Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?
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Dolores59
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 1 im Thema

Beitrag von Dolores59 »

Auch wenn ich mit dieser These wahrscheinlich heftigen Widerspruch ernte: Ich glaube, dass eine nicht zu vernachlässigende Zahl männlicher Transgender deshalb dresst, weil sie damit, bewusst oder unbewusst, einen Aufstand gegen dieses nach wie vor existente Rollenbild proben und sich eine Auszeit von der allgemeinen Rollenerwartung nehmen.
Im Bezug auf die für Männer "vorgeschriebene" Kleidung ist es von meiner Seite aus ein klares Statement, aus diesem Teil der Rollenerwartung auszubrechen. Ich mag es nicht, wenn meine Männlichkeit von anderen Menschen aus der Kleidung, die ich trage, abgeleitet wird (nach dem Motto: trägt Hose = Mann bzw. trägt Rock = kein Mann).

Bei einem Satz, der etwa lautet "Als Mann kannst Du so nicht herumlaufen" bekomme ich eine regelrechte Haßkappe. Ähnliche Sätze bekommen Frauen ("Du alos Frau.....") zu hören, oder ältere Menschen ("In Deinem Alter kannst Du keine so kurzen Röcke mehr tragen").

Ich bin der Ansicht, dass ich meine Aufgaben als Mann in Hose oder Rock oder Kleid gleich gut erfüllen kann.

LG
Dolores
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Jaddy
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 2 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Du arbeitest dich hier an Fragen ab, die so ähnlich auch für Gleichgeschlechtlichkeit diskutiert wurden. Inklusive des Biologismus und Reduktion des Menschen auf die Reproduktion. Fakt ist, dass es bei etlichen Arten eine natürliche Bandbreite an Abweichungen vom Ideal der Cis-Hetero-Norm gibt. Die Evolution ist sie nicht los geworden und wir können getrost die Ursachenforschung ignorieren. Wir können in der Jetztzeit erst mal nur damit leben.

Inzwischen geben auch traditionelle Biologen und Verhaltensforscher zu, dass viele Tierarten eigene Aufgaben und sogar Partnerrituale für homosexuelle Individuen entwickelt haben. Sie wirken als Ammen, Ersatzeltern für Waisen, halten die Gruppe zusammen, etc. Man muss nur mal hingucken. Die einzige Art, die ihre Homosexuellen bis hin zur Tötung ausgrenzt, sind die Menschen.

Die Frage ist eigentlich nicht, wie wichtig Geschlecht ist, sondern a) wie wichtig sie dem Individuum ist und b) wie restriktiv die Umwelt auf die individuelle Einstellung einwirkt.

Die ganzen biologischen Argumente, die vielleicht gerade noch in der letzten Eiszeit gegolten haben, sind heutzutage jedenfalls Quark. Körperliche Kraft, Schnelligkeit, etc. sind weitgehend irrelevant. Gebärfähigkeit bei 1,6 Kindern in über 80 Jahren Lebenszeit ebenso wie Versorgung durch Partner und Kinder. Stattdessen sind soziale Fähigkeiten zunehmend wichtig für eine nur durch Kooperation, Abstimmung, Kompromiss und Rücksichtnahme wirklich funktionierende Gesellschaft. Das einzige, was da noch nicht mit der modernen Lebensweise Schritt gehalten hat, sind unsere anerzogenen Rollenbilder. Technisch-praktisch brauchen wir die unterschiedlichen Rollen nicht mehr. Und sozial brauchen wir sie auch nicht. Im Gegenteil ist es sogar eher hinderlich, wenn nur die eine Hälfte der Menschen sich auf Kindererziehung und Ernährung spezialisiert und die anderen auf Kampf und Technik - um die Klischees mal zu strapazieren.

