Hallo,
nachdem der Thread so schön in der Versenkung verschwunden war, habe ich mir meinen versprochenen zweiten Senf verkniffen und auf Ruhe gehofft (sorry Pauline

).
Aber nach dem, was ich hier so über den Tag verteilt auf dem Handy lesen durfte, jucken mir seit Stunden die Finger, hier doch wieder mitzuschreiben
Ich machs einfach mal der Reihe nach:
Meine grundsätzliche Haltung zu Coming Outs von crossdressenden Männern gegenüber ihren Partnerinnen ist, dass mich die unterwürfige Haltung, das Schuldbewußtsein der sich outenden Männer langsam ankotzen. Manche meinen offensichtlich, sich dafür entschuldigen zu müssen, dass sie so sind, wie sie sind. Müssen sie nicht.
Da stimme ich absolut zu, unterwürfig muss der crossdressende Mensch nicht sein. Im Idealfall sollte eine gleichberechtigte Beziehung vorhanden sein, wo man auch solch ein Thema auf Augenhöhe miteinander angehen kann.
Frauen/Partnerinnen müssen nicht begeistert sein über das Coming out ihrer Männer, aber wenn man sich wirklich liebt, sollte das Outing dann doch wohl das Interesse der Partnerin für dieses Thema wecken. Eine Partnerin, die ihrem crossdressenden Partner signalisiert, er könne alles machen, solange sie davon nichts weiß und nichts sieht, gibt ihrem Mann eigentlich mehr oder weniger unverblümt zu verstehen: Du bist mir scheißegal, Hauptsache der Rest unserer Beziehung funktioniert noch.
Hier fängt es dann schon an, gewaltig bei mir zu haken.
Dass Abwehr als erste Reaktion durchaus normal und verständlich ist, habe ich ja schon hier beschrieben. Dass es dauerhaft nicht ideal für euch Teilzeitfrauen ist, wenn eure Partnerinnen wenig bis keine Begeisterung für eure Leidenschaft zeigen, kann ich auch gut verstehen. Was ich aber nicht verstehen kann, ist wenn hier dann Toleranz gefordert wird, ohne sie auch selbst zu gewähren.
Jeder Mensch hat seine eigenen Neigungen und Interessen, kann individuell verschieden das eine oder andere nicht ab. So sind die Menschen nun mal.
Wenn jetzt zwei Menschen zusammen finden, bei denen es im Großen und Ganzen gut zusammen passt, aber an diesem einen Punkt eben nicht, ist das dann doch kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Es zeigt doch nur, dass die Partner eben verschieden sind. Wenn beide Interesse daran haben und miteinander reden, können sie, meiner Meinung nach zumindest, trotzdem einen Weg finden, mit der Situation umzugehen, ohne dass einer der Beteiligten zu sehr leiden muss. Der Wille ist entscheidend, denke ich.
In 80 % der Fälle sieht das Tolerierungsmodell der betreffenden Partnerinnen allerdings eben +/- so in etwa aus. Das bedeutet für den crossdressenden Partner, dass er nach wie vor in Heimlichkeit leben muss, meist sogar gegenüber der Partnerin, der gegenüber er sich geoutet hat und in manchen Fällen (hatten wir schon hier im Forum) schmeißt die Partnerin noch seine Klamotten weg, weil sie meint, ihren crossdressenden Partner auf diesem Wege von seinem CD zu heilen. Funktioniert in etwa genauso, wie die Heilung von Homosexualität.
Was soll all das Gerede von Toleranz und Akzeptanz anderer Lebensweisen, wenn das noch nicht mal in der Familie funktioniert?
Selbst wenn die Quote in deinem Bekanntenkreis tatsächlich so aussehen sollte, heißt das noch lange nicht, dass du landes- oder gar weltweit repräsentativ urteilst. Im Gegenteil liest sich das für mich eher wie das frustrierte Pauschalurteil eines Menschen, der enttäuscht wurde und deshalb jetzt groß ausholt.
