Angst, meine Frau zu verlieren
Angst, meine Frau zu verlieren - # 2

Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 16 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Marielle hat geschrieben: Es gibt Schreibpapier, Computer und Gebärdendolmetscher, die Hörgeschädigten eine vernünftige Kommunikation ermöglichen. Man muss sie aber wollen.

Und, bitte entschuldige: Ein "spielender Gott", der ein Spiel ersonnen hat, in dem du die Regeln bestimmst? Nee. Wenn es einen Gott gibt (ich bin stark unterkühlte Agnostiker_in) würde er kaum so einseitige Spielchen erfinden; sorry.

Es stimmt, dass Ehe bzw. Partnerschaft nicht immer lustig ist. Aber so wie du dir das zurechtbiegst, dass deine Frau das Martyrium erledigt und du die Tradition pflegst, geht es auch nicht.
Liebe Marielle,

es ist schon richtig, dass eine Kommunikation vielleicht schwierig, aber letztlich möglich wäre. Es ist wohl doch eher so, dass ich die Notwendigkeit nicht wirklich sehe, mit den Therapeuten zu sprechen. Das wäre anders, wenn ich wirklich den Eindruck hätte, dass die meiner Frau etwas einreden wollen, aber das ist nicht so. So wie ihr hier analysiert und zu denken gebt, so kommen Gedanken auch dort in Gesprächsrunden mit Mitpatienten oder Therapiegesprächen auf. Das ist wohl der Hintergrund. Meine Frau kam bedrückt, verschlossen in sich, nach Hause, und ich habe natürlich nachgefragt, wie es ihr geht, ob sie etwas verstimmt hat, ob jemand sie geärgert hat. Und dann kam eben die Rede von der fehlenden Grundlage in unserer Ehe mit dem mich verletzenden Nachsatz, dass das ja eigentlich auch stimme. Dabei bezog sie sich eher nicht auf die fehlende Sexualität, sondern auf ein christliches Eheverständnis, wo Ehe eben nur die Verbindung von Mann und Frau, nicht die Verbindung einer Transfrau und einer Biofrau.

Dein Widerspruch zu der Idee mit dem spielenden Gott (müssen wir hier gar nicht vertiefen, ist eigentlich ein anderes Thema) kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich habe doch keine Regeln ersonnen oder etwas zurechtgebogen? Aber lassen wir das.

LG Nicoletta
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Dolores59
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 17 im Thema

Beitrag von Dolores59 »

Nicoletta hat geschrieben:Ehe ist kein Vergnügen. Nach orthodoxer Tradition werden die Eheleute gekrönt, aber das sind keine Herrschaftssymbole, sondern Märtyrerkronen. Ehe soll ein Martyrium sein, nicht im modernen weltlichen Sinne, sondern nach der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, ein Zeugnis des Glaubens.
Dem widerspreche ich, z.B. mit Sprüche 5,18-19:
Erfreue dich an deiner Frau,die du als junger Mann geheiratet hast. Bewundere ihre Schönheit und Anmut!Berausche dich immer wieder an ihren Brüsten und an der Liebe, die sie dir schenkt!
Als weitergehende Lektüre empfehle ich Dir das Hohelied Salomos.

Befreiung vom Kriegsdienst für jung Verheiratete, Deuteronomium 24,5:
Wenn jemand sich kurz vorher eine Frau genommen hat, soll er nicht mit dem Heer ausziehen und man soll ihm nichts auferlegen. Er soll frei in seinem Hause sein ein Jahr lang, dass er fröhlich sei mit seiner Frau, die er genommen hat.
Natürlich bedeutet Ehe auch Arbeit und manchmal Leiden. Aber ganz ohne Freude muss sie nicht sein. Jedenfalls nicht von der Bibel her. Löse Dich von den menschlichen Traditionen und Überlieferungen, die dem Wort Gottes im Wege stehen und laß Dich direkt auf Sein Wort ein. Dann kann Eure Ehe ein Zeugnis für Gottes Liebe sein.
Nicoletta hat geschrieben: Ich habe auch eine nicht christlichen Vorstellungen entstammende Idee, die mir gefallen hat: Gott ist wie ein spielendes Kind, das immer wieder Neues ausprobiert und Freude daran hat. Diesem Gott hat es gefallen, mir zu meiner weiblichen Seele einen männlichen Körper zu geben und mich mit einer Frau zu verbinden, der Sexualität wichtig ist. Jetzt sitzt Er sozusagen da und beobachtet, was sich daraus entwickelt, wobei wir uns Seiner liebenden Aufmerksamkeit sicher sein dürfen.
Gott spielt nicht. Gott hilft.
Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch." (Psalm 68, 20)
LG
Dolores
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
(Psalm 139,14)
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 18 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Inga hat geschrieben:Glauben soll und kann kein Käfig eines Gedankengebäudes sein, aus dem man nicht raus darf, sich nicht raus traut, Angst hat, zu verlassen. Glaube ist, sich zur Wahrheit zu trauen, zur Gewissheit, die in einem ist, von Gott gegeben ist, und einem die Kraft gibt, neue ungewohnte Wege zu gehen. Glauben macht frei, nicht eng.

