Nicole Doll hat geschrieben: So 19. Jan 2020, 13:00
Beispiel: Wenn der Vater Säufer ist und die Mutter regelmäßig krankenhausreif schlägt, ist es recht einfach diesen als Vorbild für sich abzulehnen und sich anders zu orientieren. Ist der Vater aber ein lieber Mensch, der selbst nie gelernt hat sein Leben in die Hand zu nehmen, nimmt man ihn durchaus als Vorbild. Im Sinne der Selbstfindung wäre also das abschreckende Beispiel besser. Wer zudem als Kind immer davor behütet wird Fehler zu machen, lernt auch nicht, wie man aus Fehlern lernt. Oder er erkennt die Fehler gar nicht als solche.
Hallo Nicole,
auch wenn das jetzt komplett off Topic ist, möchte ich das dennoch nicht so stehen lassen.
Ganz so einfach ist das nämlich nicht mit den elterlichen "Vorbildern" - ein Kind "liebt" auch einen prügelnden Vater und das "Ablehnen" eines Elternteils aus welchen Gründen auch immer, ist nicht so einfach.
Da gibt es zwischen schwarz und weiß eine ganze Menge unterschiedlicher Grautöne.
Schon richtig, wer als Kind nicht lernt, dass Fehler machen zum "normalen Erwachsenwerden" dazugehört, dem fällt es im Leben natürlich nicht unbedingt leichter, mit Fehlern und Rückschlägen umzugehen - keine Frage. Das entbindet aber niemanden von der Eigenverantwortung, es dann eben später zu lernen. Vor Allem, wenn man seine Defizite als Erwachsener erkennt, steht man für sich selbst in der Verantwortung, daran etwas zu ändern. Die Verantwortung dann auf die Eltern zu schieben, die es einem halt nicht beigebracht haben, halte ich für falsch und "zu einfach". Damit schiebt man die Verantwortung für sein eigenes Leben von sich weg und macht sich selbst zu einem "Opfer".
Auch wenn das eigentlich gar nicht hier hergehört, aber ich nehme gerne mein eigenes Leben und meine Erfahrungen als Beispiel:
Also kommen wir nochmal zu dem Alkoholiker-Vater....ein alkoholabhängiger Elternteil sorgt immer dafür, dass ein Kind kein sicheres Bewusstsein für Ursache und Wirkung bekommt. Im Normalfall lernt ein kleines Kind, dass die Eltern auf eine Aktion eine bestimmte, verlässliche Reaktion zeigen = Prinzip von Ursache und Wirkung. Ist ein Elterteil, oder sogar beide, Alkoholiker, dann kann sich das Kind nie auf eine bestimmte Reaktion verlassen,da man nie wissen kann, ob der Elternteil gerade nüchtern oder volltrunken ist, es kommt zu einer Unsicherheit, was das eigene Verhalten für Reaktionen hervorruft. Dies nur als Beispiel.
Da also nun im Elternhaus diese Fähigkeit nicht erlernt werden kann, muss diese quasi in Eigenverantwortung im weiteren Umfeld gelernt werden. Dazu ist natürlich erstmal nötig, dass sich das Kind irgendwann über dieses Defizit bewusst wird.
Natürlich kann ich jetzt meinem Vater die Schuld geben, dass ich diese Fähigkeit nicht von Haus aus mitbekommen habe, aber ich kann ihm nicht die Schuld dafür geben, dass ich es dabei belasse und mein Leben lang so bleibe - dafür bin ich selbst verantwortlich! ICH muss mich irgendwann entscheiden, ob ich die vorhandenen Defizite aufholen WILL, ich habe also die Wahl.
Und das ist nur ein kleines Beispiel für alles, was im Elternhaus "schief" läuft.
Gänzlich anderes Beispiel: eine liebe Freundin wird seit Jahren von ihrem Mann betrogen und bleibt trotzdem bei ihm, jammert aber immer darüber, was für eine üble Ehe sie hat. Sie hat die Wahl - sich weiter in Selbstmitleid suhlen und der Welt und ihrem Mann die Schuld für ihr Unglück geben, oder die Konsequenzen ziehen und gehen. Das Gehen würde sie aber aus der Komfortzone bringen, das Leben wäre finanziell schwieriger, die Kinder sind ein gerne genommenes Argument, und überhaupt hat sie Angst, alleine für ihr Leben einstehen zu müssen.
Gut, sag ich - dann bleib, aber dann will ich kein Gejammere mehr hören.
Wenn man merkt, dass der Gaul tot ist, dann sollte man absteigen! Sie hat eine Wahl - natürlich ist eine Entscheidung immer mit Konsequenzen verbunden, die es dann zu tragen gilt. Und wenn man sich einmal so herrlich bequem in der Rolle der leidenden, betrogenen Ehefrau eingerichtet hat, ist es natürlich wesentlich leichter, diesen Zustand so zu belassen und seiner Umwelt einfach immer weiter die Ohren vollzujammern.
Aber sie hat die Wahl!
Ich will Dich gar nicht "überzeugen", liebe Nicole, ich wollte Dir damit nur verdeutlichen, dass man immer im Leben eine Wahl hat - es ist nicht immer einfach, neue Wege zu gehen, oft ist es mit Schmerz und viel Anstrengung verbunden, aber die Wahl hast Du immer!
In diesem Sinne wünsche ich Dir einen herrlichen Tag (und allen anderen natürlich auch!)
Die Carry
"Wenn Du heute aufgibst, wirst Du nie wissen, ob Du es morgen geschafft hättest!"