Warum ein Crossdresser-Forum, warum Infoseiten über Crossdressing - diese Seiten über Männer in Frauenkleidung?
Mit Nagellack fing es an...
Crossdressing - vor einiger Zeit war das für mich noch kein wichtiges Thema. Halt, was ist eigentlich Crossdressing? Wo liegen vielleicht Wurzeln, wo beginnen die Anfänge?Im Internet gibt es viele Definitionen, viele Seiten und viele Erklärungen. Die Schwierigkeit ist, damit umzugehen ohne sich mit Informationen zu überfüttern, sodass der eigene Weg verschüttet oder in Bahnen gelenkt wird, die einen in Richtungen bringen, in die man nie gehen wollte.
Ich hatte schon ganz frührer ein Faible für weibliche Kleidung - und obwohl ich in der Hippiezeit groß geworden bin, war die Freiheit des Einzelnen und des nahe Stehenden nicht so leicht durchzusetzen, wie es bei entfernteren Leuten und /oder Künstlern ist. So blieb es bei "Kleinigkeiten", die bald durch andere Wichtigkeiten verwässert wurden: Ausbildung, Heirat, Kinder, Umzüge usw.
Ich habe zwar einen Beruf ergriffen, der überwiegend von Frauen ausgeübt wird und ich habe viele Jahre (fast) nur mit Frauen zusammen gearbeitet und fühlte mich meistens "dazugehörig", wurde ich doch in fast alle Frauenfragen einbezogen, aber rein äußerlich war mir das nicht anzusehen.
... bis ich vor einigen Jahren entdeckte, dass es mir Spaß macht, die Fuß- und Fingernägel zu lackieren. Mit den Fingern begann ich - und das auch nur zaghaft, zuerst nur ein oder zwei Finger, um nötigenfalls meine Tat verbergen zu können. Das wurde dann aber doch meistens entdeckt - und seit ich überwiegend im Home-Office arbeite, kann ich mich geben, so wie ich es möchte.
Das bedeutet dann auch, dass ich fast immer lackierte Finger- und Fußnägel habe. Da ich sommers wie winters in Sandalen unterwegs bin, wird das auch von der Öffentlichkeit wahrgenommen, aber selten kommentiert; abfällige Bemerkungen habe ich fast noch nie gehört, und wenn, dann von ungepflegten Männern in Jogginghosen - mit einer Billigflasche Bier in der Hand. Und da ich, wenn es sein muss, auch fest mit anpacken kann, habe ich z.B. in der Nachbarschaft auch noch nie ungute Äußerungen hinnehmen müssen. Natürlich wird über jeden geredet, der gerade nicht da ist, also sicherlich auch über mich ;-)
Crossdressing hat mich - abgesehen von den lackierten Nägeln - bis vor eineinhalb Jahren nur am Rande interessiert. Zwar mochte ich schöne Unterwäsche, Strümpfe und Strumpfhosen an meiner Frau und wünschte mir, sie hätte sich öfter extra nach meinen Wünschen angezogen, aber schließlich ist sie keine Anziehpuppe. Auf die Idee, mich selbst mit so schönen Sachen zu verwöhnen, bin ich leider erst spät gekommen. Natürlich habe ich zuerst den doch so hohen Nutzwert, z.B. von Feinstrickstrumpfhosen im Winter auf dem Motorrad vorgeschoben, aber schon nach dem ersten Tragen zugegeben, dass es mir einfach gefällt. Zu der geliehenen/geschenkten - inzwischen wieder zurückgeschenkten Strumpfhose kamen viele, die ich mir selbst aussuchte und kaufte.
Schnell entstand bei mir der Wunsch, auch anderes auszuprobieren, z.B. Röcke und Unterwäsche. Das habe ich sofort und offen angesprochen, weder habe ich mir heimlich etwas gekauft, noch heimlich in den Sachen meiner Frau rumgewühlt. Mit dem Kauf und dem Anziehen des ersten Rockes kam der "AHA-Effekt". Ich hätte nie gedacht, wie schön das sein kann. Inzwischen gehe ich gern mit meiner Frau einkaufen und wir beraten uns gegenseitig. Das Interesse an Männerkleidung, das sowieso noch nie besonders ausgebildet war, ist völlig erloschen. Seitdem ich Röcke trage, freue ich mich richtig darauf, mich morgens anzuziehen: nehme ich den Rock- oder den anderen?
Meine Frau trägt es mit Fassung - den gemeinsamen Einkauf sogar mit Begeisterung. Auch die Kinder haben selbst auf intensives Befragen keine Einwände gehabt oder negative Gefühle geäußert. Es war mir sehr wichtig, mich nicht heimlich so anzuziehen und dann von einem zufällig früher von der Schule zurückkommenden Kind "entdeckt" zu werden.
Meine intensive Wandlung wundert mich ein wenig. Es hätte bestimmt schon früher passieren können, waren doch einige Einflüsse wie z.B. Beruf schon da.
Was mich noch mehr wundert, ist meine recht krasse Wandlung.
Mein Leben in Rosarot (Originaltitel: Ma vie en rose), ein Spielfilm aus dem Jahr 1997 über das Schicksal des Jungen Ludovic, der viel lieber ein Mädchen wäre, konnte ich verstehen und den fand ich gut und rührend.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mein_Leben_in_Rosarot
Aber "Enthüllung einer Ehe" mit Dominique Horwitz hat mich nicht besonders interessiert, vielleicht hatte ich auch nur einen falschen Einstieg, denn der Film ist sehr gut gemacht.
Wenn im berliner Regionalprogramm etwas über Charlotte von Mahlsdorf kam, war ich auch desinteressiert, habe vielleicht sogar auf einen anderen Kanal geschaltet.
Nun habe mir jedoch das Buch "Ich bin meine eigene Frau" besorgt und mit großem Interesse gelesen. Mein Empfinden hat sich geändert; ich bin erst durch mein eigenes Ausprobieren darauf aunmerksam geworden, wieviele Menschen es gibt, die unter dem Oberbegriff "Transgender" eine andere Seite haben.
Bei vielen kam und kommt es zu seelischen Notlagen, sei es, dass sie sich verstecken müssen - oder aber gemobbt werden, ganz zu schweigen von denen, die darunter leiden, im falschen Körper zu stecken.
Um jetzt noch einmal zurückzukommen: das Forum soll dem Austausch dienen und die unterschiedlichsten Lebensbilder zeigen, denn DEN WEG wird es nicht geben. Interessant wäre für mich besonders, wie Angehörige und andere Beteiligte zu diesem Thema stehen.
Es soll nicht bei diesen Seiten bleiben. Ich strebe an, ein größeres Informationsangebot zu sammeln. Später soll der Bereich "Beratung - und Selbsthilfe" hinzukommen.
... und vielleicht mal ein Stammtisch oder ein Treffen.