conny hat geschrieben: Do 4. Mai 2023, 10:08
Mirjam hat geschrieben: Mi 3. Mai 2023, 21:53
.... mir ist nicht bekannt, dass es irgendwo in Deutschland ein Gesetz oder eine Verordnung gibt, wie du zu sprechen oder zu schreiben hast.
Ein Gesetz gibt es nicht, aber Unternehmen können dazu Vorschriften machen und Studierende müssen mit Sanktionen rechnen. Für mich ein Unding!
https://www.hna.de/kassel/universitaet- ... 65076.html
So ohne Kontext ein prima Aufreger, der sich allerdings sehr relativiert, wenn der Zusammenhang und die Konsequenzen mit benannt werden:
Honemanns Beschwerde bezog sich auf eine Vorlesung im ersten Semester. Dort sei es um Diversität gegangen, hatte Honemann im Frühjahr erklärt, unter anderem sollte Sprachsensibilität gefördert werden.
Er habe eine Arbeit abgeben müssen, eines der Bewertungskriterien sei die Verwendung geschlechtergerechter Sprache gewesen, also etwa -»die Schüler*innen-«. -»Ich habe jedoch das generische Maskulinum benutzt, "ºdie Schüler"¹, weil ich davon ausgehe, dass sich dann alle Geschlechter mitgemeint fühlen-«, sagte Honemann damals.
Dafür habe ihm die Dozentin Punkte abgezogen — allerdings ohne Konsequenzen: Es sei ohnehin nur darum gegangen, ob man die Prüfung bestehe oder nicht. Eine Note gab es nicht.
(https://www.spiegel.de/panorama/bildung ... 5f52bc9c6c)
Also: Keine Konsequenzen, keine Sanktionen, keine Nachteile.
Offenbar hatte der Student in der Varanstaltung zu Diversität und Sprachsensibilität nicht gelernt, dass sich beim gen.masc.
nicht alle mitgemeint fühlen... Ich sage mal: Lernziel an dieser Stelle nicht erreicht. Oder vielleicht ein anderer Grund?
Dazu noch ein Kontext: Der Student, Lukas Honemann, ist Geschäftsführer der
CDU-Kreistagsfraktion im Landkreis Kassel und aktiv im RCDS, der CDU Studierenden... nein,
Studenten. Ich habe ihn auch in einem TV-Gespräch gesehen, wo er sich zum gleichen Thema äusserst reaktionär positionierte. So viel zu politischer Motivation. Das war also alles kein Zufall, sondern ziemlich sicher bewusste Provokation zwecks politischer Publicity.
Es gibt offenbar keine einzige Uni, die Vorschriften macht oder bei nicht gendergerechter Sprache Leute durchfallen lässt. Nur Empfehlungen und die persönliche Freiheit der Studierenden:
https://www.rnd.de/panorama/gender-deba ... 3WVI4.html
Allerdings fällt es in einem akademischen Umfeld, das auf Diversität und Sensibilität achtet, natürlich auf, wenn einige sich ausdrücklich der Achtsamkeit verweigern. Wer diskriminierende Witze reisst o.ä. wird ja auch lieber aussen vor gelassen.
Einige scheinen noch nicht wirklich begriffen zu haben, dass sich Menschen durch Rassismen, Sexismen, Ableismen und auch durch nicht-inklusive Sprache verletzt fühlen. Häufig schon immer, aber jetzt erst die Stimme finden, dagegen aufzubegehren. Inzwischen sollte das eigentlich Allgemeinwissen sein. Fehler und Unachtsamkeiten können passieren, aber bewusst auf überkommenen Bezeichnungen und Formen zu beharren und sich nicht mal Mühe zu geben, kann gerade beim professionellen Umgang mit Sprache als absichtliche Respektlosigkeit bis hin zur Beleidigung gewertet werden.
Der "Auswuchs" betrifft generell die Frage, in wieweit Verlage und Redaktionen in das Urheberrecht von Autorys eingreifen dürfen. Das hat jetzt wirklich nichts speziell mit genderinklusiver Sprache zu tun. Im Text geht es auch um vergleichbare Fragen bei inzwischen zB als rassistisch bekannten Bezeichnungen.
Wie auch bei vorgeschriebenen Schreibweisen in Firmen oder Behörden kann eine Institution schon festlegen, wie sie nach aussen erscheinen will. Dort Beschäftigte können sich entweder dran halten oder gehen. Bei Autorys ist das etwas anders, weil deren Erzeugnisse in der Regel keine Gebrauchstexte für die Funktion eines Verlags sind, sondern eine gewisse künstlerische Schaffenshöhe haben und inhaltlich und stilistisch dem Autory zugeordnet werden.
Fazit: Je genauer eins hinschaut, desto weniger einfaches schwarz/weiss wird das Bild.
Im übrigen, Conny, hast Du meine Fragen aus
viewtopic.php?p=368595&hilit=konkret#p368595 noch nicht beantwortet, wo du meintest, dass "mit einer fragwürdigenden Ideologie versucht wird, eine Sprachregelung gegen den Willen der Mehrheit durchzusetzen". All diese Behauptungen lösen sich bei ein bisschen näherer Betrachtung in Luft auf oder zeigen bewusste Provokation oder falsche/verkürzte Darstellung und münden in der Regel in den Versuch, tatsächlich anderen die freie Wahl einer respektvollen, inklusiven Sprache zu verbieten.
Der Knackpunkt ist ganz einfach: Spätestens wenn Menschen gesagt bekommen, dass ihre Art unangenehm und verletzend ist - und schon immer war, nur ohne Konsequenzen -, haben sie die Wahl. Entweder sich Mühe geben, netter zu sein, oder weiter absichtlich nicht nett. In letzterem Fall sollten sie sich nur nicht wundern, deswegen zunehmend Kontra zu bekommen.