Es begann mit einer Kanutour

Vor Jahren arbeitete ich für eine Versicherung. Ich hatte in meiner kleinen Agentur recht freie Hand und war mein eigener Herr. Meine Zeit konnte ich überwiegend so einteilen, dass auch noch etwas für die Freizeitgestaltung übrig blieb. Trotzdem hatte ich ein mehr als ausreichendes Einkommen.
Weil eine neue Produktlinie eingeführt werden sollte, musste ich allerdings zu einer Fortbildungswoche in die Regionalzentrale kommen.

Da ich, wie man so schön sagt, Single war, und ich außerdem keine besonders starken familiären Bindungen hatte, machte mir das nichts aus. Im Gegenteil, ich freute mich sogar auf die Fortbildungswoche. Ich durfte auf Kosten der Versicherung in einem kleinen Hotel wohnen. Wir waren eine Gruppe von 20 Agenturleitern. Die anderen zogen abends oft in der nahen Grenzstadt um die Häuser, soweit man das dort konnte. Ich jedoch hatte meinen Computer mitgebracht und schrieb in der freien Zeit meistens an einem Programm, mit dem ich hoffte, bei der Versicherung im Innendienst zu landen. Das hatte man mir in Aussicht gestellt.

Der Unterrichtsstoff war recht interessant und praxisnah. Überwiegend hatten wir mit einer Frau aus der Regionalzentrale zu tun, die ähnlich wie die meisten von uns gekleidet war: graue Hose und Blazer. Während wir fast ausschließlich Hemd und Krawatte trugen, trug sie einen Rollkragenpullover. Der einzige sichtbare Schmuck war eine dezente Brosche. Die Haare trug sie sehr kurz. Da sie keine ausgeprägten Körperformen hatte, hätte sie sich - abgesehen von der Stimme - auch als Mann vorstellen können und keiner hätte sich gewundert. Wie sie am Flipchart stand und uns etwas erklärte oder sich über den Overheadprojektor beugte, versuchte ich manchmal, ihre Formen zu entdecken oder auch nur zu erahnen, wenn ich etwas Ablenkung brauchte, aber es gelang mit beim besten Willen nicht. Ihr Körper blieb konturenlos. Schade, dass keine anderen Frauen teilnahmen.

Als ich abends beim Schreiben des Programms eine Frage hatte, fiel mir ihr Angebot ein, sie jederzeit anrufen zu dürfen, wenn etwas unklar wäre. Ihre Visitenkarte lag auf meinem Tisch.
Sie meldete sich schon beim zweiten Klingelzeichen. Das Problem konnten wir schnell klären; ich kam einen großen Schritt weiter mit dem Programm.
Sie sagte mir noch, wie zufrieden sie mit meiner Arbeit wäre - und dass ich doch auch mal ausspannen sollte. Ob ich nicht Lust hätte, am Samstag mit ihr eine Kanutour zu machen. Bisher war ich nur auf größeren Booten mitgesegelt und Kanufahren fand ich nicht so sehr attraktiv, trotzdem bedankte ich mich und sagte zu.

Hatte ich noch ein klein wenig auf Regen gehofft, um absagen zu können, begrüßte mich der Samstag mit strahlendem Sonnenschein. Ich zog meine einzige Jeans an, die ich dabei hatte, dazu einen Pullover und eine leichte Jacke. Da ich meine Laufschuhe im Koffer hatte, war ich so sicherlich auch für das Kanufahren passend eingekleidet.

Brigitte, so hieß die Dame aus der Zentrale, wartete schon auf mich. Sie hatte sich ähnlich sportlich gekleidet wie ich, nur trug sie eine kurze Jeans, die den Blick auf durchtrainierte und unrasierte Beine freigab. "Ich habe uns ein paar Brote gemacht", sagte sie zur Begrüßung, "unterwegs kommen wir an einer Bude vorbei, wo es Kaffee gibt, da können wir eine Rast machen". Auf einer kleinen Karte zeigte sie mir, wie sie sich die Kanufahrt vorstellte. Der Verleiher hatte gleich hinter ihrem Haus seinen Stand - direkt an dem kleinen Fluss. Wir waren die ersten Kunden. Zusammen mit dem Vermieter hob ich das Boot ins Wasser. Wir bekamen zwei schon recht abgenutzt aussehende Paddel, die mit einem Bindfaden am Boot gesichert werden mussten und einige Verhaltensregeln mit auf den Weg. Er fragte, was unser Ziel wäre. Als Brigitte es nannte, meinte er "da fahren die meisten hin, Sie brauchen ungefähr 3 Stunden, dann hole ich Sie dort mit dem Anhänger wieder ab".

Wir sollten gut auf das Boot aufpassen; denn es war noch recht neu. Besonders warnte er uns vor den flachen Stellen, die es zahlreich in dem Fluss gab und sagte, wir sollten unbedingt auf die spitzen Steine achtgeben.

Wir stiegen in das Boot ein, das der Vermieter so lange für uns festhielt. Allein das Einsteigen war schon eine kipplige Angelegenheit. Wir setzten uns in Bewegung. Erst klappte es nicht so recht mit der Abstimmung und wir kamen vom Kurs ab, gelangten fast in die Flussmitte, wo wir nicht hinwollten. Dann ging es besser. Wir mussten uns nicht besonders anstrengen, denn es ging mit der Strömung flussabwärts. Schabende Geräusche und Bewegungen des dünnen Bodens zeigten uns, dass wir an eine flache Stelle gekommen waren und fast am Grund festhingen. Wir kamen aber frei und konnten unsere Fahrt fortsetzen.

Nach gut einer Stunde erreichten wir die Kaffeebude. Brigitte packte unsere Brote aus. Ich spendierte Kaffee. Wir unterhielten uns ein wenig über belanglose private Erlebnisse.

Dann ging es weiter. Wir überstanden eine weitere Stelle, die sehr flach war. Bisher hatte ich nicht darüber nachgedacht, dass es Probleme geben konnte, selbst mit so einem flachgehenden Boot steckenzubleiben. Ein Genuss waren jedoch die tieferen Stellen. Unser Paddeln wurde immer harmonischer, sodass wir gut vorankamen und unser Ziel sicherlich schon vor der angepeilten Zeit erreichen konnten.
Brigitte fragte mich, ob mir die Fahrt Spaß machen würde, was ich inzwischen mit gutem Gewissen positiv beantworten konnte. An der letzten Flussbiegung setzen wir dann leider doch noch einmal recht heftig auf, sodass ich Sorge um das Boot hatte. Es gab aber keinen Wassereinbruch, also schien es unbeschädigt. Wir hingen aber fest, gemeinsames Ruckeln und Abstoßen mit den Paddeln half nichts. Ich stieg aus, um das Boot über die Untiefe hinweg zu schieben. Das war eine gute Idee; wir erreichten bald tieferes Wasser und ich konnte wieder einsteigen. Leider beugte sich Brigitte dabei zur falschen Seite, das Boot kippelte und kippte dann ganz um. Wir landeten prustend und lachend im nicht allzutiefen Wasser. Das Boot konnten wir festhalten. Wir zogen es zurück auf die Sandbank. Wie gut, dass die Paddel und ein Schöpfgefäß mit Bändern gesichert waren. Der Vermieter hatte wohl schon Erfahrungen.

Wir schöpften das Boot aus und stiegen noch auf der Sandbank, an einer etwas tieferen Stelle, beide zusammen ein. Das Manöver gelang, ohne dass das Boot erneut umkippte.

Ohne weiteren Unfall erreichten wir die Stelle, an der der Vermieter auf uns wartete. Er lachte, als er sah, wie nass wir waren und holte aus seinem Kofferraum zwei große Plastiktüten, auf die wir uns setzen sollten, um die Autositze nicht nass zu machen.

Das Kanu war schnell verladen; es war unbeschädigt; Brigitte würde die volle Kaution zurück erhalten. Vor Brigittes Wohnung wurden wir abgesetzt. "So nass kannst Du nicht in das Hotel zurück", sagte sie, "kommt doch noch eben mit rein, vielleicht habe ich etwas zum Anziehen für Dich".
Ich zögerte, fand das aber dann doch eine gute Idee; denn langsam wurde mir kalt und ich zitterte leicht. Sie versprach mir einen Kaffee und meinte, ich könnte doch duschen, bis der Kaffee fertig wäre. Sie würde in der Zeit etwas zum Anziehen suchen. Gern nahm ich das Angebot an. Ich versprach, mich zu beeilen, damit sie auch gleich unter die Dusche konnte. Schnell war ich fertig und wickelte mich in eines der größeren Handtücher. Ich setzte mich in die Küche und trank den dampfenden Kaffee; das tat gut!
Brigitte ging in die Dusche und war schnell zurück. "Hat doch seine Vorteile, wenn man kurze Haar hat", meinte sie, "spare ich mir das Föhnen". Sie hatte einen Bademantel an und wollte nach einer Hose für mich suchen. Wir stellten aber fest, dass die nicht nur annähernd nicht passten, sondern überhaupt nicht. "Ich ziehe meine nassen Sachen wieder an", sagte ich, "oder ich fahre so, wie ich bin". Wir hielten das aber dann doch nicht für eine gute Idee. Erst wollte Brigitte schon ins Hotel fahren und mir von meinen Sachen etwas holen, meinte aber dann: "hier steht noch ein Sack mit Anziehsachen meiner Schwester, die ich zur Kleiderkammer bringen soll, weil sie die nicht mehr benötigt. Meine Schwester ist wesentlich größer, von den Sachen wird Dir etwas passen.
Wir gingen in ein fast leergeräumtes Zimmer. "Meine Schwester hat eine Weile hier bei mir gewohnt", sagte sie, "schau mal nach, ob etwas Passendes dabei ist".
Ich griff in den Sack, griff noch einmal, dann wühlte ich richtig, aber war enttäuscht: es waren nur ausgesprochene Frauensachen darin: Röcke, Kleider, Blusen. Ich muss recht unglücklich ausgesehen haben, aber Brigitte ermunterte mich: "Zieh doch so einen Rock an, bis zum Hotel wird's schon gehen. Stimmt, das sollte kein großes Problem sein. Als Mehrtagesgast hatte ich Anspruch auf einen Parkplatz hinter dem Hotel und konnte sicherlich unbemerkt durch den Hintereingang ins Haus schlüpfen.
Ich griff mir einen grauen Faltenrock, zog eine der etwas altertümlich aussehenden Unterhosen an und ein T-Shirt. "Sieht doch gut aus", meinte Brigitte, "Kannst Du bitte den Sack mitnehmen und Montag kurz bei der Kleiderkammer reinreichen - die ist bei Deinem Hotel um die Ecke". Na gut, das war kein Problem, dann konnte ich gleich die ausgeliehenen Sachen wieder hinzufügen.
Ich verabschiedete mich von Brigtte, wünschte ihr noch einen schönen Sonntag und bedankte mich für die Kanutour.

Ich schlich mich zum Auto und hatte Glück, dass mich keiner sah. Schnell hatte ich mein kleines Hotel erreicht. Den Sack ließ ich im Auto und nahm nur den Plastikbeutel mit meinen nassen Sachen mit hoch. Weil ich das Haus nicht mehr verlassen wollte, beschloss ich, mir einfach den Bademantel anzuziehen, genau die richtige Bekleidung für einen faulen Abend. Als ich ins Bad ging, um ihn zu holen, blickte ich in den großen Spiegel und erschrak zunächst, sah ich doch nicht das gewohnte Bild, sondern eine Gestalt, die man für eine Frau halten konnte, vielleicht etwas längere Haare, vielleicht etwas mehr Brust, aber sonst... Ich spürte ein eigenartiges, ein fremdes und kribbeliges Gefühl, spannungsgeladen - fast wie früher, wenn wir Jungs aus dem Dorf probierten, wer am weitesten pinkeln konnte, natürlich voller Angst vor Entdeckung. Aber wer sollte mich hier entdecken?

Fand ich den Rock spannend und ganz schön, meine Beine begeisterten mich allerdings nicht. Meine Haare sind zwar blond, waren aber recht stoppelig.
Ich überlegte. Ich hatte nichts wichtiges mehr vor an diesem Abend. Ob es sich lohnen würde, die anderen Sachen aus dem Sack näher anzusehen? Dazu zog ich erst einmal den Rock aus und stattdessen eine Anzughose über und einen Pullover. Ich ging zum Auto und holte den Sack.
Als ich wieder oben war, setzte ich mir einen Kaffee auf. Dann kippte ich den Inhalt des Sackes einfach auf den Boden.

Die Sachen rochen gut, waren sicherlich frisch gewaschen. Einiges war etwas aus der Mode, aber alles in einem sehr guten Zustand. Ich wusste nicht warum, aber ich begann zu sortieren: die Sachen, die mir überhaupt nicht gefielen, wanderten zurück in den Sack. Die Sachen, die mir gefielen, legte ich aufs Bett und die Sachen, die ich entweder nicht kannte oder ich aus einem anderen Grund nicht einordnen konnte oder wollte, legte ich auf den Sessel.

Auf dem Bett lag eine ganze Menge, der Sack war halb gefüllt - und nur wenige Sachen lagen auf dem Sessel. Ich nahm einen langen Rock vom Bett und zog ihn an. Der gefiel mir. Ich ging ins Bad und betrachtete mich. Ich zog den Rock etwas höher. Wieder fielen mir meine Beine auf. Den Stoppeln konnte man abhelfen: ich nahm meinen Rasierer und begann mein Werk. Als ich fertig war, brannte die Haut etwas, aber ein wenig Body-Lotion konnte mir Linderung verschaffen. Ich guckte erneut in den großen Spiegel: schon besser!

Und nun? Der Kaffee war fertig. Ich ärgerte mich über die Portions-Kaffeemilch. Irgendwie kann man die wohl nur so aufreißen, dass es kleckert.
Ich nahm einen großen Schluck aus der Kaffeetasse und betrachtete nachdenklich die anderen, auf dem Bett liegenden Sachen. Eine Bluse, die mir zu dem Rock passend erschien, zog ich an und ging wieder ins Bad, um das Ergebnis zu betrachten. So ganz passte sie nicht.
Ich war gerade auf dem Rückweg ins Zimmer, da klingelte es. Wer konnte das sein? Zimmer-Service? Eigentlich ungewöhnlich. Ich stellte mich ganz dicht an die Wand und öffnete die Tür nur einen winzigen Spalt, sodass ich für den draußen stehenden Besucher sicherlich nicht richtig zu sehen war. Ich blinzelte durch die kleine Lücke.
"Du hast Deine Disketten vergessen, die brauchst Du, wenn es mit dem Programm weitergehen soll". Stimmt, bevor wir zur Kanutour aufbrachen, hatte ich ihr die Disketten zur Korrektur auf den Computeritsch gelegt.
"Darf ich reinkommen?" Brigitte drückte von außen gegen die Tür, ohne eine Antwort abzuwarten. "Nein, ich bin nicht richtig angzogen", sagte ich darauf, aber sie ließ sich davon nicht stören, "ich habe Dich vorhin nur mit einem Handtuch bekleidet gesehen, da macht mir das jetzt auch nichts aus, ich will Dir noch zwei oder drei Fehler in dem Programm zeigen, dann ist es in Ordnung".

Zwei oder drei Fehler? Während ich überlegte, ließ mein Druck gegen die Tür nach, während Brigitte ihren Druck verstärkte - die Tür ging ganz auf.

Mit weit aufgerissenen Augen guckte sie mich an - von oben bis unten. Ich erwartete ihr Lachen oder zumindest lautstarke Missfallensäußerungen, rechnet mit Abmahnung, vielleicht sogar mit der Entlassung - aber nichts dergleichen.
"Die Bluse passt aber nicht so gut zum Rock", meinte sie nur, "da war doch noch eine andere, die wesentlich besser geeignet ist".
Wir setzten uns. Brigitte wollte auch Kaffee.




Sie befühlte meine Beine; "wo hast Du die Haare gelasssen?" Sie erwartete natürlich keine Antwort.

