Das könnte man m/w-"Makro-Kriterium" wegen der Reproduktionsfähigkeit nennen. Aber es trifft die Wirklichkeit auch nur so viel, wie Newtons Mechanik ein Ausschnitt der Physik ist. In "Sex redefined. The idea of two sexes is simplistic" wird beschrieben, dass es auch auf Zellebene mehrere mögliche m/w-Unterscheidungen gibt, und sogar in ein und demselben Körper einige davon "männlich" und andere "weiblich" sein können. Das ist natürlich immer nur "m" bzw. "w" in Relation zu einem Idealkörper - den niemand hat.Atalanta hat geschrieben: Do 2. Mär 2017, 10:23 Was die Biologie betrifft:
Soweit ich gelesen habe, wird Geschlecht in der Biologie auf elementarer Ebene durch die Größe der Geschlechtszellen (Gamet, Pl. Gameten) bestimmt, die ein Individuum potentiell produzieren kann.
Das könnte vielleicht zu dem führen, was Du prognostizierst:
Auf der anderen Seite sind Biologie und Genetik vielleicht ganz nett für lehnstuhlphilosophische Diskussionen. Sie taugen aber aus meiner Sicht nicht, um Menschen auf Lebensweise, Rolle, Verhalten festzulegen, bzw. ihnen die von ihnen als richtig gefühlte zu verweigern. Kleiner Exkurs: 1969 gab es eine große Reform im deutschen Strafrecht, ausgehend von der Feststellung, dass das auf Humanismus und Aufklärung beruhende Grundgesetz inkl. Menschenrechte, etc. es verbietet, jemandem ohne eine verdammt gut fundierte Begründung ("verletztes Rechtsgut [eines anderen]") etwas zu verbieten oder aufzuzwingen. Bitte mal kurz genau drüber nachdenken, was das heisst. Gilt natürlich erst mal für die Legislative. (Auswirkungen bis heute: So ein Burkaverbot, Einreiseverbot für Erdogan, ets. ist gar nicht so einfach zu begründen. "Weil's uns nicht gefällt" reicht nicht).Atalanta hat geschrieben: Do 2. Mär 2017, 10:23Neuere Hypothesen sprechen immer mehr dafür, dass die Empfindung der Geschlechtsidentität komplexe biologische und/oder genetische Ursachen hat. Es sind wohl viele verschiedene Faktoren, die auch unterschiedlich zusammenspielen könnten, undzu ähnlichen oder gleichen Erscheinungsbildern bei Menschen führen. Dann ist auch Geschlechtsidentität Biologie. Und da stimme ich Dir zu, dass sich die Hypothesen wahrscheinlich durch weitere Belege und weitere Entwicklungen in eine wissenschaftliche Theorie* verwandeln werden, die so sturmfest ist wie die Evolutionstheorie, sich also wie Du sagst "sogar zeigen lassen könnte".
Ich bin da so ein liberaler Mensch, dass meiner Ansicht nach der gleiche Legitimitäts-Grundsatz auch im Alltag gilt und man das auch einfordern kann. Wenn also jemand für sich festlegt, sich so und so zu fühlen und deshalb so und so zu leben, ohne dass ersiees anderer Leute Rechtsgüter verletzt, dann hat niemand das Recht, das zu verhindern. Egal was die Biologie sagt. Denn wir gestalten längst unsere Umwelt im großen und im kleinen, um uns über unsere biologischen Voraussetzungen hinwegzusetzen, und das ist auch unser gutes Recht.
Also: Der Denkfehler liegt schon darin, sich das eigene Gefühl von externen Faktoren vorschreiben zu lassen. Selbst wenn Biologie, Genetik, Neubiologie irgendwann erklären oder feststellen könnten, wer wie gebaut ist, hat trotzdem jede.r die Freiheit, Präsentation, Verhalten, Sexualpartner, etc. nach eigenem Gusto zu wählen und zu leben wie es gefällt.
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