Eine Diskussion - ein Streitgespräch. Mir wird vorgeworfen: "Ein Mann trägt keine Röcke und Kleider!"
"Ein Mann trägt Hosen - eine Frau trägt Röcke. Man muss sie unterscheiden können. Sonst wären es ja zwei Frauen oder zwei Männer. Es ist schwul, wenn Männer Röcke tragen."
"Es hat nichts damit zu tun, wenn ein Mann Röcke trägt, muss er nicht schwul sein. Und wenn - was wäre da das Problem?"
"Das ist abartig, früher hätte man solche Leute....".
Mein Hinweis auf unser kulturelles, sportliches und politisches Leben, in dem viele schwule oder lesbische Menschen ihren Platz haben, wird abgetan: "das bleibt abartig - das steht schon in der Bibel".
Eine Diskussion mit älteren Menschen? NEIN!
Eine Diskussion mit ausländischen Mitbürgern? NEIN!
Eine Diskussion mit unserem Sohn (15).
Wie kommt ein Jugendlicher zu solchen Ansichten? Wir haben unsere Kinder offen erzogen; weder etwas verherrlicht oder beschönigt, noch etwas verteufelt oder mit zweifelhafter Moral belegt.
Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass "schwul" immer noch - oder schon wieder ein Schimpfwort ist für Menschen, die anders sind, für Menschen, die sich anders kleiden, vielleicht nicht das Geld haben für teure Markenklamotten und für Menschen, die nicht dem zur Zeit gängigen Bild eines Jungen oder jungen Mannes entsprechen. Da können schon längere Haare den "Verdacht" entstehen lassen - oder eine etwas höhere Stimme ganz zu schweigen vom Fehlen eines makkerhaften Verhaltens
Das sind dann nicht etwa Leute, die versucht haben, mit einem Jungen, der das nicht wollte, "anzubandeln", sondern "ganz normale Jugendliche", die nur aufgrund irgendwelcher diffuser Gerüchte gemobbt werden.
Wie kann das passieren? Eigentlich sollte dieser Themenkomplex von den Schulen thematisiert werden. Ich denke nicht, dass es nur an unserer Schule in Flensburg versäumt wurde oder erfolglos bearbeitet wurde, sondern dass das ein weit verbreitetes Problem ist.
Es gibt aber Initiatven, die sich dieses Themas annehmen:
"Schule ohne Homophobie - Schule der Vielfalt" ist der Titel einer neuen Initiative, die sich in Nordrhein-Westfalen im Rahmen einer Kampagne und eines Schulprojektes für mehr Akzeptanz von Homosexualität in der Schule einsetzt.
Denn obwohl das Thema nach wie vor nur selten auf dem Lehrplan steht, ist es doch sehr präsent im Schulalltag: als Synonym für negative Bewertungen aller Art, als Vokabular, mit der sich mit Mädchen und Jungen von allem abgrenzen, was als nicht geschlechtsrollenkonform erlebt wird und in Form von Ausgrenzung und Mobbing gegenüber Schülerinnen und Schülern, die als lesbisch, schwul oder bisexuell gelten.
http://www.schule-der-vielfalt.de/
Auch die TAZ greift das Thema auf:
Wo "schwul" ein Schimpfwort ist
Von religiösen Fundamentalisten, "dumpfbackigen" Argumenten und Integration bei Ikea: In Bremen wollte man über Homophobie in der Schule und den Kampf dagegen sprechen. Weil sich kein örtlicher Kollege dazu bereitfand, musste ein schwuler Lehrer aus Berlin für das Podium geholt werden. VON EIKEN BRUHN
http://www.taz.de/regional/nord/nord-aktuell/artikel/1/wo-schwul-ein-schimpfwort-ist/
Ich denke mir, dass Homophobie und ähnliche Denk- und Verhaltensweisen zum Teil von einigen Musikrichtungen gefördert werden.
Zu dieser Thematik gibt es von Grünen eine Diskussionsgrundlage im pdf-Format: http://www.gruene-bundestag.de/cms/lebenspartnerschaft/dokbin/282/282738@de.pdf
Nach Zahlen des Anti-Gewalt-Projekts Maneo werden 90 Prozent der homophoben Übergriffe von den Opfern gar nicht gemeldet. In Berlin wird künftig eine Staatsanwältin Ansprechpartnerin für gleichgeschlechtliche Lebensweisen sein.
Das wird vermutlich mit dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit sensibler wird für das Thema Hasskriminalität gegen die sexuelle Orientierung.
Berlin hat in Deutschland eine Vorreiter-Rolle, aber die Schwulen- und Lesbenverbände kämpfen überall dafür, dass die anderen Bundesländer nachziehen.
Dem können wir CROSSDRESSER uns anschließen.
Meinungen dazu bitte im Crossdresser-Forum