Das Biologische tritt gegenüber der Erziehung und Sozialisierung in den Hintergrund. Siehe die unterschiedlichen traditionellen Normen, Werte und Verhaltensweisen für Männer und Frauen in Japan vs. Türkei vs. Schweden. Oder auch einfach grün-alternativem Berlin Prenzlberg vs. südöstlich-bayrischen Dorf. Wir Menschen können eine fantastische Bandbreite von Rollen und Stilen leben. Und das sogar parallel in der gleichen Stadt. Oder als ein und die selbe Person zu unterschiedlichen Zeiten und Gelegenheiten. Jedenfalls solange wir uns deswegen nicht gegenseitig an die Gurgel gehen.

Die Frage einer "natürlichen Geschlechtlichkeit" stellt sich aus meiner Sicht nicht, weil sie a) immer noch zu stark von der Umgebung vorgeschrieben wird, b) aber (Biologie!) immer wieder Individuen erscheinen, die damit nicht zurecht kommen. Aus humanistischer Sicht gibt es da nur eine Lösung, oder?

Deine Frage mit der Einheitskleidung löst übrigens das eigentliche Problem nicht, sondern verlagert es. Denn was könnten diejenigen tun, die nicht in Jeans, T-Shirt, Turnschuhen rumlaufen wollen?

Ich möchte die Frage aber mal umdrehen. Gerade weil ich immer wieder gegen binäre Denke, Schubladen und unsinnige Verhaltensvorschriften gegenüber anderen wettere.

Wenn jemand ein bestimmtes Selbstbild hat und das nun mal mit dem Label "Frau" oder "Mann" in welcher Kultur und Epoche auch immer übereinstimmt, dann bitte. Viel Spass im Leben und meine besten Wünsche, dass körperliches Empfinden, Präsentation, Gruppen-, Familien und Sexualleben damit in Deckung gebracht werden. Nur ist ihre Sicht auf Geschlechtlichkeit aus meiner Sicht und für mich kein Stück wertvoller, wahrer oder erstrebenswerter, als irgendein anderes, mit dem jemand glücklich wird. Und demzufolge möchte ich auch nicht, dass jetzt statt traditioneller Rollenklischees, ob jetzt von Cis- oder Transmenschen, plötzlich die Auslöschung aller Stile und Klischees als allein seelig machende Art propagiert wird.

So ein bisschen können wir von der Evolution doch lernen, dass Monokulturen anfällig sind. Es ist die Vielfalt und Varianz im Genpool, die eine Art robust durch Anpassungsfähigkeit macht. I.D.I.C :)

(Hm, okay. Ich könnte, müsste, sollte hier eigentlich noch was zu mehr oder weniger guten Lebensweisen schreiben. Stattdessen nur ein paar Links. The Moral Landscape und Hoffnung Mensch (und die neueren Bücher von M.Schmidt-Salomon))
Dolores59
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 3 im Thema

Beitrag von Dolores59 »

Wie wäre es für Euch als Crossdresser (nicht als Männer!), wenn es die Unterscheidung "Mann - Frau" nicht mehr gäbe? Alle Menschen in Jeans, T-Shirt und Turnschuhen herumliefen?
So weit entfernt sind wir nicht vom Einheitslook.

Wenn es alle Menschen so hielten, dann wäre ich kein Crossdresser, sondern ein "Alternative dresser": keine uniforme Einheitskleidung, bestehend aus Jeans, Shirt und Sneakern, sondern alternative Kleidung, bestehend aus Rock, Bluse und High Heels.

Ob das männlich oder weiblich ist, ist mir schnurzpiepegal.

LG
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 4 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Moin,

ich bin gar nicht so weit weg von Jaddy, möchte aber kurz auf die Biologie eingehen. Funktional, da hat Gabi Recht gibt es eindeutig die Unterscheidung in m und f. Aber die Reduktion darauf würde bedeuten, dass ein Mann kein Mann mehr wäre, wenn er eine Vasektomie machen lässt und eine Frau wäre nach der Menopause keine Frau mehr. Menschen, die von Geburt an nicht fortpflanzungsfähig sind, wären ebenfalls geschlechtslos. Das passt ja nun gar nicht.