Dann suchte sie mit mir eine passendere Bluse aus und ich probierte auch noch einen anderen Rock. Auf dem Sessel mit den unbestimmten oder nicht genau einzuordnenden Sachen waren auch zwei Packungen mit Strumpfhosen, noch unbenutzt. Ich riss die eine Packung auf und wollte die Strumpfhose anziehen, so wie ich das Anziehen von Strümpfen gewohnt war. Es ging aber nicht. "Die musst Du erst ein wenig aufrollen", sagte Brigitte, "ich kenne mich zwar mit diesem Frauenzeugs nicht so gut aus, weil ich meistens Socken trage, aber die Dinger sind sehr empfindlich. Und wenn Du nicht äußerst gepflegte Beine, Füße und Fußnägel hast, sind sie kaputt, ehe Du sie richtig angezogen hast".

Aha, sie kannte sich also mit "diesem Frauenzeugs" nicht aus, aber sie war doch eine Frau?
Meine Gedanken schien sie zu erraten, denn plötzlich öffnete sie ihren Hosenknopf und zog die Hose aus. "Ich trage am liebsten das!"
Sie öffnete auch noch die Knöpfe ihrer Bluse.
Sie hatte eine Männerunterhose an, ein Baumwollhemd und graue, kurze Socken. Einen BH trug sie nicht.
"Mit dem ganzen Frauengedöhns kann ich nichts anfangen, ganz im Gegensatz zu meiner Schwester", sagte sie, "die ist normal. Ich wollte eigentlich schon immer ein Junge sein, aber mir fehlt das" - und dabei klopfte sie mir auf die Unterhose. Ich schluckte aufgrund ihrer Offenheit. "Ach ja, ich mag beides, ich hatte schon Männer im Bett, aber auch Frauen - ich kann mich nur nicht entscheiden, und Du?"
Ich erzählte ihr, dass ich hin und wieder eine Freundin hatte, zur Zeit aber solo war, auch nicht unbedingt auf der Suche. Schnell fügte ich hinzu, dass das Erlebnis mit den Frauensachen hier das erste Mal passiert war und dass ich eigentlich nie einen Gedanken in diese Richtung verschwendet hätte.
"Das ist keine Verschwendung", meinte sie, "manches entwickelt sich so, weil es so sein soll und weil es schon in einem liegt, das muss man auch ausleben.".

Ich dachte an mein bisheriges Leben in tadelloser und eindeutig männlicher Kleidung. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Episode mit den ausgeborgten Frauensachen eine Bedeutung erlangen sollte.
Ich täuschte mich aber.
Brigitte zog sich wieder an. Ich war etwas enttäuscht. Gerne hätte ich sie ganz ausgezogen gesehen. Sie bat mich, den Computer einzuschalten. Wir luden das Programm. Ich hatte tatsächlich einige Rücksprungadressen falsch eingegeben. Ein Wunder, dass sie die Fehler gleich gefunden hatte in dem Wust von Zahlen und Buchstaben.
Ich berichtigte die Fehler.
"Und was machen wir mit dem angebrochenen Abend?" fragte sie mich, als wir fertig waren.
"Eigentlich wollte ich faul sein" - ich war ganz ehrlich. "Nein, die Fertigstellung des Programms muss doch gefeiert werden!"
Brigitte meinte, hier in der Nähe gäbe es ein nettes kleines Lokal mit gutem Essen. Außerdem würde es da samstags immer Live-Musik geben. Ich ließ mich überreden und zog mich um.
Wir gingen zu Fuß in das Lokal. Brigitte hatte recht gehabt; das Essen war ausgezeichnet. Danach mühte sich eine 2-Mann-Kapelle ab, die Leute in Tanzlaune zu bringen, was erst zu vorgerückter Stunde gelang - aber dann wollte keiner mehr aufhören, auch wir nicht, sondern blieben bis zum Morgen. Durchgeschwitzt verließen wir das Lokal. "Zu mir oder zu Dir?" Die Frage war schnell beantwortet, schließlich war es bis zu meinem Hotel nicht weit, nur ein paar Minuten Fußmarsch.

Wir duschten und tobten uns danach im Bett aus. So etwas hatte ich noch nicht erlebt. Brigitte kannte alle Spielarten. Ihr Äußeres gefiel mir nicht so besonders, wenn ich ganz ehrlich war. Sie hatte ziemlich kleine, aber trotzdem hängende Brüste, kurze, stämmige Oberschenkel und etwas Bauch. Auch war sie nicht, wie viele von den jungen Mädchen, die ich bisher kennengelernt hatte, rasiert.

Im Bett jedoch war sie ein Sturm und riss mich mit. Sie schien unersättlich. Hoffentlich war das Nebenzimmer nicht bessetzt, denn wir waren sehr laut. Als wir beide nicht mehr konnten, mussten wir schon wieder unter die Dusche, so hatten wir geschwitzt.
Brigitte zog sich an und verabschiedete sich recht plötzlich. "Und immer schön üben mit den Anziehsachen", sagte sie noch und zog dann die Tür ins Schloss.
Ich dachte aber nicht mehr an die Anziehsachen, sondern schlief ein und wachte erst am Nachmittag wieder auf.
Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich meine Gedanken sortiert hatte und einordnen konnte, warum so viele Anziehsachen im Zimmer verstreut lagen.

Danach ging ich erst einmal in die Gaststube des Hotels und ließ mir etwas zu Essen bringen, um wieder zu Kräften zu kommen.
Ich dachte an Brigitte und was ich mit ihr erlebt hatte. Es regte sich in mir der Wunsch, sie noch einmal privat zu treffen. Am nächsten Tag war der letzte Seminartag - und danach ging es wieder zurück in die Heimat.
Ich rief sie an und erzählte ihr von meinem Wunsch und meinen Gedanken. Sie war aber nicht so erbaut. Wenn Du kommst, dann kommst Du als Frau - und wirst Dich als Dame benehmen, auf einen Mann habe ich heute keine Lust". Sie legte auf.
Ich war sprachlos. Erst zögerte ich eine Weile, machte auf meinem Zimmer den Fernseher an, aber das Gebotene konnte mich nicht recht begeistern. Ich schaltete den Computer an, aber da das Programm fertig und getestet war, hatte es erst einmal den Reiz verloren.
Ich dachte an Brigittes Worte: "Du kommst als Frau und wirst Dich als Frau benehmen".
Der Reiz, sie zu sehen, wurde stärker und stärker. Ich zog meine Sachen aus und kürzte meine Fußnägel. Ich zog mir ein Damenunterhemd aus dem Sack an, einen Slip, eine Bluse und einen langen Rock. Dann zog ich den Rock hoch und versuchte mich mit der Strumpfhose. Erst begriff ich nicht, was Brigitte mit dem Einrollen gemeint hatte, aber dann klappte es. Ich schlüfte in die Strumpfhose und erlebte das erste Mal dieses Kribbeln, dieses unvergleichliche Gefühl auf der Haut. Bisher hatte ich mich zwar gefreut, wenn eine meiner Freundinnen halterlose Strümpfe trug, strich auch manchmal vorsichtig über das bestrumpfte Bein, aber auf die Idee, so etwas selbst anzuziehen, kam ich nicht.

Ich war fertig. Eine Frau? Schminkzeug hatte ich nicht, einen BH auch nicht. Es wäre mir auch lächerlich vorgekommen ihn auszustopfen, um etwas Oberweite zu gewinnen. Ich betrachtete mich im Badezimmerspiegel - ganz passabel, aber keine passenden Schuhe. Aber das müsste auch so gehen. Ich zog meine braunen Anzugschuhe an - die sahen zu dem Rock wirklich nicht gut aus, deshalb beschloss ich, die Schuhe bei Brigitte vor der Haustür stehen zu lassen; so konnte sie gleich die Strumpfhose bewundern.

Durch den Hinterausgang konnte ich das Hotel verlassen, ohne dass ich jemanden traf. Das beruhigte mich. Schnell erreichte ich Brigittes Haus und war schon gespannt, was mich dort erwarten würde.

Vor ihrer Haustür zog ich die Schuhe aus. Brigitte schien schon auf mich gerwartet zu haben, denn sofort nach meinem Klingeln wurde geöffnet.
Sie bat mich hinein, machte aber ein enttäuschtes Gesicht. "So habe ich mir das nicht vorgestellt!"
Wie denn? Ich überlegte, was ich falsch gemacht haben konnte, kam aber nicht darauf.
"Hast Du keine richtigen Schuhe?"
Ich, ganz verdutzt: "nein, woher denn, es ist Sonntag, wo soll ich da passende Schuhe herbekommen?"
"Außerdem bist Du überhaupt nicht geschminkt, ich sehe schon, es wird nichts mit uns heute".
Dann öffnete sie allen Ernstes die Tür und wies mich hinaus.

Als ich ins Auto stieg und bemerkte, dass das Pärchen, das gerade mit dem roten Ford gekommen war, zu mir rübersah und zu lachen begann, wurde ich richtig wütend. Was hatte Brigitte sich nur dabei gedacht, oder wollte sie mir einfach nur den Tag versauen?
Ich fuhr zurück ins Hotel und war froh, dass ich keine weiteren Begegnungen hatte. Ich zog mich um und ging in die kleine Hotelbar um meinen Ärger runterzuspülen, das hatte ich jetzt nötig. Es waren nicht besonders viele Leute anwesend; ein Sonntagabend kann sehr deprmierend sein. Zu mir gesellte sich eine Frau, die wohl auch nichts besseres vorhatte. Nach dem dritten Gläschen reichte sie mir aber ihre Visitenkarte, um mir dann das vorzutragen, was sie die letzten Tage im Verkaufsförderungslehrgang gelernt hatte. Schlimmer konnte es nicht kommen: ein frustrierter Versicherungsfachmann und eine Staubsaugervertreterin in einer Hotelbar. Ich gab mir einen Ruck und verabschiedete mich: "tut mir leid, ich muss morgen sehr früh raus".
"Schade"
Wieder auf meinem Zimmer guckte ich mir noch eine Krimi-Wiederholung im Fernsehen an und begann nebenher, meine Sachen zu packen - und ging anschließend schlafen. Nicht gerade mit der besten Laune wachte ich auf. Na gut, heute war der letzte Tag der Fortbildung, danach ging es sowieso wieder nach Hause, warum nur machte ich mir da Gedanken über Brigitte?
Den Sack mit den Anziehsachen vergaß ich leider.

Brigitte war angzogen wie an den Tagen zuvor. Sie ließ sich nichts anmerken. Der Vormittag plätscherte so dahin; es war alles Wiederholung des an den vorherigen Tagen Gelernten. "Das hätte man sich wohl auch sparen können", dachte ich, "dann wäre ich schon Freitag gefahren".

"Wenn Sie das alles beherzigen, werden Sie unseren Kinden unsere neue Produktlinie erfolgreich vorstellen können und werden letztendlich auch selbst erfolgreich sein".
Die letzten Worte beendeten die Fortbildung. Dann wurde die Schiebetür aufgerissen und gab den Blick frei auf ein opulentes Kaltes Buffet. "Meine Herren, die Versicherungsgesellschaft bedankt sich für Ihr Engagement und möchte sie noch zu einem kleinen Imbiss einladen. Für die Mitarbeiter, die heute noch fahren, haben wir alkoholfreie Getränke, die anderen dürfen sich auch gern an der kleinen Bar bedienen".
Die Versicherung hatte tatsächlich an alles gedacht.
Ich ließ es mir gut schmecken. Da ich anschließend aufbrechen wollte und nur noch mein Hotelzimmer abgeben musste, trank ich Kaffee.
Doch Brigitte kam mit zwei Gläsern Sekt, wollte mit mir auf den erfolgreichen Abschluss des Programms anstoßen. Erst winkte ich ab; denn ich wollte meinen Heimweg nicht wegen der Sekttrinkerei verzögern. Brigitte aber lächelte auffordernd und meinte: "trink, und bleibe noch eine Nacht, Du wirst es nicht bereuen".
Was sollte das nun wieder?

Ich wolle erst etwas darauf sagen, aber weil die anderen schon aufmerksam wurden, nahm ich das Glas doch an.
Die ersten Kollegen verabschiedeten sich. Nach und nach leerte sich der Veranstaltungsort.
Irgendwann waren wir dann ganz allein, Brigitte und ich. Zwei Kräfte einer Cateringfirma kamen schließlich und räumten alles wieder ab.

Und nun?
"Was sollte das gestern?" Ich erzählte Brigitte, dass ich das nicht verstanden hatte.
"Ich sagte Dir doch, ich würde eine Frau, eine Dame erwarten, das war doch wohl ein Reinfall mit Deinem Auftritt bei mir!"
"Und wie sollte ich das anders machen an einem Sonntag?"
Wir schwiegen einen Moment. Dann keimte Hoffnung in mir auf und ich fragte sie, durch den Sekt etwas übermütig: "gestern war Frauentag, dann müsste doch heute wieder Männertag sein, zu mir oder zu Dir?"
Sie lächelte vielsagend.
"Nein, der Frauentag muss natürlich nachgeholt werden. Und ich mache Dir einen Vorschlag, wir gehen in die Stadt und kaufen Anziehsachen und Schminkzeug, dann kann ich Dir zeigen, wie eine richtige Frau, wie eine Dame aussieht".
Ich schwankte etwas, hatte meine gestrige Enttäuschung noch nicht überwunden, aber dann reizte mich die Vorstellung doch etwas. Außerdem dachte ich, wir könnten anschließend bei mir im Bett landen.

Ich fand mich in der Damenabteilung einer bekannten Kaufhauskette wieder und war überrascht, was es dort zu sehen gab. Ich konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern, jemals bewusst in so einer Abteilung eingekauft zu haben.
Brigitte steuerte mit mir einige Unterabteilungen an. Sie musste aber länger suchen, sodass ich ihr die Äußerung von Samstag, sie hätte mit dem Frauenzeugs nichts zu schaffen, gerne glaubte.

Sie suchte mir einige, recht teure Slips aus und einige Hemden mit Spitze besetzt und dünnen Trägern. Das sollte ich anziehen? Die richtige Größe schien sie im Blick zu haben.
Dann gingen wir weiter und erreichten eine Abteilung mit Einteilern, ungefähr so aussehend wie ein Badeanzug, natürlich wesentlich geschmackvoller und sehr fein gearbeitet, mit Stickereien und Spitze. Ich schluckte jedoch, als ich den Preis sah.
"Kann ich helfen?" Eine Verkäuferin, die uns schon mit Adleraugen beobachtet hatte, kam herangerauscht. "Nein, danke", wollte ich gerade sagen, aber Brigitte hielt mir plötzlich das Wäscheteil an den Körper und meinte, an die Verkäuferin gewandt: "das müsste ihm doch passen, oder?"
Ich wäre am liebsten im Boden versunken. Die Verkäuferin fing sich jedoch recht schnell, nachdem sie das Gehörte erst einmal verarbeitet hatte, "ja, das könnte hinkommen, welche Männergröße hat er?"
Ich nannte schnell meine Größe, um das Ganze abzukürzen. "Ja, das müsste gehen, aber oben passt das natürlich nicht, er wird die Körbchen kaum ausfüllen".
Dazu sagten wir nichts. Wir folgten der Verkäuferin an die Kasse. Ich bezahlte. Es kam ein ganz schönes Sümmchen zusammen, aber mehr sollte doch wohl nicht hinzukommen?
Ich hatte mich getäuscht. Brigitte ging mit mir in die Strumpfabteilung und suchte mir halterlose Strümpfe aus, schwarze und weiße. Dann kauften wir noch einen Rock und eine Bluse. Aber nun?
"Nein", sagte sie, "wir können noch nicht gehen, wir haben zwei wichtige Sachen vergessen, zuerst gehen wir in die Schuhabteilung". Ich schnaufte. Mein Bargeld war fast alle. Den Rest musste ich mit Karte bezahlen.
"Welche Größe hast Du?"
"41"
"Das ist gut, dann bekommen wir für Dirch sicherlich ein passendes Paar. Viel weiter reichen die Frauengrößen nicht - und Übergrößen sind selten und teuer.
Ich musste zwei Paar Schuhe anprobieren, ein Paar hochhackige Sandalen und ein Paar flachere Schnürschuhe. Sie passten.
"OK, wir nehmen beide", sagte Brigitte bestimmt.
"Können wir jetzt gehen?" wagte ich zu fragen. "Nein, wir müssen noch in die Drogerieabteilung, du brauchst noch Nagellack und etwas Schminkzeug ... und ... und vielleicht eine Perücke".
Eine Perücke?