In der Bibel heißt es an einer Stelle "Da ist Glaube, Hoffnung, Liebe. Und die Liebe ist das Größe unter ihnen." Da steht nicht Glaube ist größe als Liebe oder selbst Hoffnung sei größer als Liebe, Sondern die Liebe steht über dem Glauben und der Hoffnung. So ist euere Liebe zwischen euch beiden "Frauen" einfach größer als die im orthodoxen Glaubensformen begründete Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Dazu kannst du doch stehen!

Übrigens: Es heißt "die Liebe ist das Größe unter ihnen" und nicht "Das Leiden ist das Größte unter ihnen"
Liebe Inga,

ich stimme Dir zu, dass Glaube kein Käfig, habe es auch nie so empfunden. Der von Dir zitierte Ausspruch begleitet uns in der Ehe von Anfang an, und die Liebe ist zweifellos weiterhin da, auf beiden Seiten. Das mit dem Martyrium hast Du vielleicht trotz meines erklärenden Zusatzes falsch verstanden. Martyrium hat viel mit Wahrheit zu tun. Dass das Leben in der Wahrheit auch einmal schmerzlich sein kann, also Martyrium im modernen Sinne, ist natürlich auch richtig. Es ist gut orthodox, nicht das Leiden zu betonen, sondern die Liebe, Ostern, nicht Karfreitag.

LG Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 19 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Aspie hat geschrieben:Hallo Nicoletta,

Auch wenn hier viel vom Sex geschrieben wird, glaube ich nicht, dass das das wesentliche Problem ist. Dass Ihr keinen Sex habt, hat ja Gründe, und die sind wahrscheinlich wichtiger. Auch dass sie solch verletzende Dinge gesagt hat, muss nicht wörtlich gemeint sein, sondern kann auch die allgemeine Situation Eurer Beziehung meinen oder aus einem Gefühl von Frust und Ärger über etwas ganz anderes herauskommen. Sowas sagt sich eben auch leicht.
Liebe Aspie,

danke für Deine Worte, vor allem am Ende (
Aspie hat geschrieben:Ich finde, es ist auch kein Verbrechen, in einer Ehe wie gute Freunde zusammenzuleben. Auch wenn das nicht das ist, wovon man geträumt hat, ist es vielleicht die beste Alternative im realen Leben.
) Auch muss ich mich korrigieren. Es ist ja nicht so, dass meine Frau verletzende Dinge gesagt habe, sondern ich habe mich durch Dinge, die sie gesagt hat, verletzt gefühlt. Das ist etwas anderes. Sie hat einfach nur wiedergegeben, was sie bei der Therapie zu hören bekam, und hat völlig korrekt ergänzt, dass das ja auch eigentlich stimme. Was mich gestört hat, war dann ihr Hinweis auf das christliche Eheverständnis (ein Mann und eine Frau), dem ich nicht gerecht werden kann. Da fühlte ich dann, als ob mir der Boden unter den Füßen weggezogen würde. Dein Nachsatz ist dann das Pflaster.
Aspie hat geschrieben:Vielleicht braucht sie tatsächlich eine Auszeit, in der sie mit sich allein sein kann. Wenn das so ist, solltest Du sie das machen lassen (sagt sich so leicht, ich weiß). Damit zeigst Du ihr aber, dass es Dir um sie geht und das kann auch gut sein. Du schriebst, dass sie sich von Dir abwendet. In der Situation würde ich Ihr das direkt anbieten, also eine Trennung auf Zeit.
Davon hat meine Frau früher durchaus schon gesprochen, und letztes Jahr war sie dann tatsächlich ein halbes Jahr lang weg bei ihrer Mutter. Sie fand dort sicher Trost, ihre Mutter legte ihr aber auch ans Herz, sich nicht scheiden zu lassen trotz meiner Veränderungen. Nach ihrer Rückkehr begann dann aber die schlimmste Phase des Alkoholismus bis zum Beginn der Therapie in diesem Jahr. Unsere Beziehung ist eigentlich auch gut, es ist eben nur so, dass in der Therapie manche Gefühle wieder hochkommen und durchgehechelt werden in der Gruppe. Das ist wahrscheinlich auch heilsam.
Aspie hat geschrieben:Du bist auch nur ein Mensch, der eben so geboren wurde und nicht anders
.