Noch einen kurzen Ausflug in die Tierwelt. Bei vielen Tierarten spielt es die meiste Zeit keine Rolle, welches Geschlecht ein Tier hat. Lediglich zur Paarungszeit ist das von Bedeutung. Andere Tierarten haben in der Aufzucht ein grundsätzlich unterschiedliches Verhalten, was das Geschlecht angeht, z.B. Pinguine am Südpol. Wir Menschen sind das ganze Jahr paarungsbereit und die Kinderaufzucht ist in unterschiedlichen Regionen mal mehr und manchmal weniger geschlechtsbetont. In Albanien muss u.U. eine Frau zum Mann werden, um eine Familie zu führen, wenn das männliche Oberhaupt ausfällt.

Für mich bedeutet das, dass die Biologie nur zu einem geringen Teil geeignet ist, Übertragungen auf den Mensch herzustellen. Das Verhalten des Menschen ist nicht nur geprägt von sozialen, sondern auch von Gründen, die von den Lebensbedingungen abhängt. Wahrscheinlich sind die Lebensbedingungen wesentlich für die sozialen Verhaltensweisen von Bedeutung.

Aber egal wie wir Geschlecht definieren (funktionell, organisch, hormonell, genetisch, sozial, ...), es wird immer Ausnahmen geben. Das Entscheidende ist aus meiner Sicht nicht, wie wir Dinge definieren, sondern wie wir mit Ausnahmen umgehen. Es fiel ja bereits das Wort Humanismus. Ich denke, das wird zukünftig immer wichtiger und die Konsequenzen, wenn wir ihn vernachlässigen, immer gravierender. Die soziale/finanzielle Schere in Deutschland oder auch weltweit ist nur ein Aspekt. Der Umgang mit "Andersartigen" ein Anderer.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 5 im Thema

Beitrag von Cybill »

Es gibt Menschen und es gibt Rollen. Menschen haben biologische Dispositionen, die sie zum Zeugen oder Gebären befähigen und die -auf freier Wildbahn dafür sorgen, dass sich die einen um den Nachwuchs kümmern und die anderen für die Proteine sorgen. Das ist heute nicht mehr wichtig. Ersten gibt es eh zuviele Menschen und zweitens ist das arbeitsteilige Modell überholt.

Folglich verlieren Männlich und Weiblich an Bedeutung und werden zunehmend unwichiger.

-Cy
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 6 im Thema

Beitrag von ab08 »

Gabi Bauer hat geschrieben: Mo 20. Feb 2017, 20:46 Liebe Tabea,
Ich denke Trans*Frauen wollen das empfundene nach außen zeigen.
Heißt ich fühle und empfinde mich als Frau und will das eben meine Umwelt mich auch als diese wahrnimmt.
Zu dem lehne ich meinen Körper so wie er ist ab und strebe die Angleichung dem empfunden an.
Genau das höre und lese ich immer wieder von Transfrauen. Aber das passt doch ins Bild, dass Ihr Euch als Frauen empfindet, was bedeutet, dass die Unterscheidung von "Mann" und "Frau" eine wesentliche Rolle für Euer Bewusstsein und Empfinden spielt.
Liebe Gabi,

eigentlich mag ich Doppelzitate nicht...
-> zunächst wollte ich lediglich Tabea zitieren, denn ich sehe es im Grunde ähnlich, auch wenn ich den Begriff "empfundenes Geschlecht" hasse,
weil ich ihn zumindest bei Personen wie mir für falsch/irreführend (+ verletzend !) halte.

Nun meine Antwort:

Vorab: - Mir persönlich sind die Begriffe männlich - weiblich wichtig! - (Allerdings ist mir bewußt, dass es daneben auch jede Menge Zwischenstufen gibt. :wink: )
Ich bin eine Frau und der Meinung, dass dies nicht nur ein mehr oder weniger unbestimmtes "Gefühl" ist, sondern es sich auch irgendwann/irgendwie zeigen läßt (Bin halt Naturwissenschaftlerin :oops: ) ... Unabhängig davon zeugte ich drei Kinder ... aber es gibt schließlich auch Transmänner, die Kinder gebären.
In meinen Augen reichen eben "Gebärfähigkeit" bzw. "Zeugungsfähigkeit" nicht aus, um das Geschlecht eines Menschen eindeutig festzulegen. :wink:

Liebe Grüße
Andrea
Zuletzt geändert von ab08 am Di 21. Feb 2017, 22:42, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 7 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Wenn Du mich schon persönlich ansprichst ...

