wie werde ich staatlich und gesellschaftlich eine Frau. Klar sind mir die Schlagwort bislang schon mehrfach untergekommen, aber bislang ging es mir eher um mein "ICH", als um den Weg, wenn ich es gefunden habe ....

Beim Lesen der Broschüre sind mir Zwei Gedanken gekommen, die hier vielleicht reinpassen (vielleicht auch schon erwähnt wurden):

- eine Trennung zwischen Gutachten Gericht und Gutachten Krankenkasse halte ich für überflüssig und grundsätzlich würde ich eine "zentrale Stelle" für die Begutachtung für sinnvoll halten. Außschließen möchte ich diese nicht, aber es sollte doch deutlich einheitlicher und ggf. auf die wichtigen Dinge verschlangt werden.
- es gibt keine Möglichkeit den geforderten Alltagstest "neutral" durchzuführen; das ist so gut wie unmöglich, ohne bereits Fakten zu schaffen. Das bedeutet, entscheide ich mich für einen Alltagstest, kann ich eigentlich nicht "ungeoutet" zurück. Daher würde ich diesen grundsätzlich abschaffen. Menschen, die diesen Weg leben, entscheiden sich sowieso für ein CO und gehen als Frau durchs Leben. Allerdings fände ich einen Anspruch auf einen 4-6 Wöchen langen Alltagstest im Rahmen einer "Kur" durchaus sinnvoll. Hier gibt es viel zu wenig Möglichkeiten sich selbst zu finden und zu erproben.

Als Drittes würde ich begrüßen, wenn es eine bessere Vernetzung der vielen Informationsquellen geben könnte. So passiert es mir nach über zwei Jahren immer noch, dass ich Dinge im Netz finde, die ich noch nicht kannte - aber gerne vorher gefunden hätte. Mit mehr Wissen um die Schlagwörter finden sich auch immer wieder neue und ergänzende Informationen.

Liebe Grüße
VanessaL
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 27 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Liebe Vanessa seh das mit dem Alltagstest nicht so "eng". Klar, dass du, wenn du mal öffentlich, ob kurze oder lange Zeit, als Frau lebst, für alle geoutet bis. Das ist nun so und stellt für mich nur die Tatsache dar, dass du dir vorher schon sicher bist.
Ich wehre mich aber immer wieder von den Schematas, die da heißen, dass vor Behandlungen (HRT, Bartepilation....) eine gewisse Zeit im Alltagstest gelebt werden muss. Für alle Betroffenen ist dies m.M. nach eine kaum zu bewältigende Hürde.
Gott sei Dank war das bei mir nicht der Fall, denn meine Hausärztin verschrieb mir ohne ewig lange Warterei und diversen Sitzungen beim Psych. die Hormone.
Liebe Grüße und Glückwunsch zum ersten Termin beim Endo (he)
Christina
ExuserIn-2018-07-15

Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 28 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-07-15 »

Anne-Mette hat geschrieben: Di 30. Jan 2018, 11:11 Name und Geschlecht sind rein persönliche Angelegenheiten; da ist für mich nicht einsehbar, dass der Staat entscheidet und die Zwangsgutachterei aufrecht erhält.
Das kann ich nur doppelt und dreifach unterstreichen. Obendrein empfinde ich diesen Irrsinn momentan als regelrecht unmenschlich!
Nachdem ich hier schon ausgiebig meine Meinung dazu gepostet hatte, sitze ich seit einigen Tagen richtig schön in der Tinte.
Ich habe das Vergnügen, den "Alltagstest" als Grippekranke in vollen Zügen auskosten und genießen zu können. Da ich die drei notwendigen Jahre bis zur gerichtlichen Antragstellung aufgrund meiner eigenen Transgeschichte leider nicht quasi nebenbei abhaken konnte, darf ich diese Zeit bis zum letzten Tage als äußere Frau mit falschen Papieren erleben. Ich kann (und will) auch nicht mehr "zurück" - den Mann hab ich tatsächlich mit allem Drum und Dran abgeschafft, sodass ich auch ungeschminkt in neutralen Klamotten draußen als "Frau" angesprochen werde.
Da ich in der Vergangenheit kaum krank war, habe ich keinen Hausarzt. Einen Hausarzt oder generell einen Arzt im hiesigen Dorf zu suchen, würde meinem schulpflichtigen Kind wegen transphober Lehrer_innen, Mitschüler_innen, Eltern sehr übel bekommen. Unter den Trans-Ärzten, bei denen ich in Behandlung bin, befindet sich kein Allgemeinmediziner. Begebe ich mich auf die Suche nach einem neuen Arzt in der nächstgrößeren Stadt, werde ich auch ohne Coming Out erstmal pauschal abgelehnt, weil die Herrschaften Weißkittel genug verdienen und die Wartezimmer auch ohne mich gerammelt voll sind. Erwähne ich den Umstand, privat versichert zu sein (nein, ich bin nicht reich, sondern nur Beamtin und kann mir keine freiwillige gesetzliche Mitgliedschaft leisten, weil ich dann zusätzlich auch den Arbeitgeberanteil blechen müsste), gibt es zwei Möglichkeiten:
Entweder jagt man mich zum Teufel, weil die "bösen" Privatpatient_innen die überhöhten Rechnungen immer erst nach der langwierigen Kostenerstattung zahlen, oder ich nähere mich dem Coming Out. "Dann geben Sie mir mal bitte Ihre Karte!" Nun gehört meine PKV zu den extrem Sparsamen, die zwar regelmäßig die Beiträge hochschrauben, aber grundsätzlich keine Versichertenkarten anfertigen. Deshalb ist jede Diskussion dort sinnlos, mich unter dem korrekten weiblichen Namen zu führen, weil ich das nach außen hin nicht dokumentieren könnte! Mangels Karte wird als nächstes um meinen Perso gebeten. Und das dürfte es dann gewesen sein ...
Wer ohnehin am liebsten gar keine neuen Patienten aufnehmen will, wird freilich schwer begeistert davon sein, eine Frau mit Männerausweis begrüßen zu dürfen.
Das nur als ergänzendes Beispiel aus dem realen Leben, wie herrlich, wundervoll und selbstbewusstseins-stärkend der in so weiser Absicht geschaffene "Alltagstest" sein kann!

