LaraC hat geschrieben:Bianca D. hat geschrieben:Anni hat geschrieben:
Ein Passing ist sicherlich dann gut , .....
....wenn wir in der Masse untergehen und keiner von uns Notiz nimmt.
Ist das so? Finde ich ganz ehrlich nicht. Für den einzelnen kann es sicher ein Vorteil sein, wenn er sich nicht mit der Aufmerksamkeit anderer auseinandersetzen muss. Aber für die gesamte Gruppe derer, die nicht dem klassischen dichotomen Geschlechterstereotyp entsprechen und so leben wollen/können, ist es eher schlecht. Denn wie soll sich das Stereotyp ändern, wenn nie jemand damit konfrontiert wird, dass es mehr als die simplen Kategorien Mann und Frau gibt?
Liebe Grüße,
Lara
Aber wielleicht wollen wir nicht alle die Stereotypen ändern, sondern die nur in einem anderen Kontext benutzen und die explizit als Ausgangsposition für eine ganz persönliche Aussage. Ich fühle zumindest, dass es genau das ist, was ich tue. Ich kann doch nicht mein ganzes Leben lang darüber lamentieren, dass ich als Mann (fast) nicht weinen darf, über Alberheiten kichern, süß aussehen, automatisch TeilnehmerIn an Gesprächen über Beziehungsproblemen, Hello Kitty als Bildschirmhintergrund haben usw.
Wenn also diese ganzen Fazetten meiner Persönlichkeit als Grundaussage eher "weiblich" schreien - und ich mit Ausgangspunkt in einem weiblichen Stereotyp, mit meinem Aussehen, meiner Körpersprache, Wortwahl etc. plötzlich bei anderen Menschen eine Erwartungshaltung auslöst, die viel näher an meinem wirklichen Charakter ist, dann ist das doch der leichtere Weg glücklich zu werden.
Ab da kann man natürlich innerhalb der Konventionen eine persönliche Note setzen und dadurch keine graue Maus sein. Oder gar bewusst die Konventionen brechen - aber wie jeder Kreative gelernt hat: Man muss die Gestaltungsregeln kennen, um sie sinnvoll zu brechen. Das bewusste Missachten der Konventionen funktioniert auch nur so lange es die Konventionen gibt. Der Betrachter - also die Mitmenschen, die dich sehen - müssen dein Aussehen mit Ausgangspunkt in bestehenden Konventionen bewerten, sonst hat es auch keine Wirkung mehr.
Ein in den 1930ern frisch gelandetes Marsmännschen hätte auch weder über quadratische Schnurrbärte noch über Marlene Dietrich in Frack und Zylinderhut gestutzt.
Man muss also weder als graue Maus durch die Gegend laufen - noch muss man dringend die Geschlechterstereotypen komplette über den Haufen werfen wollen.