Sie schritt voran und ich dackelte hinter ihr her. Wir kämpften uns durch mehrere Kosmetikabteilungen, bis sie endlich zufrieden war. Perücken gab es nicht - oder wir fanden sie nur nicht - das war mir ganz recht, ich hätte sie sowieso nicht gern benutzt. Wir hatten beide mehrere Tragetüten in der Hand, als wir uns auf den Weg machten. Ich wollte eigentlich zu mir ins Hotel, mich da schnell so anziehen, wie sie es sich wünschte, ein wenig mit ihr im Bett rumtoben und dann nach Hause.

Sie hatte aber andere Pläne. "Am besten ist es, wir fahren zu mir. Dein Hotelzimmer ist bis morgen noch bezahlt. Wir können uns Zeit nehmen und Du bleibst noch". Das klang eigentlich ganz vernünftig. Wir fuhren in ihre Wohnung und machten es uns bei einem Kaffee gemütlich. Ich entschuldigte mich kurz, um zu telefonieren. Das passte ihr gut, da sie auch noch einen Anruf erledigen musste.

Als ich wieder im Zimmer war, fand ich es eigentlich angemessen, nun anzufangen. Unsere Neuerwerbungen holte ich aus den Tüten. Brigitte erschien. "Bitte noch nicht anziehen, wir warten noch eine Weile. Wir können aber schon die Preisschilder entfernen und alles bereitlegen". Ich wunderte mich etwas. Wollte sie mich hinhalten?
Es verging fast eine halbe Stunde, die wir wartend verbrachten. Dann klingelte es. Brigitte stand auf und ging an die Tür. Eine Frauenstimme.
"Darf ich vorstellen - meine Schwester". Da war ich platt - die Schwester, sie sich als Bianka vorstellte, hatte mit ihr gar keine Ähnlichkeit. Sie war sicherlich viel jünger, groß gewachsen, schlank, ausgeprägte Formen, lange, dunkelbraune Haare und ein strahlendes Lachen. "Ich soll hier helfen? dann wollten wir mal".
Ich zögerte etwas, als sie sagte: "zuerst ins Bad, komm!"
Nach dem Duschen half sie mir beim Abtrocknen; leider ließ sie das Kleid an. Nun ging es in die Küche. Sie hatte mehrere Kämme, Scheren und einen Fön dabei. Sie wollte mir eine neue Frisur machen. Brigitte stand etwas abseits und sah uns skeptisch zu.
Als die Frisur dann endlich zu ihrer Zufriedenheit gestylt war, erinnerte sie ihre Schwester an die Beine und: "und vergiss nicht, Du weißt schon, unten rum".
Zwar hatte ich mir die Beine gerade rasiert, aber das Ergebnis schien den beiden Schwestern nicht gut genug zu sein. Bianka kam mit einem Gerät, das ähnlich wie ein Rasierer aussah, aber sehr schmerzhaft zu Werke ging, als würde es jedes noch vorhandene Haar einzeln rausreißen. Ich war nicht mehr begeistert, im Gegenteil - ich sehnte mich nach meiner eigenen kleinen Wohnung und nach einem gepflegten Feierabendbier.

Endlich war sie fertig mit dem Mordinstrument. Immerhin kam sie mit einer sehr gut riechenden Lotion und cremte mir die Beine ein. Das Rasieren "untenrum" wollte ich lieber selbst übernehmen und sagte es den beiden. Sie waren einverstanden. So zog ich mich für einige Minuten zu diesem Zweck alleine ins Bad zurück.

Die beiden Damen waren nun mit dem Ergebnis zufrieden. Sie hatten inzwischen eine Flasche Sekt geöffnet und boten auch mir ein Glas davon an.

Bianka behielt aber eine ruhige Hand, wie ich beim Bearbeiten meiner Fuß- und Fingernägel feststellen konnte. Mit geübten Bewegungen brachte sie die Konturen mit einer Nagelfeile in Form, während sie anschließend mit einer Glanzpolierfeile für eien tadellose Oberfläche sorgte. Das sah richtig gut aus.
Nun kam sie mit den Fläschchen mit Nagellack. Das hätte sie sich aber auch sparen können.
Auf meinen Einwand hin, dass die Finger- und Fußnägel doch auch so schon sehr schön aussahen, blickte sie zu ihrer Schwester hinüber, die jedoch antwortete: "Nein, das volle Programm".
Die Farbe war mir schon fast egal, nur schnell sollte es nun gehen. Ich war überrascht , wie sich der Nagellack anfühlte und wie ich das Trocknen spüren konnte.
Möglichst belanglos fragte ich Bianka, wie man das wieder entfernen konnte. Geeignete Mittel sollte es in jeder Drogerie und in jedem Supermarkt geben.

Endlich war alles fertig.
Nun konnten wir die gekauften Sachen anprobieren. Alles passte wunderbar, zumindest die Slips und Hemden. Ich blickte an mir herunter. Ein bisher unbekanntes Gefühl, etwas sehr Schönes anzuhaben, durchströmte mich. Dieses Gefühl hatte ich noch nie gehabt, weder bei einer besonders schönen und teuren Männerunterhose, noch bei einem der sündhaft teuren Hemden.
Ich wollte in Rock und Bluse schlüpfen, aber Brgitte hielt mich zurück: "erst den Body anprobieren!"
Der passte erwartungsgemäß nicht. Unten saß er sehr schön, aber die Körbchen sahen, weil sie nicht ausgefüllt wurden, richtig zerbeult aus.
"Zur Not...". Brigtte kam mit zwei kleinen Gästehandtüchern, die sie mir in die Körbchen stopfte. Ich zappelte etwas, sicherlich so ähnlich, wie ein Junge, der vor dem Schulweg von seiner Mutter einen Schal umgebunden bekommt, obwohl er doch eigentlich so hart und kälteunempfindlich wie die anderen Jungs sein möchte und gerne darauf verzichten würde. Sie sagte auch das gleiche wie wohl tausende Mütter: "Stell Dich nicht so an!"

Mit dem Ergebnis war auch sie nicht zurfrieden; ich durfte Slip und Hemd wieder anziehen. Nun zeigten mir die beiden Frauen, wie halterlose Strümpfe angezogen werden. Sie waren etwas unterschiedlicher Meinung, einigten sich aber dann doch. Ich sollte die hellen nehmen, damit der Nagellack besser zur Geltung kommen konnte.

Dann endlich waren Rock und Bluse dran. Ich konnte mich in dem großen Spiegel des Kleiderschrankes betrachten - und war überrrascht und zufrieden. Und nun? Die Schuhe fehlen noch. Erst suchte ich mir die flachen aus, hatte ich doch Sorge, in den anderen laufen zu können. Zuletzt probierte ich die hochhackigen Sandalen aus. Drei Schritte - und fast wäre ich umgeknickt. "Üben - Üben - Üben", meine Brigitte dazu.
Bianka packte ihre Sachen zusammen - schade. Sie musste noch den Zug erreichen.
Ich war mit Brigitte alleine.
Hatten wir mich gerade mit so viel Aufwand gepflegt und angezogen, so zog sie mich langsam wieder aus.
Wir gingen in ihr Schlafzimmer. Dort hatte sie wohl vergessen, dass ich mich als "Dame" betragen sollte, denn wir waren so heftig wie beim ersten Mal.

Gegen Morgen packte ich meine neuen Sachen zusammen und zog meine gewöhnlichen Kleidungsstücke wieder an.
Ich verabschiedete mich von Brigitte und fuhr in das Hotel, wo ich noch mein Zimmer zuende aufräumen und abgeben musste. Auch war noch der Sack mit den Anziehsachen zur Kleiderkammer zu fahren. Einen Moment wollte ich schon die neu erworbenen Teile auch in den Sack stecken, aber dann zögerte ich. Dafür waren sie einfach zu teuer gewesen. Vielleicht konnte ich sie ja mal verschenken. Auf den Gedanken sie noch einmal selbst zu gebrauchen kam ich nicht .

Zu Hause erwartete mich eine leere Wohnung. Gut, dass die Läden noch geöffnet hatten, so konnte ich mich für die gelungene Fortbildung mit ein paar leckeren Sachen zum Abendbrot belohnen.
Recht bald fing die Arbeit wieder an; denn etliche Kunden hatten auf den Anrufbeantworter gesprochen. Außerdem war aus der Zentrale eine dicke Mappe gekommen. Ich musste einige KFZ-Versicherungsunterlagen vervollständigen und sollte ein paar fragliche Details in einer Baufinanzierung abklären - alles nicht so sehr dramatisch. Außerdem war meine Vierteljahresabrechnung dabei. Diesmal hatte es sich richtig gelohnt und ich konnte den Einkauf der teuren Frauensachen recht gut verschmerzen.

Die nächsten Tage war ich mit meiner Arbeit sehr beschäftigt. Am Ende der Woche meldete sich Brigitte telefonisch bei mir, um mir mitzuteilen, dass die jährlich stattfindende Agenturüberprüfung vorgezogen wurde und dass sie schon am nächsten Freitag zu mir kommen würde. Da sie nicht einschätzen konnte, wie lange das dauern würde, sollte ich ihr ein Hotelzimmer reservieren lassen.

Brigittes Kommen erwartete ich mit gemischten Gefühlen. Würde sich unsere Episode mit der Frauenkleidung fortsetzen? Wollte ich das überhaupt? Ich ließ es nach einigem Nachdenken ganz entspannt auf mich zukommen.

Brigitte kam recht zeitig am Freitag und begrüßte mich etwas reserviert. Sie wollte wohl die notwendige Distanz wahren; denn schließlich sollte sie prüfen und beurteilen, ob in meiner Agentur alles korrekt ablief. Ich hatte mich gut vorbereitet. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, ihr die Unterlagen so zu zeigen, wie ich sie mir zurechtgelegt hatte. Mit einigen besonderen Vorgängen wollte ich ein wenig prahlen. Brigitte wusste aber, wass sie wollte. Sie hatte ein Prüfungsprotokoll und ging streng danach vor. Wir brauchten den ganzen Tag, aber schließlich war sie zufrieden und kreuzte "Die geprüfte Agentur hat in allen Belangen hervorragend nach den Grundlagen unserer Versicherungsgesellschaft gearbeitet" an.

Ich seufzte zufrieden.

"Das müssen wir feiern", meinte Brigitte, "wie Du weißt, bleibe ich über Nacht hier. Wir sollten uns in das Nachtleben stürzen".
Besonders viel Nachtleben war hier nicht, aber immerhin gab es einen Musikschuppen, in dem man die Musik nach dem 3. Bier einigermaßen ertragen konnte. Ich machte Brigitte den Vorschlag, erst etwas essen zu gehen, um dann noch in der Discothek den Abend zu beschließen. Damit war sie jedoch überhaupt nicht einverstanden. "Wozu gibt es hier die STILLE POST, eine Lesbenbar?" fragte sie mich.
Sie wollte allein gehen?
"Naürlich gehe ich nicht allein", fügte sie schnell hinzu, "Du wirst Dir alle Mühe geben, Dich so herzurichten, dass Du mit mir zusammen dort reingelassen wirst. Die schönen Anziehsachen hast Du doch noch?" Ich nickte mit dem Kopf. "Na, dann mal los!"
Ich ging davon aus, dass sie mir helfen würde, aber dem war nicht so. Sie wollte sich in ihrem Hotel noch etwas frisch machen und ich sollte sie in zwei Stunden dort abholen. "Ich möchte keinen Grund zum Klagen haben!" Ihr Gesichtsausdruck verriet, dass sie es ernst meinte.

Ich gab mir große Mühe, rasierte die Beine, schminkte mich nach besten Kräften und zog schließlich die Sachen an, so wie ich es gelernt hatte. Ein prüfender Blick in den Spiegel zeigte mir, dass ich recht gut und stimmig aussah. Halt; fast hätte vergessen, die Fingernägel zu lackieren!

Nun wurde es Zeit, ich musste mich beeilen, um rechtzeitig im Hotel zu sein. Brigitte wartete schon auf mich in der kleinen Hotelhalle. Sie hatte sich nicht großartig umgezogen, sah gepflegt, aber nicht festlich aus.
Sie schien mit meinem Aussehen zufrieden; denn sie lächelte und reichte mir die Hand: "na, dann wünsche ich einen schönen Abend!"

Ich führte sie in das meiner Meinung nach beste Esslokal unseres Städtchens. Ich ging selten hin; denn es war mir eigentlich eine Spur zu vornehm. Das "Getue" des Bedienungspersonals gefiel mir nicht.

Wir wurden schon an der Tür in Empfang genommen: "Guten Abend, die Damen, haben Sie reserviert?" Wir verneinten. "Dann folgen Sie mir bitte, ich geleite Sie an einen unserer Tische; erwarten Sie noch Jemanden?" Wieder verneinten wir. Der gute Mann verzog kaum merklich das Gesicht, setzte aber dann in Bewegung.

Die kleinen Zweier- und Dreiertische standen in Nischen. Ich war froh, dass ich etwas versteckt Platz nehmen konnte, wollte ich in meinem Aufzug doch weder Freunde, noch Nachbarn oder Verwandte treffen. Die Wartezeit auf das Essen war angemessen, die Portionen waren nicht so klein wie befürchtet.

Wir gönnten uns Wein zum Essen. Es kam so etwas wie eine private Unterhaltung in Gang. In Abständen blickte ich immer wieder zu Tür, aber es kam niemand, den ich kannte. Mir fiel auf, dass Brigitte beim Wein ordentlich zulangte.

Wir suchten uns einen Nachtisch aus - und Brigitte wollte noch mehr Wein. Ich hatte schon die Befürchtung, der Abend würde gleich dort enden, aber Brigitte wurde immer munterer. Ich zahlte und bat den Ober, uns ein Taxi zu rufen. Weil Wochenende war, bekamen wir einen Gutschein für ein "Nachttaxi für Frauen" - und schon saßen wir in einem alten 123er Mercedes.

Der Fahrer schmunzelte, als er uns vor der STILLEN POST absetzte. Die Tour hierher machte er wohl nicht zum ersten Mal. Ich war schon gespannt, was mich erwarten würde; denn bisher war ich noch nie in einem ausgesprochenen Lesbenlokal. Doch zuerst mussten wir durch die Eingangskontrolle. Eine recht kräftig gebaute Frau in Lederweste beäugte uns misstrauisch und sagte in einem barschen Ton: "Mitglieder 10 Euro, ohne Karte 20! Zwei Freigetränke inklusive!". Brigitte nahm mich an die Hand und sagte: "Zweimal ohne bitte". Sie wandte sich mir zu und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Wir bekamen unsere Eintrittskarten und einen Stempel auf die Hand gehauen. "Gebucht am 30. Februar" stand auf dem Abdruck - komische Idee.

Das Licht in dem Lokal war schummrig. Es waren nicht besonders viele Leute da. Trotzdem roch es stark nach Zigarettenrauch. In der Ecke dröhnte der Lautsprecher einer Musikanlage, die oberhalb der Theke angebracht war. Am Ende eines langen Kabels befand sich ein Mikrofon, dass jemand achtlos in eine Bierpfütze auf der Theke gelegt hatte.

Wir setzten uns an die Bar und bestellten eine Flasche Sekt; dafür wurden unsere Karten entwertet und wir mussten jeder noch 10 Euro zahlen. Extrahohe Flötengläser wurden uns gereicht.
Ich sah mich um. Es war keine Frau anwesend, die ich kannte - und Männer überhaupt nicht. Brigitte entschuldigte sich; sie musste auf die Toilette - kein Wunder, wo sie doch schon so viel getrunken hatte.

