„Queer" ist ein politisches Programm.
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zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
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Marlene K.
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"Queer“ ist ein politisches Programm.

Post 1 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Mal wieder ein Artikel von Herrn Feddersen
https://taz.de/Archiv-Suche/!5699453/
Ich fand das Deutliche besser für mich, stimmiger. Was die Leute über unsereins — es gab ja inzwischen ein "uns" — dachten, musste bestätigt werden, um ihnen — es gab auch ein "ihnen" — die Mäuler zu stopfen. Ja, schwul war genau das, was die Leute sich drunter vorstellten.

"Queer" wäre damals als Wort keinesfalls besser gewesen. "Queer" klingt parfümiert, uneigentlich. Sprachbereinigt insofern, als in "queer" etwas verloren geht: das für die meisten heterosexuell orientierten Menschen Faszinierende, Drohende. "Schwul" sind Leute, die die Nazis tausendfach töteten und die das deutsche Tätervolk gern an die Gestapo verpetzte. "Queer" hingegen klingt geschmackvoll, ja, kulturell und programmatisch vom Gossenhaften entfernt.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Marlene K.
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Re: "Queer“ ist ein politisches Programm.

Post 2 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Hier mein Leser*Innenbrief
Liebe TAZler*Innen, lieber Jan,
ich frage mich, wie ein Mensch, der aus seinem ganz persönlichen Leben den Schluss zieht wie die anderen queeren Menschen zu sein haben es sich anmaßen kann als Sprecher von Queer Nations und dem Elberskirchen-Hirschfeldt-Hauses für eben diese Menschen mit nicht ganz so männlichem Habitus wie Du, lieber Jan, ihn für Dich brauchst, zu sprechen.
Bevor Du mir sagst, wie dankbar ich für die Schwulenbewegung seid 1970 sein muss denke daran ich war Teil von ihr.
Ich erinnere mich an die Aktion von um 1990 wo es noch hieß "We Are Family" und die TransFrau mit dem Lederkerl zusammen ging und nicht den heute sehr modischen Versuch der Teilung in richtig, nämlich so wie Du, oder falsch, mit dem Gedanken, dass jede*r die eigene Identität am besten kennt und richtig so ist.
Ich bin wütend über diese Schubladen. Keine*r spricht Dir, lieber Jan, dass Recht ab, Dich nur in der Schublade "ganz schwuler Mann" zu verorten. Lass den Femmes und den Tunten, den Transvestiten und den TransFrauen in Deiner Frauenfeindlichkeit, die Du gerne privat ausleben aber uns nicht übersrülpen darfst, ihren Platz in der schwulen, lesbischen, bisexuellen, trtansidenten und intersexuellen, der queeren Welt.

Marlene Komitsch
Marlene

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Ulrike-Marisa
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Re: "Queer“ ist ein politisches Programm.

Post 3 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...wenn Friedrich der Große von Preußen mit seinem Spruch: jeder soll auf seine Weise glücklich werden; damals noch auf Französisch gesprochen, den heutigen Begriff queer gekannt hätte, dann hätte er womöglich gesagt, Leute lebt queer.
Ich bin queer und mir liegt vieles, was heute noch ist und gamacht, wird queer im Magen. Da gibt es noch viel zu tun.

Grüße, Ulrike-Marisa
Marlene K.
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Re: "Queer“ ist ein politisches Programm.

Post 4 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Mich hätte es überrascht, wenn ich nicht zeitnah in der TAZ eine Antwort auf die Thesen von Herrn Feddersen gefunden hätte:
https://taz.de/Identitaetspolitik-versu ... /!5699582/
...
Identity politics wird zum Kampfbegriff. Die Konservativen behaupten, die Förderung diskriminierter Gruppen werde in deren Bevorzugung umkippen.
...
Linke sahen in Identitätspolitik etwas, das die traditionelle linke Verteilungspolitik verdrängte. Der Fokus auf gender und race und auf Anerkennung ginge zulasten der Kategorie class und von Eigentumsfragen.
Ende der 90er wehrt sich Nancy Fraser, eine hierzulande oft rezipierte linke US-Philosophin, gegen diese "falschen Gegensätze". Fraser argumentiert, dass sich Verteilungspolitik und Anerkennungspolitik nicht ausschließen, und schlägt Teilhabe als verbindenden analytischen Begriff vor.
...
Der Rechtspopulismus konstruiert ein Feindbild "urbaner Elite" — und serviert dieses seiner Zielgruppe. Schaut her, sie studieren, sie verachten die kleinen Leute, und sie reden über Gender. Und diese Taktik findet Widerhall.
...
Wer einer Spaltung entgegenwirken will, wer eine wirkliche Debatte möchte, verzichtet besser auf einen Begriff, der nur dazu in der Lage ist, zu spalten und lächerlich zu machen. Es sei denn, genau das wäre die Intention: ein Feindbild im eigenen Lager zu schaffen. Man packt ein Paket aus Gendersternchen, Quoten- und Repräsentationsforderungen, Antirassismus, Diversityprogrammen und ein paar mehr oder weniger gut gelungenen Witzen über alte weiße Männer. Man klebt das Etikett "Identitätspolitik" drauf und assoziiert alles, was drinsteckt, mit Sprechverboten, mit Begriffen wie Zensur und Diktatur und macht es obendrein für das Ende linker Verteilungspolitik verantwortlich.

Das ist eine Taktik, die — egal ob mit Absicht oder nicht — Kritik am patriarchalen und kolonialen Status quo unsagbar macht, die Menschen verleumdet; die einen Großteil von dem diskreditiert, was heute das Projekt soziale Gerechtigkeit ausmacht. Wozu diese Taktik hingegen nicht taugt: zeitgemäße Klassen- und Verteilungspolitik zu entwerfen.

Ansätze wie Gender-Mainstreaming, kritisches Weißsein oder Queer-Theorie führen zum Nachdenken über Privilegien und zur Frage, wer spricht. Das ist aber nicht dasselbe wie ein Sprechverbot. Das zu behaupten, ist eher Selbstschutz, weil diese Fragen etwas Hässliches offenlegen, das nicht vom individuellen Selbstbild jeder*jedes Einzelnen zu trennen ist. Unbestreitbar gibt es jeweils verdaulichere und radikalere Auslegungen, ob nun von Antirassismus oder von Feminismus, queerer Politik oder Klassenkampf.
...
...und auch Herr Feddersen sieht ja durch andere, sich als queer verstehnde Identitäten schwule und lesbische Sichtbarkeit gefährdet und redet so eine Spaltung herbei. Ich bin schwuler Mann und heterosexuelle Transfrau. Ich kann und will keinen Teil mehr von mir verleugnen. Ich bin queerer Mensch.
Marlene

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Re: "Queer“ ist ein politisches Programm.

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Beitrag von Marlene K. »

Hier mal ein Artikel aus dem Tagesspiegel, der das andere Ende der Diskussion darstellt:
https://www.tagesspiegel.de/themen/repo ... 72892.html
Marlene

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