Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus...?
Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus...?

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
Antworten
biene38
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 390
Registriert: Di 12. Feb 2013, 13:18
Geschlecht: Individualist
Pronomen: egal
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus...?

Post 1 im Thema

Beitrag von biene38 »

Hallo meine Damen/Herren,

in einem anderen Thread wurde diese Frage gestellt und nun möchte ich diese noch einmal aufgreifen.

Ich möchte behaupten, dass keine Frau und kein Mann weiß, wie es sich anfühlt ein anderer zu sein.
Jeder fühlt nur das, was er selbst fühlt auch aufgrund dessen, wie er von seiner Umwelt wahrgenommen wird und von anderen behandelt wird.
Aber wie könnte sich Weiblichkeit denn nun anfühlen?

Fest steht, dass abhängig von der Wirkung auf meine Umwelt, wie ich agiere und welche Signale ich sende, ich entsprechende Reaktionen empfangen werde.
Der große Unterschied liegt somit in der Wahrnehmung der Person durch die Umwelt, und wie mich meine Umwelt behandelt.
Der große Unterschied liegt darin, dass ein Mann wie ein Mann behandelt wird, und eine Frau wie eine Frau.
Am ehersten wird man vermutlich Weiblichkeit noch dadurch erfahren können, wenn man wirklich als Frau wahrgenommen wird und auch entsprechend behandelt wird.

Allein das Tragen von "weiblicher" Kleidung wird nicht ausreichen um zu erfahren, was Weiblichkeit bedeutet.

Ein CD, der nicht komplett als Frau erkannt wird, da immer noch mehr oder weniger der Mann durchscheint, wird wohl nie wissen, wie es sich anfühlt als Frau erkannt zu werden, und als solche behandelt zu werden. Im schlimmsten Fall wird er erkennen müssen, wie es sich anfühlt, wenn man gesellschaftlich nicht dazugehört und ausgegrenzt wird, da man der typischen Geschlechterrolle/bild nicht entspricht.

Gestern hatte ich ein prägendes Erlebnis, als uns (meiner Frau und mir) auf dem Nachhauseweg ein CD/TV auffiel. Schon beim Einfahren der Bahn durchs Fenster fiel er/ihr mir und auch meiner Frau sofort ins Auge. Vermutlich auch anderen, seine/ihre Sitzumgebung blieb unbelegt, und die Leute schienen zwanghaft an ihm/ihr vorbeizuschaun.
In dem Moment war ich echt erschrocken.
Perücke, Makeup, Stiefel, Strumpfhose und Rock machen eben keine Frau aus.

Und erschrocken war ich auch deshalb, weil ich mir unsicher war, ob ich nicht auch so einfach zu durchschauen bin , wenn ich mich auch mal zurecht gemacht habe. Gestern war ich übrigens "nur" in meinem Männerrockoutfit unterwegs, und war in dem Moment sehr froh darüber.
Meine Frau meinte nur, als ich sie fragte, ob ich denn ähnlich wahrgenommen werde, wenn ich gestylt bin (bislang nur im Fasching, habe mich sonst noch nicht getraut), dass sie das nicht beurteilen könne.
Ich schloß daraus, dass meine Erscheinung dann auch nicht wirklich überzeugend ist.
Jedenfalls möchte ich so nicht wahrgenommen werden, da ich mich solch Reaktionen der Umwelt einschließlich meiner nicht aussetzen wollte.

Vielleicht wollt Ihr auch Eure Ansichten/Gedanken mitteilen...

Grüße von der Biene (na)
Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3851
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Hat sich bedankt: 118 Mal
Danksagung erhalten: 207 Mal
Kontaktdaten:

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 2 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Biene,

nun, was Wahrnehmung angeht, hast du als Praktizierende(r) natürlich ganz besonders sensible Antennnen. Das ist bei Otto-normal-Bürger nicht so.

Kleidung, Schuhe, Makeup, Perücke allein machen in der Ercheinung auch m. E. noch keinen Mann zur Frau. Es kommt auch darauf an, ob man insgesamt ein stimmiges Bild ausstrahlt, d.h. ob die Erscheinung für eine Person in dem Alter auch für Ort und Zeit angemessen ist. Bio-Frauen haben darin jahrzehntelange Erfahrung, was noch angemessen ist, was vielleicht auffällt, aber nicht das Geschlecht des Tragenden in Frage stellt. Cross Dresser beanspruchen die Sachen auch nicht so, wie die Bio-Frauen und deshalb wirken die Kleidung und Haare schnell auffällig, zu gepflegt und wenig modisch. An sich sind Minirock und Nylons in dieser Jahreszeit schon unüblich, wenn man nicht gerade in eine Schulmädchenklique auf Heimfahrt oder Mitternachtsparty gerät .

