Mich hätte es überrascht, wenn ich nicht zeitnah in der TAZ eine Antwort auf die Thesen von Herrn Feddersen gefunden hätte:
https://taz.de/Identitaetspolitik-versu ... /!5699582/
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Identity politics wird zum Kampfbegriff. Die Konservativen behaupten, die Förderung diskriminierter Gruppen werde in deren Bevorzugung umkippen.
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Linke sahen in Identitätspolitik etwas, das die traditionelle linke Verteilungspolitik verdrängte. Der Fokus auf gender und race und auf Anerkennung ginge zulasten der Kategorie class und von Eigentumsfragen.
Ende der 90er wehrt sich Nancy Fraser, eine hierzulande oft rezipierte linke US-Philosophin, gegen diese "falschen Gegensätze". Fraser argumentiert, dass sich Verteilungspolitik und Anerkennungspolitik nicht ausschließen, und schlägt Teilhabe als verbindenden analytischen Begriff vor.
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Der Rechtspopulismus konstruiert ein Feindbild "urbaner Elite" — und serviert dieses seiner Zielgruppe. Schaut her, sie studieren, sie verachten die kleinen Leute, und sie reden über Gender. Und diese Taktik findet Widerhall.
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Wer einer Spaltung entgegenwirken will, wer eine wirkliche Debatte möchte, verzichtet besser auf einen Begriff, der nur dazu in der Lage ist, zu spalten und lächerlich zu machen. Es sei denn, genau das wäre die Intention: ein Feindbild im eigenen Lager zu schaffen. Man packt ein Paket aus Gendersternchen, Quoten- und Repräsentationsforderungen, Antirassismus, Diversityprogrammen und ein paar mehr oder weniger gut gelungenen Witzen über alte weiße Männer. Man klebt das Etikett "Identitätspolitik" drauf und assoziiert alles, was drinsteckt, mit Sprechverboten, mit Begriffen wie Zensur und Diktatur und macht es obendrein für das Ende linker Verteilungspolitik verantwortlich.
Das ist eine Taktik, die — egal ob mit Absicht oder nicht — Kritik am patriarchalen und kolonialen Status quo unsagbar macht, die Menschen verleumdet; die einen Großteil von dem diskreditiert, was heute das Projekt soziale Gerechtigkeit ausmacht. Wozu diese Taktik hingegen nicht taugt: zeitgemäße Klassen- und Verteilungspolitik zu entwerfen.
Ansätze wie Gender-Mainstreaming, kritisches Weißsein oder Queer-Theorie führen zum Nachdenken über Privilegien und zur Frage, wer spricht. Das ist aber nicht dasselbe wie ein Sprechverbot. Das zu behaupten, ist eher Selbstschutz, weil diese Fragen etwas Hässliches offenlegen, das nicht vom individuellen Selbstbild jeder*jedes Einzelnen zu trennen ist. Unbestreitbar gibt es jeweils verdaulichere und radikalere Auslegungen, ob nun von Antirassismus oder von Feminismus, queerer Politik oder Klassenkampf.
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...und auch Herr Feddersen sieht ja durch andere, sich als queer verstehnde Identitäten schwule und lesbische Sichtbarkeit gefährdet und redet so eine Spaltung herbei. Ich bin schwuler Mann und heterosexuelle Transfrau. Ich kann und will keinen Teil mehr von mir verleugnen. Ich bin queerer Mensch.