Nur das Gehirn eines Menschen weiß...
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zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
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Anja
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Nur das Gehirn eines Menschen weiß...

Post 1 im Thema

Beitrag von Anja »

...wer er selbst wirklich ist.

Moinsen (moin)

Weiter unten in dem Artikel gehts dann auch um Transsexualität.
Fand ich ganz interessant.
Vor allem den Ausdruck "genitalzentriertes Weltbild" hab ich so noch nicht gehört, aber finde ich ziemlich passend. Werd ich mir merken.
Ist zwar schon etwas älter, aber trotzdem lesenswert.

Grüße
die Anja
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ExUserIn-2026-01-22
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Re: Nur das Gehirn eines Menschen weiß...

Post 2 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-01-22 »

Hallo Anja,
danke für den Link und den interessanten Artikel - woraus ich hier einmal zitieren möchte:

"Überall, wo wir ein Formular ausfüllen müssen, bekommen wir zum Ankreuzen zwei Möglichkeiten angeboten: männlich oder weiblich.
Denn sie wissen nicht, was von beiden sie ankreuzen sollen. Das sind entweder Menschen...deren äußere Geschlechtsmerkmale nicht mit dem innen gefühlten Geschlecht übereinstimmen (transsexuelle Menschen)."


Als Transe kenne ich dieses "Problem" auch. Vom Körper her bin ich ein Mann, von meinem Erscheinungsbild aber eine Frau - wo soll ich also mein Häkchen machen??? Da ich aber mit meinem männl. Namen eingetragen bin (bsw. Personalausweiß, Adresse,...) setze ich mein Kreuz immer bei "Mann". Manchmal sorgt das aber auch für kuriose Momente, bsw. auf der Post: wenn ich dort meinen männl. Namen auf ein Paket, Brief, etc. setze, (oder ein Paket abhole und meinen Ausweiß zeigen muß) aber offensichtlich als Frau unterwegs bin, kommen schon sehr oft verwirrende Blick der Postangestellten.
Aber überall, wo ich keinen Ausweiß vorzeigen muß gebe ich immer meinen weibl. Namen "Jennifer Behrs" an.

"Auch hier haben wir neue Themen für den Sexualkundeunterricht in der Schule, denn auch unter unseren Kindern gibt es Menschen mit abweichenden Identitäten, die sich selbst finden wollen und Unterstützung, sowie gesellschaftliche Akzeptanz benötigen."

Wir hatten keinen Sexualkundeunterricht in der Schule und somit kann ich von damaligen auf heutige Lehrmethoden keinen Vergleich ziehen. Ich würde es aber sehr interessant finden zu wissen, ob dies bei Kindern wirklich schon ein Thema ist und manche an ihrer Identität zweifeln. Wenn ja, wie zeigt sich das? Wie gehen die Eltern damit um? Oder wird heutzutage viel sensibler mit den Wünschen der Kinder umgegangen, als es vielleicht vor 20/30 Jahren der Fall war?

Jennifer
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Anja
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Re: Nur das Gehirn eines Menschen weiß...

Post 3 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)
Lady Jennifer hat geschrieben: Di 13. Nov 2018, 11:44 Ich würde es aber sehr interessant finden zu wissen, ob dies bei Kindern wirklich schon ein Thema ist und manche an ihrer Identität zweifeln. Wenn ja, wie zeigt sich das? Wie gehen die Eltern damit um?
Hier mal ein Beispiel: Ich bin Sophia!

Was ich mich beim Lesen des Artikels gefragt habe, wo denn auf dem Perso das Geschlecht drauf steht?
Weder auf meinem alten (männlichen), noch auf meinem neuen (weiblichen) im Scheckkartenformat ist das Geschlecht vermerkt.

Grüße
die Anja
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Re: Nur das Gehirn eines Menschen weiß...

Post 4 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-01-22 »

Anja hat geschrieben: Di 13. Nov 2018, 11:59 Hier mal ein Beispiel: Ich bin Sophia!
Danke Anja für den Link!

