Zusammenhang Transsexualität und ADHS oder Autismus
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Anne-Mette
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Zusammenhang Transsexualität und ADHS oder Autismus

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt auf diesen Artikel hinweisen soll. Die vollständige Überschrift lautet:

"Besteht ein Zusammenhang zwischen einer gestörten Geschlechtsidentität und ADHS oder Autismus?" (allein schon "gestörte Geschlechtsidentität")

Als ich unsere flensburger Gruppe auf einer Veranstaltung im Fördepark vertrat, kam ein Psychologe an meinen Stand und wagte sich an die These, dass Transsexualität etwas mit "Borderline" zu tun hätte und ich in einer (oder wenigen) Sitzung(en) durch Hypnose von meinem Problem geheilt werden könnte.
Ich bin jedoch recht skeptisch, was einerseits solche Forschungsergebnisse - und andererseits die "Heilung" angeht (smili)

Ebenso skeptisch bin ich bei den angeblichen Ergebnissen, die in dem verlinkten Artikel veröffentlicht werden.
Gleichzeitig frage ich mich dabei auch: "Was war eher da - die Henne - oder das Ei?"

http://www.mrn-news.de/2014/03/13/heide ... us-121259/

Gruß
Anne-Mette
Inga
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Re: Zusammenhang Transsexualität und ADHS oder Autismus

Post 2 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Änne-Mette,

zum einem ist es immer eine Sache, wie groß die untersuchten Gruppen tatsächlich waren, ob die Bewertungskatalog überhaupt so stimmt, und ob und inwieweit die gezogenen Aussagen statistisch gesehen zur Verallgemeinerung oder wenigstens zur Thesenbestätigung zulässig sind.

Ich finde den Satz in den Erklärungen gegen Ende interessant: "Kinder und Heranwachsende mit autistischen Störungen sind sich der gesellschaftlichen Missbilligung der Geschlechtsvarianz wahrscheinlich weniger stark bewusst, sie unterdrücken solche Neigungen seltener." Anders ausgedrückt, nicht-autistische und nicht -ADHS-Kinder unterdrücken aus Rüksicht auf die wahrgenommene Lebenswelt die Neigungen eher, um nicht aufzufallen, bewahren es womöglich jahrelang als Geheimnis, und gelten deswegen automatisch als nicht-transident. Da kommt vielleicht noch einiges später im Erwachsenealter - wie bei sovielen von uns hier.

In dem Artikel kann ich übrigens nicht erkenne, ob da etwas an der Transidendität heilbar sein soll.

zum meinem halte ich die Geschlechtsidendität und somit auch das Mass an Transidendität für einen Zustand, Merkmal, Eigenschaft, nicht für eine Krankheit. So ähnlich wie die Hautfarbe. Die ist auch so, wie sie ist. Da hilft nichts, auch nicht Hypnose.

Liebe Grüße
Inga
Anne-Mette
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Re: Zusammenhang Transsexualität und ADHS oder Autismus

Post 3 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
In dem Artikel kann ich übrigens nicht erkenne, ob da etwas an der Transidendität heilbar sein soll.
Nein, dann habe ich mich unklar ausgedrückt; das sagte mir der Psychologe, der mich an meinem Stand besuchte.
Ich wollte damit untermauern, dass ich Ankündigungen von "Forschungsergebnissen" und auch "Heilung" sehr skeptisch sehe.

Gruß
Anne-Mette
Anke
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Re: Zusammenhang Transsexualität und ADHS oder Autismus

Post 4 im Thema

Beitrag von Anke »

Inga hat geschrieben:
Ich finde den Satz in den Erklärungen gegen Ende interessant: "Kinder und Heranwachsende mit autistischen Störungen sind sich der gesellschaftlichen Missbilligung der Geschlechtsvarianz wahrscheinlich weniger stark bewusst, sie unterdrücken solche Neigungen seltener." Anders ausgedrückt, nicht-autistische und nicht -ADHS-Kinder unterdrücken aus Rüksicht auf die wahrgenommene Lebenswelt die Neigungen eher, um nicht aufzufallen, bewahren es womöglich jahrelang als Geheimnis, und gelten deswegen automatisch als nicht-transident. Da kommt vielleicht noch einiges später im Erwachsenealter - wie bei sovielen von uns hier.
Hallo,

mir geht es genauso, das ist für mich der interessanteste Teil. Denn wenn das so ist, dann ist es um so wichtiger den nicht-autistischen und nicht-ADHS Kindern zu helfen, ihre Transidentität zu erkennen, anzunehmen und zu leben. Also Aufklärung von Eltern und Kindern.

Ich denke da auch an meine eigene Biographie. Diese Aufklärung und Hilfe hätte ich gut gebrauchen können.

