Es gibt ja auch hochgeschlossene Dirndl- und Trachtenblusen, besonders für den Winter. Die vergleichsweise tief ausgeschnittenen Dirndlblusen, wie sie seit ca 150 Jahren im Alpenraum üblich sind, und wie sie heute allgemein bekannt und beliebt sind, sind auch erst in den letzten Jahrzehnten immer "offenherziger" geworden. Handelt es sich doch hierbei um eine schwärmerische modische Wiederbelebung von damals schon aussterbender "ländlicher Idylle" durch Bürger in den Städten.
In Böhmen, Mähren, Slowakei, Ungarn und ganz Südost- und Osteuropa, wie auch bei den Sudetendeutschen, Siebenbürger Sachsen usw. sind mehr oder weniger hochgeschlossene Blusen heute noch allgemein üblich. Und das sieht auch toll aus. Hier in den meisten Fällen wie beim heutigen alpenländischen Dirndl auch mit Miedern, die die Brüste hochdrücken und gut zur Geltung bringen.
Viele alten Regionaltrachten, die sich seinerzeit bei ihrer Enstehung an der Mode am spanischen Königshof im 16. und 17. Jh orientiert haben, haben allerdings sogar "gebretterte" Mieder. So z.B. die Altenburger Bauerntracht, Württemberg (z.B. Betzingen), Baden / Schwarzwald (z.B. Gutachtal) u.v.m. Die haben ein festes Brustteil, das ziemlich eben bzw konisch ist, und das selbst große Brüste eher flach drückt.
Ist jetzt nicht ganz mein Fall. Dennoch werde ich mir wohl noch irgendwann einmal so eine Tracht machen lassen, ähnlich wie die heute noch bekannte Betzinger (Zentralwürttemberg), weil ich nämlich in dieser Gegend geboren bin. Und bis heute habe ich immer Trachten aus anderen Gegenden getragen, nämlich Alpenländische, Böhmische (Böhmerwald, Egerland) oder Marburger (Mittelhessen).
Es gibt also jede Menge Spielarten und mehr oder weniger althergebrachte oder neuzeitlichere modische Richtungen, die für jede Figur und für jeden Geschmack ausreichend Spielraum lassen. Frau muß sich da nicht darauf beschränken, was der Massen-Versandhandel und einschlägige Bekleidungsketten halt so hergeben. Wo diese Sachen bisweilen sowieso eher an der gerade hochgejubelten Oktoberfestmode orientiert sind, und in vielen Fällen auch einem gewissen Maß an Kitsch nicht entbehren. Von mangelhafter Verarbeitungsqualität und wenig hautfreundlichen Stoffen bei Billigangeboten mal ganz zu schweigen.
Wenn sich jemand dafür interessiert, wie diese oben erwähnten Sachen aussehen, kann ich auf Wunsch gerne Hinweise zu Bildbeispielen geben. Vielleicht mag sich ja die eine oder andere auch mal neue - bzw hier wohl eher alte und bisweilen schon lange vergessene - Gestaltungsideen abseits von den gängigen gegenwärtigen ausgetretenen Modeströmungen holen. Dann kann das ausgewählt und ggf übernommen, angepaßt und zusammengestellt werden, was am Besten zur eigenen Figur und zu den persönlichen Vorstellungen von Körpergefühl, schöner Kleidung und bewundernswertem Auftritt paßt und dann auch gefällt - sowohl einem selber, als auch dem Betrachter.
So haben die Menschen das früher auch gemacht - immer den jeweiligen wirtschaftlichen Möglichkeiten und derzeitigen modischen Vorstellungen entsprechend. Und herausgekommenist dabei vielerorts etwas, was durchaus Jahrhunderte überdauert hat und vielfach bis heute noch als "schön" angesehen wird. Wir sollten uns wieder darauf zurückbesinnen, was uns gut kleidet und Freude macht, und nicht nur ein von einer nimmersatten weltweit handelnden Industrie erzeugtes Konsumbedürfnis um des Konsums willen befriedigt. Und der am Ende nur zur Anhäufung von wirtschaftlichen Gewinnen dieser Industrie dient.
Das ist übrigens ein fruchtbringender Gedankenansatz, der gleichermaßen auch für jede Art von neuzeitlicher Mode und Bekleidung Gültigkeit beanspruchen darf und bedenkenswert ist, und nicht nur für Dirndl und Trachten.
Ach ja, ehe ich es vergesse: Frauen mit kleinen und sehr kleinen Brüsten gab es schon immer und zu allen Zeiten - völlig unabhängig von den jeweils üblichen Moden und Bekleidungsgepflogenheiten. Und auch diese haben sich in der Regel nicht in Säcken gekleidet.
liebe grüße
triona
N.B @ Yvonne:
Du siehst in deinem Dirndl wunderschön aus.
Es steht dir wirklich gut.