Zudem spielt es auch eine Rolle, aus welcher Perspektive und bei welchem Licht man wahr genommen wird. Da mag in der schattigen Ecke der Mann in der Frau schon weniger auffallen, als in der hell beleuchteten S-Bahn etwa. Generell aber macht es sich auch schon bemerkbar, wie man sich fühlt und welches Selbstvbewusstsein man ausstrahlt.- Und manchem ist es auch nicht wichtig, als Frau identigiziert zu werden, sondern mag nur die Klamotten inkl. der ganzen Ausgestaltung zu tragen. auffallen und Gerede, na und?! Es ist halt auch eine Frage der eigenen Einstellung.

Im übrigen. Die Menschen sind verschieden. Und auch in CD-Kreisen muss man ja nicht alles mitmachen.

Liebe Grüße
Inga
Vincent
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 580
Registriert: Mi 25. Jul 2012, 16:20
Geschlecht: enby
Pronomen: egal
Wohnort (Name): München
Hat sich bedankt: 10 Mal
Danksagung erhalten: 56 Mal
Kontaktdaten:

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 3 im Thema

Beitrag von Vincent »

Hi Biene,
Rock und Nylons machen es sicher nicht aus, ganz im Gegenteil.
Die meisten CDs werden wohl am ehesten mit Jeans Pulli und normaler Damenjacke, ohne übermäßiges Styling als Frau durchgehen - auch wenn genau dieses Outfit von den meisten nicht gewünscht ist.
Lieber etwas mehr auffallen als Frau und aufgrund dessen dann vielleicht auch als Mann erkannt werden, als sich im fast männlichen Sack-und-Asche-Grau unerkannt unter das weibliche Volk mischen - das ist für mich der verbreitete Grundtenor.

Ich wurde schon mal kurz als Frau wahrgenommen und behandelt - es war für mein Gefühl nicht richtig, wenn auch interessant. Dieses Erlebnis war für mich der Schlusspunkt eine Frau zu imitieren und nach langer Pause der Beginn des "Mannes im Rock"
LG

Vincent
Cybill
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2461
Registriert: Sa 20. Jun 2009, 18:29
Geschlecht: Frau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Falkensee
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 9 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 4 im Thema

Beitrag von Cybill »

Weiblichkeit findet nicht auf der Haut sondern zwischen den Ohren - also im Bregen - statt. Fummeltragen hat nichts mit Weiblichkeit zu tun, es ist das eigene Erleben und Verhalten. Dass wir uns hier austauschen über die Möglichkeiten das eigene Erscheinen dem anzugleichen hat lediglich damit zu tun, dass wir unsere Erscheinung dem Empfinden angleichen wollen. Das Bewusstsein bestimmt also hier dass Sein.

So als Denkanstoss!

Grüße aus dem dicken B
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
Daniela.transg
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 125
Registriert: Sa 3. Aug 2013, 07:22
Pronomen:
Wohnort (Name): Salzgitter
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 5 im Thema

Beitrag von Daniela.transg »

Nur am Rande.....
Wie weiblich oder männlich ist mein Gesicht? Eine interessante Webseite, auf der man(n) es testen kann

Mein Testurteil zur Seite: gender-bs.de/?p=721
direkt zur Webseite: pictriev.com/
Viele Grüße aus Salzgitter

Daniela
Besuche uns doch auf
der Homepage: http://www.gender-bs.de
auf Facebook: https://www.facebook.com/gender.bs
Daniela.transg
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 125
Registriert: Sa 3. Aug 2013, 07:22
Pronomen:
Wohnort (Name): Salzgitter
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 6 im Thema

Beitrag von Daniela.transg »

Kleidung macht allein nicht weiblich oder männlich; Kleidung allein kann im schlimmsten Fall nur unmöglich machen :-)

Meine Meinung war schon hier viewtopic.php?f=45&t=3886&start=75

Für mich steht eher die Frage, was sagt Euere Seele
Viele Grüße aus Salzgitter

Daniela
Besuche uns doch auf
der Homepage: http://www.gender-bs.de
auf Facebook: https://www.facebook.com/gender.bs
xeni

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 7 im Thema

Beitrag von xeni »

(na) (na) Am besten können das kinder beurteilen die fragen einfach :-) wenn sie unsicher sind .