Ich zitiere wieder aus dem Artikel:

"Sophia ist gerade zehn Jahre alt geworden. Sie sieht aus wie ein Mädchen und fühlt sich als Mädchen. Geboren wurde Sophia aber als Junge. Mit gerade mal vier Jahren beschloss sie, kein Junge mehr zu sein. Sie will nur noch Röcke und Kleider tragen und lässt sich die Haare lang wachsen. Am Anfang dachten ihre Eltern, es sei vielleicht nur eine Phase."
Ich glaube dies ist wohl das schwierigste: ist es wirklich nur eine Phase des Kindes oder fühlt man sich wirklich vom Geschlecht her anders? Als Eltern tut man dies sicher meist als "Phase" ab und denkt sich "...das geht schon wieder vorbei...". Das liegt meist daran, daß Kinder dabei nicht ernst genommen werden.

"Beratungsstellen in Deutschland beobachten seit Anfang 2000 einen starken Anstieg von Kindern und Jugendlichen, die den Konflikt, im "falschen Körper" zu sein, erleben."
Warum ist das plötzlich so??? Fällt dies nur auf, weil heute alles analysiert und katalogisiert wird und es Statistiken dafür gibt? Es muß doch einen Grund dafür geben, daß heutige Kinder so aufwachsen.

"Familien sind mit dieser Situation häufig überfordert. Ein neuer Name, andere Klamotten — das ist meist nur der Anfang. Denn schon früh müssen Entscheidungen getroffen werden, die ein ganzes Leben bestimmen können. "
Ich denke, daß es aber auch sehr von Vorteil sein kann, wenn man von Kind an schon diesen neuen unbekannten Weg gehen kann. Wenn die Eltern es akzeptiert haben, daß es nicht nur bei einer "Kinderphase" bleibt, sondern das Kind entsprechend reagiert, wenn man es falsch oder anders behandelt, dann sollte dringend ein Umdenken der Eltern einsetzen - sicher leichter gesagt als getan. Ist dieser Weg erst einmal eingeschlagen und wird von den Eltern voll unterstützt, dann kann es nichts besseres geben, als in diesen jungen Jahren schon an die neue Situation gebunden zu sein. Man wächst ganz anders auf. Alles was für uns Transen erst in späteren Lebensjahren aktuell wurde und mit dem wir uns konfrontiert sahen, lernt ein Kind schon in jungen Jahren - ist es also völlig normal so aufzuwachsen.

"Aber können sich die Kinder sicher sein, dass sie dauerhaft im anderen, im gefühlten Geschlecht leben wollen? Können sie wirklich schon eine dauerhafte Aussage über ihre Geschlechtsidentität treffen? "
Sofia ist laut Artikel nun fast in der Pubertät und kennt seit vielen Jahren nichts anderes als als Mädchen aufzuwachsen. Warum sollte sich dies nun plötzlich ändern? Ich weiß nicht, wie viel die Pubertät dabei Einfluß nehmen könnte, aber ich bin mir sicher, daß Sofia weiterhin ein Mädchen bleiben möchte. Wenn man als Mädchen aufwächst und so gar nicht mit "Jungssachen" in Kontakt kommt, dann hat man doch auch im späteren Leben keinen Bezug dazu, oder?

Jennifer
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Re: Nur das Gehirn eines Menschen weiß...

