Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben? - # 4

Lebensplanung, Standorte
Aria
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1474
Registriert: Do 14. Jun 2012, 20:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Frankfurt am Meer
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 46 im Thema

Beitrag von Aria »

Mara hat geschrieben: Di 1. Sep 2020, 23:33 Im Therapieprozess geht es vor allem zu Beginn darum, seine Motivation zu klären, warum man etwas an sich oder in seinem Leben ändern möchte. Ein Prozess, über sich klar zu werden. Dabei können Ängste (soziale, finanzielle Verluste usw.) eine große Rolle spielen, die in Besonderem Maße hemmen, eine Entscheidung zu treffen. Nach einem geklärten Entschluss "was will ich" gilt es dann mit dem Therapeuten dann weiter zu arbeiten.

Vermutlich ist mit dem Satz gemeint, dass Veränderungen einer Anstrengung bedarf und man auf dem Weg auch Frustrationen erleben kann, die dann auch weh tun können. Die Aufgabe eines Therapeuten ist, dies im Blick zu haben und die Klientin darin zu begleiten und zu leiten.

So sehe ich es
Exakt so ist das!

Damit ist gemeint, dass man die eigene Komfortzone verlassen muss damit sich etwas bewegt. Aber erst wenn der psychische Druck so gross wird, dass der sich schon in körperlichen Problemen niederschlägt. sehen sich die meisten gezwungen etwas daran zu ändern. Und genau das scheinen hier einige nicht zu verstehen. Vllt sind es andere Hemmschwellen oder vllt ist der Druck einfach nicht gross genug. Dann steht aber auch kein TS dahinter sondern CD/TV. Das ist dann der allgemein bekannte Leidensdruck, den die betroffenen verspüren. Und wenn der so gross wird, dass nix mehr anderes geht, kann man eben nicht warten "bis die Kinder gross sind" oder sich "mit CD über Wasser halten". Das ergibt dann nämlich keinen Sinn mehr! Es befriedigt die Bedürfnisse einfach nicht.
¡no lamento nada!
Lavendellöwin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3224
Registriert: Do 6. Sep 2018, 15:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Hat sich bedankt: 485 Mal
Danksagung erhalten: 796 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 47 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Helga hat geschrieben: Di 1. Sep 2020, 22:42 Ich sehe in deinem Gesicht sehr feminine Züge. Auch ohne HRT. Aber wenn du dich als Frau siehst, warum präsentierst du dich uns in männlicher Kleidung und mit ausgeprägtem Bartschatten?
Hi...

ich wollte jetzt schon die ganzen Tage kurz auch was schreiben, aber die liebe Zeit...

Schau mal...ich fand deine letzten Bilder wirklich total toll und stimmig Helga-das mein
ich im Ernst und kommt aus tiefstem Herzen.
Nur, warst du gleich an der Stelle dein Crossdressing so gut umzusetzen? Ich denke nicht,
es brauchte eine Entwicklung da hin und was du bisher erreicht hast ist dir nicht einfach
zugefallen.

Hmmm..
ich finde es gut von Keks, sich dem Stand der Entwicklung entsprechend zu zeigen.
Keks steht dazu sich zu zeigen wie sie ist und zu sagen schaut, ich bin eine Frau.
Auch, wenn ich es jetzt nicht perfekt und vollständig ausstrahle.

Ich sage jetzt mal "unser" Weg ich keine 180 Grad Wende, sondern er dauert,
ist manchmal gefühlt ganz furchtbar langsam und enthält sogar Rückschritte.
An solchen Tagen wo du dich innerlich zerfleischt, fällt es super schwer nach
aussen eine perfekte Figur abzugeben.
Ich finde es sogar allzu menschlich nicht von einer Maske in die andere zu wechseln.
Und darf man das nicht auch zeigen?

Ich habe selbst zu meinem Umfeld gesagt, das wird eine Reise, ihr werdet nicht
sofort die Frau sehen, die ich wirklich bin und dafür wurde meine Ehrlichkeit
auch belohnt. Mein Umfeld ist stabil geblieben, niemand hat mich wegen
der Transidentät verlassen...

vor Jahren, vielleicht 10 oder 12 hat mir meine Partnerin diese Figur geschenkt,
ich finde, sie hat ganz viel Aussagekraft, was mich so betrifft.
Ich denke, manche hier fühlen es genauso..