:()b ))):s
Julia65

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 8 im Thema

Beitrag von Julia65 »

biene38 hat geschrieben:Ein CD, der nicht komplett als Frau erkannt wird, da immer noch mehr oder weniger der Mann durchscheint, wird wohl nie wissen, wie es sich anfühlt als Frau erkannt zu werden, und als solche behandelt zu werden. Im schlimmsten Fall wird er erkennen müssen, wie es sich anfühlt, wenn man gesellschaftlich nicht dazugehört und ausgegrenzt wird, da man der typischen Geschlechterrolle/bild nicht entspricht.
Ja, das stimmt. Das ist ja auch das, was ich an dem sogenannten "Alltagstest" zu bemänglen habe. Eine Transfrau, die mit ihrer Transition beginnt und in den Alltagstest starte, die testet ja weniger (wie es ja eigentlich soll), wie sich der Alltag als Frau so gestaltet, sondern viellmehr, wie man sich als Freak, von allen angestarrt, durchschlägt. Das hat kaum was mit dem Alltag einer Frau zu tun.
biene38 hat geschrieben:Meine Frau meinte nur, als ich sie fragte, ob ich denn ähnlich wahrgenommen werde, wenn ich gestylt bin (bislang nur im Fasching, habe mich sonst noch nicht getraut), dass sie das nicht beurteilen könne.
Ich schloß daraus, dass meine Erscheinung dann auch nicht wirklich überzeugend ist.
Jedenfalls möchte ich so nicht wahrgenommen werden, da ich mich solch Reaktionen der Umwelt einschließlich meiner nicht aussetzen wollte.
Deine Frau kann das deshalb wohl nicht beurteilen, weil sie quasie die ganze Wahrheit schon gut kennt. Das geht dir sicher genauso, wenn du in den Spiegel schaust.
Dies ist ein Thema, über das ich schon viel nachgedacht habe und immernoch nachdenke. Es gibt ein Sprichwort: " Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck". Ist der erste Eindruck Mann, dann sitzt der und lässt sich auch mit recht gutem Styling nicht so einfach abändern. So ist meine Erfahrung, dass Leute , die mich schon als Mann kannten (Arbeitskollegen, Freunde, Nachbarn, Familie und auch ICH selbst) mich oft immernoch als Mann wahrnehmen und somit auch vesehentlich manchmal noch männlich ansprechen. Das hat aber tatsächlich nichts damit zu tun, dass mein Passing schlecht ist, oder ich äusserlich männlich wirke. Sondern vielmehr damit, dass die trotz aller Hülle den Menschen des ersten (oder der ersten 150.000) Eindrücke sehen.

Ich habe da einige Experimente gemacht:
Während meiner bisherigen Transition ist mir aufgefallen, dass nach einigen Monaten das "sichere Gefühl" in der Öffentlichkeit gelegentlich angeglotzt zu werden (oder über mich getuschelt wurde) ausblieb. Die erste Idee war dazu, dass mein Passing wohl in Folge etwas mehr Übung im Styling und der Wirkung der Hormontherapie, sowie der längeren Haare, des schwächer werdenden Bartschattens, aber vor allem wegen des sicheren selbstbewussten Auftretens um ein Vielfaches besser geworden sein musste. Dennoch stolperten mir seit Jahren bekannte Menschen nach wie vor darüber, mich männlich anzusprechen. Warum ist das so?