Es mag Frauen geben, die so sind, ja, aber dass sie die große Mehrheit sind, kann und will ich nicht glauben. Auch ich habe von den Heilungsversuchen durch Entsorgung der Kleidung hier gelesen und ich kann dir versichern, dass ich geschockt war, was da passiert ist. Allerdings verurteile ich, im Gegensatz zu dir, nicht gleich die Hälfte der Bevölkerung, nur weil es ein paar negative Ausreßer gibt. Schwarze Schafe gibt es überall, bei den Bio- wie bei den Teilzeitfrauen. So ist das nun mal in der Welt, und dann müsstest du schon die komplette Welt als böse verurteilen und nicht nur uns Frauen!
Wir hatten glaubich in diesem Forum den Fall, dass eine betroffene Partnerin ihren Ehemann wegen der Akzeptanz schwul/lesbischer Lebensweisen nachgerade agitiert hat. Sie war sprachlos, als ihr Mann ihr offenbarte, dass er selbst CD sei und erheischte ihre Toleranz. Da geht's an die Grenzen wenn's persönlich wird, meine Damen, nicht wahr?
Je näher einem der Mensch steht, der mit außergewöhnlichen Neigungen auf uns zukommt, desto näher geht es einem natürlich und desto schwieriger oder anspruchsvoller wird es, damit umzugehen. Das würde ich nicht negativ bewerten, weil es einfach menschlich ist. Da ist es dann auch egal, ob Männlein oder Weiblein, so ist der Mensch einfach konzipiert. Willst du den Frauen jetzt also tatsächlich einen Vorwurf daraus machen, dass sie Menschen sind?
CD'ler erwarten mit Recht von ihren Partnerinnen sofortige Toleranz: diese sogenannte Toleranz anderen Lebensformen gegenüber ist Bestandteil und Grundessenz unserer Gesellschaft! Toleranz heißt nicht viel: Duldung. Das ist wohl das Mindeste. Akzeptanz würde bedeuten, dass sie ihn unterstützt.
Wenn du Toleranz mit Duldung gleichsetzst und diese mit sofortiger Wirkung nach dem Outing einforderst, zeigt das nur deine eigene Intoleranz. Du duldest ja selbst keine Reaktion der Partnerin, die nicht in deine Wünsche und Vorstellung passt, ohne gleich die Frau komplett abzuurteilen ohne Gnade oder Verständnis. Zumindest für mein Empfinden.
Und gleichzeitig habe ich noch eine andere Erklärung für das unglaubliche Verhalten einiger (Ehe-)Frauen:
Kann es auch sein, dass ihr einfach nur ein bisschen dumm seid? Dumm im Sinne von ungebildet und schmalem Horizont? Das ist ja an sich nichts Schlimmes. Vielleicht habt ihr dafür andere Qualitäten. Sehr wahrscheinlich sogar. Wenn meine Frau das, was einige von euch an ihren Männern verbrochen* haben, mit mir gemacht hätte, hätte ich mich schon längst scheiden lassen. Macht meine Frau aber nicht. Weil sie viel zu klug ist. Und deshalb auch tolerant. Und mich liebt. Und mich deshalb sogar unterstützt.
Wer keine Freudensprünge macht, weil der Partner, den man als Mann kennen und lieben gelernt hat, sich plötzlich auch als Frau präsentiert, ist also dumm? Wer gibt dir bitte schön das Recht, die Intelligenz der Biofrauen anzuzweifeln, wenn sie anders reagieren oder empfinden als du es gerne hättest?
Die schon erwähnten schwarzen Schafe sehe ich problemlos ein. Dumme Frauen gibt es genauso wie dumme Männer und für die Intelligenz der auch schon erwähnten Extremfälle werde ich mich auch nicht verbürgen.
Eine Frau als dumm zu bezeichnen, weil sie mit den Neigungen ihres Partners nicht klar kommt, sehe ich trotzdem als vollkommen überzogene und unverschämte Aussage an. Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Gefühle, auch wenn diese der Beziehung oder dem Partner nicht gerade zugute kommen. Emotionen und Intelligenz sind nun mal leider nicht immer im Einklang. Da kann Frau noch so schlau sein, wenn ihre Gefühle ihr einen Strich durch die Rechnung machen, ist sie machtlos. Sie deshalb als dumm abzukanzeln, ist einfach nur die Intoleranz, die uns Frauen vorgeworfen wird.