HeadoverHeels.JPG

Alles Liebe Marie (flo)
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Keks
schau
Beiträge: 65
Registriert: So 26. Feb 2012, 12:33
Pronomen: sie
Wohnort (Name): TUT
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 48 im Thema

Beitrag von Keks »

Lieben Dank für eure Beiträge, eure Gedanken und euer Mitgefühl.
Trotz der besonderen Umstände fühle ich mich momentan ganz gut. Damit meine ich sogar, dass ich mich mehr "ich" fühle als je zuvor und "Mich" auch gut fühle.
Die letzte Woche hatte ich mal so richitg Urlaub, da meine Familie im Urlaub war. Die Zeit hat mich nochmal wesentlich weiter gebracht. Auch meine "beste Freundin" hat sich nach beinahe einem Jahr sehr liebvoll bei mir Entschuldigt und gezeigt, wie wichtig ich für sie bin. Es war ihr leider bis dahin nicht möglich, mit dem Thema umzugehen. Was nicht an mir lag. Ein Gespräch mit einer Mutter eines Transmädchens hat ihr die Augen und das Herz geöffnet. Ich bin so erleichtert. Das war bisher der einzige Mensch, der sich bis dahin distanziert hatte.
Mir ist es wichtig, authentisch zu sein, mit dem wer ich bin und, ich sag mal, "was" ich gerade bin. So spüre ich genau hin, was für mich gerade geht. Ich fange an mehr Make-Up zu tragen und liebe es. Ich habe auch das Gefühlt, dass einfach jetzt auch der Zeitpunkt ist, wo es stimmig ist. Das Lasern geht jetzt auch wieder weiter und ich habe mir zuletzt tatsächlich nicht die Mühe gemacht irgend etwas besonders zu kaschieren, da man es eh sieht, dass ich einen männlichen Körper habe.
Interessanter weise habe ich mich tatsächlich nie kpl. gestylt um in eine fremde Stadt zu fahren und dort als "Frau" (wie auch immer) in Kontakt mir fremden Menschen zu kommen. War einfach nicht stimmig. Meine feminine Kleidung kaufe ich aber schon länger in der Damenabteilung und wurde auch beraten.
Bei manchen Freunden (meist Männer) zitiere ich auch die Stelle aus "Das Leben des Brian": "Ich möchte, dass ihr mich ab jetzt Loretta nennt" (Unter dem Zitat auf Youtube zu finden). Wer diese Szene kennt, weiß was ich meine --> Ich für mich gebe meinem Umfeld die Zeit, sich an meine langsamen Veränderungen zu gewöhnen und versuche so entspannt wie möglich mit der Anrede und dem Namen umzugehen.
Allgemein hilft es, die Dinge mit Humor zu nehmen.

Es weiterhin heimlich als Crossdresser zu betreiben geht leider nicht mehr. Meine Frau hat das lange gehofft, ist aber auch der einzigste Mensch für den ich mich dann weiterhin verbiegen würde. Was ich erhlich gesagt total traurig finde.

Was meine Therapethin angeht: Sie hat schon sehr viele Jahre Erfahrung mit Transmenschen und unterstützt mich auf meinem Weg. Das macht sie gut und ich bin dankbar dafür.

Alles Liebe
Keks
Mara
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 485
Registriert: Mo 5. Aug 2019, 00:11
Pronomen:
Hat sich bedankt: 5 Mal
Danksagung erhalten: 3 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 49 im Thema

Beitrag von Mara »

... So ist das gut! Jeder Mensch geht seinen individuellen Weg, denn nur man selbst weiß, was einem gut tut. Ich finde es total interessant, wie unterschiedlich diese Wege sind. Und von den persönlichen Berichten profitieren viele hier im Forum.

Danke und liebe Grüße
Mara
Helga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1217
Registriert: Sa 9. Mär 2019, 22:07
Geschlecht: m, Feiertagsfrau
Pronomen: fallabhängig
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 83 Mal
Danksagung erhalten: 106 Mal
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 50 im Thema

Beitrag von Helga »