Es dauerte und dauerte. Gelangweilt sah ich mir die Eintrittskarte an. "KEIN ZUTRITT FÜR MÄNNER" stand fett gedruckt auf der Rückseite. Eine Totenkopfgrafik "schmückte" den Satz. Was würden die wohl mit einem Mann machen, wenn sie erfahren, dass sich einer reingeschlichten hat?
"Na, neu hier?" Die Blonde mit der spitzen Nase von schräg gegenüber kam an meine linke Seite. Ihr Top saß recht locker und gab den Blick frei auf ihre Brüste. Ich musste schmunzeln, hatte ich doch gerade vor ein paar Tagen in einem Boulevardblatt gelesen, dass Nasenform und Brustform bei Frauen in einem direkten Zusammenhang stehen.
"I'm a lesbian, how about you?" erklang es aus der Musikanlage. Ja, was bin ich und wer bin ich? So ganz sicher war ich mir nicht.
Ich nickte und wollte gerade meinen Namen sagen, da kam Brigitte endlich zurück. "So, Nina, da bin ich wieder", sagte sie und drückte mir einen feuchten Kuss auf die Wange. "Hast Du schon eine Bekanntschaft gemacht?"
Ich lächelte. Gerade wollte ich antworten, da wurde es plötzlich laut im Lokal. K - A - R - A - O - K - E rief eine Gruppe von Frauen, die sich hier wohl auskannten. Eine atemberaubend gut aussehende Frau mit fast pechschwarzen Haar stand auf und ging an die Theke, um das Mikrofon zu nehmen. Das war inzwischen abgewischt und abgetrocknet worden. Die Thekenkraft machte sich an der Musikanlage zu schaffen. Dann dröhnte es aus der Box "I am what I am" - instrumental. Nach den ersten Takten setzte die Sängerin ein und ich musste zugeben, dass es sehr gut klang. Selbst ihre Bewegungen waren nicht aufgesetzt, sondern untermalten ihre musikalische Darbietung zu einem stimmigen Bild.

Als das Stück beendet war, meldete sich die Thekenkraft über das Mikrofon und sagte: "und hiermit ist der Abend eröffnet; noch jemand, der sich traut?". Zuerst meldete sich keine der Frauen, sie redeten zwar aufeinander ein "nein, Du - Du kannst das doch so gut" - aber es dauerte lange, bis eine kleine, etwas rundliche Frau in einer rosa Latzhose aufstand und sich das Mikrofon griff. Die anderen Frauen schienen nicht so begeistert zu sein, denn es gab ein Geraume und Getuschel. Die Thekenkraft hielt ihr aufmunternd die CD mit den Vorlagen hin, aber sie warf die CD auf die Theke und meinte: "ich brauche keine Musik für das, was ich zu sagen habe!"

Dann hielt sie einen längeren Vortrag über die Unterdrückung der Frauen und wie schlecht die Männer doch sind. Sie wurde immer wieder unterbrochen durch Gejohle und Gepfeife. So ganz ernst nahmen die anderen Frauen sie wohl nicht.

Sie schloss dann mit den Worten "wie gut, dass wir dieses Lokal hier haben, den einzigen Ort in dieser Stadt, an dem man nie einen Mann finden wird - und wenn... sie machte ein noch grimmigeres Gesicht, ballte die Faust und machte dann diese typische Handbewegung für "Abmurksen". Der Rest ihrer Rede ging im Gejohle der anderen Frauen unter.

Brigitte sah mich fragend an: "und - willst Du auch singen oder eine Rede halten?" Ich schüttelte mit dem Kopf!
"Na gut, wenn keiner mehr will... " Die Thekenkraft schaltete etwas an der Musikanlage - und es erklang recht gängige und bekannte Diskomusik. Die kleine Tanzfläche füllte sich. Brigitte trank schnell ihren Sekt aus und rutschte vom Barhocker. "Kommt, lass uns tanzen!"
Wie gut, dass nun gerade ein ruhigeres Stück gespielt wurde. So konnten wir es den anderen Paaren nachmachen und uns eng umschlungen mehr oder weniger im Takt zu bewegen. Eine schnellere Tanzart hätte ich in meinen ungewohnten, hochhackigen Schuhen auch nicht geschafft.

"Ging doch gut", meinte Brigitte. Dann wurde die Musik abgestellt und die Frau mit der rosa Latzhose ging wieder an das Mikrofon. Sie erzählte etwas über das Frauenhaus in der Keisstadt und meinte, sie würde gleich mit einer Sammelbüchse rumgehen und an die Solidarität der Frauen appellieren.

Die anderen Frauen schienen kaum zuzuhören, denn es war in vielen kleinen Gruppen eine Unterhaltung in Gang.

Dann wurde die Sammelbüchse umständlich herumgereicht. Als wir etwas hingeingesteckt hatten, brachte ich sie an den Nachbartisch. "Danke, Süße", meinte eine der Frauen.

Ich stöckelte zurück zu Brigitte, aber dann meldete sich meine Blase. Ich wollte meinen Schwung nutzen und auf die Toilette gehen. Männer- oder Frauentoilette? Natürlich gab es hier keine Wahlmöglichkeit.

Die Toilette war ähnlich dreckig wie ich es von öffentlichen Männertoiletten kannte. Die Wände waren mit allerlei Parolen bekritzelt. Im Vorflur hing ein altes, vergilbtes Plakat von den FLYING LESBIANS.

Dummer Weise waren die Türen nicht abschließbar. Ich hockte mich über das WC-Becken und beeilte mich; mit der anderen Hand versuchte ich, die Tür zuzuhalten. Ich zog gerade den Slip hoch und hatte die Tür kurz losgelassen, da hörte ich, dass zwei Frauen in den Raum kamen. Ich war knapp wieder angezogen, da rissen sie schon meine Tür auf: "ach - besetzt - Tschuldigung...".

Leicht errötend trat ich heraus und ging ans Waschbecken, um mir die Hände zu waschen. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir, dass die beiden Frauen zusammen in das enge WC gegangen waren. Sie hatten die Tür aber nicht ganz geschlossen und schienen mich zu beobachten. Ich war leicht beunruhigt, musste ich doch an die Worte der Latzhosen-Aktivistin denken.
Mein Blick fiel auf einen Kondom-Automaten in der Ecke. Wo für gewöhnlich die Bilder der angebotenen Kondomsorten zu sehen sind, waren Bilder von Tampons zu sehen und auf den Apparat hatte jemand sinniger Weise geschrieben: "Jute statt Plastik!"
Ich musste schmunzeln.

Als ich zu Brigitte zurück an den Tisch kam, hatte sie eine neue Flasche Sekt bestellt und schon halb geleert. Als sie mich ansprach, konnte man deutlich hören, dass sie getrunken hatte. "Soll ich mal ans Mikrofon gehen und sagen, dass sich hier ein Mann befindet?"

Sie erwartete natürlich keine Antwort. Mir wurde etwas unbehaglich zumute. Ich trank auch noch ein Glas Sekt. Brigitte wankte auf die Toilette. Kaum war sie verschwunden, kam die Kleine mit den spitzen Brüsten wieder zu mir und flüsterte mir ins Ohr: "Komm doch auch mal ohne Deine Freundin, wir beide könnten viel mehr Spaß haben!"
Brigitte kam wie eine Furie zurück an ihren Platz gestürmt. Sie gab mir eine leichte Ohrfeige und rief: "Du Flittchen!" Ich war vollkommen überrascht. Noch bevor ich etwas sagen konnte, sprang sie auf und verließ das Lokal. Die anderen Frauen steckten die Köpfe zusammen und tuschelten - einige lachten.

Ich trank den Rest Sekt aus und machte mich auch auf den Weg. Schön, wieder draußen an der frischen Luft zu sein. Wo war nur Brigitte? Keiner zu sehen. "Sie wird schon ins Hotel gefahren sein", dachte ich mir.

Ein Taxi kam vorbei. Ich winkte - und der Wagen blieb tatsächlich genau vor mir stehen. Ich stieg ein und nannte das Fahrtziel. Ich bemerkte, wie der Fahrer irritiert in den Rückspiegel blickte. "Na, schönen Abend gehabt?" fragte er, um sich einzuschmeicheln.
Ich gab keine Antwort.

Er hatte wohl noch nicht viele Fahrgäste gehabt, oder aber war von Natur aus sehr redselig, denn er redete ohne Unterlass. Da fiel mir sein Namensschild auf der Handschuhfachlappe auf: PAUL SONDERGAST. Ich musste an ein Theaterstück denken, das ich mal in Berlin gesehen habe: "HALT'S MAUL, PAUL". Das hätte ich dem Fahrer auch gern gesagt.
Nun standen wir schon vor meiner Haustür. Ich bekam nochmals den Frauen-Nachttarif angerechnet und so war die Fahrt kaum teurer als eine Busfahrt.
Etwas unbefriedigt saß ich nun in meiner Wohnung und zappte mich durch das Nachtprogramm der verschiedenen Sender. Es gab jedoch nichts, was mich fesseln oder begeistern konnte - und so ging ich endlich ins Bett, zwar mit schlechter Laune, aber gleichzeitig einem angenehmen Gefühl am Morgen ausschlafen zu können.

Gegen 10 wurde ich jedoch schon vom Telefon geweckt. Es war Brigitte. Sie entschuldigte sich; sie wäre im Moment etwas überarbeitet, müsste dringend einmal ausspannen und plante einen längeren Urlaub. Sie machte den Vorschlag, dass wir uns danach noch einmal privat treffen sollten. Meine Antwort war unbestimmt; ich wünschte ihr eine gute Heimfahrt.

Nach einem Frühstück verbrachte ich fast den ganzen Tag im Schwimmbad. Erst abends kehrte ich wieder in die Wohnung zurück. Schon nach dem Sonntagskrimi ging ich ins Bett. Das Wochenende hatte mich irgendwie geschafft.

Die folgende Woche verging wie mit Fluge - hauptsächlich mit Routinearbeiten. Freitag musste ich mich mal wieder um meine Wohnung kümmern.

Endlich Samstag. Eigentlich wollte ich mich mit ein paar Freunden verabreden, aber niemand hatte Zeit für mich. Die meisten unternahmen etwas mit ihren Familien. Was sollte ich allein machen?

Da fiel mir die Frau aus dem Lesbenlokal mit den spitzen Brüsten ein. Ich könnte doch mal...
Gesagt - getan - ich rasierte mich am ganzen Körper, schminkte mich, was mir schon recht gut gelang - und zog meine Frauensachen an. Zwischendurch trank ich immer mal wieder ein Glas Sekt. So kam es, dass ich das Haus schon mit allerbester Laune verließ.

Wegen meiner guten Erfahrungen fuhr ich wieder mit dem Frauen-Taxi. Es war ein anderer Fahrer, der mich zuverlässig, aber wortkarg zur Stillen Post brachte.

Es war die selbe Frau wie letzte Woche an der Einlasskontrolle. Mein Eintrittsgeld hatte ich schon passend abgezählt in der Hand. Sie schien mich wieder zu erkennen; denn ohne weitere Fragen donnerte sie mir einen Stempel, diesmal "Gemahnt am 30. August" auf den Handrücken und gab mir die Eintrittskarte in die Hand. "Viel Spaß, schönen Abend!"

Mehr Zigarettenrauch und ein hoher Geräuschpegel zeigten an, dass das Lokal an diesem Abend wesentlich voller war. Den Grund sollte ich schnell erfahren: "Großer Karaoke-Abend stand auf einem Pappschild, das über der Theke angebracht war. Auf einer kleinen, mobilen Bühne stand eine richtige, professionelle Karaoke-Anlage.

Kaum hatte ich mich gesetzt und mit einer Handbewegung eine Flasche Sekt bestellt, ging es auch schon los. Es hatten sich mehrere Frauen in eine Liste eingetragen und hatten nacheinander ihren Auftritt. Die meisten waren gar nicht schlecht. Die Frau, die mich in der Woche davor so beeindruckt hatte, war leider nicht dabei.

"Na, so einsam heute? Willst Du ganz allein trinken?"
Die Frau mit den spitzen Brüsten hatte mich entdeckt und kam gleich an meinen Tisch. Ihr leeres Glas hatte sie in der Hand und machte es aus meiner Flasche voll. Na, dann prost, ich heiße Bettina", meinte sie - und Du?
Fast hätte ich meinen richtigen Namen gesagt, aber dann schluckte ich kurz und meinte "Ute".
Bettina ging kurz an den Tresen und besprach etwas mit der Bedienung. Es musste eine komplizierte Sache sein; denn es dauerte recht lange.
Dann kam sie zu mir zurück und sagte: "ich habe Dich auch noch angemeldet zum Singen. Eigentlich war gestern Anmeldeschluss, aber die Frauen von außerhalb konnten sich ja heute auch noch anmelden - so auch Du".
Das war mir nun überhaupt nicht recht. Das war schon fast Nötigung...

Sollte ich singen? Oder gehen - und dabei einen Skandal provozieren?
Dann doch lieber singen!
Ein Hit von Amanda Lear fiel mir ein: "Follow Me" - das müsste ich mit meiner Stimme ganz gut hinbekommen. Aber erst einmal waren noch viele andere Frauen dran. Ich hoffte schon, ich würde mich doch noch drücken können, aber dann war es soweit - und konnte nicht mehr kneifen.

Es klappte überraschend gut. Ich erntete sogar etwas Applaus.
Da ich die letze Sängerin war, wurde gleich danach ausgewertet. Ich war VIERTE und erhielt eine Flasche Sekt "Hausmarke" als Preis. Der sofortige Verzehr in dem Lokal war jedoch nicht erlaubt.
"Sollen wir die Flasche heute noch trinken - bei mir oder bei Dir?" fragte Bettina mich. Ich war nicht so ganz abgeneigt, vielleicht würde an diesem Abend noch etwas laufen? Aber wie sollte ich das bewerkstelligen, wo sie mich doch bestimmt für eine Frau hielt?
In meine Wohnung wollte ich nicht; die sah zu sehr nach Männer- und Junggesellenwohnung aus. "Wir können noch etwas zu Dir gehen", sagte ich zu ihr, "bei mir ist es nicht aufgeräumt!"
"Gut", erwiderte Bettina, ich wohne hier gleich um die Ecke; wir können sogar laufen!"

Ihre Wohnung machte einen etwas nüchternen, aber sauberen und ordentlichen Eindruck. Ich sollte es mir bequem machen. Sie nahm mir die Flasche aus der Hand und ging in eine kleine Küchen-Nische. Es machte "plopp" und sie kam mit zwei gut gefüllten Sekt-Gläsern zurück.
"Prost Ute", sagte sie, "auf einen schönen Abend und eine schöne Nacht!".
Der Abend hatte mich durstig gemacht - und ich nahm einen großen Schluck, der das Glas halb leerte.
"Du säufst wie ein Pferd", meinte sie und lachte, "da muss ich ja gleich nachschenken". Ich hatte noch nicht ganz ausgetrunken, da nahm sie schon mein Glas, um es in der Küchen-Nische wieder zu füllen.
Als sie zurück kam, setzte sie sich nicht wieder auf den Sessel auf die gegenüberliegende Seite, sondern ganz dicht neben mich. Sie gab mir das Glas in die Hand und begann, meine Beine zu streicheln."Frauen haben schöne Beine", sagte sie, "wenn ich bedenke, wie Männer manchmal rumlaufen, so ungepflegt und unrasiert...".

Obwohl ich noch nicht so viel getrunken hatte, wurde mir auf einmal recht flau. Ich hörte Bettinas Stimme mit Echo und wie durch einen dichten Nebel und konnte sie auch nur noch verschwommen sehen. Kaum hatte ich das realisiert, war ich auch schon ganz weg.

Am nächsten Morgen wachte ich mit hämmernden Kopfschmerzen auf. Bettina kam und fragte: "Kaffee oder Tee?" Ich musste mich erst einmal sortieren. Meine Anziehsachen hatte ich noch an - Frauensachen. Mir war schlecht und ich fühlte mich seltsam eingeengt und eingeschnürt. Ich rappelte mich hoch. "Nein, danke, ich möchte nichts. Ich werde dann mal gehen. Vielleicht sieht man sich mal wieder!"
"Ja, bestimmt", sagte Bettina, "war doch ein interessanter Abend". Das "interessant" betonte sie besonders. Hatte ich etwas an dem Abend gemacht, das ich besser nicht hätte tun sollen? Ihren Blicken war keine weitere Reaktion zu entnehmen.
Ich griff in meine Handtasche. Schlüssel, Geldbörse und Ausweispapiere waren noch an ihrem Platz.

Ich machte mich auf den Weg. Wie gut frische Luft tun kann.
Der Fußweg in meinen hochhackigen Schuhen war etwas beschwerlich, aber je weiter ich kam, desto besser konnte ich in ihnen gehen. Schade nur, dass ich am linken Fuß den Beginn einer Blase verspürte.

