Crossdressing — positive Bedeutung wird unterschätzt
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Lebensplanung, Standorte
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Anne-Mette
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Crossdressing — positive Bedeutung wird unterschätzt

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Crossdresser haben es gut - aber auch nicht so ganz leicht )))(:
Oftmals wird gesagt: "Du bist ja "nur" Crossdresser, Du gehörst nicht richtig "dazu", Du verkleidest Dich ja nur, Du hast ja keinen Leidensdruck wie wir . Wir müssen so viel auf uns nehmen, um endlich im richtigen Körper zu leben; das kann keiner nachempfinden".
Dabei wird vergessen, dass ein Crossdressing schon mal am Anfang einer jeglichen transidentischen Entwicklung steht, lernt doch der/diejenige, mit der Kleidung des anderen Geschlechtes umzugehen, lernt das Einkaufen, lernt etwas über Größen und Formen, sich schminken, Austausch mit anderen — eben alles, was "Biofrauen — und —männer" schon von Kindesbeinen an gelernt haben. Dabei haben es die "Frau zu Mann"- Persönlichkeiten besser, weil die gesellschaftliche Entwicklung sich dahin entwickelt hat, dass Frauen ganz selbstverständlich anziehen können, was sie wollen.
Ja, ich weiß, es geht natürlich nicht (nur) um die Anziehsachen. (smili)
Viele gehen davon aus, dass sie (endlich) glücklich und zufrieden sein werden, wenn sie im richtigen Körper angekommen sind. Dabei wird in den meisten Fällen das Optimum angestrebt, soll möglichst nichts mehr an das Geburtsgeschlecht erinnern. Die Ergebnisse sind in vielen Fällen überzeugend, aber mancher wird sich grämen, dass noch "Schatten der Vergangenheit" zu sehen sind.
Damit einhergehend besteht die Angst, nicht als "richtige Frau/richtiger Mann" akzeptiert zu werden. Da kann es passieren, dass immer weitere Eingriffe als nötig betrachtet werden, um "es" dann wirklich geschafft zu haben.
Dieses Hinterherjagen hinter einem gesellschaftlichen Bild, das nur MANN und FRAU kennt, kann zu einer Lebensaufgabe werden, die die eigentliche Persönlichkeit auffrisst, sodass Betroffene nie in sich selbst und bei sich selbst ankommen.
Crossdressing ist erst einmal eine gute Möglichkeit, eine Variante der eigenen Persönlichkeit auszuprobieren und auszudrücken. Weiterhin werden aktiv auftretende Crossdresser vielleicht einen kleinen Einfluss darauf haben, dass nicht mehr strikt nach MANN und FRAU aufgeteilt wird, sondern ICH einfach nur ICH bin, ganz egal, was in meinem Ausweis steht und wie die Verpackung aussieht.
Leider haben wir mit einigen Widerständen zu kämpfen; denn viele fühlen sich "bedroht", wenn jemand sich nicht in die gesellschaftlichen Gussformen pressen lassen möchte. Auch Gruppen, die selbst für ihre Anerkennung und z.B. gegen Homophobie kämpfen, weisen uns als ähnlich Betroffene oftmals die Tür, stehen mit verschränkten Armen vor einem und sagen: "Du darfst hier nicht hinein!"
manuela60sl

Re: Crossdressing — positive Bedeutung wird unterschätzt

Post 2 im Thema

Beitrag von manuela60sl »

Ich kann dir nur zustimmen. Das streben nach dem Optimum halte ich immer für gefährlich, man kommt nie an, das Leben ist Veränderung.
Richtig ist da gar nichts, richtig ist was einem selbst hilft oder glücklich macht, ich tue alles für mich, nicht für andere. Und exakt die Erfahrung mache ich oft im Fetischbereich, jeder steht mit einem Fetisch außerhalb der Norm, aber viele mit einem Fetisch grenzen andere aus die ein Stück woanders stehen. Das Fremdwort heißt Toleranz, die Notwendigkeit heißt Rücksicht und Verständnis.
Alisha301

Re: Crossdressing — positive Bedeutung wird unterschätzt

Post 3 im Thema

Beitrag von Alisha301 »

Hallöchen,

da kann auch nur zustimmen.
Ohne Crossdressing hätte ich nie erfahren was ich eigentlich bin.
Das ich heute schon fast ein Jahr als Frau lebe ist eine Folge des Crossdressings.
Für mich war der Druck des CD's aber viel zu hoch. Der ständige Rollentausch war für mich nicht mehr tragbar. Ich glaube da wäre ich auf die Dauer durchgedreht. Daher bin ich auf die "Frau-variante" umgeschwenkt und - ich fühle mich absolut wohl.
Wie weit jede zum Schluß geht kann nur individuell und im Einzelfall entschieden werden.
Ich denke auch jede TS hat mit CD angefangen.

