Inga hat geschrieben:Hallo, Änne-Mette,
zum einem ist es immer eine Sache, wie groß die untersuchten Gruppen tatsächlich waren, ob die Bewertungskatalog überhaupt so stimmt, und ob und inwieweit die gezogenen Aussagen statistisch gesehen zur Verallgemeinerung oder wenigstens zur Thesenbestätigung zulässig sind.
Ich finde den Satz in den Erklärungen gegen Ende interessant: "Kinder und Heranwachsende mit autistischen Störungen sind sich der gesellschaftlichen Missbilligung der Geschlechtsvarianz wahrscheinlich weniger stark bewusst, sie unterdrücken solche Neigungen seltener." Anders ausgedrückt, nicht-autistische und nicht -ADHS-Kinder unterdrücken aus Rüksicht auf die wahrgenommene Lebenswelt die Neigungen eher, um nicht aufzufallen, bewahren es womöglich jahrelang als Geheimnis, und gelten deswegen automatisch als nicht-transident. Da kommt vielleicht noch einiges später im Erwachsenealter - wie bei sovielen von uns hier.
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Liebe Grüße
Inga
Das deckt sich möglicherweise auch mit den rein physiologischen Erkenntnissen (entscheide selber): Was wirklich konkret feststellbar bei Autisten ist, dass ihre Spiegelneuronen nicht in dem Umfang funktioniren, wie man es sonst bei anderen Menschen kennt. Das sind also einfach erzählt die Hirnverbindungen, die einsetzen, wenn der Nachahmungsdrang einsetzt - den ja Autisten auch vermindert, oder zumindest in ganz anderer Form besitzen.
Das heißt in Praxis: Wenn ein "Primat" - Mensch oder bzw. einer der anderen schlauen Affen - irgend eine Handlung ausführt, z.B. eine Banane isst oder Wasser trinkt, kann man kann man bestimmte Muster in der Hirnaktivität elektronisch erkennen. Wenn er einen anderen bei derselben Handlung beobachtet, entsteht dieselbe Hirnaktivität als würde der Primat selber die Handlung ausführen. Dies gilt auch Artübergreifend. Weil die Gehirnaktivität sich sozusagen in dem Anderen spiegelt: Spiegelneuronen. Wir sehen das auch wenn zwei Menschen wirklich gut - auf allen Levels - kommunizieren. Nicht nur sind die beide völlig in einem Gespräch vertieft. In der Körperposition "spiegeln" sie sich auch gegenseitig. Ähnliche Körperposition, Gestik, einer trinkt aus seiner Tasse, gleich danach tut der andere auch usw. Wer das noch nicht bemerkt hat, wird vielleicht jetzt darauf aufmerksam.
Viel von dem, was wir lernen, sei es intellektuelle oder praktische Dinge oder auch kulturell bedingte "Kommunikationsmittel", als Sprache oder Körpersprache (einiges ist schon von Geburt an einprogrammiert, aber nicht alles), lernen wir durch Nachahmung. Es ist denkbar, dass die Spiegelneuronen damit zu tun haben. Zumindest werden die dadurch aktiviert. Dann hat man nicht zuviel gesagt. Autisten sind da anders. Mindestens das macht sie zu Autisten.
Meine persönliche Meinung: Warum sollten autistisch veranlagte Menschen sich dann sich um (manchmal unterschwellige) Ablehnen oder nicht-Ablehnen eines Verhaltensmusters durch andere Menschen? Wäre irgendwie unlogisch. So nach dem Prinzip: Ich lebe z.T. in meiner eigenen Welt. Ich ahme nicht annhähernd so viel von Mama, Papa, Geschwistern nach wie andere Kinder, aber ooohhhh Gott, die könnten ja negativ auf mein abweichendes Gender-Verhalten reagieren!!!! Wäre das etwa logisch? Ich finde nicht.
Die These, dass autistische Menschen ein normabweichendes Gender-Verhalten eher NICHT unterdrücken, halte ich für sehr wahrscheinlich. Deshalb werden die auch in der Statistik höher repräsentiert sein.
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Und übrigens - falls ich es nicht schön erwähnt habe: Den "Psychologe" - wenn es wirklich einer war, der behauptet, mit einigen wenigen Hypnose-Sitzungen ein seiner Ansicht nach krankhaftes Gender-Verhalten verändern zu konnen, halte ich für komplett unseriös. Ich kenne keinen qualifizierten Hypnotiseur, der so einen Quatsch behaupten würde. Wir können viel an Veränderungen mit Hypnose, NLP-Formaten u.v.m. erreichen. Das sind super gute und starke Werkzeuge. Aber auch nur dann, wenn die angestrebte Veränderung für den Klienten wirklich einen Sinn macht.