Endlich erreichte ich meine Wohnung. Gut, dass ich keinen meiner Nachbarn traf.
Kaum hatte ich aufgeschlossen, traf mich fast der Schlag. Einbrecher mussten über Nacht hier gewesen sein. Viele Schranktüren standen offen; nichts war mehr richtig an seinem Platz.
Ich ging ins Bad, denn ich spürte starken Harndrang - und starke Aufregung. Ich zitterte sogar ein wenig.
Als ich in das Bad trat, traf mich ein weiterer Schlag. Jemand hatte mit Lippenstift in großen Buchstaben "Nina ist nicht Ute" geschrieben.

Ich zog den Rock nach oben und klemmte ihn unter das Kinn, so wie ich es schon so oft gemacht hatte. Dann zog ich meine Strumpfhose nach unten und erlebte einen neuen Schock und hatte eine Erklärung für mein beengtes Gefühl. Jemand hatte meinen Unterleib mehrmals sehr stramm in Frischhaltefolie eingewickelt. Auf der Ablage neben dem Waschbecken lag noch die Schere, die ich am Tag vorher benutzt hatte. So konnte ich der Folie zu Leibe rücken. Ich hätte bestimmt nicht mehr die Geduld gehabt, alles abzuwickeln.
Trotzdem dauerte es recht lange, bis ich die Folie ganz beseitigen konnte. Die kleben auch immer dort, wo sie nicht kleben sollen...
Endlich konnte ich es laufen lassen.

Nun musste ich wohl eine Bestandsaufnahme machen; allein - oder sollte ich gleich die Polizei rufen? Es schien sich nicht um einen "richtigen" Einbruch zu handeln, denn Eingangstür und alle Fenster waren unbeschädigt. Wie sollten die Diebe in die Wohnung gelangt sein?

Ein kurzer Blick zeigte, dass wohl keine wertvollen Sachen gestohlen wurden. Musikanlage, Fernseher, CD-Sammlung... alles noch an seinem Platz.
Erst einmal umziehen - und dann systematisch vorgehen!

Meine Jeans, die ich auf meinem Stuhl im Schlafzimmer hinterlassen hatte, lag nicht mehr dort; aber im Kleiderschrank mussten sich noch mindestens 5 weitere dieser Hosen befinden.

Fehlanzeige! Auch das Fach mit meiner normalen Unterwäsche war leer. Keine Tuch-Hosen, keine Anzüge, keine Hemden, keine Socken...
Nur noch die wenigen restlichen Frauensachen...

Ich besah meine Geldbörse. Das Geld war noch in vollständiger Höhe vorhanden, auch mein Ausweis, der Schlüssel zum Büro...

Was mussten das für perverse Diebe sein, die nichts mitnahmen außer Männerkleidung? Und was war gestern in der Wohnung bei Bettina passiert?

Ich wollte bis gegen Mittag warten und dann bei Bettina vorbeschauen; sie würde bestimmt eine Erklärung für das Geschehene haben.

Da ich nicht wusste, was ich an dem Tag noch organisieren musste, fuhr ich mit dem Auto. Bettina schien mich schon erwartet zu haben; denn kaum hatte ich meinen Namen in das Mikrofon der Tür-Anlage gesprochen, da hörte ich auch schon den Summer. Ich nahm zwei Stufen auf einmal und stand sehr schnell vor ihrer Wohnungstür, die nicht verschlossen war, sondern angelehnt.

Ein Stimmengewirr drang nach draußen. Ich wollte mich schon wieder abwenden, aber Bettina stand hinter der Tür, weil sie mich schon erwartet hatte. "Komm rein!" forderte sie mich auf.
Schließlich wollte ich aufklären, was am letzten Abend passiert war; also folgte ich ihr nach drinnen.

In ihrem Wohnzimmer saßen lauter Frauen. Einige kamen mir bekannt vor; sie schienen auch zu den Gästen der Stillen Post zu gehören. Als ich den Raum betrat, gab es einige Unmutsäußerungen.
Bettina räusperte sich: "Darf ich vorstellen: Nina, Ute oder Sebastian, ganz nach Tag und Stunde".
Wieder kamen ein paar wütende Äußerungen.

"Moment mal - und nicht alle durcheinander. Wir waren uns doch schon klar".
Dann wandte sie sich an mich: "Du wirst es schon gemerkt haben, wir haben Deine männliche Kleidung aus der Wohnung geholt und an einem sicheren Ort versteckt. Du hast unser Vertrauen missbraucht, indem Du dich als Frau in die Stille Post eingeschlichen hast. So haben wir beschlossen, dass Du eine Weile als Frau leben wirst. Wie lange, werden wir entscheiden".
"Und wenn ich nicht mitmache?" Mit fester Stimme brachte ich vor, dass die Frauen wohl keine Möglichkeit hatten, das durchzusetzen.

"Vielleicht sollten sich erst einmal alle hier vorstellen", entgegnete Bettina, vielleicht können wir Dich dann überzeugen".
Eine große Blonde mit ganz kurzen Haaren fing an: "Susanne, Filialleiterin bei der Sparkasse, wir hatten schon mal miteinander zu tun". "Sabine, ich arbeite im Ordnungsamt". "Kerstin, stellvertretende Revierleiterin der Kreis-Polizeistation".

Es war auch eine Arzthelferin und eine Friseuse anwesend. Die beste Vorstellung folgte zum Schluss. Die Frau, die in der Stillen Post die Einlasskontrolle vornahm, war auch anwesend. Bettina zeigte auf sie und meinte: "Birgit, unsere Frau für's Grobe, sie ist Fleischer-Meisterin". Sie lächelte vielsagend.

"Wir haben uns überlegt, dass Du zunächst eine Woche als Frau lebst und auch so Deine Kundentermine wahrnimmst. Wir haben Dir am PC Visitenkarten vorbereitet; den Nachnamen haben wir gelassen. Sagt doch einfach, Du bist Deine Zwillingsschwester, die auch in der Versicherungsbranche arbeitet...
Du brauchst natürlich noch ein paar Sachen; mit den wenigen, die Du hast, wirst Du nicht weit kommen. Welche Schuhgröße hast Du?"
Ich habe Größe 41. Bettina telefonierte und beendete ihr Gespräch mit den Worten: "Ist gut, wir kommen dann gleich!"

Wir machten uns auf den Weg in ein Schuhgeschäft. Eine Frau wartete schon auf uns, schloss für uns auf - und gleich wieder zu. Alle wollten mich beraten und es gab ein ziemliches Durcheinander. Schließlich entschied ich mich für zwei Paar Schuhe, ein recht bequem aussehendes und ein eleganteres.
Dann ging es zurück in Bettinas Wohnung.
Es wurde gefragt, wer noch Kleidung entbehren konnte, denn schließlich sollte es am Montag gleich losgehen mit meiner Woche als Frau.

Sie verabredeten, dass alle zuhause gucken sollten. In zwei Stunden war ein neues Treffen vereinbart, diesmal in meiner Wohnung. Das war mir eigentlich nicht recht, aber schließlich gab ich nach. Ich wollte die Woche als Frau möglichst reibungslos und zügig hinter mich bringen und die Frauen nicht zu weiteren Sanktionen reizen.

Ich bekam eine ansehnliche Sammlung an Frauenkleidung geliehen. Schade, es war keine Hose darunter. So würde ich die ganze Zeit in Röcken und Kleidern auftreten müssen. Leider waren auch keine blickdichten Strumpfhosen dabei; so musste ich wohl oder übel auf peinlich genaues Rasieren der Beine achten.
... oder mir aber am nächsten Tag selbst noch Strumpfhosen kaufen.
Die Frauen halfen mir, alles in meinen Kleiderschrank zu hängen. Dabei lernte ich endlich, was die komischen Einbuchtungen an den Bügeln zu bedeuten haben und was man mit den Schlaufen an den Röcken macht.

Gegen Abend verschwanden die Frauen endlich. Ich hatte noch etwas Zeit, mich zu sammeln und auf einen fest verabredeten Termin vorzubereiten.
Ich sollte zu Bauer Karl, einem etwas schwierigen Kunden. So suchte ich die Unterlagen raus und machte mir Notizen. Ich druckte mir noch einige Visitenkarten am PC aus und war froh, dass ich mir früher einmal eine Foto-Schneidemaschine gekauft hatte; so zauberte ich ein fast professionelles Ergebnis.

Ich hatte wenig geschlafen, als ich mich am nächsten Morgen gegen 9 Uhr auf den Weg machte. Ich trug einen blauen Rock, eine dezent gemusterte Bluse, eine helle Strumpfhose, meine bequemen Schuhe und eine Jacke.
Der Trecker vor der Haustür zeigte, dass Bauer Karl wie abgemacht zu Hause war. Das war bei ihm keinesfalls selbstverständlich. Das Auto stand nicht in der offen stehenden Garage, also war seine Frau zur Arbeit. Mir wurde etwas mulmig zumute; denn Bauer Karl gehört nicht gerade zu den liebenswerten Zeitgenossen - und jeder wunderte sich, wie der zu seiner netten und gutaussehenden Frau gekommen war. Es hieß zwar, sie wäre sehr eifersüchtig und hätte "die Hosen an", aber wenn ich Bauer Karl manchmal hörte und erlebte, so kamen mir doch Zweifel.

Der Hofhund zerrte an seiner Kette, aber die Haustür war nicht in seiner Reichweite. Karl hatte mich schon erwartet; denn er öffnete die Tür, noch bevor ich klopfen oder klingeln konnte.

"Na, wen haben wir denn da? Hat Stefan keine Zeit?"
"Stefan ist zu einer Fortbildung", log ich, "aber ich bin nun auch fest in der Agentur und werde Sie genau so gut beraten wie mein Bruder".

Er murmelte etwas nicht Verständliches in seinen Stoppelbart, aber dann machten wir uns in seinem kleinen Büro an die Arbeit. Wir kamen recht gut voran und kamen sogar zu einem Abschluss. Ich war zufrieden, aber einen kleinen Moment unaufmerksam. Plötzlich zog er mich mit Bärenkraften rüber zu sich auf seinen Schoß: "Süße, komm mal rüber zu Onkel Hammer!". Er stank nach Schweiß, Tabak und Bier. Sofort fummelte er an meiner Bluse und meinte: "Na, große Titten hast Du ja nicht gerade, lass mal sehen".
Da hatte er auch schon die ersten beiden Knöpfe geöffnet.
Ich sprang auf und gab ihm eine schallende Ohrfeige. Seine Überraschung nutzte ich, um aus dem Haus zu laufen. Wie gut, dass ich mein Auto nicht abgeschlossen hatte, so konnte ich mich hineinstürzen und sofort losfahren, noch bevor Kral mich erreichte. Im Rückspiegel sah ich, dass er mit der Faust hinter mir herdrohte.
Ich musste mich erst einmal beruhigen; deshalb fuhr ich in mein Büro. Schade, die beiden Knöpfe meiner Bluse waren bei der Aktion abgerissen.

Kaum hatte ich einen Kaffee aufgesetzt und mich einen Moment hingesetzt, da klingelte das Telefon. Brigitte war dran und fragte mich aufgeregt, was ich für eine neue Mitarbeiterin hätte und warum der Vertrag mit Bauer Karl verbockt worden wäre. Nicht nur das - er hätte alle seine Verträge gekündigt. Ich sollte schon einmal überlegen, wie ich das wieder ausgleichen könnte - oder aber den Vertrag zurückgewinnen.
Dann legte sie wütend auf. Ich dachte darüber nach, ob ich - verbotener Weise - in Männerkleidung zu Bauer Karl fahren sollte, um ihn mit einer Flasche Korn zu besänftigen - aber davon nahm ich davon Abstand. Die Frauen würden bestimmt mein Tun beobachten und ich wollte keinesfalls, dass die Frauenwoche verlängert wurde. Schließlich sollte ich am Wochenende zu meinen Eltern fahren.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit Routinearbeiten. Es kam nicht zu weiteren Zwischenfällen. Kurz vor Feierarbend kam noch ein Anruf aus der Regionszentrale. Man hatte sich die Verträge von Bauer Karl noch einmal angesehen und Zahlungs- und Schadensindex verglichen. Man war insgeheim sogar froh, den Vertrag losgeworden zur sein. "Soll sich eine andere Versicherungsgesellschaft mit ihm rumärgern", sagte die Sachbearbeiterin, "leider müssen wir natürlich Ihre Provisionszahlung für diesen Posten ändern, aber Sie können an anderer Stelle mit einem Bonus rechnen!". Ich war zufrieden.

Abends rief dann auch noch Bauer Karl an. Er wollte sich entschuldigen und alles rückgängig machen. Die andere Gesellschaft war wohl wesentlich teurer. Ich konnte aber nicht darauf eingehen.
Darauf wurde er sehr ausfallend und bedrohte mich sogar. Auch meine Schwester solle sich auf etwas gefasst machen.

Am späten Abend musste ich mich bei Bettina einfinden und berichten, wie es mir an dem Tag ergangen war.
Mit meinem Aussehen war sie ganz zufrieden, besah sich sogar besonders genau, ob ich auch sauber geschminkt war.
Die Geschichte mit Bauer Karl nahm sie nachdenklich zur Kenntnis. "So sind sie, die Männer", meinte sie, "aber dem Bauern können wir einen Streich spielen".

Sie führte mich jedoch in ihr Schlafzimmer und zog sich aus. "Komm, hast Du Lust?" Ich war etwas überrascht, aber folgte ihr. "Ich mag auch Männer," sagte sie, "oder aber Frauen mit Schwanz" - und grinste.

Ich zog mich aus und folgte ihr ins Bett. Wir hatten einen sehr schönen und ausgiebigen Abend. Sie sagte, ich sollte anschließend bei ihr übernachten, was ich dann auch tat.

Als ich mich am nächsten Morgen fertig machte, blieb sie noch im Bett liegen, wollte aber unbedingt ihren Slip haben, der auf dem Boden lag. Außerdem sollte ich aus einer Schublade der Küchenzeile einen Gefrierbeutel holen. Sie öffnete die Schenkel und wischte sich mit dem Slip über ihr feuchtes Dreieck, als würde sie einen Waschlappen in der Hand halten und sich gründlich waschen.

Dann gab sie mir den Slip und sagte: steck ihn in den Gefrierbeutel. Irgendwie musst Du den bei Bauer Karl in den sicher vorhandenen Schmutzwäsche-Eimer tun, dann wird der Rest ganz von allein passieren!"
Zunächst hielt ich das für abwegig, aber je länger ich darüber nachdachte...
Tatsächlich, als ich bei einem früheren Termin einmal bei ihm auf die Toilette musste, hatte ich in der Ecke einen Korb gesehen, der offensichtlich zum Sammeln der Schmutzwäsche diente, denn auf seinem Deckel lagen ein Paar unordentlich verdrehte Strümpfe.

Die meisten Bauernhäuser sind tagsüber offen. Ich hatte schon oft darüber referiert, dass man keinen Versicherungsschutz bei einem Diebstahl hat, aber es war der Landbevölkerung nicht anzugewöhnen, die Türen abzuschließen. Nun kam mir die Nachlässigkeit der Bewohner zu Nutze. Ich musste nur abwarten, bis sein Traktor irgendwo auf dem Feld zugange war. Seine Frau arbeitete jeden Tag als Schulsekretärin; die war vormittags beschäftigt.

Die Idee erschien mir tatsächlich nicht so schlecht.

Als ich einem Kunden im Unterdorf sein Mopedschild brachte, da sah ich hinten in der Ferne Bauer Karl mit seinem John Deere Dünger streuen. Damit sollte er noch mindestens zwei Stunden beschäftigt sein. So machte ich mich auf den Weg zu seinem Hof. Tatsächlich war das Auto wiederum nicht in der Garage und nichts deutete darauf hin, dass jemand anwesend war. Der Hund machte einen schläfrigen Eindruck. Vielleicht realisierte er, dass ich schon einmal dagewesen war und dass von mir keine Gefahr ausging; denn er erhob sich nicht einmal von seinem Platz. Den feuchten Slip hatte ich in der Tüte dabei.
Ich schlich mich ins Haus. Die Haustür war wiederum nicht abgeschlossen.
Das große Bad mit Toilette, Badewanne und Waschmaschine lag gleich vorn, so musste ich nicht weit über den dunklen Flur laufen.
Der Deckel des Korbes stand offen; er war bis oben mit Schmutzwäsche gefüllt. Ich nahm den Slip und steckte ihn unter ein Handtuch, das obenauf lag. Dann schlich ich mich wieder zurück und erreichte unbehelligt mein Auto.