Wenn ich Menschen, die mich schon lange auch als Mann kannten, nach meinem Passing fragte, dann kam entweder die Antwort, dass sie es nicht beurteilen konnten, oder es kam eine Reihe von Aufzählungen woran man eindeutig noch den Mann erkennt. Schon komisch, oder? Also blieb mir nichts anderes übrig, als FREMDE MENSCHEN nach meine Passing zu fragen. Oh doch, das geht. ;-) Entweder entwickelt man sensieble Antennen und achtet auf winzige Reaktionen der Mitmenschen, die einem eindeutig verraten wie sie einen wahrnehmen, oder man fragt direkt danach. Ein Beispiel:
Ich habe neulich über ein Facebook-Angebot einen gebrauchten Schreibtisch gekauft. Ich verabredete mich mit der Verkäuferin, diesen am nächsten Tag bei ihr abzuholen. Sie sah nur mein Avatarbild von Facebook (z.Zt. das selbe wie hier) und las meinen Namen. Am besagten Morgen stieg ich aus dem Bett, kämmte mich, Hose, Turnschuhe und Pulli angezogen, die Mähne ein bissl zurechtgezupft uns nagut: Lippenstifft, Kajal und Maskara druff. Handtasche gegriffen und los gings. Die Frau war freundlich und half mir die Teile des Tisches durch das Treppenhaus zu meinem Auto zu tragen. Später schrieben wir dann nochmal ein paar Worte über Facebook (Fragen wegen Zusammenbau). Dann schrieb ich ihr, dass ich noch eine persönliche Frage hätte. Ich schrieb, dass ich Transfrau sei und ob man den Mann denn noch an mir bemerken würde. Das war DIE GELEGENHEIT, denn diese Frau kannte mich ja überhaupt gar nicht. Und es war natürlich volle Absicht, erst HINTERHER danach zu fragen. Die Antwort war: Oh, da habe ich jetzt gar nicht so drauf geachtet, aber mir ist da nichts aufgefallen. Ich schrieb dann, dass mich das freute, dass sie mich wohl dann als Frau wahrgenommen hätte , die vielleicht nur eben etwas burschikos wirke mit tiefer Stimme. -Darauf schrieb sie nur noch, dass eben manche Frauen solche Stimme habe und ihr da nichts komisch vorgekommen sei. - Das war natürlich ein schönes Erlebnis für mich. Nur so kann man hinterfragen, wie man wohl von den meisten in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Und ich trug weder High Heels noch FSH oder Rock (was nicht so gut wäre beim Tragen von Möbelteilen). Auch war ich nur ganz ganz mässig geschminkt. Da ich aber sonst schon ein wenig weiblicher gekleidet bin (mein typisches Outfit in dieser Jahreszeit ist eher: schwarze Leggins, hohe Stiefel und Jeansmini, -T-Shirt) und ein wenig mehr geschminkt, kann ich wohl davon ausgehen, dass mein erster Eindruck heutzutage zu 99% eindeutig FRAU ist.

Was aber ganz wichtig ist: Das Auftreten. Eine lockeres sicheres Selbstbewusstes Auftreten sollte nicht unterschätzt werden und kann so manches vielleicht zweifelhaftes Äusseres enorm zurechtrücken.
Durch ängstliches, vorischtiges, stilles, auf-den-Boden-schauendes an den Wänden entlangschleichen kann das beste Passing zerbröseln lassen.
Ein augenscheinlich vollkommen ungezwungenes alle Leute freundlich ins Gesicht lächelndes strahlendes Selbstbewusstsein kann ein äusserlich gewagtes Passing felsenfest machen.

Ich lese hier immer wieder mal von einigen, dass es ihnen egal sei, was andere denken. Sie kleiden uns stylen sich so, wie sie sich selber wohlfühlen. Bei mir ist das doch ein wenig anders. Mir ist es nicht egal, wie ich wahrgenommen werde. Nun ist es längst nicht mehr so, dass ich in Panik gerate, wenn ich mal feststelle, dass mein Passing nicht funktioniert, jedoch fühle ich mich wohler wenn es das tut. Ich habe genug Selbstwertgefühl um mit Stolz zu meiner Transsexualität zu stehen, aber es tut ja nicht Not. Als Frau wahrgenommen zu werden und entsprechend so behandelt zu werden, bestätigt die Richtigkeit meines Entschlusses zur Transition und ist schon sehr angenehm.

Fazit: Auch wenn man selbst und Menschen, die einen schon lange kennen, immer noch deutlich den Mann sehen können, bedeutet das noch lange nicht, dass der erste Eindruck (und damit die Wahrnehmung der Öffentlichkeit) "Mann" bedeutet. Die Öffentlichkeit schaut meist flüchtig. Das, zusammen mit einem selbstbewussten Auftreten, ist. m.E. die halbe Miete.

LG
Julia
biene38
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 390
Registriert: Di 12. Feb 2013, 13:18
Geschlecht: Individualist
Pronomen: egal
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 9 im Thema

Beitrag von biene38 »

Hi Julia,

erstmal vielen Dank für Deinen schönen und aufschlußreichen Beitrag.

