Hallo Astaria,
Du steckst zweifellos in einer schwierigen Situation, das sollte man nicht schönreden (tut ja hier auch keiner). Ich fürchte, einen "bequemen" Ausweg gibt es nicht, daher sollte die Frage lauten: welcher Weg ist der "am wenigsten" unbequeme?
Ich als Außenstehender sehe es so: Dir stellen sich drei Herausforderungen: Erstens, Du musst sozusagen Dein Verhältnis zu Deiner "inneren Frau" klären, die offenbar immer stärker darauf drängt, aus ihrem bisherigen "Schattendasein im Veborgenen der Seele" auszubrechen und sich auch nach außen hin zu manifestieren. Zweitens, Du musst Dich bemühen, dass dadurch nicht Deine Ehe leidet oder im
worst case zerbricht (was Du allerdings nur bedingt beeinflussen kannst, weil es am Ende von der Partnerin abhängt, wie sie mit Deinem "Outing" umgeht: Es gibt hier, so viel ich schon gelesen habe, da ganz unterschiedliche Reaktionen seitens der Partnerinnen.) Und drittens, Du musst Dich mit den Auswirkungen Deiner (vermutlich) neu gefundenen geschlechtlichen Identität auf die Umwelt und die sozialen Kontakte (Verwandte, Bekannte, freunde, Arbeit etc.) auseinander setzen.
Das klingt natürlich nach einem riesigen Berg von Problemen, deshalb würde ich empfehlen, das alles "der Reihe nach" anzugehen.
Zuallererst solltest Du also - ggf. mit externer pschologischer bzw. therapeutscher Hilfe - versuchen, Deinen "Selbstfindungsprozess" abzuschließen, also Dir selbst die Frage zu beantworten: mit welchem Geschlecht kann/will ich mich fortan identifizieren: dem biologischen oder dem "gefühlten"? Die "Klassiche" Herausforderung für alle TS/TG, schätze ich mal.
Evtl. noch während dieses Prozesses solltest Du Deine Frau einbeziehen: Denn ich sehe es so wie die anderen User/innen hier, je länger Du ihr etwas verschweigst, desto misstrauischer wird sie und die Spannungen wachsen. Sich ihr zu offenbaren ist auch ein Vertrauensbeweis ihr gegenüber! Natürlich kann niemand, der Deine Frau nicht gut kennt, abschätzen, wie sie auf Dein "Outing" reagieren wird - nur, daran änderst Du auch nichts, wenn Du die "Beichte" noch länger hinauszögerst! Früher oder später muss die Wahrheit ans Licht, und je früher, desto weniger Stress habt Ihr beide mit der Situation!
Ich denke, das wären jetzt einmal die wichtigsten Schritte, die Du angehen solltest! Wie es dann mit der Herausbildung Deiner neuen geschlechtlichen identät weitergeht und wie die Umwelt darauf reagiert, darüber würde ich mir zum jetzigen Zeitpunkt erst einmal keine großen Gedanken/Sorgen machen! Letztlich ist es immer entscheidend, das man
selbst zu dem steht, wovon man überzeugt ist, und wer dieses Selbstbewusstsein ausstrahlt, dem fällt es auch leichter, mit nicht immer positiven Reaktionen der Umwelt zurecht zu kommen. Es zählt aber am Ende m. E. nicht so sehr, was
andere über Dich denken, sondern allein, was DU über DICH denkst! (Oder, wie es der unvergessene, wenn auch umstrittene Politiker F. J. Strauß zu sagen pflegte:
"Everybody's darling is everybody's Depp"

)
Und was die Angst betrifft: Das ist ein natürlicher Reflex, der die Sinne schärfen, die Konzentration erhöhen und zur Vorsicht mahnen soll, daher haben nur Dummköpfe und Leichtsinnige keine Angst (vor dem Unbekannten)! Es ist daher keine Schande, sich zur eigenen Angst zu bekennen und dies auch einzugestehen, im Gegenteil, das zeugt von Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit! Wichtig ist am Ende nur, sich nicht von der Angst paralysieren zu lassen, sondern sie als Hürde zu begreifen, die man "mit Geduld und Spucke" überwinden kann!
Leider können wir Dir hier zwar Mut zusprechen und vielleicht kannst Du auch von Erfahrungen anderer TS/TG mit ähnlicher "Vorgeschichte" profitieren, aber die entscheidenden Schritte kannst nur Du alleine gehen! Dafür wünsche ich Dir viel Kraft, Ausdauer und vor allem weniger durchwachte und -littene Nächte (ich hoffe, das wird sich nach der Aussprache mit Deiner Frau bessern!)
LG N.
