Hallo Aspie!
Diesen Alltagstest würde ich sofort machen, wenn...
...das auch nur ansatzweise realistisch wäre.
Was ich meine ist, der Alltagstest (eigentlich "Alltagserprobung") soll der Betroffenen einen Eindruck vermitteln, ob sie mit der neuen Geschlechterrolle zurecht kommen wird. Eigentlich eine gute Idee.
Aber wie soll das nun ablaufen? Das hat mir noch niemand richtig erklären können.
Was müßte ich dann unterschiedlich tun, als ich es jetzt schon tue? Ich kenne manche Bio-Frau, die männlicher rumläuft als ich! (Meine Frau zum Beispiel

Ich habe so schon lange Haare und trage sie offen und gefärbt - Check
Seit Jahren Ohrringe (4+3) - Check
Lange Fingernägel, wenn sie nicht gerade brechen - Check
Auch Nagellack (klar) - Check
Auch Rock - Check
Oder müsste ich nun part-tout noch einen drauflegen, obwohl dies nicht notwendigerweise meiner Natur entspräche, nur um gezielt fraulicher zu erscheinen? Das erscheint mir so widersinnig. Ich mache das doch nicht, um ein Klischee zu erfüllen?
Für mich bedeutet weiblich zu sein nicht, 24/7 in Rock und Pumps, FSH und Make-Up rumzulaufen. Und wer dies jetzt von mir verlangen würde, dem würde ich einen Vogel zeigen, da mich zudem die permanente Angst des "Erkanntwerdens" psychisch mehr belasten würde, als mir das "Rollenerlebnis" bringen würde. Denn ganz klar - mein Körper ist nach 42 Jahren Missbrauch männlicher Hormone stark gezeichnet

Oder anders gesagt, es würde alles Positive des Erlebens sofort vergällen und damit das Ergebnis verfälschen?
Wem mal "SCHWUCHTEL !!" hinterher gerufen wurde, dem reicht das einmalige Erlebnis. Ich möchte ja nicht soziale Isolation erleben, sondern Akzeptanz oder zumindest Toleranz.
Aber Du hast insofern Recht, als das das was mich gerade noch hält die konkrete Angst ist, dass man soetwas wie diesen völlig abartigen Alltagstest von mir verlangen würde, bevor ich ein auch nur halbwegs anständiges Passing haben könnte. Und was mir auch noch völlig unklar ist, was man alles wirklich machen *muss* und was nicht. Mein Kurzziel wäre es, zuerst Körper und Seele in Einklang zu bringen. Dinge wie Vornamens- oder Personenstandsänderung interessieren mich, zur Zeit zumindest, nicht. Namen sind Schall und Rauch und eine GaOP, für die die Gutachten der Vornamensänderung meist als Voraussetzung genommen werden, strebe ich akut auch nicht an - ich denke ich könnte auch, jedenfalls zu Anfang, ohne zurecht kommen. Und das Blatt Papier für den Personenstand ist mir gerade völlig egal, da mich bisher auch fast nie jemand danach gefragt hat. Mit gut 42 Jahren sind diese Formalien durch
Zunächst geht es mir ganz egoistisch zunächst nur um mich, meine Persönlichkeit in meinem Körper und das die beiden endlich zueinander finden. Dazu würde ich mir wünschen Bart Epilation (zunächst wohl IPL) und HET - das verändert schon so viel! Das Problem mit Krankenkasse und Kostenübernahme habe ich glücklicherweise nicht, erstens Privatpatient und zweitens könnte ich die beiden Sachen vermutlich ohne Probleme selbst zahlen.
Wenn das dann ein gutes Stück weit ist und ich das entsprechende Selbstbewusstsein und passende Aussehen habe, dann würde ich den nächsten Schritt gehen und es für alle noch offener und sichtbarer leben, als ich es jetzt schon tue, denn dann passt das auch zusammen. Aber nicht vorher, sonst macht man sich ja nur zur Witzfigur und gern genommenes Ziel für Hohn und Spott.
Geht sowas? Mir erscheint das bisher als noch ein eher ungewöhnlicher Weg?
In der lokalen SHG sagte man mir, dann sei mein Leidensdruck noch nicht hoch genug. Ja, mag sein. Doch wie hoch muss er sein, dass ich Diffamierung und andere psychische Schäden dadurch freiwillig in Kauf nehme? Ist das nicht soetwas, wie den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben?
Alles andere kann sich dann ergeben - manches wird vielleicht sogar später nötig, mag sein. Doch ich möchte mich dazu jetzt nicht zwingen lassen - das macht mir offen gestanden gerade Angst und die Entscheidung dazu daher so schwer. Auch weiss ich nicht, was nun der beste nächste Schritt wäre? Und ich finde dazu auch nur wenig Hilfreiches.
Ich dachte schonmal einen Psychologen aufzusuchen, damit der einem hilft - doch da liest man auch nichts Gutes und die in der SHG sagten Ähnliches - die Psychos bestätigen unsereinem wohl bestenfalls, was wir ohnehin schon wissen. Oder aber schlimmer noch, verweigern die Bestätigung und man ist erstmal festgesetzt.
Ohweh. 'Tschuldigung, schon wieder soviel rumgeheult...
Danke für's "zulesen"
Liebe Grüße
nicole