Post 5 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen (moin)

Wenn ein Kind sich geschlechtsuntypisch verhält, wäre das ja eigentlich kein Problem. Das Problem ist, das es in der Regel von anderen (auch Kindern) nicht akzeptiert wird.
Sonst könnte ein Junge genauso auch 2 Jahre lang im Kleid in die Kita gehen und anschließend wieder mit Hosen. Es kann sich ja tatsächlich auch nur um eine Phase handeln. Das ist wirklich schwierig, auch für die Eltern. Weil die wissen ja, das ihr Kind sich dadurch zur Zielscheibe macht.
Durch meine Transsexualität sind wir natürlich sehr aufgeschlossen, was solche Dinge angeht. Nur sind wir da eher die Ausnahme.
Ein Beispiel direkt aus meinem Leben: Unser Großer trägt zu Hause gern mal einen Zopf. Neulich hat er sich morgens vor der Kita einen machen lassen. Abends habe ich ihn dann gefragt, was denn seine Kumpels in der Kita zu dem Zopf gesagt haben, ob sie den auch so cool fanden wie er. Da hat er mir dann erzählt, das er sich den vorher wieder rausgemacht hat, damit die anderen Kinder ihn nicht wieder als Mädchen bezeichnen... :shock: Vor zwei Monaten ist er mal mit lackierten Nägeln zur Kita gegangen, ein Grauton, also eigentlich nicht besonders "weiblich", da wurde er wohl entsprechend eingenordet, sich doch bitte geschlechtsspezifisch zu verhalten... Das hat mich echt traurig gemacht. Ich erwarte ja, das es wegen mir in der Schule vielleicht die eine oder andere Stichelei geben wird, aber das selbst so kleine Kinder schon "verbogen" werden, damit hatte ich so nicht gerechnet.

Ich denke, es gibt mehrere Gründe, die diesen Anstieg in der Statistik erklären. Man kann sich heutzutage z.B. viel besser informieren, was mit einem los ist. Ich war schon weit über 30, als ich das erste Mal über den Begriff "Crossdresser" stolperte. Ich wusste zwar von Transsexuellen, aber die "kannte" ich nur im Zusammenhang mit dem Rotlichtmilieu. Heutzutage gibt es reichlich Informationen, Foren, Beratunsstellen usw. Da kommt einem dann vielleicht auch früher die Erkenntnis, wenn man sich entsprechend informieren kann. Und es gibt eine größere Akzeptanz von Transgendern. Man braucht sich nicht mehr verstecken.
Das sich dann mehr trauen ihren Weg zu sich selbst zu gehen, wundert einen dann nicht mehr...

Als Eltern muss man es glaub ich sehr differenziert betrachten. Will mein Sohn mal ein Kleid tragen, ist er noch lange kein Mädchen. Sagt er aber, das er ein Mädchen ist, ist das was völlig anderes.
Es ist egal ob er dann lieber mit Autos spielt oder mit anderen "Jungssachen", aufgrund dessen würde ich nie auf die Identität schließen. Ich denke, wenn ein Kind erkennt, das es zum anderen Geschlecht gehört wird es das auch so äußern. Und wenn es nur mal ein Kleid tragen will, bedeutet das einfach, das es nur mal ein Kleid tragen will... sonst nix :wink:
Das würde ich dann genauso wenig ernst nehmen, wie einen Zopf oder lackierte Nägel.
Sagt er hingegen "Ich bin ein Mädchen" würde ich das natürlich ernst nehmen.

Grüße
die Anja
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Re: Nur das Gehirn eines Menschen weiß...

Post 6 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-01-22 »

Anja hat geschrieben: Di 13. Nov 2018, 13:43 Wenn ein Kind sich geschlechtsuntypisch verhält, wäre das ja eigentlich kein Problem. Das Problem ist, das es in der Regel von anderen (auch Kindern) nicht akzeptiert wird.
Sonst könnte ein Junge genauso auch 2 Jahre lang im Kleid in die Kita gehen und anschließend wieder mit Hosen.
Leider habe ich diesbezüglich keine Erfahrung, aber ich könnte mir folgendes denken:
In einer Kita stößt man unter Kindern bei solch einer "geschlechtsidendifiaktion" auf weniger Probleme, als wenn man dies in späteren Jahren in der Schule machen würde: erst kennen einen die Mitschüler als Junge und nun als Mädchen - da sind Hänseleien und Ausgrenzung vorprogrammiert. In einer Kita lässt sich das vielleicht einfacher angehen, da die anderen Kindern wahrscheinlich noch zu jung sind um zu begreifen, warum ein Jungs/Mädchen-Wechsel bei einer Person stattfindet. Und was von anderen nicht begriffen wird, kann auch nicht ausgegrenzt werden. Sofern denke ich, daß dieser Wechsel in frühen Jahren sehr gut funktionieren kann.

