Moinsen
Wenn ein Kind sich geschlechtsuntypisch verhält, wäre das ja eigentlich kein Problem. Das Problem ist, das es in der Regel von anderen (auch Kindern) nicht akzeptiert wird.
Sonst könnte ein Junge genauso auch 2 Jahre lang im Kleid in die Kita gehen und anschließend wieder mit Hosen. Es kann sich ja tatsächlich auch nur um eine Phase handeln. Das ist wirklich schwierig, auch für die Eltern. Weil die wissen ja, das ihr Kind sich dadurch zur Zielscheibe macht.
Durch meine Transsexualität sind wir natürlich sehr aufgeschlossen, was solche Dinge angeht. Nur sind wir da eher die Ausnahme.
Ein Beispiel direkt aus meinem Leben: Unser Großer trägt zu Hause gern mal einen Zopf. Neulich hat er sich morgens vor der Kita einen machen lassen. Abends habe ich ihn dann gefragt, was denn seine Kumpels in der Kita zu dem Zopf gesagt haben, ob sie den auch so cool fanden wie er. Da hat er mir dann erzählt, das er sich den vorher wieder rausgemacht hat, damit die anderen Kinder ihn nicht wieder als Mädchen bezeichnen...

Vor zwei Monaten ist er mal mit lackierten Nägeln zur Kita gegangen, ein Grauton, also eigentlich nicht besonders "weiblich", da wurde er wohl entsprechend eingenordet, sich doch bitte geschlechtsspezifisch zu verhalten... Das hat mich echt traurig gemacht. Ich erwarte ja, das es wegen mir in der Schule vielleicht die eine oder andere Stichelei geben wird, aber das selbst so kleine Kinder schon "verbogen" werden, damit hatte ich so nicht gerechnet.
Ich denke, es gibt mehrere Gründe, die diesen Anstieg in der Statistik erklären. Man kann sich heutzutage z.B. viel besser informieren, was mit einem los ist. Ich war schon weit über 30, als ich das erste Mal über den Begriff "Crossdresser" stolperte. Ich wusste zwar von Transsexuellen, aber die "kannte" ich nur im Zusammenhang mit dem Rotlichtmilieu. Heutzutage gibt es reichlich Informationen, Foren, Beratunsstellen usw. Da kommt einem dann vielleicht auch früher die Erkenntnis, wenn man sich entsprechend informieren kann. Und es gibt eine größere Akzeptanz von Transgendern. Man braucht sich nicht mehr verstecken.
Das sich dann mehr trauen ihren Weg zu sich selbst zu gehen, wundert einen dann nicht mehr...
Als Eltern muss man es glaub ich sehr differenziert betrachten. Will mein Sohn mal ein Kleid tragen, ist er noch lange kein Mädchen. Sagt er aber, das er ein Mädchen ist, ist das was völlig anderes.
Es ist egal ob er dann lieber mit Autos spielt oder mit anderen "Jungssachen", aufgrund dessen würde ich nie auf die Identität schließen. Ich denke, wenn ein Kind erkennt, das es zum anderen Geschlecht gehört wird es das auch so äußern. Und wenn es nur mal ein Kleid tragen will, bedeutet das einfach, das es nur mal ein Kleid tragen will... sonst nix

Das würde ich dann genauso wenig ernst nehmen, wie einen Zopf oder lackierte Nägel.
Sagt er hingegen "Ich bin ein Mädchen" würde ich das natürlich ernst nehmen.
Grüße
die Anja