Ich wünsche allen noch einen schönen Abend

lG Alisha )))(:
Alisha301

Re: Crossdressing — positive Bedeutung wird unterschätzt

Post 4 im Thema

Beitrag von Alisha301 »

Mona Schwindt hat geschrieben: ... Das ist auch das allerschwerste, besonders für die Partner. ...
Hallo Mona,
das glaube ich. Ich habe das "Glück" schon viele Jahre alleine zu leben.
Aber ich habe schon früher viel Online eingekauft da es auf unserem "Acker" außer Aldi und Co nichts weiter gibt.
Das heißt ich habe fast täglich Post bekommen. Ich habe hier glücklicherweise viele Freunde die mich besucht haben, meine Eltern wohnen in der Nähe ...
Ich hatte immer und überall irgendwelche männliche Klamotten rumzuliegen die ich mir dann schnell übergestreift habe wenn es geklingelt hat.
Es war eine schlimme und anstrengende Zeit. Ich war nur noch ein Nervenbündel.
Es gab für mich nur 2 Möglichkeiten:
1. Leben als Mann - ging nicht.
2. Den Weg des Outings zu gehen und als Frau leben. Das war, nach heutiger Sicht, für mich die richtige Entscheidung.

Probleme - gibt es nicht. Es haben sich inzwischen alle in meinem Umfeld daran gewöhnt.
Heute bin ich glücklich und zu frieden.

LG Alisha )))(:
Alisha301

Re: Crossdressing — positive Bedeutung wird unterschätzt

Post 5 im Thema

Beitrag von Alisha301 »

Claudia hat geschrieben: ...Insofern haben es die Crossdresser doch etwas leichter, aber ein Spaziergang ist das auch nicht. Ein Stück des Wegs sollten wir gemeinsam gehen, denn wir haben schon gleiche Strecken zu bewältigen.
Hi Claudia,
für mich war das Crossdessing viel aufreibender. Aber ich denke im Prinzip hast Du Recht.
Es kommt eben imer auf die Situation an. Für viele hier ist CD entspannend - für mich war das der blanke Stress.
LG Alisha )))(:
Anne-Mette
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Re: Crossdressing — positive Bedeutung wird unterschätzt

Post 6 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
und durch Besuche von Veranstaltungen, Treffen und der "Szene" habe ich schon Eindrücke erhalten, wo die Probleme liegen: In der CD-Szene wird ein gänzlich anderes Verhalten dargelegt wie in der T*-Szene!
Während die CD"™ler sehr viel Wert auf möglichst viel Weiblichkeit legen (Rock so kurz als möglich, Heels so hoch wie möglich) und durchaus auch "affektiert" herüberkommen, wird in der T*-Szene viel mehr auf so viel wie möglich "normale" Weiblichkeit Wert gelegt (gilt nicht für TV!) —
Ich denke, dass solche Verallgemeinerungen nicht so gut sind. Es gibt nicht "die CD-Szene" und "die T*-Szene"
Es wäre auch falsch, sich selbst Formen aufzuerlegen, in die man passen sollte. Das bedeutet ja wiederum, dass man immer gucken müsste, ob man dort (noch) hineinpasst und würde wiederum für eine Unfreiheit sorgen.
Natürlich ist es gut, wenn man sich einer Gruppe zugehörig fühlen könnte, wenn man das will )))(:

Gruß
CPG
Anne-Mette
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Re: Crossdressing — positive Bedeutung wird unterschätzt

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

natürlich kannst Du gerne aus der Realität berichten )))(:
Sicherlich ist es bei euch in der großen Stadt ein wenig anders, aber vielfach spielt sich auch ein "CD und/oder ein T*-Leben" überwiegend außerhalb von Szene ab: in der Familie, im Verein, bei der Arbeit, unterwegs, im Chor...

Natürlich gibt es "Szenetreffs" und Lokalitäten, die aus dem einen oder anderen Grund für die eine oder andere Gruppe interessant sein könnte - und für andere so gut wie verboten.
Es ist klar, dass ich da auch in eine falsche Kneipe geraten kann, so wollte ich mal in Moabit in einem J****meistereck einen Kaffee trinken und auf meine damalige Frau warten. Da bin ich lieber ganz schnell und unauffällig verschwunden )))(:
Szenen etablieren eine Subkultur. Es gibt einige, die - ähnlich wie Burschenschaften - ganz strenge Regeln haben.
... aber das hat mit dem wirllichen Leben nicht sooooo viel zu tun.