Letztendlich muss man der Wahrheit einfach irgendwann ins Auge blicken.
Dazu ist es allerdings erst mal nötig, zu erkennen und dann zu wissen, was man möchte. In meinem Fall ist es, modische Freiheit und auch eine gewisse Freiheit bezügl. meiner Rolle in der Gesellschaft zu erreichen. Diese "Attribute" werden momentan stark mit Weiblichkeit verknüpft, obwohl es eigentlich mit Weiblichkeit gar nichts zu tun hat, sonder nur eine Errungenschaft durch die Frauen im letzten Jahrhundert ist.
Nun gibt es verschiedene Wege, dem in der heutigen Zeit etwas näher zu kommen oder gar zu erreichen.
Als Mann, der aus seiner starren Rolle ausbricht, der mehr oder weniger das trägt, wozu er Lust hat, und sich auch so gibt, wie er möchte ungeachtet der gesellschaftlichen Vorgaben, Restriktionen und auch Konsequenzen.
Als Mann, der als "Teilzeitfrau" zeitweise aus seiner Rolle ausbricht, wobei hier die Grenzen fließend sind zu dem vorherigen Punkt, da androgyner Mann oder "Teilzeitfrau" teilweise nicht mehr zu unterscheiden sind. Da gibt es dann die, die mehr oder weniger ungeachtet ihrer optischen Erscheinung und Auffälligkeit nach draußen gehen, und denen das egal ist, wie sie wirken. Oft auch notgedrungen, da sie oft nicht die entsprechende Anatomie haben. Wenige andere haben da mehr Glück, wenn sie mit wenig Makeup von einer Bio-Frau fast nicht mehr zu unterscheiden sind.
Oder eben der 3.Weg, die Rolle dauerhaft zu wechseln mit all den Konsequenzen. Wobei hier das Passing bestimmt die ausschlaggebende Rolle einnimmt, da man hier voraussichtlich den Rest seines Lebens so verbringt, die Teilzeitfrau zieht sich einfach wieder um. Ohne Passing ist hier vermutlich kein würdiges Leben zu führen. Allerdings mit entsprechendem Aufwand lässt sich hier bestimmt vieles erreichen.

Ich bin allerdings eher perfektionistisch, und würde nie ungeachtet meiner Erscheinung und auch Auffälligkeit nach draußen gehen.
Mein Erlebnis letzens in der U-Bahn hat mich in dem noch weiter bestärkt. Hier hat der Augenblick weniger als eine Sekunde ausgereicht, die Sachlage sofort zu durchblicken und die Person zu identifizieren.
Und dies wäre bei mir auch der Fall, meine Anatomie ist definitiv zu maskulin als dass man sie wegschminken oder verschleiern könnte. Mittlerweile habe ich doch schon einge Schminksessions hinter mich gebracht, die mich dann allerdings immer wieder der Illusion beraubt haben. Fotos aus einem bestimmten Abstand mögen noch durchgehen, allerdings in der Nähe fallen sie immer durch.
Allerdings ein Fan von halben Sachen bin ich ganz und gar nicht.
Das ist die Realität für mich!
Insofern kommt für mich nur der erste Weg in Frage. Der zweite wäre halt ziemlich verlockend gewesen, allerdings für mich nur, wenn die Erscheinung möglichst perfekt wäre. Andernfalls könnte ich nicht dazu stehen. Und dann wären Ausgrenzung und blöde Blicke genau das, was ich gar nicht möchte.
Und für den dritten Weg sind mir die Konsequenzen zu umfangreich und mein Leiden noch nicht groß genug.

Grüße von der Biene
melanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 112
Registriert: Mi 22. Sep 2010, 12:41
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 10 im Thema

Beitrag von melanie »