Liebe Grüße

Anke
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Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)

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Re: Zusammenhang Transsexualität und ADHS oder Autismus

Post 5 im Thema

Beitrag von Lina »

Inga hat geschrieben:Hallo, Änne-Mette,

zum einem ist es immer eine Sache, wie groß die untersuchten Gruppen tatsächlich waren, ob die Bewertungskatalog überhaupt so stimmt, und ob und inwieweit die gezogenen Aussagen statistisch gesehen zur Verallgemeinerung oder wenigstens zur Thesenbestätigung zulässig sind.

Ich finde den Satz in den Erklärungen gegen Ende interessant: "Kinder und Heranwachsende mit autistischen Störungen sind sich der gesellschaftlichen Missbilligung der Geschlechtsvarianz wahrscheinlich weniger stark bewusst, sie unterdrücken solche Neigungen seltener." Anders ausgedrückt, nicht-autistische und nicht -ADHS-Kinder unterdrücken aus Rüksicht auf die wahrgenommene Lebenswelt die Neigungen eher, um nicht aufzufallen, bewahren es womöglich jahrelang als Geheimnis, und gelten deswegen automatisch als nicht-transident. Da kommt vielleicht noch einiges später im Erwachsenealter - wie bei sovielen von uns hier.
...

Liebe Grüße
Inga

Das deckt sich möglicherweise auch mit den rein physiologischen Erkenntnissen (entscheide selber): Was wirklich konkret feststellbar bei Autisten ist, dass ihre Spiegelneuronen nicht in dem Umfang funktioniren, wie man es sonst bei anderen Menschen kennt. Das sind also einfach erzählt die Hirnverbindungen, die einsetzen, wenn der Nachahmungsdrang einsetzt - den ja Autisten auch vermindert, oder zumindest in ganz anderer Form besitzen.

Das heißt in Praxis: Wenn ein "Primat" - Mensch oder bzw. einer der anderen schlauen Affen - irgend eine Handlung ausführt, z.B. eine Banane isst oder Wasser trinkt, kann man kann man bestimmte Muster in der Hirnaktivität elektronisch erkennen. Wenn er einen anderen bei derselben Handlung beobachtet, entsteht dieselbe Hirnaktivität als würde der Primat selber die Handlung ausführen. Dies gilt auch Artübergreifend. Weil die Gehirnaktivität sich sozusagen in dem Anderen spiegelt: Spiegelneuronen. Wir sehen das auch wenn zwei Menschen wirklich gut - auf allen Levels - kommunizieren. Nicht nur sind die beide völlig in einem Gespräch vertieft. In der Körperposition "spiegeln" sie sich auch gegenseitig. Ähnliche Körperposition, Gestik, einer trinkt aus seiner Tasse, gleich danach tut der andere auch usw. Wer das noch nicht bemerkt hat, wird vielleicht jetzt darauf aufmerksam.

Viel von dem, was wir lernen, sei es intellektuelle oder praktische Dinge oder auch kulturell bedingte "Kommunikationsmittel", als Sprache oder Körpersprache (einiges ist schon von Geburt an einprogrammiert, aber nicht alles), lernen wir durch Nachahmung. Es ist denkbar, dass die Spiegelneuronen damit zu tun haben. Zumindest werden die dadurch aktiviert. Dann hat man nicht zuviel gesagt. Autisten sind da anders. Mindestens das macht sie zu Autisten.

Meine persönliche Meinung: Warum sollten autistisch veranlagte Menschen sich dann sich um (manchmal unterschwellige) Ablehnen oder nicht-Ablehnen eines Verhaltensmusters durch andere Menschen? Wäre irgendwie unlogisch. So nach dem Prinzip: Ich lebe z.T. in meiner eigenen Welt. Ich ahme nicht annhähernd so viel von Mama, Papa, Geschwistern nach wie andere Kinder, aber ooohhhh Gott, die könnten ja negativ auf mein abweichendes Gender-Verhalten reagieren!!!! Wäre das etwa logisch? Ich finde nicht.

Die These, dass autistische Menschen ein normabweichendes Gender-Verhalten eher NICHT unterdrücken, halte ich für sehr wahrscheinlich. Deshalb werden die auch in der Statistik höher repräsentiert sein.

---


Und übrigens - falls ich es nicht schön erwähnt habe: Den "Psychologe" - wenn es wirklich einer war, der behauptet, mit einigen wenigen Hypnose-Sitzungen ein seiner Ansicht nach krankhaftes Gender-Verhalten verändern zu konnen, halte ich für komplett unseriös. Ich kenne keinen qualifizierten Hypnotiseur, der so einen Quatsch behaupten würde. Wir können viel an Veränderungen mit Hypnose, NLP-Formaten u.v.m. erreichen. Das sind super gute und starke Werkzeuge. Aber auch nur dann, wenn die angestrebte Veränderung für den Klienten wirklich einen Sinn macht.
ab08
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Re: Zusammenhang Transsexualität und ADHS oder Autismus

Post 6 im Thema

Beitrag von ab08 »

Lina hat geschrieben:Die These, dass autistische Menschen ein normabweichendes Gender-Verhalten eher NICHT unterdrücken, halte ich für sehr wahrscheinlich. Deshalb werden die auch in der Statistik höher repräsentiert sein.
Das deckt sich mit meinen Eindrücken aus dem Unterricht in der Kinder & Jugendpsychiatrie...
(Bin ich ja seit 2004 auch dort...)

