Anne-Mette hat geschrieben: Do 7. Jul 2022, 13:29
Rüdiger Krahe ist der Doktorvater von Marie-Luise Vollbrecht. Er sagt, dass man an den zwei Geschlechtern nicht vorbeikommt. Transfeindlich sei das nicht.
Meine Güte, wie groß müssen die Scheuklappen sein, um so ein Interview zu geben! Klar, wenn eins ausschliesslich im Fachkontext reiner Fortpflanzung auf Zellebene guckt, lässt sich durch die Beobachtung Spermien vs Eizelle ein ziemlich binärer Mechanismus beschreiben. Darum geht's aber nicht.
Erstens besteht
Die Biologie nicht nur aus der reinen Zeugung, sondern betrachtet auch die Entwicklung und alle (drei) beteiligten Individuum und ihre mögliche Variantenbreite. Und da gibt es eben ein breites Spektrum mehrdimensionaler Vielfalt. Inklusive Individuen, die weder Spermien noch Eizellen produzieren, wo die Einteilung schon wieder schwammig wird und ein Rückzugsgefecht auf
potenzielle Zeugung beginnt, um sie irgendwie zweizuteilen.
Zweitens wollen V. und ihre Genossys eben nicht bei der reinen Zeugungsforschung bleiben, sondern hinausgreifen und das Modell reiner, eindeutiger Zweigeschlechtlichkeit von der Zellebene bis auf die gesellschaftliche Ebene - Gender - heben und generalisieren. Nennt sich Biologismus. Natürlich benutzen sie absichtlich den mehrdeutigen Begriff Geschlecht. Selbst wenn V. es in dem Welt-Artikel abwiegelt.
Ehrlicherweise und auf der Höhe der Erkenntnisse hätte Krahe wohl eher sagen müssen: "Auf der reinen Zellebene beobachten wir bei Menschen bisher rein zweigeschlechtliche Zeugung. Daraus lässt sich allerdings nicht auf weiteres schliessen, weder auf die Eltern-Individuen, noch auf das Kind und schon gar nicht auf die gesellschaftliche Interpretation von Körper als Geschlecht" - und dann in der Fachsprache tunlichst Begriffe vermeiden, die in der Alltagssprache mehrdeutig sind.
Dies alles unterschlägt Krahe, keine Ahnung. Kann Fachblindheit sein, kann Einverständnis mit V.'s TERF-Agenda sein. Müsste eins recherchieren.
Übrigens, wer sich V.'s Twitteraccount anguckt und die Flaggenfarben im Hintergrund bemerkt: Das ist nicht die
Genderqueer-Flagge, sondern die
TERF-Farben.