Gruß
Anne-Mette
Bianca D.
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Re: Crossdressing — positive Bedeutung wird unterschätzt

Post 8 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

Hallöchen,

Da wurde ja mal wieder ein interessantes Thema angestoßen.Aus meiner Erfahrung kann ich dem Satz
dass ein Crossdressing schon mal am Anfang einer jeglichen transidentischen Entwicklung steht,
nur zustimmen.Meine ersten Gehversuche in der Öffentlichkeit,die ersten Klamotten,Schminkübungen,all das konnte ich in der Anfangszeit in Ruhe probieren.Allerdings merkte ich sehr schnell,auch durch dieses Forum,daß es mit gelegentlichem Crossdressen nicht getan war.
Für mich war der Druck des CD's aber viel zu hoch. Der ständige Rollentausch war für mich nicht mehr tragbar.
Diese Aussage kann ich nur unterschreiben.Diese ständige Hin und Her,verbunden mit dem aus tiefstem Innern hervor kommenden Gefühl,daß ich als Frau geboren wurde und dummer weise nicht die passende Hülle erhalten hatte,ließ mich sehr schnell den Entschluß fassen,mein weiteres Leben als Frau zu leben.Ein weiser Entschluß,den ich noch nicht bereut habe.
Wir müssen so viel auf uns nehmen, um endlich im richtigen Körper zu leben; das kann keiner nachempfinden".
Dazu kann ich nur den Satz von Michi zitieren:
Das kann auch keiner nachempfinden — nicht mal ein anderer T*-Mensch!
Als Betroffene weiß ich natürlich,wie es bei mir selbst aussieht,aber selbst bei guten Freundinnen aus dem unserem Stammtisch kann ich es nur erahnen,weil jede/r da völlig individuell reagieren.
Viele gehen davon aus, dass sie (endlich) glücklich und zufrieden sein werden, wenn sie im richtigen Körper angekommen sind. Dabei wird in den meisten Fällen das Optimum angestrebt, soll möglichst nichts mehr an das Geburtsgeschlecht erinnern.
Ja,natürlich,sein persönliches Glück durch diesen steinigen Weg zu finden,wer will das nicht?Und ja,auch ich strebe das Optimum an,aber im Rahmen der Möglichkeiten,die mir die Natur
gibt.Einige Unzulänglichkeiten muß ich eben als nicht mehr veränderbar akzeptieren.Klar,wo ein Wille ist,gibt es auch einen Weg,aber nicht jeder Weg ist mit vernünftigem Einsatz gangbar.
Von daher sehe ich bei mir nicht die Gefahr,mich auf der Jagd nach dem perfekten Frauenbild zu verlieren....Wo gibt es das eigentlich?Doch nur auf den Hochglanzfotos im Playboy.

Gruß Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial
The-Dress0

Re: Crossdressing — positive Bedeutung wird unterschätzt

Post 9 im Thema

Beitrag von The-Dress0 »

Ein sehr schönes Thema mit vielen sehr guten Antworten und Gedanken.

Das Streben nach dem Optimum hat noch keinen glücklich gemacht. Da mus man gar nicht im Bereich CD oder TV gucken, sondern überall: Optimale berufliche Karriere, optimaler finanzieller Zugewinn, optimale sportliche Leistung (wir Deutschen weinen ja, wenn wir nur Vize-Weltmeister sind).

Eine gewisse Gelassenheit und Zufriedenheit muss man lernen. Mein Leben ist nicht perfekt. Ich habe schon viel Geld verloren, habe viele Umwege nehmen müssen. Aber ich liebe mein Leben.

Ich verstehe, dass viele aus der CD / TV / TS Szene fürchten, nicht akzeptiert zu werden. Das ist auch ein Problem, aber in erster Linie in den Köpfen der ewig gestrigen.

Ich war als jugendlicher in der Wave-Gothic Bewegung. Was ich angefeindet wurde. Das ist es eben, was ich nicht kenne, ist doof, falsch, unmoralisch, usw.

Ich wette, jeder, JEDER Mann würde heimlich sofort in ein Kleid schlüpfen, wenn er es könnte. Und die größte Hürde ist bei diesen sicher nicht das Erwischtwerden, sondern die selbst gebaute Barriere im Kopf.

Daher stimme ich dem zu: Crossdressing macht glücklich. Es befreit. Ich darf machen, wonach mir ist. Ich darf leben.

Ich bin so froh, dass ich kein Gefangener selbst auferlegter "Normen" bin.
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