Männlich- weiblich ist auch für mich eine wichtige Unterscheidung, aber eben nicht im Sinne von entweder/oder. Ich hänge irgendwo dazwischen, aber nie ganz auf einer Seite. Das ist sehr mühsam. Den Mann in mir kann ich nicht annehmen, aber bin ich deswegen eine Frau ? Wahrscheinlich auch nicht. Ich habe zu meinem Körper eine sehr positive Einstellung, auch wenn ich ein Teil nicht unbedingt bräuchte und dafür andere Teile lieber wären. Aber wer weiß schon, wie es denn anders herum wäre ? Vielleicht wäre ich ein ziemlich taffes Weib ? :wink: :lol:

Aber anders herum gefragt, was wären wir Trans*-Menschen ohne ein Geschlechtsverständnis ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 8 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Zu dem Thema passt meiner Ansicht mal wieder das Genderbread.

Dabei werden schon mal 5 doppelte Skalen aufgespannt, also 10 Schieberegler für die persönliche Ausrichtung.
  1. "Gender Identity", das gefühlte Geschlecht
  2. "Gender Expression", das präsentierte
  3. "Biological Sex", die körperliche "Ausstattung", und dann
  4. "Sexually attracted to", und
  5. "Romantically attracted to" für die Beziehungsvorlieben
Das ganze Genderbread-Schema ist auch noch eine grobe Orientierung, denn mindestens Identity und Expression basieren ja auf Klischees, die nach Herkunft und Sozialisierung einer Person variieren können. Die beiden Attractions müssten aus meiner Sicht auch (Identity * Expression * Biologie) als Ziele angegeben können.

Ganz wichtig finde ich die doppelten Skalen. Bei der Identität kann also z.B. eine Person sich 100% Frau, 0% Mann fühlen, Person B aber 0/0, 50/50, 50/100 oder welche Kombination auch immer. Das eine schliesst das andere nicht aus. Wie man 50/50 nun genau interpretiert ist allerdings auch nicht genau definiert. Jede Einstellung ist eine Momentaufnahme. Vielleicht variiert sie zeitlich oder je nach Umgebung. Vielleicht ist jemand auch auf dem Weg von einer zur anderen.

Auch ich finde mich durchaus wieder, mit einer fluktuierenden Gender Identity relativ nahe bei 0/0 .. 20/20 oder so. Also Trans* ohne Geschlechterverständnis funktioniert vielleicht nicht. Aber genderqueer, -fluid und agender gehören meiner Ansicht nach auch zum Spektrum.

Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: http://itspronouncedmetrosexual.com/wp- ... on-3.3.jpg
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 9 im Thema

Beitrag von Lina »

Eigentlich finde ich diese Diskussion interessant, aber die wiederholt eigentlich nur - teilweise sehr detailliert ausgeführt etwas, was man öfters gehört hat und was eigentlich ziemlich auf den Punkt kommt in Gabis Post:
@Der Begriff "soziale Rolle" ist so schwammig, dass er sich eigentlich von selbst verbietet. Was ist die "soziale Rolle" einer Frau, was die eines Mannes?
Vielfach ist es immer noch so, dass Frauen als "die Mütter" (die sie zweifellos sind und das nach meinen Beobachtungen und Erfahrungen in der Regel, die immer durch Ausnahmen bestätigt wird, auch sehr genießen, auch heute noch!) und Männer als "die Versorger" angesehen werden.

...