Ein paar Tage später wurde ich unbeabsichtigt Zeuge eines Gesprächs in der Tankstation. Ein paar Frauen, offensichtlich Nachbarn von Bauer Karl, erzählten, es hätte dort wohl großen Ärger gegeben. Seine Frau hatte ihn für eine Woche auf das Sofa verbannt, weil er mal wieder nicht die Finger von anderen Frauen lassen konnte. Ich grinste schadenfroh.

Meine erste Woche als Frau war überstanden. Ich hoffte, ich würde nun wieder meine alten Sachen wiederbekommen, schließlich hatte ich auch noch ein paar Dinge als Mann zu erledigen. So wolle ich am Wochenende meine Eltern besuchen und ihnen beim Renovieren helfen.
Aber das wurde komplizierter, als ich dachte. Zunächst musste ich der Frauengruppe, die sich wieder bei Bettina traf, ausführlich berichten, wie es in der Woche gegangen war. Sie waren soweit zufrieden, meinten aber, eine Woche als Frau wäre für mein Vergehen nicht ausreichend. Ich sollte noch ein paar Erfahrungen machen - und auch am Samstag mit ihnen in die Stille Post kommen.

Sie genehmigten mir aber einen Besuch bei meinen Eltern und stellten mir für diesen Zweck eine Jeans, ein T-Shirt und Holzpantoffeln zur Verfügung. Das musste reichen. Ich sollte mich aber unverzüglich nach meinem Besuch wieder bei Bettina einfinden und die Frauensachen anziehen.

So wurde es gemacht. Ich kam mir in einer Hose schon fast fremd vor.
Meine Eltern hatten mich schon erwartet. Ich half ihnen den ganzen Tag, sodass sie ein gutes Stück vorankamen. Meine Mutter hätte es gerne gesehen, wenn ich noch über Nacht geblieben wäre, aber dieses Risiko wollte ich nicht eingehen und machte mich gleich nach dem Abendessen auf den Rückweg.

Bettina erwartete mich schon ungeduldig. Kaum hatte ich bei ihr geduscht und mich angezogen und geschminkt, da machten wir uns auf den Weg in die Stille Post. Der Abend wurde eigentlich ganz lustig. Diesmal gab es aber kein Karaoke.
Gegen ein Uhr gingen die meisten; wir auch. Ich ging wieder mit zu Bettina und wir hatten eine stürmische Nacht.

Den ganzen Sonntag brauchten wir zum Ausruhen. Erst abends ging ich wieder in meine Wohnung. Eine neue Arbeitswoche als Frau stand mir bevor. Inzwischen hatte ich keine Angst mehr davor.
Die Tage vergingen ohne besondere Vorkommnisse. Neugierig fand ich mich am Freitag bei Bettina in der Wohnung ein und ging davon aus, dass meine Mssion nun erfüllt wäre.

Das war aber nicht so. Bettina machte einen abwesenden und fast traurigen Eindruck. Die anderen Frauen schienen über irgendetwas gestritten zu haben; denn es herrschte eine aufgeladene und hitzige Stimmung.
"Darf ich nun wieder...?" Ich hatte meinen Satz noch nicht einmal halb beendet, da wurde ich schon von Marianne unterbrochen: "Du glaubst doch nicht, dass schon Schluss ist.... Was uns da zu Ohren gekommen ist...
Du musst nun über das Wochenende mit Bettina und Karla nach Holland fahren und eine Klinik aufsuchen. Das ist wohl das Mindeste, was wir verlangen können! Und dann sehen wir weiter".
"Nun gut, wenn es nur davon abhängig ist", dachte ich mir, "was wird das mit der Klinik auf sich haben? Sicher hat Karla ein medizinisches Problem, für das es hier in Deutschland keine Lösung gibt."
Die Frauen gaben mir aber keine Erklärung.
Es sollte am nächsten Morgen ganz früh losgehen. Deshalb schlief ich wiederum bei Bettina, aber Karla auch; deshalb konnte ich nicht erfahren, was wir in Holland machen sollten. Bettina war mehr als abweisend und schlief mit Karla im Bett, während ich auf dem Sofa mehr schlecht als recht zur Ruhe kam.

Ganz früh am nächsten Morgen ging es los.
Es herrschte nicht viel Verkehr, deshalb kamen wir sehr gut voran. Immer wieder machte ich einen Vorstoß, aber die beiden Frauen erzählten mir nicht, um was es ging. Karla lotste mich die letzten Kilometer; denn sie hatte eine Wegbeschreibung.

Wir wurden wohl schon erwartet. Eine Frau in Schwesternkleidung begrüßte uns und sagte, man hätte ein Zimmer für uns vorbereitet. Das Zimmer sah nicht nach Krankenhaus aus, sondern fast wie ein Hotelzimmer. Auf dem Tisch standen drei Gläser und eine Flasche Sekt in einem Kübel.
"Netter Service", meine Bettina und öffnete die Flasche. Ich musste aber erst einmal auf die Toilette. Auf der Fahrt hatte ich dermaßen viel Kaffee getunken, dass die Blase fast platzte. Als ich wieder in das Zimmer kam, hatte die beiden Frauen schon einen kräftigen Schluck genommen und gaben mir auch ein gut gefülltes Glas. Ich setzte mich auf den Stuhl und wurde plötzlich sehr müde. Die Fahrt hatte mich ganz schön geschlaucht.
Ich nickte kurz ein. Ich wurde wach, als ein Arzt in einem weißen Kittel auf mich einredete. Erst hielt ich es für einen Traum; denn er hielt mir eine Art Katalog mit nackten Frauen unter die Nase und fragte mich wohl, welche mir am besten gefiele. Ich verstand ihn zwar nicht richtig, aber um ihn loszuwerden zeigte ich auf eine Braunhaarige, die ihre recht große Oberweite stolz und lächelnd präsentierte. Der Arzt pfiff durch eine Zahnlücke und verschwand endlich. Ich war so müde, dass ich nur noch schlafen wollte. Ich legte mich auf das Bett und hatte einen wilden Traum von fahrenden Betten und Operationen.
Hoffentlich ging mit den beiden Frauen alles gut. Welche von den beiden musste sich wohl hier behandeln lassen? Sicherlich Karla; denn Bettina hätte es mir längst anvertraut.

Ich wachte erst nach einigen Stunden wieder auf und hatte höllische Kopfschmerzen. Der Sekt war wohl doch nicht so gut gewesen.
Als ich einigermaßen wach war, sah ich Karla und Bettina am Fußende meines Bettes stehen. Auch sah ich, dass ich in einem anderen Bett lag, in einem richtigen Krankenhausbett. Ich trug eine Art Nachthemd, das hinten offen war. Ich war an medizinische Schläuche und an einen Monitor angeschlossen, der in regelmäßgen Abständen leise piepte. "Was war los?" krächzte ich heiser.
"Alles überstanden", antwortete Karla leise.
"Was überstanden?" fragte ich, "hatte ich einen Schwächeanfall? - oder was war?"
Ich bekam keine Antwort. Der Arzt von vorhin kam und schickte die beiden Frauen hinaus.
Er wollte mir sagen, dass alles gut überstanden war und das alles so gemacht worden war, wie ich es wünschte. Er sprach in Rätseln - und das auch noch auf Holländisch.

Als er realisierte, dass ich nicht viel von dem verstand, was er mir sagte, tippte er etwas in ein kleines, handyähnliches Gerät und sagte "Moment!"
Ich hatte Schmerzen im Brustbereich, überhaupt fühlte ich mich zerschlagen und nicht besondes wohl.
Eine junge Schwester kam, die mich auf Deutsch ansprach: "Sie verstehen kein Holländisch? Der Arzt wollte nur sagen, dass es Ihnen gut geht und die Operation so durchgeführt wurde, wie Sie es gewünscht haben. Es ist zwar recht schwierig, wenn sich jemand für so große Brüste entscheidet (sie machte eine formende Handbewegung) - aber Ihr Hautgewebe war so elastisch, dass wir die gewünschte Form ohne große Probleme schon bei dem ersten Eingriff schaffen konnten".
Der Arzt hatte inzwischen das Zimmer verlassen. Mir liefen Tränen über die Wangen, teils aus Hilflosigkeit, teils aus Wut.
"Ich kann verstehen, dass Sie sich so freuen"; sagte die Schwester, "die meisten Menschen freuen sich, wenn sie sich diesen Wunsch erfüllt haben - und nur selten hat es jemand bereut".
Dann griff sie unvermittelt unter die Bettdecke und griff nach meinem Penis. "Und - soll der entfernt werden?" Ich guckte vollkommen entsetzt.
"Nein", sagte ich schwach".
"Machen wir hier auch nicht", sagte sie lachend, "also keine Angst, wir geben den Menschen etwas, aber nehmen ihnen nichts".

Sie erzählte mir noch, dass ich weitere 3 Tage in der Klinik bleiben musste. Erst dann würde man mich entlassen und ich sollte in 4 Wochen zu einer Nachuntersuchung wieder kommen. Bei Komplikationen, mit denen aber nicht zu rechnen war, sollte ich mich früher melden.

Die Tage bis zur Entlassung lebte ich in einem Gefühlschaos. Ich fühlte mich verraten und verkauft. Andererseits flammte manchmal ein Gefühl in mir auf, das ich nicht beschreiben konnte. Ich begann mich mit dem Gedanken anzufreunden, vollständig als Frau leben zu wollen. Aber mit einem Mann als Partner? Das wiederum konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen.

Am Tag der Entlassung wurde der Verband entfernt. Stattdessen erhielt ich einen speziellen BH und große Pflaster. Dann ging es auf die Heinreise. Das Auto startete etwas unwillig, aber nach kurzer Zögerung nahm der Motor seinen Dienst auf.
Wir erreichten unser Ziel sehr zügig und ohne viele Worte. Die beiden Frauen schienen sehr nachdenklich zu sein. Mich strengte das Autofahren sehr an. Meine Haut im Brustbereich juckte, was sicherlich an dem Heilungsprozess lag.

Wir fuhren direkt in Bettinas Wohnung. Ich war so geschafft, dass ich mich auf das Bett legte und umgehend eingeschlafen war. Immer wieder wurde ich wach, weil die beiden Frau sich stritten, und zwar sehr heftig. Ich konnte ihren Worten jedoch nicht entnehmen, um was es bei dem Streit ging.

Als ich nach einigen Stunden aufwachte, ging es mir besser. Karla war verschwunden. Bettina hatte sich zu mir ins Bett gelegt.
Auch sie war gerade wach geworten. "Zeig mal!" sagte sie und knöpfte mir das Hemd ganz langsam auf.

"WOW!" machte sie, "das sind ja dicke Dinger!"
Gleich darauf bat sie mich um Entschuldigung: "Sorry, das war nicht sehr feinfühlig. Ich denke, Du brauchst einen guten BH, wenn Du in die Öffentlichkeit gehst".

Zu diesem Zweck wollte sie mich messen; denn sie meinte, je größer die Brüste, desto wichtiger wäre ein gut sitzender und gut eingestellter BH. Sie holte ein Maßband aus dem Nähkorb. Es war so eines, wie es meine Oma auch schon in ihrem Nähkorb gehabt hatte.

Ich kam mir albern vor, als ich vor ihr stand. Meine Brüste waren zwar noch durch große Pflaster verunziert - und die Haut, die ich sehen konnte, war mit den buntesten Farben verunziert, aber ich gewann zum ersten Mal einen Eindruck, wie wohl das Endergebnis aussehen sollte.

Trotzdem fühlte ich mich betrogen und hintergangen, ja misshandelt. Ich fragte Bettina, was sie zu dieser Angelegenheit zu sagen hätte.

Sie druckste ein wenig herum, dann kam sie langsam mit der Wahrheit heraus. Es war wohl hauptsächlich von Kerstin ausgegangen, die bei der Polizei arbeitet. Kerstin hatte die anderen Frauen wegen irgendeines Vorfalls in der Hand und hatte sie reglrecht erpresst, mit mir nach Holland zu fahren, um die OP vornehmen zu lassen.

Ich zog mich um. Wir wollten anschließend ins Kaufhaus gehen, um einen oder mehrere BHs zu kaufen. Bettina hatte meine Maße aufgeschrieben.Sie murmelte etwas von 90 C... oder D - so ganz schlau wurde ich daraus nicht.

Im Kaufhaus wurden wir rasch fündig. Wir suchten gemeinsam aus, so dass ich bald mit einer Reihe schlichter und aufwändiger BHs vor den Umkleidekabinen stand; denn Bettina meinte, ich sollte sie anprobieren. "Man muss einmal das richtige Maß haben", sagte sie, "dann kann man später immer wieder in der Größe kaufen". Das hielt ich allerdings für etwas gewagt. Die werden doch von Firma zu Firma auch unterschiedlich ausfallen.

Als wir in der Umkleidekabine standen und Bettina mir gerade die Träger so einstellte, dass das Modell, das ich gerade probierte, optimal saß, wurde auf einmal der Vorhang aufgerissen und ein Mann mit einem Schild "SECURITY" zwängte sich zu uns in die Kabine. "Hab ich's mir doch gedacht!" Er blickte zu Bettina, dann zu mir. Mit einem Blick, der hochgradige Verachtung ausdrückte, meinte er: "auch das noch, FREAKSHOW".

Ich musste mich anziehen - und dann wurden wir in das Büro des Kaufhauses geführt. Der Detektiv wollte ein Protokoll schreiben und sprach von "Kaufhausdiebstahl". Langsam wurde ich wütend und verlangte, den Filial-Leiter zu sprechen. Nach einigem Hin und Her wurde der endlich geholt. Ich konnte mit ihm gut reden, sprach ganz ruhig davon, dass ich als Mann einen BH brauchen würde und diesen - so wie anderen Kunden auch - anprobieren wollte - bis ich von dem sich nicht korrekt verhaltenden Detektiv dabei gestört wurde. Von Diebstahl könnte keine Rede sein - ich wäre guter Kunde mit "goldener Kundenkarte" - und ich würde mich an höhere Stelle beschweren, wenn der unhaltbare Vorwurf nicht sofort zurückgezogen würde.

Dem Filialleiter war das schrecklich peinlich. Er entschuldigte sich bei uns. Als Entschädigung bekamen wir einen Einkaufsgutschein in nicht unbeträchtlicher Höhe. Ich hatte zwar kaum noch Lust, den Einkauf fortzusetzen, aber wir wollten den Laden nicht ohne BHs verlassen. So machten wir dort weiter, wo wir so roh unterbrochen wurden.

In Bettinas Wiohnung musste ich unsere Einkäufe vorführen. Sie war zufrieden - und ich gefiel mir auch immer besser. Nur mein Bart passte nicht so richtig dazu...

Ich gefiel mir selbst - so wie ich mir selbst noch nie gefallen hatte. Es regte mich sogar sehr an, was man an meiner sich beulenden Hose deutlich sehen konnte.
"Ich habe noch nie mit einer MANN-FRAU geschlafen", seufzte Bettina in einem aufreizenden Tonfall, "kommt, lass uns ins's Bett gehen".

Sie musste mich nicht lange überreden.

Wir verbrachten ein paar schöne Tage miteinander und waren wie die Turteltauben. An meine Brüste hatte ich mich gewöhnt; ja, nicht nur gewöhnt, sondern sie richtig lieb gewonnen. Manchmal ertappte ich mich, dass ich längere Zeit vor dem Badezimmerspiegel stand und sie betrachtete.

Das Leben hätte sehr schön sein können; doch zwei Sachen machten mir Sorgen. Zum einenn stand noch die Nachuntersuchung in meinem Terminkalender und rückte immer näher. Ich wusste nicht, was finanziell bei dieser Sache zu regeln war; Bettina konnte mir auch nichts dazu sagen. Sie hatte den Kontakt zur Frauengruppe ziemlich eingeschränkt. Da wir uns hatten, waren wir auch nicht mehr in die Stille Post gegangen. Das war die zweite Sache, die mich belastete. Ich wusste nicht, was die Gruppe noch vorhatte. Es schien jedoch eine Gefahr von ihr auszugehen; denn jedes Mal, wenn ich mit Bettina über die Gruppe reden wollte, wurde sie sehr nachdenklich und einsilbrig.