Gruß
Andrea(ab)
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Re: Zusammenhang Transsexualität und ADHS oder Autismus

Post 7 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-28 »

Hallo Anne-Mette

ich vermute da war John Money persönlich bei Dir. Aber von Hypnose hatte er jedenfalls keine Ahnung, man kann keine Person gegen seine eigene Überzeugung zu irgendetwas per Hypnose zwingen.

Im übrigen hat auch der Fall John/Joan des o.g. Herrn gezeigt, dass sich das gefühlte Geschlecht nicht von aussen beeinflussen lässt.

Aber es gibt leider immer noch ein paar ewig gestrige "Freudianer".

Was den erwähnten Artikel anbelang: Es kann durchaus sein, dass ADHS und TS zeitgleich auftreten. Beides sind ja von der breiten Masse abweichende Entwicklungen des Gehirns, die u.a. durch "Lesefehler" der Gene und durch äussere Einflüsse während der Svhwangerschaft hervor gerufen werden können. Auch ist die These, die von Lina erwähnt wurde, nicht von der Hand zu weisen.

Ich würde allerdings nicht so weit gehen und eine direkte Abhängigkeit zwischen TS und ADHC vermuten.
Im übrigen besteht ja auch noch die Frage wer die Studien betrieben hat. Gerade in der Psychologie ist ja sehr vieles eine Interpretationssache. Wo der eine Psych. schon eine Erkrankung sieht, sieht der andere nur eine Vorstufe oder gar ein für diese spezielle Situation normales Verhalten.


LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.
Cybill
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Re: Zusammenhang Transsexualität und ADHS oder Autismus

Post 8 im Thema

Beitrag von Cybill »

Hast Du eine Karte von dem Scharlatan, dann würde ich ihn gerne so lange verhauen, bis er sich einen anderen Job sucht! Schick mir mal eine PN!

So ein Vollidiot!

-Cy
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
Lukretia
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Re: Zusammenhang Transsexualität und ADHS oder Autismus

Post 9 im Thema

Beitrag von Lukretia »

Sehr interessantes Thema, Anne-Mette, das Du da anschneidest.
Bei mir wurde Borderline diagnostiziert. Es besteht bei mir eine große Identitätsunsicherheit, typisch für dieses Störungsbild, das Schwarz und Weiß, Ja und Nein, in einer Person vereint. Ich weiß nicht, wer ich bin und habe meinen Platz im Leben nicht gefunden. Ich weiß auch nicht genau, was ich will. Grundsätzlich halte ich einen Zusammenhang zwischen Borderline und Transsexualität für möglich. Denn Borderline bedeutet Grenzlinie. Und sind wir nicht Wanderer/Wanderinnen hin und her über die Grenzen? Vereinen nicht die meisten von uns schon in ihrem Äußeren beide Seiten der Grenze?
Borderline ist aber eine schwere psychische Erkrankung, knapp unterhalb der Psychose. Es wäre unverantwortlich, jeden Transsexuellen damit in Verbindung zu bringen. Wenn der Psychologe solches meint, liegt er falsch.
Über Autismus und ADHS grüble ich auch bei mir. Ich stelle solche Tendenzen bei mir fest, will jetzt aber nicht näher darauf eingehen. Es ist schon eigenartig, wie sehr mich die angesprochenen Themen Borderline, Transsexualität, Autismus und ADHS (bei Erwachsenen, bitte mal nachgooglen) betreffen.
Den verlinkten Artikel finde ich widersprüchlich. Einerseits sollen autistische Kinder Probleme mit ihrem Geschlecht haben, andererseits sollten sie sich leichter tun, ihr biologisches Geschlecht zu überschreiten. Es gibt Autisten, die kümmert es nicht, was sie tragen. Was die Leute von ihnen denken, ist ihnen egal. Ich weiß aber nicht, ob man dieses Modell auf biologische Männer, die in Frauenkleidung an die Öffentlichkeit gehen, übertragen kann.
Lina
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Re: Zusammenhang Transsexualität und ADHS oder Autismus

Post 10 im Thema

Beitrag von Lina »

@Und sind wir nicht Wanderer/Wanderinnen hin und her über die Grenzen? Vereinen nicht die meisten von uns schon in ihrem Äußeren beide Seiten der Grenze?

Da hast du Recht, aber das gilt eigentlich für alle andere Menschen auch. Vielleicht nicht so auffällig nach draußen betrachtet, ober trotzdem manchmal viel extremer und widersprüchlicher. Und andersrum betrachtet: Warum sollten denn wenger Leute mit Autusmus etc. auch T sein als es in der restlichen Bevölkerung der Fall ist?
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