Gute Tag ihr Lieben,
ich möchte gerne mit euch teilen, wie es sich bei uns in der Zwischenzeit entwickelt hat. Um kurz noch den Bezug zum letzten Post herzustellen, bin ich sehr dankbar, dass ich so viele tolle Menschen um mich herum habe, die in dieser Zeit auf verschiedene Art und Weise für mich da sind. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich im Alltag, für mein Gefühl, immer mindestens so freundlich behandelt wurde wie sonst auch. Im Freundes und Bekanntenkreis findet langsam der wechsel auf die weiblichen Pronomen statt und beruflich werde ich glücklicherweise auch ohne Personenstandsänderung seit diesem Monat als Frau mit neuem Vornamen im System geführt und auch von den Kolleginnen und Kollegen respektvoll im immer behandelt.
Ich freue mich sehr über die körperlichen Veränderungen und sehe immer mehr eine Frau im Spiegel. Mich selbst so im Spiegel ansehen zu können ist ein sehr schönes Gefühl mit viel Freude, dass ich so bisher nicht kannte.
Aber:
Mir fehlt meine Familie wahnsinnig. Anfang Oktober bin ich in eine Wohnung im selben Ort gezogen und es schmerzt sehr nicht bei der Familie sein zu dürfen. Der Auszug verlief soweit harmonisch. Im November hatten meine Kids Geburtstag und das war emotional sehr Anspruchsvoll. Aber wir haben es gut gemeistert.
Die Zeit vor Weihnachten war die schlimmste seit Jahren. Heiligabend und Sylvester nicht mit meiner geliebten Familie zu feiern ist echt ein krasses Erlebnis. Den Heiligabend habe ich mit der Familie meiner besten Freundin gefeiert und es ein Traum in Erfüllung gegangen, endlich als ich, hübsch gekleidet mit einem festlichen Kleid, zu feiern.
Die ersten zwei Wochen im neuen Jahr habe ich gebraucht um wieder zu Kräften zu kommen.
Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, dann sage ich: "Ich bin froh und dankbar, dass ich und meine Familie gesund sind, wir ein geregeltes Einkommen haben und trotzdem noch genug Freiheit haben um ein gute Zeit zu erleben. Corona ist schon anstrengend genug, aber dann noch die Trennung, den Auszug und die Scheidung zu erleben kostet schon alle Aufmerksamkeit. Dann noch das Thema meiner Transition oben drauf ist schon eine Herausforderung."
Ohne zu jammern.
Was mich zur Zeit traurig macht ist auch die Tatsache, dass die Geschlechtsdysphorie immer schon viel Leid mit sich gebracht hat und jetzt leider einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Es schmerzt sehr wenn dann gesagt wird, dass man doch selbst Schuld sei und es sich so ausgesucht hat. Oder sogar der Meinung ist, dass ich den Zeitpunkt doch hätte verschieben können.
Wenn ich von der Trennung erzähle, dann sagen einige auch, dass sie das Verstehen können. Warum? Meine Frau und ich hatten eine tolle Beziehung und haben echt schon viel miteinander durchgemacht. Ich habe sie auf Händen getragen und in jeglicher Hinsicht bestens für meine Familie gesorgt. Ich bin liebevoller und mehr ich selbst als je zuvor. Ok, ich sehe jetzt schon weiblich aus und werde zur Frau. Aber mein Charakter und mein Wesen entwickeln sich positiv.
Ich mache weder mir noch meiner Frau einen Vorwurf. Sie steht zu sich und das finde ich gut. Sie soll sich genauso wenig verbiegen müssen wie ich es nicht mehr tun möchte. Wir haben es beide versucht. Ich konnte den Prozess nicht mehr aufhalten und sie konnte die Veränderung nicht mehr ertragen. Wir sind in einem guten Kontakt und organisieren uns gut was die Kinder angeht. Interessanter weise respektiere und achte ich sie mehr als je zuvor. Sie ist die beste Mutter, die ich mir für meine Kinder wünschen konnte. Ich bin dankbar, dass sie mir gegenüber offen ist.
Ich halte an meinem Wunsch und Traum fest, dass wir bald wieder als Familie zusammen sein können und werde alles dafür tun um es in Erfüllung zu bringen.
Kennt ihr Partnerschaften, die nach der Transition wieder zusammen gefunden haben?
Über den Bericht von positiven Lebensläufen würde ich mich sehr freuen.
Alles Liebe und Gute,
Keks