Endlich war der Tag der Nachuntersuchung gekommen. Ich hatte vorsorglich 7000 Euro von meinem Sparkonto abgehoben, Geld, dass ich eigentlich als Polster angespart hatte und es aufbrauchen wollte, wenn es in der Agentur mal nicht so gut lief.

Diesmal fuhr ich alleine nach Holland in die Klinik. Bettina hatte keine Zeit. Inzwischen hatte ich mir ein Navigationsgerät für das Auto gekauft, das mir schon vorher bei einigen Kundenbesuchen gute Dienste geleistet hatte. So konnte ich auf eine Beifahrerin verzichten, die mir den richtigen Weg ansagte.

Die Untersuchung war schnell überstanden. Es war mir etwas peinlich, mich vor dem leitenden Arzt zu entblößen. Ich hatte einen ganz schlichten BH angezogen. Er zog an den Trägern und Körbchen und belobigte mich sehr, weil er so gut passte. Er sagte, es wäre sehr sehr wichtig, immer einen passenden BH zu tragen. Ein wenig musste ich über seinen Mix aus Holländisch und Deutsch schmunzeln, was für eine aufgelockerte Atmosphäre sorgte.

Dann untersuchte er die Brüste. Er knetete sie und untersuchte die Stellen gründlich, wo die Schnitte gemacht wurden. Es dauerte fast eine Stunde, bis ich fertig war. Danach sollte ich ins Klinikbüro gehen und die Formalitäten regeln. "Nun kommt die dicke Rechnung", dachte ich mir. Ich musste aber ledichlich 400 Euro für die Nachuntersuchung bezahlen. Die Bürokraft meinte, die Operation wäre schon längst bezahlt.

Froh gelaunt fuhr ich wieder zurück. Ich freute mich auf Bettina. An der Grenze gab es einen längeren Stau, so dass ich wesentlich später kam, als ich eigentlich geplant hatte.

Als ich die Tür zu Bettinas Wohnung aufschloss und mich mit einem fröhlichen Hallo zurückmeldete, hörte ich Stimmengewirr. Auch das noch - die Gruppe saß im Wohnzimmer. Das musste schon eine ganze Weile sein; denn etliche Flaschen Wein, Sekt und mehrere Kaffekannen standen auf dem Tisch.

Nun war die befürchtete Situation wesentlich schneller aufgetreten, als ich es vermutet hatte. Ich konnte mich sicherlich auf einiges gefasst machen. Doch überraschender Weise kam nichts. Selbst Kerstin, die sich immer mehr zur Sprecherin und zu dem Häuptling der Gruppe gemacht hatte, sprach mit zuckersüßer Stimme. Sie meinte, ich sollte nun einen allerletzten Schritt gehen; dann wäre "das Spiel beendet". Ich sollte am Donnerstag in die Turnhalle der örtlichen Schule kommen; da würde es eine Sportstunde für Lesben geben. Ich sollte allerdings tunlichst vermeiden, mich so zu verhalten oder so anzuziehen, dass man in mir einen Mann erkennen würde.

"Na gut", dachte ich mir, "wenn das alles ist, um von dieser Gruppe loszukommen, dann werde ich diesen letzten Schritt auch noch gehen".

Susanne schien meine Gedanken erraten zu haben. "Siehtst Du, uns wirst Du nicht so schnell los, auch wenn wir jetzt alle gehen!"

Kaum hatte sie den Satz beendet, packten die Frauen die Sachen zusammen und machten sich bereit für den Heimweg. Sie schienen also nur auf mich gewartet zu haben.

Bettina nahm mich in die Arme. "Schön, dass Du wieder hier bist", sagte sie "hast Du noch Hunger?"
Wir aßen zusammen Abendbrot. Nach einem kurzen Spaziergang rund um den kleinen See tobten wir uns im Bett aus.

Schön war es. Meine düsteren Gedanken, die mit dem Donnerstag in der Turnhalle zusammenhingen, verblassten. Bettina war manchmal merkwürdig still, dann aber wieder vollkommen aufgedreht. An manchen Tagen und Nächten konnte sie kaum von mir ablassen. Wenn ich sie über diese Stimmungsschwankungen befragte, dann gab sie keine erschöpfende Antwort. Einmal, als ich sie fragte, ob ihre stille Traurigkeit mit dem Donnerstag zusammenhängen würde, nickte sie nur, sagte aber nichts mehr dazu. "Vielleicht wäre es besser, an diesem Donnerstag nicht hinzugehen", dachte ich für mich allein.

Aber ausweichen konnte ich dem Geschehen auch nicht mehr. Ich wollte endlich einen Schlussstrich ziehen und die Gruppe danach aus meinem Leben verbannen. Und Bettina? - ich wusste nicht, ob sie noch in die Gruppe gehörte. Ob ich letzten Endes von ihr auch noch etwas zu befürchten hatte? Eigentlich rechnete ich nicht damit. Fast machte es den Eindruck, als würde sie mich lieben. Oder mochte sie mich nur als "Super-Lesbe", als Freak mit Brüsten und Schwanz?

Endlich Donnerstag. Ich hatte mir eine kurze Sporthose gekauft - in pink, dazu ein Top, Sportschuhe und eine Tasche. Ich hatte mich sorgfältig geschminkt. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir, dass ich nicht mehr als Mann zu erkennen war - und das nicht nur wegen des knappen Tops, das von meinen Brüsten in eine doppelte Zeltform gespannt wurde. "Zirkuszelt", dachte ich, "das passt zu dem Zirkus, den ich hier mitmache". Ich kam mir vor wie früher beim Räuber und Polizei spielen. Sollte ich einfach nicht hingehen?
Bettina konnte ich nicht fragen, denn die war schon den ganzen Tag nicht da gewesen, hatte aber auch nicht gesagt, was sie vorhatte.

"Gute Ute", sagte ich zu mir selbst und wollte möglichst entschlossen wirken, "das ziehen wir nun auch noch durch!"

Ich machte mich auf den Weg mit einem Gefühl in der Magengegend wie vor dem Besuch eines Zahnarztes.
Ich parkte mein Auto vor der Turnhalle. Ein paar typische Frauenautos standen schon auf dem Parkplatz: zwei Opel Corsa, ein kleiner Peugeot, ein Polo, ein uralter und verroster Fiat - und ein Golf Cabrio. Der gehörte der Mietze von der Sparkasse, wenn mich nicht alles täuschte. Einen Moment überlegte ich, ihr die Luft aus den Reifen zu lassen; aber wozu so eine unüberlegte und blöde Aktion?
Und warum mal wieder alles schwarz malen; vielleicht würde es ein netter Abend - und beim Frauensport wollte ich doch schon immer mal dabei sein. Hatte ich mich nicht noch auf der letzten Weihnachtsfeier damit aufgespielt, ich wäre ein perfekter Trainer für Frauen-Volleyball- Spielerinnen - und bei mir könnte man sogar beim Duschen noch etwas lernen?

Ich ging an den Fahrradständern vorbei, der drei einsame und alte Damenräder verwahrte und stand schon vor der Eingangstür.
Wie gut - verschlossen!
Ich rüttelte am Türgriff, aber die Tür ging nicht auf . "Zu ist zu", dachte ich mir und wollte gerade wieder zum Auto gehen, als ich hörte, wie jemand die Tür von innen aufschloss. Pech gehabt!

Ich folgte Kerstin in die stickige Umkleidekabine. Sie schien mit meinem Outfit zufrieden zu sein; denn sie sprach sehr freundlich mit mir.
So waren meine Befürchtungen wohl umsonst gewesen.

Die anderen Frauen emfingen mich mit einem Johlen und Kreischen und schienen sich auf mich gefreut zu haben, anders konnte ich das kaum verstehen.
Breit grinsend stand ich vor Ihnen und fragte in die Runde: "Na, Mädels, was liegt an?"
"Das wirst Du gleich sehen, oder aber besser noch spüren!" Kerstins Augen hatten sich zu einem Schlitz verengt, als sie mich ansah - glatt zum Fürchten. Dann stürzte sie sich auch schon auf mich. Sie riss mir mit einem Polizeigriff die Arme auf den Rücken, dass meine Schultergelenke knackten. Dann hörte ich ein metallisches Geräusch und sie zauberte aus der Hosentasche Handschellen hervor. Mit Hilfe einiger anderer Frauen schleppte sie mich in die Ecke mit den Sprossen-Kletterwänden. So sehr ich mich sträubte - die Frauen waren gemeinsam stärker. Kaum standen wir an der Sprossenwand, schloss sie mich mit den Handschellen an einer sich ziemlich weit oben befindlichen Sprosse mit Blick auf die Wand an. Ich zappelte und zog - doch das Metall schien sich immer fester um meine Handgelenke zu legen; sie schmerzten. Vorsichtig blickte ich mich um, weil ich gerne gewusst hätte, was die Frauen vorhatten. Ein Spaß schien das schon lange nicht mehr zu sein.
Kerstin verschwand kurz und kam mit weiteren Handschellen zurück. "Meinst Du, das ist nötig?" Bettina stand mit einem betroffenen Gesicht etwas abseits. Sie hatte ganz gerötete Augen. Hatte sie geweint?
"Du weißt, was wir besprochen haben," antwortete Kerstin kurz angebunden, "Du warst doch dabei!"
Wie konnte ich nur so blöd sein und auch nur einen Augenblick daran denken, dass Bettina mich mochte oder sogar liebte? Für sie war ich sicherlich lediglich ein Spielpartner, ein Freak.
Enttäuscht schluckte ich. Viel Zeit hatte ich nicht mehr, darüber nachzudenken. Brutal riss mir Kerstin die Beine auseinander und befestigte meine Füße in dieser Stellung mit den Handschellen an der Sprossenwand - wiederum so fest, dass es schmerzte.
"Was wollt ihr?" fragte ich.

Kerstin verschwand wieder kurz. Sie hatte einen Gummiknüppel in der Hand, als sie zurück kam und grinste.
"Wir wollen ein wenig Spaß", sagte sie "und Dir noch eine Lektion erteilen. Uns führt man nicht hinters Licht. Dein Besuch in der Stillen Post - das war der größte Fehler Deines Lebens!"
"Ihr seid doch krank", entgegnete ich ihr, "alleine schon die Operation in Holland, die war gefährliche Körperverletzung. Ich werde euch alle anzeigen wenn ich hier rauskomme!"
Das hätte ich wohl besser nicht gesagt. Kaum hatte ich das letzte Wort ausgesprochen, da traf mich ein Schlag mit dem Gummiknüppel mit voller Wucht. "Wenn Du jemals hier rauskommst - dann überlege Dir gut, was Du sagtst" sagte Kerstin und schlug noch einmal mit dem Gummknüppel zu.

Dann stellte sie sich hinter mich un zog mir die Sporthose und den Slip nach unten. Sie hielt sich den Gummiknüppel so vor den Unterleib, dass er wie ein riesiger Penis wirkte. "So, nun wollen wir doch mal sehen, ob die Kleine eine echte Kleine ist", sagte sie und wollte sich mit dem Gummiknüppel zwischen die Pobacken zwängen. Ich kniff die Backen zusammen, wie man so schön sagt. Sie drückte heftiger dagegen. "Wir brauchen Gleitflüssigkeit", rief sie zu den anderen, "so wird das nichts". Jemand warf ihr eine kleine Plastikflasche zu und im nächsten Moment fühlte ich auch schon die kalte Flüssigkeit zwischen meinen Pobacken.
Welche Demütigung!
Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken.
"Und nun die Camera!"
Es war tatsächlich Bettina, die in eine Sporttasche griff und kurz darauf eine Digitalcamera in der Hand hielt.
"Wir müssen uns beeilen", sagte Kerstin, "unsere Zeit hier ist bald zuende. Nun mach mal ein paar Fotos - dann können wir die Kleine im Internet anbieten; manche Männer stehen auf so etwas - und wir bekommen die Operationskosten wieder rein. Ich hörte das hohe Sirren der Scharfstellung, dann zuckte ein Blitz durch die Turnhalle. "Mach hinne", rief Kerstin, "wir brauchen verschiedenen Perspektiven. Und zieh ihm das T-Shirt hoch, das man die Titten sehen kann - und den Schwanz natürlich". Als Bettina mir das Shirt hochzog, wollte ich mich abwenden, aber das gelang mir natürlich nicht.

Peinlicher Weise bemerkte ich, dass mein Penis sich zu voller Größe aufstellte, obwohl die Situation mich nun wirklich nicht erregte. "Donnerwetter", sagte Kerstin, das wird den Leuten gefallen, halt mal voll drauf hier!"

Plötzlich ging das Licht aus. Das geschah hier jeden Abend um halb 10. Ich konnte mich noch gut an einen Elternabend erinnern, an dem ich als Gast teilgenommen hatte. Es ging um Haftpflichtversicherungen und Schulveranstaltungen - und ich sollte ein Referat halten, was mir auch sehr überzeugend gelang. Auch da ging um halb 10 das Licht aus. Wir mussten dann recht schnell das Schulgebäude verlassen. Zwar konnte man das Licht für kurze Zeit noch einmal einschalten, aber wir mussten das Gebäude fast fluchtartig verlassen, weil die automatische Alarmanlage 10 Minuten später aktiviert gewesen wäre. Die Lehrerin verabschiedete sich damals recht überstürzt von den Eltern und mir.

An das alles musste ich denken. "Mädels, wir haben wieder überzogen", sagte Kerstin, "packt eure Sachen - sonst kommt der böse Hausmeister!"
Ich erwartete, dass sie mich nun losschließen würden, aber ich hatte mich getäuscht. "Du kannst noch etwas hierbleiben", sagten sie zu mir, "und falls Du einen Dummen findest - hier sind die Schlüssel für die Handschellen". Ich hörte, wie jemand etwas auf die Fensterbank warf.
"Komm ja nicht auf die Idee, uns mit dem Abend hier in Verbindung zu bringen", sagte Kerstin zum Abschied, "wir sind gerade offiziell bei einer befreundeten Sportgruppe in der Nachbarstadt, die sich bestimmt über die Fotos freuen wird.
Und: ein Ton von Dir - dann werden die Fotos überall verbreitet. Wegen der anderen Angelegenheit melden wir uns noch einmal, wenn Angebote vorliegen".

Dann war ich allein. Es dauerte nicht lange, da hörte ich das Schließen der Relais von der Alarmanlage. An einem der Fenster blinkte eine rote Leuchtdiode. Was hatte das zu bedeuten?

Bald darauf wurde weiter hinten eine Tür aufgerissen und ich konnte hören, wie jemand schimpfend und fluchend näher kam. "Die Lehrer sind zu dumm, die Fenster zu schließen - und der Hausmeister muss wieder alles richten".
Seine Aussprache war nicht mehr besonders klar und sein Gang schwankend. Dann stimmten die Gerüchte wohl, dass er sehr dem Alkohol zugeneigt war, nachdem seine Frau ihn verlassen hatte.

Mit seiner Taschenlampe leuchtete er mir ins Gesicht. Dann ging er an den Schaltkasten und drückte einige Tasten. Ein mehrfaches "Pling" ertönte - und flackernd gingen nacheinander die Leuchtstoffröhren an.
Das machte die Situation für mich auch nicht besser.

Der Hausmeister war wohl schon im Bett gewesen. Seinen grauen Kittel hatte er notdürftig über seinen karierten Schlafanzug gezogen - falsch geknöpft. Mißbilligend blickte er auf mich, blieb wie angewurzelt vor mir stehen und fragte: "Wen oder was haben wir denn da?"
Mir wurde bewusst, dass ich immer noch halbnackt hier stand. Er betrachtete meine Brüste. Bald darauf beulte sich seine Hose. Übelkeit stieg in mir hoch.