Genauso sehe ich es auch, wenn Frauen vorgeworfen wird, sie würden ihren Partner nicht lieben, weil sie die Neigungen nicht so mit ihr/ihm leben können, wie es am schönsten wäre. Es mag Frauen geben, die aus mangelnder Liebe keine Unterstützung geben, aber genauso gibt es Frauen, die trotz aller Liebe einfach nicht so können, wie ihr es wollt. Manchmal reicht Liebe alleine eben nicht, weil Frau nicht aus ihrer Haut kann.
Also, liebe Schwestern: wenn euch eure Frau nicht akzeptiert, versucht es ein paar Mal im Guten. Und wenn es sich dann immer noch nicht gebessert hat: trennt euch von ihr! Dann war die Frau eben nicht die Richtige. Es gibt genug Frauen, die uns akzeptieren. Weil sie klug sind! Und deshalb besser zu uns passen.
Das ist die einzige Übereinstimmung, die ich bei dir finde, Lieschen: Wenn man keinen gemeinsamen Nenner findet, ist es wohl besser für alle Beteiligten, wenn man sich im Frieden trennt, statt sich gegenseitig zu quälen, weil es einfach nicht passt. Allerdings teile ich auch hier deinen Vorwurf gegen die weibliche Intelligenz nicht. Die Grenzen, ab wo eine Trennung sinnvoll ist, ziehen wir wahrscheinlich schon wieder verschieden, weil ich mehr Verständnis für die Biofrauen habe, während du mehr auf die Wünsche einer Teilzeitfrau achtest. Aber das liegt wohl in der Natur der Sache.
ch bitte aber nicht zu übersehen, dass Lieschen zweimal "einige Frauen" geschrieben hat, also keinesfalls verallgemeinert hat. Natürlich gibt es andere Beispiele, und Andrea und Ditas Frau gehören offensichtlich dazu. Und die sind natürlich nicht dumm, denn sie sind ja noch bei ihren "Teilzeitfrauen". Ich kenne übrigens welche hier aus dem Forum persönlich, die sogar bei ihren "Vollzeitfrauen" bleiben. Auch die sind natürlich nicht gemeint.
Stimmt, sie hat nicht komplett verallgemeinert, sondern nur ganz gezielt alle Frauen diffamiert, die aus welchen Gründen auch immer nicht mit der Frau in Ãhrem Mann klar kommen, egal auf welche Art und Weise sich das geäußert hat. Soll ich jetzt dankbar sein oder mich sogar geehrt fühlen, weil mir hier ein Minimum an Intelligenz zugestanden wird, weil ich bei meiner Süßen geblieben bin, statt zu flüchten? Soll ich jetzt die Klappe halten, weil ich ja nicht gemeint bin?
Tut mir leid, aber das habe ich nicht im Angebot.
Wenn so eine Breitseite gegen uns Biofrauen aufgefahren wird, kann ich die Finger nicht still halten. So wie ihr es zum kotzen findet, wenn euch nicht genug Unterstützung oder Begeisterung begegnet, finde ich es zum kotzen, wenn ich hier lesen muss, wie ihr genauso intolerant uns Frauen gegenüber seid, wie es uns Frauen immer vorgeworfen wird. Das ist einfach nur selbstgerechte Doppelmoral.
Ihr habt ein Recht auf Toleranz und darauf eure Neigungen auszuleben, klar. Aber vergesst dabei bitte schön nicht, dass die Menschen in eurer Umgebung und ganz besonders die Partnerinnen an eurer Seite auch ein Recht darauf haben, Gefühle und andere Meinung zu haben. Wenn ihr das nicht hinbekommt, wundert es mich ehrlich gesagt nicht, wenn dann die Partnerin irgendwann den Schlussstrich zieht, denn fragt euch doch einmal selbst, ob ihr bei einem Menschen bleiben wollen würdet, der seine eigenen Bedürfnisse unbedingt und rücksichtslos druchsetzt ohne nach euren zu fragen.
Das ist jetzt zwar ein elender Roman geworden, aber kürzer ging nicht, weil das jetzt mal raus musste.
LG
Sunny, die jetzt versucht sich abzuregen