Das ist es, was ich mit dem hier auf Widerspruch stoßenden Bild vom spielenden Gott gemeint habe. Es gibt natürlich auch christliche Sichtweisen, die die Veranlagung als Versuchung deuten würden, die mich mannhaft bekämpfen müsse, aber ich sehe das nicht so. Gott hat mich geschaffen, wie ich bin, und meine Veranlagung gehört dazu, Sie zu unterdrücken wäre dann doch gerade der Versuch, Seine Schöpfung zurückzuweisen. In diesem Kontext gefällt mir das Bild vom unschuldig spielenden Kind. Man muss nicht von Gott sprechen, kann auch Natur sagen. Die Natur ist unglaublich vielfältig, und das ist das Ergebnis immer neuer Versuche. Hier ein Gen geändert, dort ein Gen geändert, und siehe da, ein neues Wesen, ein neues Bild im Kaleidoskop. Es hat keinen Sinn, dagegen anzukämpfen, man kann es nur bewundernd für den Schöpfer zur Kenntnis nehmen. Ich bin mir bewusst, dass ich damit nicht im christlich Mainstream schwimme, eher mit dem chinesischen Dao ströme.

LG Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 20 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Liebe Dolores,

ich respektiere Deinen Widerspruch, aber wir denken da sehr verschieden. Deine Argumente entstammen ja auch alle dem Alten Testament, und das jüdische Eheverständnis unterscheidet sich doch deutlich vom christlichen, wie wir es vor allem bei Paulus finden.

LG Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 21 im Thema

Beitrag von Dolores59 »

Nicoletta hat geschrieben:Liebe Dolores,

ich respektiere Deinen Widerspruch, aber wir denken da sehr verschieden. Deine Argumente entstammen ja auch alle dem Alten Testament, und das jüdische Eheverständnis unterscheidet sich doch deutlich vom christlichen, wie wir es vor allem bei Paulus finden.

LG Nicoletta
Liebe Nicoletta,
der Apostel Paulus baut auf das alte Testament auf, insofern unterscheidet sich das neutestamentliche Eheverständnis nur wenig vom alttestamentlichen (1.Korinther 7,1-9):
Nun zu den Anfragen eures Briefes! -«Es ist gut für den Mann(,) keine Frau zu berühren-». Wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben und jede soll ihren Mann haben. Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber dem Mann. Nicht die Frau verfügt über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt nicht der Mann über seinen Leib, sondern die Frau. Entzieht euch einander nicht, außer im gegenseitigen Einverständnis und nur eine Zeit lang, um für das Gebet frei zu sein. Dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht in Versuchung führt, wenn ihr euch nicht enthalten könnt. Das sage ich als Zugeständnis, nicht als Gebot. Ich wünschte, alle Menschen wären (unverheiratet) wie ich. Doch jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.
Den Unverheirateten und den Witwen sage ich: Es ist gut, wenn sie so bleiben wie ich. Wenn sie aber nicht enthaltsam leben können, sollen sie heiraten. Es ist besser zu heiraten, als sich in Begierde zu verzehren.
Obwohl Paulus unverheiratet war, hat er die Sexualität als einen Baustein der Ehe nicht aus den Augen verloren. Die über Jahrhunderts verbreitete Leibfeindlichkeit in Teilen der Kirche kann sich jedenfalls nicht auf ihn berufen und auch nicht auf Petrus (1.Petrus 3,7):
Desgleichen ihr Männer, wohnt vernünftig mit ihnen zusammen und gebt dem weiblichen Geschlecht als dem schwächeren seine Ehre.
Zusammen wohnen schließt die Sexualität mit ein. Wie es die Stellen im AT, die ich im letzten Beitrag aufgeführt habe, ebenfalls betonen.