Hallo zusammen,

ich sehe in den vorstehenden Beiträgen eine Menge aus meiner Sicht und nach meiner Erfahrung realistischer Einschätzung der Situation,
wie sie sich für CD nun einmal darstellt: Wie eine Frau aussehen und wie eine Frau fühlen - das hat woh wenig miteinander zu tun und schon garnichts damit, eine Frau zu sein. Oder, anders ausgedrückt, auch wenn wir eine Menge Zeit und Geld in unseren "Auftritt" stecken, bleibt es halt doch das, was der Name schon sagt: Ein Auftritt, im günstigen Fall schöner Schein, aber halt eben ein Auftritt, Theater ohne Bühne, aber mit viel Publikum, das ganz nach Befund unserer Show applaudiert oder uns auspfeift. Kein Crossdresser ist eine Frau und wird es nie werden, auch wenn er/sie noch so lange in den Spiegel schaut und ich finde, wir alle täten gut daran, diese Realität zu akzeptieren und dementsprechend zu agieren.
Was ich damit meine? Nun, vielleicht etwas weniger Zirkus um uns herum mit Love-Parade, Transvestitenshow und Fernsehauftritten (schon wieder dieses Wort "Auftritt"). Es ist nun einmal eine ganz eigene und wohl in letzter Konsequenz nur uns mehr oder weniger heftig betroffenen zugängliche Welt, in der wir uns bewegen, aber ganz bestimmt nicht die Welt echter Bio-Weiblein, die übrigens, auch wenn wir es noch so geschickt anzustellen glauben, schon auf mehrere hundert Meter erkennen, dass da ein verkleideter Kerl daherkommt. Den Ellbogenschubser zur Freundin und das "Guck mal, was da kommt" kriegen wir gar nicht mit. Dazu sind wir viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt.
Was bleibt sind die Nischen, ein paar Freunde, die uns gut kennen, wenns ganz gut läuft, eine Frau oder Freundin mit Verständnis für unser Treiben - oder wenigstens Akzeptanz. Nein, mit "Frau sein" hat das alles sicher nichts zu tun.
Ich hab das ganze jetzt ein bisschen krass ausgedrückt, aber es ist halt schon so das, was sich mir (und euch, wenn ihr die Augen aufmacht) darstellt, wenn ich mich so umschaue.

Dessen ungeachtet liebe Grüße und weiterhin viel Spaß bei unserem (lieben) Hobby "Frau spielen"
Melanie
Julia65

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 11 im Thema

Beitrag von Julia65 »

melanie hat geschrieben:.... Es ist nun einmal eine ganz eigene und wohl in letzter Konsequenz nur uns mehr oder weniger heftig betroffenen zugängliche Welt, in der wir uns bewegen, aber ganz bestimmt nicht die Welt echter Bio-Weiblein, die übrigens, auch wenn wir es noch so geschickt anzustellen glauben, schon auf mehrere hundert Meter erkennen, dass da ein verkleideter Kerl daherkommt. Den Ellbogenschubser zur Freundin und das "Guck mal, was da kommt" kriegen wir gar nicht mit. Dazu sind wir viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt.
Da muss ich dir aber ganz entschieden widersprechen. Wenn das so wäre, dann würde ich nahezu täglich dreist angelogen und das ohne mit der Wimper zu zucken.
Ein weiteres Beispiel:
Vor einigen Wochen bekam ich eine neue Mitarbeiterin zur Einarbeitung zugewiesen. Ich zeigte ihr in einem Zeitraum von ca, 2 bis 3 Stunden alles Notwendige und wir fuhre auch ein paar Auslieferungstouren zusammen. Beim Gespräch erzählte ich ihr von meiner HOrmontherapie, worauf sie ganz erstaunt reagierte. Ich sagte ihr, dass ich Transfrau sei und das man das doch bestimmt noch merken würde. Darauf hin sagte sie, dass sie da nicht drauf gekommen wäre. Sie nahm an, ich sei recht sportlich, vielleicht im Fitness-Studio oder so, weil mein Gang so wirken würde, aber auf Transfrau wäre sie nicht gekommen.

Ich denke schon, dass bei längerem Miteinander früher oder später mal solche Ideen aufkommen würden, vermutlich. Aber auf 100 Meter Entfernung auffallen? Das ist Quatsch.
Jedoch kommt es natürlich auf gewisse vorgegebene Bedingungen an und auch auf das Outfit. Sicherlich gibt es manche Anatomie, bzw. Erscheinungsbild, das schon von weitem sofort als männlich zu erkennen ist, selbst wenn danoch so ein weibliches Outfit dranhängt. Groß, breitschultrig, markant, etc.. Es ist für solche Männer dann mit Sicherheit eine bittere Pille, wenn diese Transident sind. Da erfordert es sehr viel kraft, den Weg der Transition zu gehen.
Bei anderen hingegen würde eine Transition mit Hilfe von Hormonen die Shilouette dahingehend verändern, dass nur bei genauerer Betrachtung der Mann noch gelegentlich durchscheint.
Solche Männer können dann eben als Teilzeitfrauen nicht genügen Aufwand betreiben um ein funktionierendes Passing zu erreichen, da eine HRT als Crossdresser sicherlich nicht angebracht ist.
Wieder andere können mit einigen wenigen Handgriffen kurz nach dem Outing völlig sorgenfrei als biofrau durch die Gegend laufen, ohne das auch nur ein Individuum auf die Idee kommt, da könnte ein Mann hinterstecken. Wenn dann nach einiger Zeit der Bart entfernt, die Haare weiblicher und länger sind und die Hormone ihr nächstes tun, landet so manche Transfrau tatsächlich sogar unerkannt auf dem Laufsteg.