Dabei finde ich, dass man sehr präzise und sehr technisch versucht etwas zu beschreiben, was eigentlich zu intuitiv abläuft, um so beschrieben zu werden.
Die Ausgangsfrage des Threads - "männlich, weiblich, ist das wichtig? - könnte man eigentlich sehr sehr einfach beantworten, nämlich: "Für dich vielleicht nicht, für die meisten anderen schon."
Und dadurch wird es eigentlich so was von egal, wie sehr man die Notwendigkeit, Anwesenheit und Arten von Gender-Verhalten erklärt oder wegerklärt. Es ist da. Die, die es am meisten für selbstverständlich halten sind auch die, die es am wenigsten erklären können. Und selbst in einer Gesellschaft, wo alle nahezu gleich gekleidet sind haben unterschiedliche Gender-Rollen auch nicht aufgehört zu existieren. Schaut mal wie die Chinesen alle gekleidet waren, während des Mao-Regimes. Da war bei den gemeinen Bürgern wirklich kaum Unterschied zwischen der Kleidung von Männern und von Frauen. Und gleich nachdem die Grenzen auf sind, Menschen dürfen raus und rein, neue Eindrücke dürfen rein - und gleich geht das Mann-Weib-Spielchen, wie wir es kennen richtig los. Erzähl mir nicht, dass es das Spielchen nicht gab während der Ära der Einheitskleidung.
Dann spricht ihr alle viel von der Biologie — die Notwendigkeit von Sex ... also hört mal, kann eine Einzige von euch bestätigen, dass eure ganzen unterbewussten Gedankenkonstrukte und Instinkte sich einen Dreck drum scheren, was notwendig ist? Wird da rationell entschieden und roboterhaft gesagt: Ab jetzt ist Fortpflanzung nicht mehr notwendig also ist Sex auch nicht notwendig und daher unterschieliches Gender-Verhalten nicht notwendig — ich bin die Genossin Ninotschka. (Aus dem Billy Wilder Film).
Sorry, Leute, so funtioniert es nicht in Praxis, egal wieviel ihr theoretisiert. Da wird ständig gespielt, abgecheckt, "wie könnte ich bei dieser Person ankommen" oder "OMG ist die/der furchtbar" - und WEIL das passiert und WEIL min. 80% einigermaßen oder überwiegend heterosexuell sind, wird es auch für sie wichtig sein klare Linien zu haben. Also kann man sich genausogut damit befassen, wie man damit umgehen will.
Damit sage ich nicht, dass niemand sich nicht als irgendwas dazwischen, drittes Gender oder so definieren sollte und auch nicht, dass man nicht mit Vollbart und Damenkleidung — ist ja nun kulturell Damenkleidung — rum laufen sollte. Man soll sich nur klar machen welches Statement damit gemacht wird.
Ich habe das vor wenigen Tagen in meinem Spießerviertel gesehen — ein fetter älterer Mann mit einer pinkfarbenen Jacke , langen Kleid und Vollbart. Nein, kein russischer Priester. Dazu war das Kleid zu asymmetrisch und der Schlitz zu lang. Eines ist, dass die Kopftuch bekleidete Frau und der kleine Sohn von ihr kaum auf ihn achtete — aber erstens sage ich reflexiv "ihn", und zweitens: Niemand würde ihn spontan Fragen, ob er kurz helfen kann ein Motorrad mit Baterieproblem anzuschieben. Obwohl er aufgrund seiner Körpergröße bestimmt dazu besser geeignet wäre als ich.