Keks hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 00:21 Es weiterhin heimlich als Crossdresser zu betreiben geht leider nicht mehr. Meine Frau hat das lange gehofft, ist aber auch der einzigste Mensch für den ich mich dann weiterhin verbiegen würde. Was ich erhlich gesagt total traurig finde.
Hallo Keks,
für deine Frau musst du dich nicht mehr verbiegen, ich denke der Drops ist gelutscht. Eine Frau kann akzeptieren oder umorientieren, aber was ist mit den Kindern? Wie weit kannst du dich für die verbiegen? Ist denen deine Veränderung bewusst? Für deine Kinder bist du die wichtigste männliche Bezugsperson. Willst du diese Rolle an jemanden anderen abgeben oder versuchen weiterhin auszufüllen? Kinder können eine Menge verstehen, aber gerade die eigenen Kinder wollen nicht alles verstehen was mit den Eltern zusammenhängt. Kleine Kinder sind auf ihre "Versoger" angewiesen, weswegen sie in intakten Familien wünschen, dass "alles so bleibt". Größere Kinder haben möglicherweise Angst ihren Mitschülern zu erklären welche Entwicklung ihr Vater durchmacht, weil sie befürchten dadurch zum Mobbing- Opfer zu werden. Bei Trennungen sind Kinder immer die Leidtragenden. Wenn deine Transsexualität von irgendjemandem als Auslöser für eine Schlammschlacht genutzt wird, birgt dies Potential für ein Vielfaches an Leid in sich. Ich erinnere mich an die Geschichte eines Forumsmitgliedes. Zunächst war eitel Sonnenschein, dann wurde aus der Familie der Frau eine Intrige angezettelt, das KInd hin und her gezerrt. Am Ende war der Kontakt abgebrochen und das Kind in psychiatrischer Behandlung. Eine solche oder ähnliche Entwicklung meinte ich im Post weiter oben mit "Kollateralschaden" Die Selbstverwirklichung eines Elternteils darf nicht dazu führen, dass die Kinder psychische Blessuren mitnehmen, mit denen sie jahrelang zu kämpfen haben.
Ich schreibe dies nicht um dich zu ärgern oder von irgendetwas abzuhalten. Der Umgang mit den Kindern muss sehr behutsam unter den Elternteilen abgestimmt werden.
Einfach als Erinnerung: Wer Kinder hat denkt und handelt nicht mehr für sich allein!
Liebe Grüße
Helge
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
Aria
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1474
Registriert: Do 14. Jun 2012, 20:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Frankfurt am Meer
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 51 im Thema

Beitrag von Aria »

Also Helga, ich finde es ja fast schon amüsant in die wievielte Runde ich mit dir gehe. Aber nur fast. Denn ich frage mich wirklich langsam was der Sinn und Zweck dahinter ist. Ist es die pure Fürsorge zu Keks? Ist es das Mitleid für die Familie und Verwandten von Keks? Oder ist es der Unmut darüber, selbst nicht die Courage gehabt zu haben den Weg gegangen zu sein und es nun auf diese Weise anderen madig zu machen? Es wird mir wohl ein Rätsel bleiben....
Helga hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 21:01 Wie weit kannst du dich für die verbiegen? Ist denen deine Veränderung bewusst? Für deine Kinder bist du die wichtigste männliche Bezugsperson. Willst du diese Rolle an jemanden anderen abgeben oder versuchen weiterhin auszufüllen? Kinder können eine Menge verstehen, aber gerade die eigenen Kinder wollen nicht alles verstehen was mit den Eltern zusammenhängt. Kleine Kinder sind auf ihre "Versoger" angewiesen, weswegen sie in intakten Familien wünschen, dass "alles so bleibt". Größere Kinder haben möglicherweise Angst ihren Mitschülern zu erklären welche Entwicklung ihr Vater durchmacht, weil sie befürchten dadurch zum Mobbing- Opfer zu werden
Das was du hier ansprichst hat alles sein Daseinsberechtigung. Was du aber nicht bedenkst ist, dass hinter allem genannten ein "Muss" steht. Keks MUSS die männl. Bezugsperson sein. Keks MUSS der Versorger sein. Keks MUSS alles dafür geben, dass es so bleibt wie bisher. Keks MUSS seine Kinder vor Mobbing schützen. Das hört sich so an als ob das nur in dieser Rolle geht, die Keks jahrelang versucht hat auszufüllen aber daran gescheitert ist. Und dann soll Keks das trotzdem weitermachen und Gefahr laufen an dieser Belastung kaputt zu gehen, indem Erwartungen einfach nicht erfüllt werden können? Ganz schöne Harakiri-Methode, die du propagierst.