Derweil pumpe ich mich mit literweise Ingwertee, heißer Zitrone und Schmerztabletten voll und bete, dass wenigstens das Fieber sinken mag. Zum Glück darf ich als Beamtin drei Tage ohne Krankenschein fehlen (oh ja, das wird nun wieder Kreuze und Sterne in die Augen einiger NIcht-Beamt_innen zaubern), sonst hätte ich ein noch größeres Problem. Wenn es nicht besser wird, werde ich wohl den Notarzt bemühen müssen, denn zu dem oben beschriebenen gesetzlich verordneten Affenzirkus "Alltagstest" fehlt mir momentan die Kraft.
Wenn ich dran denke, dass mir das innerhalb der drei Jahre noch x-mal passieren kann, wird mir schlecht ...

Semele
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 29 im Thema

Beitrag von Michi »

ChristinaF hat geschrieben: Fr 2. Feb 2018, 11:34 Ich wehre mich aber immer wieder von den Schematas, die da heißen, dass vor Behandlungen (HRT, Bartepilation....) eine gewisse Zeit im Alltagstest gelebt werden muss. Für alle Betroffenen ist dies m.M. nach eine kaum zu bewältigende Hürde.
Hallo Christina,

das ist genau der springende Punkt. Die Betroffenen werden dadurch unter Umständen zusätzlich traumatisiert. Das kann man als nicht Betroffener nicht wollen, wenn man einigermaßen mit Vernunft gesegnet ist.

Nach dem Ansehen unzähliger Berichte, in denen auch immer wieder Gedanken zur Historie des Transsexuellengesetzes angebracht wurden, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der Alltagstest vor dem Beginn irgendwelcher angelichender Behandlungen eher als hohe Einstiegshürde und abschreckende Maßnahme angedacht war, um möglichst schon von vorn herein alle auszusieben, die nicht 100% TS sind. Dass man dadurch womöglich auch nicht wenige TS so unter Druck setzt, dass ihre Kraft nicht ausreicht, diese zusätzliche Belastung auszuhalten, und dass diese dann auf der Strecke bleiben (die Suizid begehen oder durchdrehen und in der sprichwörtlichen Irrenanstalt landen), hat man wohl zumindest billigend in Kauf genommen.

Das stimmt mich sehr traurig, und ich bin strikt dagegen, auch weiterhin derlei unnötige Zwangsmaßnahmen aufrecht zu erhalten.


Liebe Grüße
Michi
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Re: Gibt es für "uns" gemeinsame Ziele, die (fast) alle unterstützen?

Post 30 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Genau so sehe ich das auch, Michi.
Alleine der Gedanke, dass ich mich, zu Beginn meiner TS in der jede Faser, jede Zelle in mir nur danach gerufen hat "Werde endlich das was du bist, eine Frau", zuerst den "Alltagstest" stellen haben müsste, macht mich wahnsinnig.
So hoffe ich, dass es vielen anderen TS Frauen auch so geht, klar ihren Willen und ihre Meinung darzulegen, damit möglichst früh mit der Angleichung begonnen werden kann.
LG
Christina
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