Natürlich leben wir alas Christen nicht unter dem Gesetz (AT), sondern unter der Gnade (NT). Dennoch gehören beide Teile der Bibel untrennbar zusammen.

LG
Dolores
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 22 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Liebe Dolores,

keineswegs rede ich einer Leibfeindlichkeit das Wort, die Orthodoxie ist da im Vergleich zum lateinischen Christentum ohnehin leibfreundlicher, vgl. Priesterehe, die Möglichkeit der Ehescheidung; auch kenne ich die angeführten Zitate natürlich. Es ändert nur nichts an meinem Empfinden, von dem mir auch erst im Laufe der Jahre, jedenfalls erst nach der Eheschließung, klar geworden ist, dass es wohl als asexuell einzustufen ist. Hätte ich vor der Eheschließung gewusst, was ich heute weiß, hätte ich nie geheiratet. Ich hätte es keiner Frau antun mögen, einen Mann zu heiraten, von dem sich dann herausstellt, dass er eine Frau ist. Das mit mir "etwas" nicht stimmte, habe ich damals wohl gewusst, war aber der Überzeugung, dass meine Probleme in einer guten, christlich-orthodoxen Ehe, die ich ja führen wollte, verschwinden würden wie Nebel vor der Sonne. Ich wäre darum auch nicht auf die Idee gekommen, ihr zu sagen, dass ich eigentlich Sex nicht mag und mich in weiblicher Kleidung wohler und authentischer fühle, denn das waren Dinge, die ich als falsch empfand und nun endlich endgültig hinter mir lassen wollte. Meine Asexualität ist keine Leibfeindlichkeit, die sich nur im Kopf abspielt, das ist nicht reflektiert, sondern einfach ein Empfinden. Sollte meine Frau mich verlassen wollen, kann ich das verstehen und könnte es auch nicht verhindern, aber ich vertraue darauf, dass unsere gemeinsame Liebe stärker ist und mehr bedeutet als den sexuelle Teilaspekt. Meine Frau hat mir auch vor längerer Zeit schon gesagt, dass sie mich gehen lassen würde, wenn ich etwa zu Männern hingezogen fühlte, legte lediglich Wert darauf, dass sie es als Erste erführe. Ich habe keinerlei Neigungen in dieser Richtung, es soll nur zeigen, dass unsere Ehe eine andere Grundlage hat als Sex.

LG Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 23 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Nicoletta,

ich weiß nicht, ob du mich schon verstanden hast. Ich meinte mit dem "Glauben als Käfig", dass vielleicht die Vorstellungen der festgefügten Geschlechterrollen "Ehe = Mann + Frau" die ihr beide durch den orthodoxen Glauben gewonnen und gefestigt habt, für euch zu eng geworden ist , ihr an die Grenzen stoßt, deswegen das Leben schwer wird. Da liegt m. E. die Flucht in den Alkohol nah.

Glaube wächst, entwickelt sich weiter und - meine Erfahrung - manches legt man mit dem Laufe der Jahre auch zu Seite , weil es zu eng geworden ist. So wie Kleider, die einen gewärmt haben als man klein war und zu eng und hinderlich geworden sind, als man zum Erwachsenen heran wuchs. Jetzt benötigt man andere Kleider, die mehr Platz bieten.

Der Gedanke des Marthyriums ist mir in der Tat fremd. Ja, es gibt sicher Leiden, das man aushalten und durchstehen muss. Da kann der Glaube Kraft und Zuversicht geben. Doch Glauben soll und kann m. E. helfen, vom Leid nicht vereinnahmt zu sein, vom Leid wegzukommen. Doch extra Leiden aufzulegen um es durchzustehen, ja sich gewissermaßen daran zu ergötzen, hat für mich eher etwas von SM, als von der erlösenden Kraft der christlichen Botschaft.

Ich hatte vor einer Weile ein interessante Morgenandacht gehört mit der schlichten Frage: An was für einen Gott glaube ich? Und das an Beispielen in den Raum gestellt: Glaube ich wirklich an den Gott der Gnade? Glaube ich an den Gott der Liebe? Oder glaube ich doch eher an den Gott des Leidens? Glaube ich eher den Gott des Belohnens und Bestrafens? Glaube ich eher an den Gott der Grenzen, und nicht den Gott der Unendlichkeit? Glaube ich an den Gott des Erfolges?- usw.

