Wie viele Träume sind erlaubt?
Wie viele Träume sind erlaubt?

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Exuser-2018-07-15

Wie viele Träume sind erlaubt?

Post 1 im Thema

Beitrag von Exuser-2018-07-15 »

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Nach einhundert Tagen bewusster transidenter Frau habe ich versucht, so etwas wie Bilanz zu ziehen.
Am Anfang war eine Sekunde, die mein gesamtes Leben auf den Kopf stellte. Das Unbewusste drängte nach außen, das Äußere zog sich zurück - unwiderruflich und unaufhaltsam. Es begann ein Ego-Trip sondersgleichen, für den ich mich schämen sollte?
Ich war nie 'Verstecker', sondern 'Verdränger', wusste 45 Jahre lang nicht, was los war - mit den anderen, mit mir. Jetzt habe ich zum ersten Mal eine Identität und bin bereit, den Preis zu bezahlen. Ich habe großes Glück, dass ich nicht alleine sein muss. Meine Frau liebt mich trotz des Outings und unterstützt mich, obwohl es ihr sehr viel abverlangt. Wie lange das noch gut geht, weiß keiner.
Unser neunjähriger Sohn ist nach wie vor nicht offiziell eingeweiht, weil wir uns auf keine Vorgehensweise einigen können. Aber natürlich hat er selbst Augen im Kopf und das Gespür für Feinheiten, das wir Erwachsenen längst verloren haben. Der tägliche Gang zur Arbeit wird zunehmend schwerer, weil ich das Frausein nur schwer zurückhalten kann. Das Laufen in meinen laut klackenden Herrenhalbschuhen gerät unkontrolliert zum Walk on the line, die seit fünf Monaten nicht mehr geschnittenen Haare lassen sich kaum mehr bändigen. Ich beginne, eine Eigenkreation von 'Langhaarfrisur' zu gestalten. Auch ohne vollständiges Makeup schaut mir dann die Tara aus dem Spiegel entgegen. KollegInnen sind zwar verunsichert, sagen jedoch nichts. Männer, die Frauen sind, verweiblichen äußerlich kommt mir häufig ein Zitat von irgendwem in den Sinn. Na und - dann 'verweibliche' ich eben. Das ist wenigstens ehrlich.
Meine Frau führte letztens ein spontanes Gespräch mit unserem Sohn, nachdem er jemanden auf der Straße gesehen hatte, den er nicht zweifelsfrei einem Geschlecht zuordnen konnte. Sie sagte:

"Es ist doch letztlich egal, was er / sie ist - in jedem Fall ein Mensch."
"Ja, aber ich", antwortete mein Sohn, "bin gaaanz sicher ein Junge!"
"Und was bin ich?", fragte meine Frau.
"Na eine Frau, ist doch klar!"
"Und was ist der Papa?"
Nun entstand eine Weile Schweigen. Ihr stockte der Atem.
Endlich sagte er: "Mein Papa."
Eine bessere Antwort hätte ich mir kaum wünschen können.

Doch nun zum Titel des Threads: Wie viele Träume sind in so einer Situation erlaubt? Oder besser formuliert: Wie viele davon dürfen in die Realität gelassen werden?
Als Mann verspürte ich panische Angst davor, orientalische Musik zu hören oder Tänze zu sehen. Hätte ich dem nachgegeben, wäre die Erkenntnis wohl nicht mehr aufzuhalten gewesen. Jetzt habe ich 100 Tage lang bewusst davon geträumt und einfach damit begonnen, es auszuleben. Warum sollten nur junge Menschen Neues lernen können? Ein paar Grundlagen aus Lernvideos geübt und los! Oder geht das entschieden zu weit? Ist der Bauchtanz den Bio-Frauen vorbehalten? Ein verkleideter Mann, der versucht, wie eine Frau zu tanzen - wie widerlich, scheußlich, abartig! So hätte ich mich selbst noch vor kurzem allein beim Gedanken daran beschimpft, um mich vor der Versuchung zu schützen. Jetzt schützt mich gar nichts mehr - und ich mach es einfach, laienhaft aber mit Inbrunst:

>>Der Link steht in der Bildunterschrift, damit auch dieser nur für angemeldete Userinnen sichtbar ist. Bei Bedarf rauskopieren und in einer neuen Registerkarte in der Adressleiste einfügen.<<

Gibt es eine Steigerung von 'verrückt'? Das würde sich meine Frau fragen, wenn sie hinter diesen neuen Streich ihres unmännlichen Gatten kommt, da noch nicht einmal Tara's Rock und BH ehelich verdaut sind ... :roll:
Ob die beim Bauchtanzkurs auch Transgender nehmen? :lol:

LG
Tara
Inga
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Re: Wie viele Träume sind erlaubt?

Post 2 im Thema

Beitrag von Inga »

Tara hat geschrieben: Sa 22. Apr 2017, 23:49 ... Ob die beim Bauchtanzkurs auch Transgender nehmen? :lol: ....
Warum denn nicht?

Liebe Grüße
Inga
Michel
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Re: Wie viele Träume sind erlaubt?