Und natürlich können Frauen auch Jeans tragen, genau wie Männer. Tun die das — ich meine GENAU wie Männer? Oder sehen die Hosen in der Damenabteilung doch tendenziell anders aus. Die Farben z.B. Blue Jeans sind natürlich blau. Ich meinte natürlich die üblichen Farben der Applikationen, sei es Strass, Pailletten oder Stickmotive — haben die genau dieselben Farben auf den Männerjeans?
Und wenn Frauen kurze Haare, Männerjeans, Holzfellerhemd tragen — lassen die dann nicht doch den BH provozierend sichtbar. Zumindest WENN, dann ist das nicht Zufall sondern auch ein klares Statement.
Das Ganze ist doch so reflexiv und subtil, dass es sich in der Weise nicht erklären lässt. Es geht doch so weit: Ich bin aktuell in einer Firma unterwegs, wo ich in der räumlichen Nähe einer Teamleiterin sitze, die zur Zeit reihenweise Telefoninterviews mit Bewerbern und Bewerberinnen macht.
Obwohl alle im Prinzip gleich behandelt wird, höre ich doch deutlich, ob ein Mann oder eine Frau am anderen Ende der Leitung sitzt. Leute entscheiden Intuitiv zwischen Mann oder Frau und reagieren dann selber mit dem jeweilig bei ihnen gespeicherte Programm.
So erzähl nicht, dass es die Verhaltensmuster nicht gibt. Und zu sagen, dass es die nicht geben sollte bringt nichts. Dann gibt es mehrere Möglichkeiten, wie man handeln kann. Man kann jemandem vor die Nase wedeln mit dem Ergänzungsausweis, nenn mich bitte "Nana", behandle mich wie eine Frau, sagen — sich nicht weiter mit männlchem und weibliche Verhalten befassen, weil das "gibt es in einer modernen Welt nicht"
oder man kann tun was man tun kann um diese ganzen versteckten Softwares in den Menschen nach weiblichen Vorgaben zu starten.
Die Leute im allgemeinen, wissen ja gar nicht, dass sie diese versteckten Softwares haben, also nützt es auch nicht viel ihnen zu befehlen, dass sie eich wie Frauen behandeln sollen. (Wenn ihr das wollt.)
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 10 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Mal ne Frage dazu.
Was genau heisst denn "als Frau behandelt" bzw. "als Mann behandelt" zu werden?
Wo genau ist für euch der Unterschied?
Ich frage in beide Richtungen, also sowohl wir ihr behandelt wollen möchtet, als auch wie ihr Männer und Frauen unterschiedlich behandelt.
Und ich frage, weil mir das vielleicht ein wesentlicher Teil des Problems ist. Nicht das Gefühl, sondern die Interaktion.
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 11 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Jaddy,