Liebe Grüße
Inga
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 24 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Liebe Inga,

danke für die Präzisierungen zu "Glauben als Käfig". Soweit ich sehe, vertreten alle christlichen Kirchen, aber auch Islam und Judentum, eindeutig festgefügte Geschlechterrollen, mal mehr, mal weniger streng. Glaube ist natürlich mehr als Kirche. Mit meinem Heraustreten aus dem Käfig werde ich, auch wenn das niemand sagt, als Paria angesehen von Vertretern der Kirche. Begegne ich jemanden von ihnen, quält man sich allenfalls eine Erwiderung auf meinen Gruß ab, ich habe aber auch erlebt, das sie bei meinem Anblick sofort die Richtung wechseln, um mir nicht zu begegnen. Und der Priester, der mich in die Gemeinde aufgenommen hat, sagte zu meiner Frau, ich dürfe ruhig in die Kirche kommen (und meinen Obulus entrichten), solle aber vor dem Ende der Liturgie gehen, um die Leute nicht zu verwirren! Vor Gott allerdings fühle ich mich nicht als Paria, schließlich hat Er mich so geschaffen wie ich bin.

Das mit dem Martyrium verstehst Du noch weiterhin falsch, es geht nicht um Leiden, es geht eher um Ehrlichkeit, Stehen zu dem dem, was man glaubt. Das Wort kommt von griechisch mártys 'Zeuge'. Wenn ich dazu stehe, eine Transfrau zu sein und das offen bekenne, bin ich auch mártys, Zeuge für die Vielfalt der Schöpfung Gottes. Auch die altkirchlichen Märtyrer heißen so nicht wegen der Leiden, die ihnen zugefügt worden sind, sondern weil sie trotz Bedrohung ihren Glauben bekannt haben.

Jene, die sich am Leiden ergötzen, laufen oft natürlich auch unter dem Begriff Märtyrer. Das gilt für die islamistisch motivierten Terroristen, die sich ja auch als Märtyrer verstehen, galt aber in einigen Fällen sicher auch schon für altkirchliche Märtyrer, die ohne Not einen gewaltsamen Tod anstrebten. Da ist der Vergleich mit SM durchaus naheliegend

Von Leidenstheologie halte ich nichts. Leidenstheologie ist vielleicht ein protestantisches Reservat. Ich habe dort durchaus Vertreter gefunden, für die Karfreitag der wichtigste Feiertag des Jahres ist. Das ist sehr jüdisch gedacht, das Lamm, dem alle unsere Sünden aufgelegt werden, das dann in die Wüste getrieben wird. In dem System ist der Tod des Lamms die Erlösungstat. Christentum beginnt aber erst mit der Auferstehung. Es ist de Gott der Liebe, an den ich glaube, keiner des Leidens, der Versuchung und Bestrafung. Er akzeptiert auch mich und freut Sich dabei an der Vielfalt Seiner Schöpfung, zu der auch ich gehöre.

Liebe Grüße,

Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 25 im Thema

Beitrag von Dolores59 »

Nicoletta hat geschrieben:Und der Priester, der mich in die Gemeinde aufgenommen hat, sagte zu meiner Frau, ich dürfe ruhig in die Kirche kommen (und meinen Obulus entrichten), solle aber vor dem Ende der Liturgie gehen, um die Leute nicht zu verwirren! Vor Gott allerdings fühle ich mich nicht als Paria, schließlich hat Er mich so geschaffen wie ich bin.
Ähnliche Argumente habe ich bei uns in der Gemeinde (ev.) auch gehört als Crossdresser. Aus Rücksichtnahme gegenüber den Schwachen im Glauben trage ich im Gottesdienst halt Männerkleidung bzw. solche, die danach aussieht. Natürlich habe ich die Freiheit (gem. Apostel Paulus) Kleider zu tragen, aber ich verzichte freiwillig für eine Zeit darauf.