Alles ist drin. Es gibt alles, auch ganz extreme Exemplare. In die eine wie auch in die andere Richtung. Letztendlich kommt es darauf an, dass man zufrieden ist, oder zumindest damit leben kann.

LG
Julia
biene38
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 390
Registriert: Di 12. Feb 2013, 13:18
Geschlecht: Individualist
Pronomen: egal
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 12 im Thema

Beitrag von biene38 »

Claudia hat geschrieben: Definitiv NEIN! Ob man diesen Weg geht hat nichts mit dem völlig überbewerteten passing zu tun. Es geht einzig und allein um die Entscheidung, in welcher Rolle man leben will oder eher muß. Die Weiblichkeit ist nunmal im Kopf. Und wer die authentisch lebt, in sich stimmig ist, wird auch so angenommen und akzeptiert.
Hi Claudia,
vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ob man diesen Weg geht, hat bestimmt nichts mit dem Passing zu tun. Das Passing hat ja nichts mit der Ursache zu tun.
Aber das was du beschreibst mit "in sich stimmig" ist doch Passing. Schließlich möchte doch ein Transident die Rolle des anderen Geschlechts annehmen, und um darin leben zu können muss er auch entsprechend wahrgenommen werden. Und damit ist doch Passing gemeint, oder?

Was bringt es wenn jemand die Rolle leben will, aber ständig mit Herr... angesprochen wird .
Passing ist doch gerade hier das Wichtigest, um überhaupt die angestrebte Rolle leben zu können. Oder warum unterziehen sich doch einige so großen operativen Anpassungen des Gesichts?
Bitte korrigiert mich!
Grüße von der Biene (na)
conny
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3720
Registriert: Mo 9. Nov 2009, 18:54
Geschlecht: vorhanden
Pronomen:
Wohnort (Name): Lüneburg
Hat sich bedankt: 88 Mal
Danksagung erhalten: 92 Mal
Kontaktdaten:

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 13 im Thema

Beitrag von conny »

auch bei der diskussion über gerade dieses thema ist es eben wichtig, unter den verschiedenen motivationen für cd zu differenzieren.

wie z.b. claudia nachvollziehbar schieb, ist das passing für diejenigen, die sich grds. eher als frau fühlen nicht wesentlich.
für viele "teilzeitfrauen" ist die äußerliche verwandlung, wie hier auch an anderer stelle nachzulesen, aber wichtig.
erst mit der verwandlung entsteht bei ihnen das weibliche gefühl, das aber sicher nicht mit dem vergleichbar ist, was die "nicht nur teilzeitfrauen" empfinden.

lg
conny
@ Julia
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 154
Registriert: Mi 20. Nov 2013, 20:56
Geschlecht: Mann
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Machen Minirock und Nylons wirklich "Weiblichkeit" aus..

Post 14 im Thema

Beitrag von @ Julia »

Ich war zwar nicht in Damenkleidern unterwegs, aber man hält mich doch eher feminin als maskulin.
Bis auf eine: Eine Hündin einer Bekannten , die (also die Hündin) schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht hat (Mißhandelt, Schwanz abgeschnitten) knurrte sofort als sie mich sah: Ich wurde allso von ihr als vollwertiger Mann gesehen: Frust. Hat dann nach kurzer Zeit Vertrauen zu mir gefunden, aber so ganz....
Also, wenn ihr ganz sicher in Eurer Rolle sein wollt: Fragt instinktorientierte Wesen!
Wir werden weiblich oder männlich geboren, zu Mann und Frau erst gemacht. Julia
Antworten

Zurück zu „Crossdresser- und Transgender-Café“