Jaddy hat geschrieben: Mi 4. Jul 2018, 13:17
Vielleicht habe ich da eine Ausnahmeperspektive, aber aus meiner Sicht ist es grundsätzlich eine persönliche Entscheidung, in wie weit man sich nach diesem Schema verausgaben und gängeln lassen will.
Um aber auf Dein Hamsterrad zurück zu kommen ist die Frage da vielleicht weniger eine des Geldes, sondern des Lebenswertes. Den kann man sich nicht unbedingt mit Geld kaufen, wenn die seelischen Kosten den Lebenswertnutzen übersteigen. Das hat wieder etwas mit der Definition von Glück und Zufriedenheit zu tun.
Zunächst muss ich sagen, dass es durchaus meine Absicht ist Missstände überzogen darzustellen. Und nur weil ich Dinge so darstelle, bedeutet das nicht, dass ich nicht klarkomme. Ich war in meinen Leben noch nie arbeitslos und habe auch durchaus mein Auskommen. Tiefglücklich macht mich das nicht - ich liebe meine Arbeit, die Rahmenbedingen aber lassen aus einer echten Berufung irgendwie eine Art "Arbeit unter Zwang" werden. Unser Turbokapitalismus ist da leider sehr unbarmherzig. Ich würde gern arbeiten, weil ich gern diese Arbeit tue, nicht weil ich sie tun muss, um existieren zu können. Das unterscheidet mich in keinster Weise vom Bauern, der um seine Ernte bangt.
Und wo genau man da nun "freie Entscheidungen " hat, würde mich grundsätzlich mal interessieren. Unser Zusammenleben ist in weitem Maße nach Gesetzen und Paragraphen geregelt - selbst für Blumenkohl gibt es Normen. Bei uns ist im Grunde irgendwie alles reglemtentiert, selbst wenn ich ins Bett gehen oder über die Straße gehen soll. Die einzig wirkliche Freiheit habe ich beim Konsum - da kann ich zwischen 20 Käsesorten wählen, 50 Joghurts und Puddings oder welchen Film ich abends per Netflix konsumiere. Echte Freiheit ist heute ein Kostenfaktor - und wenn z.B. Firmen flexible Arbeitszeiten einführen, könnte das Mehraufwand und Kosten verursachen. Darum machts ja fast niemand. Das wäre aber mal echte Freiheit, für Familie, Hobbys, Freunde.
Seit der Industrialisierung leben die Menschen im Takt der Maschinen. Heute ist das völlig normal und wir empfinden es fälschlicherweise so - vor der Industrialisierung war das anders. Mir geht es nur darum, einfach mal zu hinterfragen, was gesellschaftlich hier passiert. Mir wird einfach zu viel als gegeben hingenommen. Als wüchse es auf dem Baum. Ob das nun Geld ist, die Arbeit, alles ... es gab Zeiten, da hatten wir das alles nicht und lebten auch. Da darf man doch grundsätzlich mit dem Gedanken spielen, ob es nicht auch anders ginge (siehe Erich Fromm: Haben oder Sein) ... der Kapitalismus wird nicht die einzige Form des Zusammenlebens sein. Vielleicht funktionieren Gesellschaften ja auch ohne Anhäufung materieller Dinge, trotzdem mit Wohlstand, Arbeitsteilung und Wissenschaft - aber eben nicht nur auf Konsum basierend - vielleicht wertebasierend. Ich bin ja nicht der erste Mensch, der das in Frage stellt ... Marx, Kant, Fromm ... die haben doch fantastischen Ideen gehabt.
Kleine Ketzerin hat geschrieben: Mi 4. Jul 2018, 13:15
Ich weiß auch nicht, ob es Sinn macht, auf die Probleme dann so zu reagieren, dass man sich bestimmte Kleidung gleich ganz versagt und so dann das "Nachher" dem "Vorher" so weit angleicht, dass man ohne zu lügen sagen kann, dass das alles eh nichts gebracht hat. Du musst selber wissen, was Du tust und warum Du es tust.
Vor der OP war das bisschen anders. Da war ich schlank, sah auch viel, viel besser aus und konnte auf mal ne sexy Klamotte anziehen. Das tat ich auch und war damals auch recht glücklich und kostete das aus - das war eigentlich so, wie ich mir es erhofft hatte. Ich hatte meine Defizite, kam aber klar, war gern shoppen, Schuhe kaufen ... postOP konnte ich dann erstmal 1 Jahr nicht mehr richtig laufen und sitzen ... da fällt schon mal vieles einfach aus und flache Schuhe waren angesagt. Dann nahm ich zu, verlor meine Haare, konnte keinen Sport machen und mein Gesicht hat sich auch völlig unvorteilhaft verändert, die Haut wurde extrem schlimm, Ekzeme, roten Flecken - um nur einiges zu nennen.
Immer wenn ich dann so alte Bilder sehe, denke ich - wow, guck ma, so hast ma ausgesehen. Und ich passe da ja auch nirgends mehr rein, hohe Schuhe gehen mal gar nicht so - sieht total behämmert aus, ich habe ja nix schickes mehr im Schrank. Wenn man krank ist und Schmerzen hat, trägt man halt eher praktische Klamotten. Ich sagte ja bereits, dass ich zutiefst bereue diesen Schritt gegangen zu sein. Es war der größte Fehler meines Lebens. Damit habe ich mir komplett die Gesundheit ruiniert.