mit Frauen rede ich im allgemeinen offener. /auch über privatere, intime Themen/
Von Männern erwarte ich mir gegenüber mehr Zurückhaltung.
Wer mich seltsam behandelt (männlich oder weiblich), *) mit dem rede ich im Allgemeinen gar nicht.
*) Z.B. kumpelhaftes Auftreten von Männern - bzw. - Wer sich z.B. öfter bei der Anrede verspricht, z.B. gegenüber Dritten von "ihm" statt von "ihr" spricht...

Liebe Grüße
Andrea,

definitiv eine Frau, die auch höflich behandelt werden will.
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 12 im Thema

Beitrag von Lina »

@Gabi

Bist du Freudianerin? Das, was du jetzt als primitive Vorgaenge halte ich naemlich fuer sehr komplex und alles andere als Primitiv.

Freud mag auf vielen Punkten richtig geliegen haben, aber das, was er als "primitiv" bezeichnete ist doch Teil von vielen sehr ausgetueftelten Systeme, die im Menschen "eingebaut sind und viel mehr steuern als ein paar handlungen, die fuers nakte Ueberleben notwendig sind.
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 13 im Thema

Beitrag von Jaddy »

ab08 hat geschrieben: Fr 24. Feb 2017, 22:00 mit Frauen rede ich im allgemeinen offener. /auch über privatere, intime Themen/
Von Männern erwarte ich mir gegenüber mehr Zurückhaltung.
Ich finde das faszinierend. Hast Du Mutmassungen, warum das so ist? Sind da keine Männer für privatere/intimere Themen in Deiner Umgebung? Hat es was mit potenziellen Partnern zu tun? Was wäre mit Frauen, die Dich anbaggern?
Sorry, dass ich so frage; aber wenn man die Zuordnungen von Klischees an Biologie selbst nicht fühlt, dann wirken viele - ich behaupte: antrainierte - Gewohnheiten irgendwie seltsam. Vielleicht kannst Du mir helfen, den Sinn dahinter zu erkennen; wenigstens den Sinn für Dich.
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 14 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Gabi Bauer hat geschrieben: Sa 25. Feb 2017, 00:36Für das komplexe System Menschheit bedeutet Überleben, sich trotz der individuellen Machtkampfe nicht selbst auszurotten, sondern sich fortzupflanzen. Und das geht nur über Mann und Frau. Deshalb spielen Triebe so eine bedeutende Rolle.
Das mit der Fortpflanzung ist schon klar. Sexualtrieb auch. Aber erstens haben Menschen auch schon noch andere Interessen. Sonst würde nicht so viele davon Fussball schauen, Kuchen backen, Musik machen oder Modelleisenbahnen bauen und dafür auch noch gar nicht sexuelle Vereinigungen bilden. Zweitens ist Sexualität und alles was damit zu tun hat in menschlichen Gesellschaften _immer_ kulturell geregelt. Aber die Bandbreite dieser Regelwerke ist über den Globus verteilt so riesig, dass man wohl kaum eine biologische Determinante finden kann.
Von daher mag ich nicht von der blossen Tatsache Fortpflanzung und Drumrum auf genau die Umgangsformen, Weltbilder, Rollenklischees und sogar körperlichen Muster schliessen, die gerade heutzutage und hierzulande mit Geschlechtern verknüpft werden.
Kurz: _Dass_ wir kulturelle Regelwerke für den Umgang haben, auch durch Sexualität beeinflusst, ist klar. Aber _welche_, das steckt nicht in der Biologie, sondern in (viel unbewusster) Geschichte, Konventionen, Traditionen, also "Kultur". Und ändert sich zeitlich und regional.
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Re: Männlich, Weiblich - Ist das wichtig?

Post 15 im Thema

Beitrag von ab08 »

Jaddy hat geschrieben: Sa 25. Feb 2017, 00:17Hat es was mit potenziellen Partnern zu tun? Was wäre mit Frauen, die Dich anbaggern?
Hallo Jaddy,

da könntest Du Recht haben.

-> Eine Frau, die mich anbaggert, würde für mich emotional in die Kategorie "Mann" / bzw. "weiblich + bestimmender Sexualpartner"/ fallen. Ergo würde dieses Verhalten für mich(!) die Anzahl der Themen, über die wir uns wirklich zwanglos unterhalten können, erheblich einschränken.
-> Mit anderen Frauen kann ich mich in der Regel sozusagen im "Freundinnenmodus" intensiv austauschen. (Klappt eventuell zum Teil auch mit genderqueer etc. Personen...??)
-> Mit Männern klappt das im allgemeinen nicht, denn einen "Kumpelmodus" habe ich nicht und hatte ich(auch früher!!) nie wirklich. Natürlich versuchte ich sowas zu simulieren, aber das klappte nie richtig...

:oops: Tut mir leid, aber genauer kann ich das leider nicht ausdrücken. :oops:

Liebe Grüße
Andrea,

bin halt eine Frau und war das auch immer. Jetzt mit normaler, funktionsfähiger Vagina fallen entsprechende Gefühle/Emotionen noch eindeutiger aus.

Nachtrag:
"Potentielle Partner" , das trifft es nicht ganz, es steckt eventuell doch mehr, eine gesellschaftliche Grundstruktur, dahinter.
Beispiele, um meine emotionale Situation teilweise zu beschreiben:
Chef -> nur weibliche Angestellte ---- Sultan -> Harem ---- Hühnerhof: Hahn -> viele Hennen ---- Hirsch-> seine Hirschkühe
Unter Frauen fühl ich mich selbstständig, ebenbürdig, gleichberechtigt --- In Gegenwart von Männern fühl ich mich leider meist anders.
(Komischerweise war das immer so! -> Auch als ich in "männlicher Rolle" lebte, war das nicht anders.)


Übrigens:
Zitat "antrainierte - Gewohnheiten" --> Manches was zunächst nur "antrainiert" wurde, findet sogar Eingang ins Erbgut. (vgl.Tierreich)
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
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