Zu diesem Punkt kann ich gerne mal erzählen, was meine Ex-Frau damals zu mir gesagt hat. Sie sagte sinngemäß, dass es zwar schön gewesen wäre, wenn alles seinen "normalen" Gang gelaufen wäre, es aber nix bringt, wenn dieses "normal" nicht von starken Eltern gestaltet wird. Für die Erziehung unserer Kinder bräuchte sie einen starken Partner an ihrer Seite, den sie aber im Moment nicht hat, da der nicht bei sich und zu sehr mit sich und seinem Leid beschäftigt ist. Deshalb wäre es ihr lieb und recht, wenn ich mich jetzt um mich kümmere, um mich dann voll und ganz um unsere Kinder kümmern zu können.
Helga hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 21:01 Wenn deine Transsexualität von irgendjemandem als Auslöser für eine Schlammschlacht genutzt wird, birgt dies Potential für ein Vielfaches an Leid in sich. Ich erinnere mich an die Geschichte eines Forumsmitgliedes. Zunächst war eitel Sonnenschein, dann wurde aus der Familie der Frau eine Intrige angezettelt, das KInd hin und her gezerrt. Am Ende war der Kontakt abgebrochen und das Kind in psychiatrischer Behandlung. Eine solche oder ähnliche Entwicklung meinte ich im Post weiter oben mit "Kollateralschaden" Die Selbstverwirklichung eines Elternteils darf nicht dazu führen, dass die Kinder psychische Blessuren mitnehmen, mit denen sie jahrelang zu kämpfen haben.
Das was du hier schreibst, ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Transsexuellen. Es ist ein Schuldumkehr! Wir sind also dafür verantwortlich, damit es anderen gut geht und sie ihr bisheriges Leben so weiter leben wie gewohnt. Klar, wir können ja auch schließlich etwas dafür, dass wir so sind wie wir sind. Andere beginnen die Schlammschlacht, ziehen Unschuldige mit rein und wir sind der Buhmann der Nation. Ganz tolle Ansicht ist das, wirklich. Wir sollen für alles verantwortlich gemacht werden ohne, dass man sich selbst aus der Komfortzone heraus bewegen muss und sich zu hinterfragen, ob man dieses Problem nicht gemeinsam angehen kann anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn sich einige lieber einen Strick nehmen anstatt solche Meinungen weiter zu ertragen.
Helga hat geschrieben: So 6. Sep 2020, 21:01 Ich schreibe dies nicht um dich zu ärgern oder von irgendetwas abzuhalten. Der Umgang mit den Kindern muss sehr behutsam unter den Elternteilen abgestimmt werden.
Einfach als Erinnerung: Wer Kinder hat denkt und handelt nicht mehr für sich allein!
Ganz ehrlich Helga, deine Ratschläge sind in diesem Fall wirklich Schläge. Sie verunsichern eine ohnehin verunsicherte Person total und treiben sie schlimmstenfalls in eine tiefe Depression, ausgelöst durch einen extremen Gewissenskonflikt, denn wie ich schon sagte, haben deine angesprochenen Punkte Daseinsberechtigung. Das hat die Transperson aber auch. Das geht dabei aber völlig unter und das einzige wofür man sein Dasein noch sieht, ist andere glücklich zu machen aber nicht sich selbst. Na, ob das den so geliebten Menschen letztlich weiterhilft, glaube ich kaum.
¡no lamento nada!
heike65
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 821
Registriert: So 10. Feb 2019, 18:35
Pronomen: Du
Wohnort (Name): Kappeln
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 52 im Thema

Beitrag von heike65 »

@ Helga nur Menschen die mit sich im reinen sind können gute Eltern sein, klar können bei Kindern Ängste entstehen, aber glaub mir, Kinder können damit besser umgehen wie man so vermutet, und vor allem merken sie wie sehr viel entspannter und liebevoller der Umgang miteinander ist wenn ein Elternteil sich nicht permanent verbiegen muss.
Helga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1217
Registriert: Sa 9. Mär 2019, 22:07
Geschlecht: m, Feiertagsfrau
Pronomen: fallabhängig
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 83 Mal
Danksagung erhalten: 106 Mal
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 53 im Thema

Beitrag von Helga »