Jennifer
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Re: Nur das Gehirn eines Menschen weiß...

Post 7 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2023-06-22 »

Aus dem Artikel möchte ich folgendes zitieren:
...................Um die Interessen von allen Menschen besser berücksichtigen zu können, sollten wir unser Weltbild zu einem gehirnzentrierten Weltbild wandeln. Nur das Gehirn eines Menschen weiß, wer er selbst wirklich ist.

Erst wenn wir bereit sind, das anzuerkennen, können wir einem Menschen wirklich die Wahrnehmung seines Rechtes auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit ermöglichen..............

Bestimmt wäre Jasmines Weg dann leichter gewesen. Denn am Anfang traf uns eine Menge Unverständnis und Leid. Heute haben wir unseren Platz gefunden und können entspannt und glücklich leben.
Menalee
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Re: Nur das Gehirn eines Menschen weiß...

Post 8 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Menalee hat geschrieben: Mi 14. Nov 2018, 12:36 Aus dem Artikel möchte ich folgendes zitieren:
...................Um die Interessen von allen Menschen besser berücksichtigen zu können, sollten wir unser Weltbild zu einem gehirnzentrierten Weltbild wandeln. Nur das Gehirn eines Menschen weiß, wer er selbst wirklich ist.
Genau dieses Zitat sehe ich anders. Was soll ein "gehirnzentriertes Welbild" bringen ? Wir sind geschlechtsorientierte Wesen und die Fortpflanzung ist ein wesentliches Element unseres Daseins, auch wenn das in "kultivierten" Gesellschaften gerne verdrängt wird. Eine Forderung, dass "eine Abkehr vom genitalzentrierten Weltbild ist notwendig" sei, geht mMn völlig an den biologischen Grundlagen vorbei. Nicht das genannte Weltbild ist das Problem, sondern das, was daraus gefolgert wird.

Wenn man versuchen will, Menschen ein Weltbild aufzudrängen, dass sie auf Grund ihrer Biologie in sich tragen, kommt das einer geistigen Vergewaltigung nahe. Ich halte es für vergleichbar mit der Forderung, das ein Mensch mit einem Anhang ein Mann sein muss oder dass Männer nur mit Frauen zusammen tun müssen.

Wenn ein oder fünf Prozent der Menschen diesem Weltbild nicht entsprechen, bedeutet es, dass es für 99 oder 95% der Menschen normaler Alltag ist. Sollen wir ihnen etwas anderes aufdrängen ?

Ich denke nein. Ich denke, es geht darum, dass diese 95 oder 99 % akzeptieren, dass es Menschen gibt, die eine andere Sicht auf ihre Genitalien haben und deswegen kein Problem darstellen. Ein Weltbild zu verändern, bedeutet, anderen Menschen etwas aufzudrängen. Und das vertieft den Graben, statt Brücken zu bauen. Wir können keinen Graben zuschütten ohne einen neuen auf zu machen.

Wir sind anders als die meisten.

Na und ?

Jede Beziehung besteht aus Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Ein gute Beziehung akzeptiert das gegenseitig. Und eine funktionierende Gemeinschaft unterscheidet sich mMn nicht davon. Niemand muss das Denken anderer verändern. Das erzeugt Widerstand und Reibungsverluste. Und ich wünsche mir, dass niemand mir eine Gehirnwäsche antut und alle anderen können von mir erwarten, dass ich das bei ihnen auch nicht tue.

Sie sollen sich einfach nur nicht in mein Leben einmischen, weil sie anderer Meinung sind. Das reicht mir völlig.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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