Oftmals wird gesagt: "Du bist ja "nur" Crossdresser, Du gehörst nicht richtig "dazu", Du verkleidest Dich ja nur, Du hast ja keinen Leidensdruck wie wir . Wir müssen so viel auf uns nehmen, um endlich im richtigen Körper zu leben; das kann keiner nachempfinden".
Dabei wird vergessen, dass ein Crossdressing schon mal am Anfang einer jeglichen transidentischen Entwicklung steht, lernt doch der/diejenige, mit der Kleidung des anderen Geschlechtes umzugehen, lernt das Einkaufen, lernt etwas über Größen und Formen, sich schminken, Austausch mit anderen — eben alles, was "Biofrauen — und —männer" schon von Kindesbeinen an gelernt haben. Dabei haben es die "Frau zu Mann"- Persönlichkeiten besser, weil die gesellschaftliche Entwicklung sich dahin entwickelt hat, dass Frauen ganz selbstverständlich anziehen können, was sie wollen.
Ja, ich weiß, es geht natürlich nicht (nur) um die Anziehsachen.
Viele gehen davon aus, dass sie (endlich) glücklich und zufrieden sein werden, wenn sie im richtigen Körper angekommen sind. Dabei wird in den meisten Fällen das Optimum angestrebt, soll möglichst nichts mehr an das Geburtsgeschlecht erinnern. Die Ergebnisse sind in vielen Fällen überzeugend, aber mancher wird sich grämen, dass noch "Schatten der Vergangenheit" zu sehen sind.
Damit einhergehend besteht die Angst, nicht als "richtige Frau/richtiger Mann" akzeptiert zu werden. Da kann es passieren, dass immer weitere Eingriffe als nötig betrachtet werden, um "es" dann wirklich geschafft zu haben.
Dieses Hinterherjagen hinter einem gesellschaftlichen Bild, das nur MANN und FRAU kennt, kann zu einer Lebensaufgabe werden, die die eigentliche Persönlichkeit auffrisst, sodass Betroffene nie in sich selbst und bei sich selbst ankommen.
Crossdressing ist erst einmal eine gute Möglichkeit, eine Variante der eigenen Persönlichkeit auszuprobieren und auszudrücken. Weiterhin werden aktiv auftretende Crossdresser vielleicht einen kleinen Einfluss darauf haben, dass nicht mehr strikt nach MANN und FRAU aufgeteilt wird, sondern ICH einfach nur ICH bin, ganz egal, was in meinem Ausweis steht und wie die Verpackung aussieht.
Leider haben wir mit einigen Widerständen zu kämpfen; denn viele fühlen sich "bedroht", wenn jemand sich nicht in die gesellschaftlichen Gussformen pressen lassen möchte. Auch Gruppen, die selbst für ihre Anerkennung und z.B. gegen Homophobie kämpfen, weisen uns als ähnlich Betroffene oftmals die Tür, stehen mit verschränkten Armen vor einem und sagen: "Du darfst hier nicht hinein!"