Aria hat geschrieben: Mo 7. Sep 2020, 19:40 Also Helga, ich finde es ja fast schon amüsant in die wievielte Runde ich mit dir gehe. Aber nur fast.
Hallo Aria,
ich bin gern bereit mit dir noch so manchen Strauß um das korrekte Wording auszutragen. Eine Grundsatzdiskussion darüber, wer den richtigen Weg eingeschlagen hat, möchte ich nicht beginnen. Dafür sind die Individuen zu unterschiedlich.
Aber lass uns sachlich bleiben. Auch für cis- Menschen bedeuten Kinder Einschränkung bis hin zur völligen Umkrempelung des Lebensstiles, Hingabe bis zur völligen Aufgabe der Lebensziele, Verantwortung und nicht zu vergessen Kosten. Dem kann sich auch ein(e) Transsexuelle(r) nicht so ohne weiteres entziehen. Was ich geschrieben habe betrifft nicht nur Keks, sondern auch andere, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Es ging mir vor allem darum darzustellen, dass auch wenn die (Ehe)Frau sich offensichtlich anderweitig orientiert hat, irgendwo eine Verantwortung für die Kinder bleibt.
Das Wörtchen MUSS habe ich nur einmal benutzt, nämlich in dem Satz: "Der Umgang mit den Kindern muss sehr behutsam unter den Elternteilen abgestimmt werden." Einvernehmlich um Leiden der Kinder weitestgehend zu vermeiden.
Keks (und andere) muss nicht die männliche Bezugsperson bleiben, sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass sie es bislang ist, und einen Weg finden ihre Rolle gegenüber den Kindern neu zu definieren. Ob sie Versorgerin bleibt hängt von der wirtschaftlichen Situation der Familie ab. Die Kinder vor Mobbing zu schützen ist mit Sicherheit nicht nur im Interesse von männlichen Vätern.
Bei dem Verweis auf Schlammschlachten ging es mir nicht um Schuldumkehr, sondern darum dies in einer behutsamen Abstimmung der Eltern zu vermeiden. Ich denke eine "Ego- Show" ist der Beste Weg derartige Reaktionen auszulösen. (Diese Geschichte habe ich mir nicht ausgedacht. Wenn ich den Post wiederfinde stelle ich den Link gerne ein.)
Es kann sicherlich eine Option sein sich für eine gewisse Zeit (oder für immer?) aus dem Leben der Kinder zurück zu ziehen. War es das, was du andeuten wolltest? Berichte gerne wie ihr diese Frage gelöst habt.
Natürlich hat jeder Mensch das Recht auf Glück und Erfüllung. Die Konflikte, die auf dem Weg dahin entstehen können, dürfen aber nicht unter Rückgriff auf Weisheiten wie "keine Veränderung ohne Schmerz" zu Lasten der KInder gelöst werden. Den Hinweis mit dem Strick finde ich an dieser Stelle ziemlich unpassend. Es kann nicht sein, dass das Wohl des einen gegen das Leben des Anderen abgewogen wird.
Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen der Schwulenbewegung, die vor 50 Jahren zu ihrem Marsch durch die Institutionen ansetzte, und UNS (damit meine ich alle, die sich unter dem Label Trans... versammeln). Das sind die Kinder. Sie machen das Leben schöner und erfüllter, aber keineswegs leichter.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
Helga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1217
Registriert: Sa 9. Mär 2019, 22:07
Geschlecht: m, Feiertagsfrau
Pronomen: fallabhängig
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 83 Mal
Danksagung erhalten: 106 Mal
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 54 im Thema

Beitrag von Helga »

heike65 hat geschrieben: Mo 7. Sep 2020, 21:38 @ Helga nur Menschen die mit sich im reinen sind können gute Eltern sein, klar können bei Kindern Ängste entstehen, aber glaub mir, Kinder können damit besser umgehen wie man so vermutet, und vor allem merken sie wie sehr viel entspannter und liebevoller der Umgang miteinander ist wenn ein Elternteil sich nicht permanent verbiegen muss.
Liebe Heike,
hast du Kinder? Dann berichte gerne.

Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
heike65
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 821
Registriert: So 10. Feb 2019, 18:35
Pronomen: Du
Wohnort (Name): Kappeln
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 55 im Thema

Beitrag von heike65 »

Ja habe ich, die Geschichte kannst du gern googlen, oder hier im Forum nachlesen, suchste nach : wie aus Heiko Heike wurde
Keks
schau
Beiträge: 65
Registriert: So 26. Feb 2012, 12:33
Pronomen: sie
Wohnort (Name): TUT
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 56 im Thema

Beitrag von Keks »

Ich denke, jetzt ist die Zeit, in der viele Menschen den respektvollen Umgang mit Transmenschen kennenlernen dürfen. Die Kids die heute in den Kindergarten kommen, werden in ihrem Leben mit Sicherheit mal mit Transmenschen konfrontiert sein, wenn nicht sogar einzelne Kinder selbst solche Gefühle erleben müssen wie ich in meiner Kindheit.
Ich habe bereits andere Transmenschen kennengelernt und bin mir sicher, dass keiner der einigermaßen geistig Gesund ist, etwas gegen diese feinen Menschen sagen kann.
Ich gehe offen und unaufdringlich mit meiner Situation um und bin überzeugt, dass es für weltoffene Menschen eine Bereicherung ist einen Transmenschen zu kennen.
Es sollte heute, zumindest in Deutschland, keine große Sache mehr sein, wenn jemand sich entschließt, dass Geschlecht entsprechend der eigenen Empfindung zu leben.
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27031
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 183 Mal
Danksagung erhalten: 2025 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 57 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

"geschafft haben" wird sicherlich zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Lebensphasen sehr unterschiedlich empfunden und beschrieben werden.
In sehr schlimmen Situationen war ich weit entfernt von dem Gefühl, "es geschafft zu haben", eher, dass das Leben mich geschafft hätte.
Ich blicke manchmal in den Rückspiegel und versuche mich in der als schlimm empfundenen Situation zu sehen, die vor längerer Zeit bestand - und was daraus geworden ist.
Dankbar bin ich, wenn ich GesprächspartnerInnen habe, die beteiligt waren und mir ehrlich von ihrer Sicht erzählen - damals und heute.
Mit meiner Schwiegertochter und meiner Schwester habe ich einige Gespräche geführt, die sehr offen und sehr aufschlussreich waren.
Wir haben es geschafft...
Selbst für die Enkelkinder ist es (bis jetzt) eine Selbstverständlichkeit.

