Annette hat geschrieben: Fr 3. Mär 2023, 11:56
Tira hat geschrieben: Fr 3. Mär 2023, 10:55
Und deswegen sollen wir uns wieder verkriechen und verstecken, damit die Allgemeinheit sich nicht belästigt fühlt?
Nein, natürlich nicht. Niemand sollte sich verkriechen... und es sind ja auch nicht
wir, die die Allgemeinheit "belästigen". Oftmals sind es selbsternannte Moral-Aposteln und Gutmenschen, die sich die Regenbogenfarben auf die Fahnen geschrieben haben, und damit zum Rundumschlag ausholen gegen alles was nicht ihren eigenen Wertevorstellungen entspricht. Sie sind es, die mit ihrem Herumgepolter vielen auf den Zeiger gehen. Zuviel davon ist einfach nur kontraproduktiv. Was mich selbst betrifft: Meine Transition ist durch, ich bin angekommen, auch in der Gesellschaft. Ich werde als Frau (!) anerkannt. Nicht mehr, nicht weniger. Und damit bin ich glücklich und zufrieden. Die ganze Publicity darum herum brauche ich eigentlich nicht, niemand braucht mich meines Hintergrundes wegen ins Rampenlicht zu rücken.
Eine verständliche EInstellung, aber auch eine fatale. Ich kann alle verstehen, die stealth leben - weil sie es können.
Übrig bleiben jene, die es nicht können, auf dem Weg sind, keine umfassende körperliche Transition machen können oder wollen. Die prägen dann logischerweise das öffentliche Bild von trans Personen - von Promis mit perfekter Angleichung mal abgesehen.
So kriegen wir das Bild vom "Mann im Kleid" nicht aus den Köpfen und die Vorstellung von "trans" bleibt eine von Freaks.
Das kann den stealth lebenden eigentlich nicht egal sein, denn ihre Sicherheit reicht nur soweit, wie sie nicht doch "enttarnt" werden. Dann greifen die gleichen Vorurteile und Diskriminierungen - und im übrigen auch alle trans-feindlichen und -diskriminierenen Regelungen, wie sie bspw in Ungarn, Polen, UK, und ganz schlimm in USA und Russland gelten(*). "Bathroom bills", Abschaffung von trans health care, Bücherverbote, Kleiderordnungen beschränkt auf das "birth sex", usw.
Es bleibt auch das Risiko, zum Beispiel bei neuen Beziehungen irgendwann in den Konflikt zu geraten und irrationale Reaktionen, Gewalt, etc zu erfahren.
Die Idee, in der Menge unsichtbar unterzutauchen und unbehelligt zu leben ist verlockend, aber sie funktioniert nicht auf Dauer bei feindlich eingestellten Kräften und massiver anti-Propaganda. Das haben schon andere Minderheiten versucht und sind regelmässig gescheitert.
Es ist deshalb fatal - und langfristig potenziell lethal - eine willkürliche Abgrenzung zu irgendeinem "zu viel" zu ziehen. Die Auffälligeren, die nicht anders können oder nicht anders wollen, sind einfach nur die
canaries in the coal mine. Die ersten Betroffenen, aber nicht die letzten. Sich mit der Mehrheitsgesellschaft gegen sie zu solidarisieren ist töricht, schäbig und letztendlich zum eigenen Schaden.
Entweder wir wenden uns gemeinsam, offen und jederzeit gegen jede Queerfeindlichkeit, egal welchen Buchstaben und welche Ausprägung es betrifft, oder wir gehen einzeln nacheinander unter. Egal ob stealth oder nicht.
(*) Ja, es geht noch schlimmer. In Dubai und den VAE dürfen trans Personen nicht mal landen. Nicht aussteigen, nicht mal für Transit. Emirate Airlines ist für trans Personen effektiv verbotene Zone.