Post 3 im Thema

Beitrag von Michel »

Guten Morgen Tara,

Ich möchte dir einmal was schreiben und den Rest können wir uns heute Nachmittag wenn wir uns sehen unterhalten.

Du kannst riesig stolz auf deine Frau sein und Dich so glücklich schätzen, das du deine starke und einfühlsame Frau an deiner Seite hast, die Dir dein Leben als Tara so leicht wie möglich macht.
Ich möchte zu gerne wissen, welchen Preis sie seelisch bezahlt oder Sie es zum Nulltarif macht, was ich nicht glaube.
Sie ist eine sehr starke und mutige Frau mit sehr viel Verständnis und Gefühl. Ich ziehe den Hut, den ich nicht habe nur eine Perücke, vor deiner Frau.

Das wäre mal ein schöner Beitrag, wenn wir mal ein Treffen hätten mit Anhang und deine Frau ihre Erfahrungen mit teilen könnte.

Tara wir sehen uns nachher, ich muss meine Sachen noch packen, denn ich habe eine lange Woche.

Ganz liebe Grüße
Michaela
Manchmal lässt man jemanden gehen und bekommt sich selbst Stück für Stück zurück.
Svetlana L
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Re: Wie viele Träume sind erlaubt?

Post 4 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Liebe Tara,

früher wurde Bauchtanz "ganz offiziell" sehr oft auch von Männern ausgeführt und auch heute gibt es das noch: Zadiel
Warum also nicht auch als trans*? Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Erfolg und vor allem viel Spaß bei der Verwirklichung.

Außerdem gratueliere ich dir zu deiner verständnisvollen Frau; ich habe auch so einen Schatz an meiner Seite (he)
Hawadehre
Svetlana

As gitt halt nix Bessers wäi wos Guads!
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Exuser-2018-07-15

Re: Wie viele Träume sind erlaubt?

Post 5 im Thema

Beitrag von Exuser-2018-07-15 »

Liebe Svetlana,
danke für den Hinweis und den Link!
Aha, richtiger Männer-Bauchtanz also als äußerer Mann ... aber irgendwie weckt das in mir keinerlei Emotionen. Da sind meine Vorstellungen fest auf weiblich verdrahtet :wink:
Ich werde mich noch durch einige Online-Kurse wackeln und mal sehen, wann ich den Mut habe, damit aus den eigenen vier Wänden hinauszutreten. Ich war ja erst 3x überhaupt en femme draußen ...
Sehr schön, dass auch du eine verständnisvolle Frau an deiner Seite hast. Sie wollen gepflegt sein wie eine seltene Blume ... (flo)

LG
Tara

Liebe Michaela,
danke für deinen Beitrag. Ich glaube, meine Frau wäre zu solch einem Treffen noch nicht bereit. Es geht ohnehin alles zu schnell. Aber für die Zukunft wäre das in jedem Fall eine interessante Option.
Hier kenne ich keinen Trans*Partnerinnen-Treff in der Umgebung. Aber auch da wäre ich mir nicht sicher, ob sie hingehen würde. Alles braucht viel Zeit, und die versuche ich ihr in jedem Fall zu geben.

LG
Tara
Michel
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Re: Wie viele Träume sind erlaubt?

Post 6 im Thema

Beitrag von Michel »

Liebe Tara,

Es sollte jetzt auch nicht sofort sein.

Deine Frau ist auch nur ein Mensch, ein wunderbarer Mensch, den man wie du selbst geschrieben hast, sehr pflegen muss.
Durch ihre Liebe und Verständnis zu dir, solltest du sie auf garkeinen fall überfordern und ihr auch sehr viel Zeit zum verdauen geben.
Nicht jede von uns hat soviel Glück wie Svetlana und du, denn das ist in meinen Augen mehr Wert als ein sechser im Lotto.

Liebe Grüße
Michaela
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Re: Wie viele Träume sind erlaubt?

Post 7 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Tara hat geschrieben: So 23. Apr 2017, 09:01 Hier kenne ich keinen Trans*Partnerinnen-Treff in der Umgebung. Aber auch da wäre ich mir nicht sicher, ob sie hingehen würde. Alles braucht viel Zeit, und die versuche ich ihr in jedem Fall zu geben.
Der Sonntagsclub (Nähe S/U Schönhauser Allee) bietet so einen trans*-Angehörigen-Treff (also nicht nur Partner_innen) an. Ich glaube, so ein Treffen war sogar erst gestern wieder.
Hawadehre
Svetlana

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Re: Wie viele Träume sind erlaubt?

Post 8 im Thema

Beitrag von Michel »

Hallo Svetlana,

Du hast doch geschrieben das du auch solch ein lieben Schatz zu Hause hast. Dann könnte man sich irgendwann, wenn Tara der Meinung ist sie und ihre Frau möchten zusammen mal raus und sich mit andere treffen, wir 5 mal irgendwo treffen und in Ruhe einen Kaffee trinken und unterhalten.
Das kann aber nur Tara und ihre Frau entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt ist.

LG
Michaela
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