Dankbar bin ich auch für Gespräche mit "Dritten" außerhalb der Familie, die uns aus etwas Distanz gesehen und erlebt haben.
Nicht, dass ich so ein Urteil gebraucht hätte, aber wenn ich überaus positive und liebevolle Äußerungen erfahre, dann bestärkt mich das in der Auffassung: "es war nicht alles schlecht" (ich muss englische Vorfahren haben; denn dort soll so ein Ausspruch als höchstes Lob gelten).
Nein, ganz gut war es.
Natürlich gibt es auch (sehr selten) Menschen, die einer Partnerin sagen: "Respekt - aber ich könnte das nicht (mit so einem Menschen zusammen zu sein).

Menschen werden in Trennungs- und Scheidungsangelegenheiten oftmals zu Bestien und es wird selbst vor kriminellen Machenschaften nicht Halt gemacht.
Da muss nicht einmal das Thema Transsexualität eine Rolle spielen.
Wenn es doch eine Rolle spielen sollte, dann geht es darum, sich Beistand zu holen.

Herzliche Grüße
Anne-Mette
Alex_andra
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 320
Registriert: Mi 12. Sep 2018, 12:06
Geschlecht: mtf
Pronomen: er/sie
Wohnort (Name): potsdam
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 58 im Thema

Beitrag von Alex_andra »

Ich bin mir auch sicher, dass du sehr verantwortungsvoll mit deiner Situation bzw. Entscheidung umgehst. Jedes einzelne Leben erfordert eben Entscheidungen, die passgenau zu der jeweiligen Situation oder den Lebensumständen sind.
Deshalb kann es für die eine aus welchen Gründen auch immer richtig sein, sich für ein Leben zu entscheiden, in dem der Ausdruck des selbst empfundenen Geschlechts nur temporär so vermittelt wird, dass andere das auch so verstehen oder dass das eigene Spiegelbild ein allgemein als weiblich zu lesendes Bild zurückwirft.
Die Bandbreite ist rießig und die Ausgangsituation immer verschieden.
Ich erlebe es so und bekomme das auch von eigentlich allen, die wesentlich weiter gegangen sind als ich, so berichtet, dass ein Großteil des Findungsprozeses unabhängig von allen Eingriffen statt gefunden hat.
Dass du dich nicht dem Geburtsgeschlecht (dem nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht) zugehörig fühlst, ist eine von allem körperlichen Voraussetzungen unabhängige Tatsache. Welche Schlüsse du daraus ziehst, um dich zu einem gelungenen Leben zu befähigen, eine andere.
Manche Menschen schaffe es sehr lange einen Kompromiss zu leben, andere sehen ihren körperliche Ausdruck gar nicht als Kompromiss sondern nur als Sonderform oder Erweiterung des als richtig empfundenen Geschlechts. Die Frage sollte deshalb lauten, wie geht es mir gut. Dazu gehört eben auch die Akzeptanz die eigenen körperlichen Voraussetzungen anzunehmen genau so wie sie verändern zu wollen.
Ich empfinde Keks Vorgehensweise eigentlich als Vorbildlich und hoffe, dass die Verluste durch die offensichtlich werdenden Qualitäten überstrahlt werden.
Ich verstehe auch den Spruch von Vanessas Therapeuten nicht als Aufmunterung und Entschuldigung für alle mögliche Fehler und angerichteten Schäden, aber wer handelt, geht eben immer das Risiko von Fehlern ein, anders als der ewig zaudernde Mensch, dessen eigentlicher Fehler im Nichtstun liegt.
Mir hilft das Bild eines Menschen mit Fern- und Heimweh. Du musst dich auf die Reise machen um etwas Neues kennen lernen zu können. das bereichert dich dann aber gleichzeitig musst du alte Beziehungen zumindest teilweise aufgeben, kannst sie nicht mehr pflegen. Wenn du nicht fährst hast du nicht die Möglichkeit etwas Neues kennen zu lernen und erlebst den so den Verlust ud ev. Schmerz nie dein Leben gelebt zu haben, wenn du aber fährst riskierst du vieles, von dem du bisher dachtest, dass es dich im besonderen Maße ausgemacht hat und auch dieser Verlust ist schmerzlich.
Aria
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1474
Registriert: Do 14. Jun 2012, 20:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Frankfurt am Meer
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 59 im Thema

Beitrag von Aria »