LG
Dolores
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 26 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Hallo, Dolores,

wenn Du damit leben kannst, ist es ja gut. Ich wollte mich inzwischen nicht mehr verstecken. Nur am Rande: Meine Frau hatte anfangs natürlich auch Bedenken gegen meine Kleidung, ließ sich dann aber überzeugen, als ich sagte, dass die (von ihr geschätzten) Römer immerhin die halbe Welt im Rock erobert hätten und auch Jesus ein Kleid trug. Das war natürlich nicht ganz richtig, denn auch zu Jesu Zeit unterschied sich das Gewand der Männer von dem der Frauen. Immerhin hat das ihr aber ins Bewusstsein geführt, wie sehr Kleiderordnungen kultur- und zeitbedingt sind.

LG
Nicoletta
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 27 im Thema

Beitrag von Aubergine »

Nur kurz,

Glaubensfragen sind vielfältig, interpretationsfähig und bietet Schutz für alles und jedes.
Glauben ist nicht nur Ansichts- sondern auch Auslegungssache. Wie im wahren Leben kann man alles aus positiver wie negativer Sicht sehen.
Im Namen des Glaubens wurden viele Kriege geführt und es ging nie um Gott (Jesu, Allah, Buddah etc.), sondern immer nur um Macht.
Der Glaubensmantel bedeckt Machos wie Egoisten und diese unterdrücken unter dem selben Mantel die Schwachen, deren eigenen Willen und das Selbstvertrauen.
Glaubensdiskussionen führen nie zum Verständnis, sondern immer zu Missverständnissen und Konflikten.....besser ihr lasst es

LG Aubergine
Dir geht's nicht gut? Du fühlst dich mies? So was kommt schnell mal vor.
Geteiltes Leid ist halbes Leid, ich leih dir gern mein Ohr.
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Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 28 im Thema

Beitrag von Dolores59 »

Aubergine hat geschrieben: Glaubensdiskussionen führen nie zum Verständnis, sondern immer zu Missverständnissen und Konflikten.....besser ihr lasst es

LG Aubergine
Das "immer" ist zu pauschal, liebe Aubergine.

Keiner von uns hat vor einen "Glaubenskrieg" anzuzetteln. Der Austausch von Erfahrungen kann auch zu mehr Verständnis für Standpunkte Menschen anderen Glaubens oder Glaubensgeschwistern führen. Ich sehe mehr die gegenseitige "Befruchtung" und Erweiterung des geistigen Horizonts. Über die Unterschiede hinweg.

LG
Dolores
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Corinna

Re: Angst, meine Frau zu verlieren

Post 29 im Thema

Beitrag von Corinna »

Offensichtlich leidet Deine Frau schon sehr lange unter dem Zustand Eurer Ehe,.. vielleicht ist dies auch (zumindest) ein Auslöser für ihre offensichtlich verzweifelte Lage. Auch aus christlicher Sicht ist eine Ehe ohne Sexualität keine Ehe... Die Sexualität zwischen Eheleuten ist ein immens wichtiger Part... und wenn einer von beiden diesen Part nicht wünscht, ist eine wichtige Säule für die Partnerschaft zerbrochen. Eine normal sexuell empfindende Frau leidet immens unter diesem Zustand, nicht von ihrem Mann begehrt zu werden und die über die Sexualität entstehende, körperliche und seelische Verbundenheit immer wieder zu erfahren...Die Ehe ist nicht dafür gedacht zölibatär zu leben, dann wäre sie Nonne geworden (oder Single geblieben). Die Ehe stellt einen gesundheitsförderlichen Raum für natürliche Sexualität dar.
Ich wundere mich, wie Du selbstverständlich den Verzicht auf eines der menschlichen Grundbedürfnisse von Deiner Liebsten erwarten kannst?
Was ist das für eine Liebe? Deine Frau leidet! Auch wenn sie es vielleicht nicht so deutlich sagt....
Wenn Dir die Ehe wirklich so wichtig ist, mach eine Sexualtherapie (z.B. bei Sexocorporell-Beratern), um deine Lust wieder zu erwecken... und zwar die Lust auf (D)eine Frau und weg von der Lust auf Klamotten.... Wenn es nicht nebeneinander bestehen kann (Lust auf weibliche Klamotten und die Lust auf die Frau) ist das ein Ehe- Hinderungs-Grund! Es kann nicht sein, dass sich ein Ehepartner für die Lüste und Unlüste des Anderen aufopfert...
Es geht kein Weg an der Arbeit an Deiner Lust auf Deine Frau vorbei, wenn Du Deine Ehe retten willst...
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