Ronda_PTL hat geschrieben: Fr 19. Jan 2018, 12:40
Hi Mädels, liebe CD / TG:
ich hoffe, das Thema wurde nicht schon ausführlich diskutiert, hab es jedenfalls nicht in der Übersicht gefunden.
- Würde Euch TeilzeitLadies gerne mal fragen, was Eure Erfahrungen mit der ganz anderen Körpersprache von BioFrauen im Alltag ist?
Hat es Euch viel Mühe gemacht, sich wie eine echte BioFrau zu bewegen, stehen, sitzen, gehen, gestikulieren zu lernen? (Ich meine nicht nur die von Euch, die schon auf hohen Hacken unterwegs sind).
Habt Ihr mal beobachtet und versucht es zu lernen, um die Illusion perfekter zu machen, bei Passing besser durchzugehen, dass viele Frauen, die Wert auf Ästhetik und Stil legen, sogar ihren Kaffee / Tee / Cappucino usw. anders trinken, als die meisten BioMänner?
Will sagen, dass ein möglichst perfektes CrossDressing auch beinhaltet, dass wir die Körpersprache unserer "Vorbilder" verstehen lernen, üben und traineren.
Über Eure Erfahrungsberichte -- gute wie schwierige -- würde ich mich sehr freuen.
GLG Ronda
Du sagst, du hast es versucht. Das sagt aber nicht ganz, ob es dir gut gelungen ist. Macht eher den Eindruck von "versucht - also nicht gelungen".
Ich würde dir so weit recht geben, dass die Vorbilder wichtig sind. Das habe ich auch an anderer Stelle beschrieben, da Körpersprache auch etwas was ich sehr genau beobachte - nicht nur in diesem Zusammenhang ...
Ich sehe "Vorbilder" nicht als irgend ein standardmäßiges Modell "Frau", dass man Nachahmt - das wäre doch bescheuert und würde in Praxis auch nicht wirklich ...
... ich sehe es eher so: Viel von unserer Körpersprache ist unbewusst von Menschen abgekupfert, die wir gerne mögen oder gar bewundern. Wenn die Mehrheit dieser Menschen in unseren Umgebungen weiblich sind, nimmt man auch weiblich geprägte Körpersprache an - soweit es sich um den Teil handelt, der nicht körperlich bedingt ist. Das wäre z.B. eine bestimmte Art zu gehen, weil die Körperproportionen und der Schwerpunkt des Körpers anders ist - das kann man aber z.T. tatsächlich lernen.
Die anderen Sachen - bestimmte "typische Gesten" - sind aber problematisch. Wenn man die "lernen" will, wird es in der Regel irgendwie falsch aussehen - unecht. Das wird die Körpersprachen-Version des unechten Lächelns. Irgendwas wird zu viel und was anderes spielt nicht mit. Man sieht es oft bei Leuten, die in einem Rethorik-Seminar gelernt haben, um Fokus auf ihre Aussagen zu bringen bestimmte Gesten zu machen. Politiker und Fernsehmoderatoren z.B. Ihr findet bestimmt Beispiele im Internet. Beispielsweise Guido Cranz als er anfing Fernsehen zu machen - sein Coach rannte außerhalb vom Kamerawinkel rum und machte ihm die Gesten vor ...
Ihr könnt selber nachschauen - man erkennt es sehr leicht, wenn man weiß wonach man schauen soll: Gesten (echte) werden unbewusst vom Hirn gesteuert und werden daher schneller generiert als der Redefluss. Wenn das Wort also erst da ist und die Geste kommt nach, dann ist es angelernt - nicht natürlich. Die echte Reihenfolge ist: Bewegung, dann während der Bewegung fängt der Redefluss an.
Natürlich wird es nicht anders sein mit Gesten oder Bewegungen, die aus anderen Gründen "auswendig gelernt" werden.
...