Helga hat geschrieben: Mo 7. Sep 2020, 23:24 Keks (und andere) muss nicht die männliche Bezugsperson bleiben, sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass sie es bislang ist, und einen Weg finden ihre Rolle gegenüber den Kindern neu zu definieren. Ob sie Versorgerin bleibt hängt von der wirtschaftlichen Situation der Familie ab. Die Kinder vor Mobbing zu schützen ist mit Sicherheit nicht nur im Interesse von männlichen Vätern.
Bei dem Verweis auf Schlammschlachten ging es mir nicht um Schuldumkehr, sondern darum dies in einer behutsamen Abstimmung der Eltern zu vermeiden. Ich denke eine "Ego- Show" ist der Beste Weg derartige Reaktionen auszulösen. (Diese Geschichte habe ich mir nicht ausgedacht. Wenn ich den Post wiederfinde stelle ich den Link gerne ein.)
Es kann sicherlich eine Option sein sich für eine gewisse Zeit (oder für immer?) aus dem Leben der Kinder zurück zu ziehen. War es das, was du andeuten wolltest? Berichte gerne wie ihr diese Frage gelöst habt.
Natürlich hat jeder Mensch das Recht auf Glück und Erfüllung. Die Konflikte, die auf dem Weg dahin entstehen können, dürfen aber nicht unter Rückgriff auf Weisheiten wie "keine Veränderung ohne Schmerz" zu Lasten der KInder gelöst werden. Den Hinweis mit dem Strick finde ich an dieser Stelle ziemlich unpassend. Es kann nicht sein, dass das Wohl des einen gegen das Leben des Anderen abgewogen wird.
Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen der Schwulenbewegung, die vor 50 Jahren zu ihrem Marsch durch die Institutionen ansetzte, und UNS (damit meine ich alle, die sich unter dem Label Trans... versammeln). Das sind die Kinder. Sie machen das Leben schöner und erfüllter, aber keineswegs leichter.
Vorab, ich möchte keine Kämpfe mit dir ausfechten. Denn dazu fehlt mir - gewollt - die nötige Portion Testosteron. Und eine Grundsatzdiskussion, wer, wie mit bestimmten Situationen des Lebens umgeht, möchte ich ganz bestimmt nicht. Denn das letzte was ich möchte, ist anderen zu raten wie die ihr Leben zu führen zu haben. Das ist aber genau das, was du machst! Mit deinem erhobenen Zeigefinger mahnst du Keks an und sprichst ihr indirekt ab, nicht das richtige zu tun. Wie kommst du dazu? Hältst du sie nicht für eine mündige Person? Das ist sie ganz bestimmt und ich könnte wetten, dass sie sich schon so ihre Gedanken um das danach gemacht hat.

Wenn ich eins inzwischen gelernt habe ist, dass sich TS ziemlich genau mit den möglichen Folgen ihres Handelns auseinandergesetzt haben - jedenfalls die die ich kennen gelernt habe - und das womöglich mehr als andere Menschen. Das ist aber genau das, was du denen nicht zuzutrauen scheinst. Du hast mir - auch in früheren Diskussionen - noch nicht gesagt, was deine Absicht dahinter ist. Ist es der Drang - ausgelöst durch eigen negative Erfahrungen - einfach immer andere vor dem schlimmsten bewahren zu wollen? Keine Ahnung. Jedenfalls kommen wir mit so einem Verhalten nicht weiter. Die Menschheit wäre nicht da, wo die heute ist. Apollo 11 wäre niemals zum Mond geflogen, wenn man nach Apollo 1 gesagt hätte: Okay, Feuer töten Menschen, wir lassen das besser mit der Raumfahrt.

Unsere Wege sind so verschieden und somit auch unsere Lösungsmöglichkeiten mit widrigen Bedingungen umzugehen. Wer sagt, dass Keks ihre Vaterrolle nicht auch als Frau ausfüllen kann? Wer sagt, dass Keks nicht weiterhin "der Ernährer" sein kann? Wer sagt, dass ihre Kinder nicht vollstes Verständnis von deren Freunden und Schulkollegen erhalten können? Wir leben in einer Zeit, die noch nie besser für TS war und da sollen wir uns immer noch verstecken und nicht unser Leben leben? Nein, ganz bestimmt nicht!

Bei all den negativen Erfahrungen die ich bis da hin machen musste, gibt es auch eine Menge positiver. Allein nur, weil ich so bin wie ich bin: Ich. Das hat auf so viele Leute eine so positive Wirkung, das glaubst du gar nicht. Ich bin berufl. so erfolgreich wie ich es als Mann nie gewesen wäre. Meine Kinder erleben einen Papa, der sich zu 100% auf die konzentrieren kann. Ich lerne so viele neue und nette Leute kennen, weil die einfach Lust haben sich mit einem Menschen zu umgeben, der Lebensfreude ausstrahlt. Und das soll ich alles nicht erleben und weitergeben dürfen nur, dass alles so bleibt wie es war? No no no no - no conmigo!
¡no lamento nada!
Keks
schau
Beiträge: 65
Registriert: So 26. Feb 2012, 12:33
Pronomen: sie
Wohnort (Name): TUT
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?

