Hallo fantasiereich!
Zunächst ganz kurz: Ja, natürlich kennt wohl fast jede(r) hier diese Frustration.
Was wir tun entspricht nicht der Norm und solange man selbst damit keinen normalen und natürlichen Umgang hat, solange wird es einem selbst auch komisch vorkommen, so komisch, dass man es lieber versteckt und vor allem, dass man selbst nicht ausreichend dazu und zu sich selbst stehen kann.
Doch da steckt auch des Problems Kern und des Rätsels Lösung.
Du musst zunächst für Dich selbst herausfinden, ob das was Du da tust für Dich zweifelsfrei richtig und wichtig ist. Ausserdem musst Du Dir darüber klar werden, ob Du auch ohne auskommen könntest - zumindest diese Frage ist für die meisten leicht und schnell mit Nein zu beantworten. Die ganz klassische Aktion, alles wegzuwerfen gepaart mit Verwünschungen und Schwüren und es dann doch wieder zu tun, haben viele schon hinter sich. Das führt zu der Erkenntnis, dass es ohne einfach nicht geht, Punkt. Über das Warum sollte man sich besser keine Gedanken machen, daran sind schon zuviele gescheitert. Es gibt kein universelles Warum. Einzig die Erkenntnis, dass es zu der eigenen Persönlichkeit untrennbar dazu gehört und man es, ob man will oder nicht, sein Leben lang mit sich tragen wird.
Diese Erkenntnis sollte dann auch zu der Einsicht führen, dass diese nun unabdingbar vorhandene Facette der eigenen Persönlichkeit gelebt werden muss. Denn wenn dies nicht passiert oder passieren kann, ist das was Du beschreibst, die Frustration, noch die mildeste der möglichen Folgen - was aber auch individuell sehr verschieden sein kann. Fakt ist aber, dass wenn es nicht ausgelebt wird ein Teil der Persönlichkeit unterdrückt wird. Dies führt zu einem ständig erhöhten Stress-Level und Stress kann zu psychischen als auch physischen Problemen führen.
Ich habe bisher nicht so sehr viele CD/TV/TS persönlich kennengelernt. Auch ist das Internet sicherlich nicht unbedingt eine sonderlich repräsentative Informationsquellen. Viele von uns bleiben, leider, aus ähnlichen Ängsten wie Deiner lieber völlig im Verborgenen. Einige halten das wohl auch eine ganze Weile aus, doch die ständige Angst entdeckt zu werden, frisst einen irgendwann auf. Andere schaffen sich bewusste Ventile, Zeiten, in denen sie es exzessiv ausleben oder bspw. ein paar Tage woanders so verbringen, wie sie sich selbst gerne erleben. Doch aus Berichten anderer und eigener Erfahrung würde ich sagen, dass kann nur eine Zwischenlösung sein. Die Zeiten dazwischen werden dadurch für viele um so frustrierender.
Viele werden darüber depressiv und es beginnt sich auch im Alltag auszuwirken. Aufgestaute Frustration entlädt sich zu unpassenden Augenblicken und darunter leidet dann das gesamte soziale Umfeld, allen voran die Partnerin.
Langer Rede kurzer Sinn.
Horche zunächst einmal in Dich hinein und versuche Dir selbst darüber klar zu werden, welchen Stellenwert "es" für Dich hat. Da Du aber schon von Frustration schreibst und diese schon so gross ist, dass Du aktiv einen Thread dazu eröffnest, ist der Stellenwert für Dich offenbar schon recht hoch.
Wie Du in anderen Threads beschrieben hast, machst Du das ja auch schon seit einigen Jahren. Also ist klar, dass Du es auch nicht verleugnen oder unterdrücken kannst. Es gehört zu Dir! Wichtig, damit diese Selbsterkenntnis auch gut sitzt, ist sich bewusst zu machen, dass weder Du noch andere etwas dafür können, dass Du so bist wie Du bist. Es ist einfach so und es wird nie aufhören. Es ist damit _natürlich_ und nicht abartig oder schlimm - Du bist eben, wie so viele von uns, etwas anders als viele andere, aber keinesfalls allein! Im Gegenteil, die Dunkelziffer der CD/TV ist immens, gröbste Schätzungen liegen im Bereich von 1% bis 10% der männlichen Bevölkerung - da sich die meisten aber nicht trauen sich zu äussern, weiss keiner etwas Genaues.