WENN ABER man lange sogar bewusst solche weiblich angehauchte Bewegungsmuster unterdrücken musste - um nicht als "tuntig" abgestempelt zu werden oder so, ist die Situation anders - da muss man vielleicht lernen die Barriere zu brechen, um sie sich frei entfalten zu lassen. Das ist eher eine psychische Sache - die ganzen Vorbilder - Mutter, Tante, Schwester, Lehrerin, Freundin - die man unbewusst gespeichert hat, zum Vorschein kommen zu lassen.
Und viele andere Dinge die du erwähnst, ergeben sich z.T. von selbst, weil man anders gekleidet ist - oder sollte zumindest, wenn man ein bisschen sich überlegt wie es ausieht. Cappucino trinken? Ja, klar mache ich das anders wenn ich mir auch die Zeit investiert habe, mich hübsch zu schminken. Das stecke ich natürlich nicht die Schnauze komplett in den Milchschaum, sondern trinke ein bisschen Duckface mäßig. Ich berühre natürlich dann auch nicht mein Gesicht so, wie ich es ungeschminkt tun würde. Wenn z.B. ein Haar komisch hängt und irgendwo kitzelt wische ich das natürlich nicht mit der halben Handfläche sondern vorsichtig mit einem Finger, vielleicht sogar die Spitze des kleinen Fingers. Und die berühmten Hüftbewegungen - Frauen wackeln nicht mit den Hüften - die haben nur eine andere Hüftgeometrie und einen anderen Schwerpunkt und müssen deshalb um sich nicht wie eine Ente zu bewegen, die Füße in einer viel schmaleren Spur voreinander setzen - und sind entspannter in den Hüften. Wird auch tendenziell erzwungen, wenn man hohe dünne Absätze trägt. Es gibt natürlich trotzdem welche, die versuchen in Hi-Heels sich wie ein Bauarbeiter zu bewegen. Gelingt nicht ganz, aber fällt auf.
Und aus einem Auto aussteigen - oder umgekehrt. In einem Rock muss das zwangsläufig auch anders gemacht werden. Ein Fuß immer noch auf der Bodenplatte und den anderen ganz aus dem Auto und absetzen ... ? Streckt den Rock bis zum Zerreißpunkt und bietet Passanten manchmal einen guten Blick bis zur Unterhose. Und sieht blöd aus. Wer will das? Dann eher beide Beine zusammen ausschwenken, absetzen und aufstehen. Solche Dinge, wenn die sich nicht ganz von selbst ergeben sind natürlich erlernbar.
(Vielleicht sollte ich einen Workshop dazu veranstalten ...)
Gut, einige sagen, das sei ihnen egal und sie würden sich en femme nicht anders verhalten als sonst, seien nur "cross-dresser" und wollten keine Frauen sein. OK, cool.
Ich persönlich achte auf so was, da ich nicht Fan von zurufen wie - "hey - schaut mal die Transe da ..." - und gerade solche elementäre Sachen sind dafür entscheidend. Vielleicht sogar das Allerwichtigste. Wie ich bestimmt in diesem Forum zig mal erzählt habe - ich erzähle es nochmals - ich bin mal versehentlich en homme auf die Damentoilette in einem großen Kaufhaus gegangen (wegen Bauarbeiten war es erst nicht so eindeutig). Während ich drinne war füllte sich der sonst leere Vorraum mit Frauen. Was tun - lange warten oder ... ich habe mir ca. 1 Minute Zeit genommen mir vorzustellen, wie ich an dem Tag ausgesehen hätte, wenn ich en femme wäre.
Die Psyche diktiert die Körpersprache. Dann bin ich ruhig rausgegangen. Niemand hat auf mich reagiert als wäre was ... die lesen nämlich auch die Körpersprache unbewusst und reagieren entsprechend. Ob die drei Minuten später plötzlich wie aus der Trance aufgewacht sind und haben gedacht, "WTF? Was war das gerade ...?", keine Ahnung. Zeigt aber ein bisschen worauf es letztendlich ankommt.