Klar kann 1 das sehr pessimistisch sehen mit Funktionsträger"¢innen, Verantwortung, etc. Bei AKK bin ich allerdings der Ansicht, dass hier
Peter Prinzip, gezielte Desavouierung und der nach wie vor bestehende Alt-Herren-Klüngel der CDU zu diesem Ergebnis geführt haben. Sie war nach meinem Eindruck eher eingesetzt von Merkels Gnaden als selbst aktiv an die Spitze drängend. In einer Zeit der Visionslosigkeit bei gleichzeitig ziellosem alles-muss-anders-Drang. Die neoliberalen, die sozialfeindlichen, die rechten und die extrem religiösen Kreise der CDU agieren ja schon lange gegen Merkels eher sozial-liberalen Kurs. AKK hat aber nur Sprüche gemacht, soweit ich das mitbekommen habe. Es gab auch mal "Werkstattgespräche" zur Migrationspolitik, aber insgesamt ist zu keinem Thema eine neue, andere Ausrichtung herausgekommen. Geht auch nicht mit einer ehemaligen Vorsitzenden als Kanzlerin, die seit fast 16 Jahren mit besten Beliebtheitswerten eine ganz andere Politik macht. Dazu viele Fehleinschätzungen und Fettnäpfchen, bei denen ich zumindest teilweise auch Einfluss ihrer innerparteilichen Gegner"¢innen vermute. Die Rezo-Affäre zB hätte auch souveräner bewältigt werden können. Sie war mE schlicht überfordert von zu vielen Themen und ein Rückzug aus Hilflosigkeit auf reaktionären Glaubenssätze kann heutzutage nicht mehr gelingen.
Ich denke, vdL hat das viel besser überblickt, und sich bei der besten Gelegenheit quasi nach oben aus dem Schussfeld gezogen. Vermutlich spekuliert sie auf einen Hahnenkampf und einen daraus hervorgehenden scheiternden "Macher", während sie ihre Netzwerke sortiert und dann zurück kommt. Und scheitern wird ein "Macher" unter Garantie, denn wenn aktuell eines klar ist, dann dass einfache Rezepte und ein straightes "da geht's lang, egal was andere sagen" in dieser vernetzten Aufgabenlage keinen Erfolg bringen kann. Es braucht positive Zielvorstellungen. Mehr "für" als "gegen". Aber in der täglichen Umsetzung transparente Moderation und Mediation.
Demokratien scheitern meistens an der Illusion, dass einfache Lösungen von oben alles richten könnten. Das alles doch ganz einfach sei. In der Umsetzung fallen dann immer mehr Menschen raus, die nicht ins Schema passen. Die leiden erst, dann bricht das System an seinen eigenen, zu simplen Ideen zusammen. Sprich: Populismus und Totalitarismus kommen durch den Wunsch nach einer einfachen, sauber strukturierten Welt an die Macht, und sie scheitern daran, das Menschen, ihre Situationen und ihre Bedürfnisse eben vielfältig und verschieden sind.
Zum Thema "Mitte" gab es gestern eine tolle Kolumne im Spiegel, die gut erklärt, dass sowohl "Mitte" - bzw. "rechts" und "links" - als auch die Hufeisentheorie Illusionen sind. Also auch hier gilt: Mehr Differenzierung tut Not. Nicht pauschalisieren, sondern genau herausstellen, worum es geht. Ist halt manchmal anstregend, dieses Nachdenken.
https://www.spiegel.de/kultur/thueringe ... 9ef4ea9936