Ich fasste mir ein Herz und sprach mit fester und lauter Stimme: "Pass mal auf, Mann, es ist nicht wie Du denkst. Es handelt sich um eine Wette. Außerdem bin ich ein guter Freund vom Konrektor hier, Herrn Hansen. Sie holen jetzt die Schlüssel vom Fensterbrett und machen mich los. Morgen komme ich mit einer dezent verpackten Flasche Rum zu Ihnen.
Dann vergessen wir beide den heutigen Abend. Sie vergessen mich - und ich vergesse, dass sie angetrunken ihren Abenddienst verrichtet haben".
Er murmelte etwas in seinen nicht vorhandenen Bart, dann schlurfte er tatsächlich zum Fensterbrett und holte die Schlüssel.
Er schien noch etwas zu überlegen, aber wahrscheinlich war das, was er gesehen hatte, für seinen umnebelten Geist nicht mehr nachzuvollziehen:

"Ich sollte die Polizei rufen", grummelte er, doch dann schloss er mir doch die Handschellen auf. Er brauchte einige Versuche dazu und stocherte immer wieder mit dem Schlüssel im Schloss.
Meine Arme und Beine schmerzten, aber ich konnte sie wieder frei bewegen. Schnell zog ich die Hose hoch und ordnete mein Top.
"Mein Dank ist Ihnen sicher", sagte ich zum Abschied. "Vergessen Sie lieber nicht die Flasche Rum", meinte er, "ich kenne Sie von irgenwoher...".
"Ist gut, Mann, morgen bin ich bei Ihnen" - und schnell war ich draußen.
Wie gut, dass ich meinen Autoschlüssel im Schuh verborgen hatte.

Mein Auto hatte keiner sabotiert. Sicherlich hatte die Frauen nicht damit gerechnet, dass ich so schnell wieder freikommen würde. Meine Schulter und meine Arme schmerzten immer noch. Bei jeder Lenkbewegung wurde ich schmerzhaft daran erinnert, dass ich so lange in der unnatürlichen Stellung aushalten musste.

Ich fuhr in meine Wohnung. Die Schlösser hatte ich auswechseln lassen. Dort war ich bestimmt sicher. Bettina wollte ich nicht mehr sehen.

Mein Anrufbeantworter zeigte mir, dass mehrere Leute angerufen hatten. Es waren belanglose Kundenfragen - und ein Anruf von Brigitte.
Sie sagte, dass es ihr leid tun würde, dass wir uns aus den Augen verloren hatten. Ich sollte mich unbedingt bei ihr melden und sofort anrufen, selbst wenn es mitten in der Nacht wäre.
Das war genau das Richtige für mich: mit jemandem sprechen, der nichts mit der Gruppe zu tun hatte.
Schon nach dem zweiten Klingelton hob Brigitte ab, als hätte sie auf meinen späten Anruf gewartet. Obwohl unser letzter Abschied nicht so gut gelaufen war, fühlte ich eine Vertrautheit, die mich wunderte. Wir erzählten uns in Bruchstücken, was jeder erlebt hatte. Sie war vollkommen entsetzt, als sie von meinen Erlebnissen hörte. Das mit den Brüsten faszinierte sie allerdings und sie fragte mich, ob wir uns nicht treffen könnten.
Auf meine leere Wohnung hatte ich sowieso keine Lust. So setzte ich mich ins Auto und fuhr zu Brigitte - mit gemischten Gefühlen.

Es war mitten in der Nacht, als ich mein Auto endlich auf einem Parkplatz vor Brigittes Haus abstellte. Oben war noch Licht. Brigitte hatte mich wohl schon gehört oder gesehen; denn sie kam nach unten, um die Haustüre aufzuschließen, die nachts immer extra verschlossen wird.
Sie trug einen abgewetzten, rosa Bademantel und Schlappen, die auch schon bessere Tage gesehen hatten. "Sei bitte ruhig im Treppenhaus", sagte sie zur Begrüßeung, "wir wollen die Nachbarn nicht aufwecken".
Oben geleitete sie mich gleich in die Küche. Auf dem Tisch standen eine angebrochene Weinflasche und zwei Gläser - beide benutzt. Sie holte mir ein frisches Glas und machte eine einladende Handbewegung: "erzähl mal!"
Ich wusste nicht recht, wo ich anfangen sollte, erzählte aber alles, was seit unserer Trennung passiert war. Brigitte hörte geduldig zu und unterbrach mich nur manchmal, wenn sie eine Frage hatte oder etwas nicht verstand. Sie schenkte mir immer wieder von dem Wein nach und holte später noch eine zweite Flasche.

Vom vielen Reden wurde meine Zunge ganz lahm. Um eine kurze Pause zu haben, sagte ich: "und Du?, was hast Du erlebt?"
Sie erzählte, dass sie nach einer Auszeit weiterhin bei der Versicherung arbeitete. Sie war sogar noch eine Stufe weiter hochgestiegen, kümmerte sich um den Aufbau neuer Agenturen - oder was inzwischen auch vorkam - um die Weitergabe an Agenturnachfolger; denn der Mitarbeiterstamm war recht alt geworden, sodass schon einige Agenturleiter in Rente gingen.

"Und privat?" fragte ich. Brigitte wurde leicht rot, "ich bin in festen Händen; eine Kollegin aus der Finanzabteilung wohnt hier bei mir und wir lieben uns und verstehen uns gut".
Es fiel mir schwer, meine Enttäuschung zu verbergen, hatte ich doch insgeheim gehofft, bei Brigitte unterzukriechen und ein paar Tage oder sogar länger zu verbringen. Außerdem hatte ich mir ins Bewusstsein zurückgerufen, was wir zusammen im Bett erlebt hatten.

"Anna schläft nebenan", sagte Brigitte abschließend, "ich habe ihr aber gesagt, dass Du kommst".

Ich stellte mich darauf ein, schon sofort wieder zurückfahren zu müssen, aber Brigitte beruhigte mich: "bleib doch ein paar Tage; hier ist auch Platz für drei Leute, und nun möchte ich mal sehen!"
Ihre Offenheit schockierte mich ein wenig, als sie mir an die Brüste fasste. Trotzdem zog ich mein Shirt nach oben, sodass sie meinen gut ausgefüllten BH sehen konnte. Dann zeigte sie auf meinen Unterleib: "und da ist alles geblieben? Besser kannst Du es doch wohl nicht haben. Die Frauen stehen bestimmt Schlange bei Dir?"
Ich verneinte zögerlich - und kam wieder auf die Sache mit Bettina zu sprechen. "Ja, Frauen sind kompliziert und nur in ganz seltenen Fällen zu verstehen", sagte Sie, "Du brauchst noch eine Scheide, dann werden sich auch Männer bei Dir wohl fühlen".

"AUSGESCHLOSSEN", sagte ich, "ich lasse nicht mehr an mir herumschnippeln.

Damit war das Thema erst einmal erledigt. Ich legte mich für ein paar Stunden auf das bequeme Sofa.
Am Morgen konnte ich einen Blick auf Brigittes Freundin werfen - eine unauffällige und zurückhaltende Person. Trotzdem war sie sehr nett. Als sie sich zur Arbeit fertig machte, sagte sie: "Ich muss nun los, aber wir sehen uns bestimmt nachher, wenn ich zurück komme".

Was sollte ich mit dem angebrochenen Tag anfangen? Nach einem kurzen Frühstück ging ich in die Stadt in die Fußgängerzone. Ich trieb mich in verschiedenen kaufhäusern und Cafés herum. Immer wieder klingelte mein Handy; an der angezeigten Nummer sah ich, dass es Bettina war, die anrief. Ich war aber zu enttäuscht, um mit ihr zu sprechen.

Als ich abends wieder bei Brigitte in der Wohnung auftauchte, warteten die beiden Frauen schon auf mich. Sie hatten den Tisch gedeckt, aber nicht für drei Leute, sondern für 4. Mir schwante Böses und ich wollte die Wohnung sofort wieder verlassen. "Nun warte doch erst einmal und höre mich zu", sagte Brigitte, "es ist nicht so wie Du denkst!"
"Wie soll es schon sein?" ich mochte den hysterischen Klang meiner Stimme selbst nicht. Die letzen Tage hatten mir sehr zugesetzt, mir fehlte die Kraft, einfach zu gehen. So setzte ich mich doch auf den Stuhl, ergriff die Weinflasche und schenkte mir ungefragt ein Glas ein. Brigitte nickte jedoch zustimmend.
"Bettina wird gleich kommen", sagte Brigitte, "und nun bleibe ganz ruhig".
Ich nahm einen großen Schluck aus dem Weinglas und sank in mich zusammen. Was sollte jetzt noch kommen.
Ein leiser Verdacht stieg in mir auf. Die Frauen hatten sich doch wohl hoffentlich nicht gegen mich verbündet? Wenn ich es recht überlegte, so war ich ihnen schutzlos ausgeliefert. Andererseits hatte ich gerade zu Brigitte ein besonderes Vertrauensverhältnis. Die Gedanken tobten in meinem Kopf. War ich nicht gerade in übelster Weise von Bettina enttäuscht worden - so wie ich es nie für möglich gehalten hatte?

Die Minuten vergingen. Tick, tick, tack - die große Standuhr im Wohnzimmer meißelte deutlich jede einzelne Sekunde in mein zeitliches Beswusstsein.
Meine Gedanken gingen auch im Kreis - wie die Zeiger der Uhr. Ich dachte noch einmal über alles nach. Was hatte ich verloren - und was hatte ich gewonnen? Der Verlust wog schwerer - das Gefühl, ausgeliefert zu sein als Opfer einer Erpressung, die vermutlich nie wieder aufhören würde. Was ich gewonnen hatte verblasste etwas, aber was recht schwer in einem schwarzen BH lag, das empfand ich inzwischen als Gewinn. Aber ich konnte mich über das schöne Gefühl nicht freuen mit der drohenden Erpressung im Hintergrund.
Da leuchtete auf einmal hell ein Gedanke in mein Gedanken. Nebel: ich brauchte einen Neuanfang, eine neue Agentur - und zwar dort, wo mich keiner kannte. Das sagte ich Brigitte. "Daran habe ich auch gedacht", antwortete sie.
Dann klingelte es. Am liebsten hätte ich mich versteckt. Brigitte ging hinaus, um Bettina hinein zu lassen.
Die beiden Frauen tuschelten im Flur. Ich bekam nur Wortfetzen mit.
Ein weiterer Schluck aus dem Weinglas beruhigte mich etwas. Anna sah mich freundlich an und meinte etwas hilflos: "wird schon nicht so schlimm werden". Ich seufzte.
Noch ein Schluck aus dem Weinglas, Anna hatte inzwischen nachgeschenkt und auch selbst ein Glas getrunken.
Ein Gefühl der Gleichgültigkeit stellte sich bei mir ein.
Brigitte und Bettina kamen ins Zimmer. Bettina sah verheult aus. Sie kam auf mich zu. Ich nahm eine abwehrende Haltung ein: "bleib bloß, wo Du bist", sagte ich. Sie ließ sich in den Sessel fallen. Brigitte musste eine neue Flasche Wein holen, denn die andere war schon geleert. Gleich hielt ich wieder mein Glas hin. "Erst der Besuch", meinte Brigitte und schenkte ein Glas für Bettina ein.

Bettina liefen die Tränen und sie konnte kaum sprechen, sie hielt mir die Speicherkarte der Digitalkamera entgegen und stammelte: "ich habe die Speicherkarten getauscht, die Frauen aus der Gruppe haben eine Speicherkarte aus einer anderen Kamera bekommen; ich konnte sie in dem Durcheinander, als das Licht ausging, tauschen.

"Und warum hast Du mitgemacht?" Fragend schaute ich sie an. "Ich wusste, dass wir die Epresser nicht loswerden, wenn wir sie nicht mit eigenen Mitteln schlagen", entgegente sie.
"Lass mal sehen, was auf der Karte ist", rief Brigitte. Sie kam mit ihrem Laptop und schob die Speicherkarte in den dafür vorgesehenen Schacht. Gleich darauf öffnete sich ein Programm, mit dem man Bilder ansehen und sortieren konnte.
Ich errötete leicht, als die ersten Bilder im Vollformat zu sehen waren. Es war tatsächlich sehr demütigend.
Die Bilder waren trotz der schlechten Lichtverhältnisse scharf und sehr detailliert. Man konnte nicht nur mich recht deutlich sehen, sondern auch die übrigen Beteiligten. Es fehlte natürlich der "Kameramann".

"Ich habe eine Idee", meinte Brigitte, "lass mich mal machen". Die Speicherkarte wollte sie behalten, obwohl ich sie gleich vernichten wollte.
Wir hatten dann noch einen schönen Abend. Bettina blieb bei uns und hatte auch noch den ganzen nächsten Tag Zeit. Sie hatte ein wenig Angst vor der Rückkehr, wusste sie doch nicht, wie die anderen Frauen der Gruppe darauf reagieren würden, wenn sie den Tausch der Speicherkarte bemerken würden.

An nächsten Morgen war Brigitte schon sehr früh unterwegs. Wir sollten sie mittags in einem Café treffen, dort wollte sie uns "Neuigkeiten" übermitteln.
Sie verspätete sich etwas, sodass wir schon zwei Tassen Kaffe getrunken hatten, als sie endlich kam. Eigentlich musste ich auf die Toilette, aber sie war so aufgeregt, dass ich ihren Redefluss nicht unterbrechen wollte.
Sie hielt uns ein Schriftstück entgegen: "Das ist eure Versicherung", sagte sie, "die Frauen der Gruppe werden euch von nun an in Ruhe lassen!"
Ich überflog den Inhalt des Schriftstückes. Was ich nicht ganz verstand, erklärte mich Brigitte. Sie hatte die Fotos ausdrucken lassen und einem Notar gegeben, den sie von einem Grundstücksgeschäft gut kannte. Der Notar wollte die Fotos - gegen Gebühr - verwalten. Das sollte den Frauen der Gruppe mitgeteilt werden, die auf den Fotos mehr als deutlich zu sehen waren.
"Erpressung?" fragte ich. "Nein", entgegnete Brigitte, "keine Erpressung! Die Frauen werden lediglich gegen eine sehr kleine Gebühr jedes Jahr daran erinnert, dass es die Fotos gibt und dass sie sicher verwahrt sind, so lange die lächerlich kleine Verwaltungsgebühr bezahlt wird und sie sich ruhig verhalten".

"Gut" sagte ich, dieser Punkt wäre erledigt, "ich möchte aber nicht mehr in dem Ort des Schreckens wohnen, hast Du eine andere Agentur für mich?" Brigitte lächelte und meinte: "ja, hier ganz in der Nähe wird in einem halben Jahr eine größere Agentur frei. bis dahin kannst Du mit dem bisherigen Inhaber zusammen arbeiten und den Bestand kennenlernen, wäre das etwas für dich?"
Ich nickte dankbar und zustimmend. "Was soll ich ihm sagen", fragte sie, "wer Du bist - und Mann oder Frau?"
"Das ist die Schwierigkeit", fiel mir ein," Frau kann ich offiziell nicht sein mit meinem männlichen Vornamen - und einen anderen Namen kann ich nicht nehmen, sonst wären alle Verträge ungültig, die ich hoffentlich in großer Zahl unterschreibe!"
"Dann lässt Du sie dir wieder abnehmen?" Dabei fasste sie mir ganz ungeniert an die linke Brust. "Nein", sagte ich, "die bleiben".
"Ich würde auch gern bleiben". Bettina brachte sich ins Gespräch. "Gute Idee", meinte Brigitte dazu, "die Agentur ist recht groß, da ist Arbeit für beide".

Es entwickelte sich gut mit dem Inhaber der Agentur, die ich übernehmen sollte. Er war in Gedanken schon halb in Rente und stellte nicht viele Fragen. Er war sehr kooperativ und half mir, den großen Bestand kennen zu lernen. Mit den Kunden kam ich gut zurecht. Einige guckten zuerst etwas, wenn sie eine Frau vor sich hatten, die sich mit einem männlichen Vornamen vorstellte, aber durch eine gute Beratung, die sie von dem bisherigen Agenturinhaber seit Jahren schon nicht mehr gewohnt waren, konnte ich schnell Punkte sammeln.
Auch mit Bettina lief es gut. Von den Frauen der Gruppe haben wir nie mehr etwas gehört.

Die Angelegenheit mit dem Notar war selbstverwaltend.
Als ich ihn mal zufällig traf, erzählte er mir, dass die Zahlungen jedes Jahr pünktlich geleistet wurden.

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