An dieser Stelle komme ich mal wieder nicht umhin, Julas wunderbares Buch "Ich bin (k)ein Mann" wärmstens zu empfehlen. Alles, was ich naiv und lückenhaft zuvor versucht habe zu beschreiben, erläutert Jula darin auf das Vortrefflichste, samt Herleitungen und Schlussfolgerungen, so z.B. auch, dass unser Tun weder Hobby noch Sucht und insbesondere nicht krankhaft oder therapierbar ist. Ich kann es nur empfehlen (und nein, ich bekomme keine Tantiemen von Jula
In Deiner Vorstellung hast Du geschrieben, dass Deine jetzige Freundin auf Deine Bemerkung mit den Röcken "Na und? Ist doch in Ordnung." oder so ähnlich geantwortet hätte?
Also wenn das keine Steilvorlage ist!
Ich würde Dir spontan dringend raten, Dir Gedanken darüber zu machen, wie Du sie behutsam mit auf diese wunderbare Reise mitnehmen kannst. Behutsam ist allerdings hier das Zauberwort. Die Rollenverteilung ist in unserer Gesellschaft intuitiv sehr klar geregelt. Rütteln wir an diesen ungeschriebenen Regeln, dann ist das für "normale" Menschen eine Kritik an den Grundfesten ihrer Überzeugungen und ihrer Sozialisation. Nicht nur, dass Du versuchst etwas Unnormales zur Normalität zu machen, es wird auch zwangsläufig die Rolle Deiner Partnerin in Frage stellen. Dies ist wohl meist das grösste Problem und Ursache für mögliche Ablehnung. Wenn Du gleich in vollem Ornat aufläufst, komplett als Frau zurecht gemacht mit allem was (für Dich) dazu gehört, könnte sie sich in ihrem Bild über sich selbst derart gestört fühlen, dass es zu einer persönlichen Verletzung wird. Viele Frauen fragen sich dann, bin ich nicht weiblich genug für ihn? Andere entwickeln instinktiv homophobe Tendenzen - ich bin doch nicht lesbisch! Wieder andere bekommen Angst, den Partner zu verlieren - jetzt wird er schwul! Und noch andere sind sich selbst und ihrer Umwelt so unsicher, dass die grösste Ablehnung aus der Angst besteht entdeckt zu werden - was sagen nur meine Eltern? Die Nachbarn?
Also nicht mit dem Holzhammer.
Behutsam, eins nach dem anderen.
Ich würde bspw. den Rock als Ansatz nehmen - das ist doch super!
Im kommenden Sommer bspw., wenn es schön warm ist, einen unisex Rock besorgen - einen Lunghi (auch Pareo oder Sarong, in Teilen Asiens für Männer völlig normal) beispielsweise. Damit könntest Du sie an Rock "gewöhnen". Im Zusammenhang damit sollten sich Gespräche darüber ermöglichen, dass einige Teile der weiblichen Garderobe eigentlich auch gut von Männern getragen werden könnten, es so viele schöne Sachen gibt etc. und schwups kann das nächste Teil dazu kommen. Das sollte genügend Bewegung in die Sache bringen um auszuloten, wie weit Deine Partnerin gehen würde. Versuche das herauszufinden, _bevor_ Du etwas Neues probierst. Es ist sehr viel leichter, in kleinen Schritten, aber mit kontinuierlicher Zustimmung, vorwärts zu kommen, als eine einmalige Ablehnung zu überwinden. Eine Ablehnung eines Details kann Dich leicht auf dem Weg wieder einige Schritte zurück werfen.
Überfordere sie also nicht.
Aber tue es. Unterdrücken wird früher oder später Deine Beziehung zerstören oder sie zumindest substantiell schädigen.
Und nochmal kurz auf die von Dir angesprochene kulturelle Herkunft Deiner Freundin eingehend...
Täusche Dich da vielleicht nicht! Auch wenn die Medien oft das Bild der erzkonservativen Türken oder Muslime im Allgemeinen prägen, so oft gibt es auch erstaunliche Berichte gerade über Frauen aus diesen Kulturkreisen. Ich denke man darf nicht verkennen, dass diese ganz klar patriachalisch ausgerichteten Kreise gerade für Frauen wenig attraktiv sind, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Frauen mit diesem kulturellen Hintergrund wissen also oft sehr gut was es bedeutet, die eigene Selbstverwirklichung unterdrücken zu müssen und das dies auf Dauer kein Spass ist. Sie können daher offener für unsere Belange sein. Wie Deine Partnerin diesbzgl. tickt, musst Du aber wohl selbst herausfinden. Doch ich würde, nur weil sie aus einer türkischen Familie kommt, keinesfalls sofort darauf schliessen, dass sie kein Verständnis für uns hätte. Gerade das Gegenteil könnte der Fall sein!
Liebe Grüße
nicole
PS: Halte uns auf dem Laufenden, wie es weiter geht!