Post 60 im Thema

Beitrag von Keks »

Gute Tag ihr Lieben,

ich möchte gerne mit euch teilen, wie es sich bei uns in der Zwischenzeit entwickelt hat. Um kurz noch den Bezug zum letzten Post herzustellen, bin ich sehr dankbar, dass ich so viele tolle Menschen um mich herum habe, die in dieser Zeit auf verschiedene Art und Weise für mich da sind. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich im Alltag, für mein Gefühl, immer mindestens so freundlich behandelt wurde wie sonst auch. Im Freundes und Bekanntenkreis findet langsam der wechsel auf die weiblichen Pronomen statt und beruflich werde ich glücklicherweise auch ohne Personenstandsänderung seit diesem Monat als Frau mit neuem Vornamen im System geführt und auch von den Kolleginnen und Kollegen respektvoll im immer behandelt.
Ich freue mich sehr über die körperlichen Veränderungen und sehe immer mehr eine Frau im Spiegel. Mich selbst so im Spiegel ansehen zu können ist ein sehr schönes Gefühl mit viel Freude, dass ich so bisher nicht kannte.

Aber:
Mir fehlt meine Familie wahnsinnig. Anfang Oktober bin ich in eine Wohnung im selben Ort gezogen und es schmerzt sehr nicht bei der Familie sein zu dürfen. Der Auszug verlief soweit harmonisch. Im November hatten meine Kids Geburtstag und das war emotional sehr Anspruchsvoll. Aber wir haben es gut gemeistert.
Die Zeit vor Weihnachten war die schlimmste seit Jahren. Heiligabend und Sylvester nicht mit meiner geliebten Familie zu feiern ist echt ein krasses Erlebnis. Den Heiligabend habe ich mit der Familie meiner besten Freundin gefeiert und es ein Traum in Erfüllung gegangen, endlich als ich, hübsch gekleidet mit einem festlichen Kleid, zu feiern.
Die ersten zwei Wochen im neuen Jahr habe ich gebraucht um wieder zu Kräften zu kommen.
Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, dann sage ich: "Ich bin froh und dankbar, dass ich und meine Familie gesund sind, wir ein geregeltes Einkommen haben und trotzdem noch genug Freiheit haben um ein gute Zeit zu erleben. Corona ist schon anstrengend genug, aber dann noch die Trennung, den Auszug und die Scheidung zu erleben kostet schon alle Aufmerksamkeit. Dann noch das Thema meiner Transition oben drauf ist schon eine Herausforderung."
Ohne zu jammern. :)

Was mich zur Zeit traurig macht ist auch die Tatsache, dass die Geschlechtsdysphorie immer schon viel Leid mit sich gebracht hat und jetzt leider einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Es schmerzt sehr wenn dann gesagt wird, dass man doch selbst Schuld sei und es sich so ausgesucht hat. Oder sogar der Meinung ist, dass ich den Zeitpunkt doch hätte verschieben können.
Wenn ich von der Trennung erzähle, dann sagen einige auch, dass sie das Verstehen können. Warum? Meine Frau und ich hatten eine tolle Beziehung und haben echt schon viel miteinander durchgemacht. Ich habe sie auf Händen getragen und in jeglicher Hinsicht bestens für meine Familie gesorgt. Ich bin liebevoller und mehr ich selbst als je zuvor. Ok, ich sehe jetzt schon weiblich aus und werde zur Frau. Aber mein Charakter und mein Wesen entwickeln sich positiv.
Ich mache weder mir noch meiner Frau einen Vorwurf. Sie steht zu sich und das finde ich gut. Sie soll sich genauso wenig verbiegen müssen wie ich es nicht mehr tun möchte. Wir haben es beide versucht. Ich konnte den Prozess nicht mehr aufhalten und sie konnte die Veränderung nicht mehr ertragen. Wir sind in einem guten Kontakt und organisieren uns gut was die Kinder angeht. Interessanter weise respektiere und achte ich sie mehr als je zuvor. Sie ist die beste Mutter, die ich mir für meine Kinder wünschen konnte. Ich bin dankbar, dass sie mir gegenüber offen ist.

Ich halte an meinem Wunsch und Traum fest, dass wir bald wieder als Familie zusammen sein können und werde alles dafür tun um es in Erfüllung zu bringen.

Kennt ihr Partnerschaften, die nach der Transition wieder zusammen gefunden haben?
Über den Bericht von positiven Lebensläufen würde ich mich sehr freuen.

Alles Liebe und Gute,
Keks
Antworten

Zurück zu „Körper - Gefühle - Empfindungen“