Ergänzungsausweis - Überlegungen
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Lebensplanung, Standorte
Anne-Mette
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Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

vielleicht im Zuge meiner Namens-Überlegungen (?) bin ich auf den Gedanken gekommen, mich über den "Ergänzungsausweis" zu informieren.

http://www.dgti.info/index.php?option=c ... &Itemid=45

Es heißt auf der Seite:
Derzeit ist er die einzige standardsierte Form eines Ausweispapieres, das der besonderen Situation betroffener Menschen Rechnung trägt. Er ist allen Innenministerien der Länder, dem Bundesministerium des Inneren, sowie verschiedenen anderen Behörden, Ministerien sowie verschiedenen Organisationen und Gesellschaften in Deutschland bekannt. Versuche, die wir selbst mit dem Ausweis durchgeführt haben, waren durchweg positiv. Es entfällt der übliche Erklärungsbedarf mit den weit verbreiteten Irritationen.
Ich denke, für so einen "Zusatz-Ausweis" wäre ich u.U. der richtige "Kunde" - aber wenn ich die näheren Bedingungen ansehe, eher "Bedürftige", "Kranke" oder "Betroffene".

Ich müsste neben einem Passfoto und einer Ausweiskopie (kann ich beibringen, habe beides (smili) ) eine
3. Bescheinigung des behandelnden Arztes bzw. Psychologen darüber, dass eine Transsexualität (oder Intersexualität) vorliegt oder zumindest anzunehmen ist oder die Kopie einer Überweisung / Verordnung des Arztes, aus der diese Angaben zweifelsfrei hervorgehen.
Ich müsste also zum Arzt gehen und erforschen lassen, was mit mir ist (?)
Da werde ich wohl erst einmal ohne diesen Ausweis bleiben (müssen).

Gruß
Anne-Mette
ExuserIn-2014-06-30

Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 2 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2014-06-30 »

Ich halte es für sehr sinnvoll, dass eine ärztliche Bescheinigung verlangt wird!
Der Ausweis ist nur für transidente Personen gedacht, die ernsthaft auf dem Weg zu ihrem gefühlten Geschlecht sind. Denen soll der Ausweis an offiziellen Stellen das Leben etwas erleichtern.

Ohne diskriminierend oder abwertend sein zu wollen: wenn jeder 2. Crossdresser mit so einem Ausweis herumliefe - warum auch immer, wäre das für diese Personen zwar vielleicht manchmal praktisch. Aber das ist eben nicht Sinn und Zweck davon und würde den eigentlichen Zielpersonen eher schaden.
ab08
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 3 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo meine Lieben,

einen Thread über den Ergänzungsausweis (EA) halte ich für gut. Daher berichte ich hier über meine persönlichen Erfahrungen 2008 mit dem Dokument.
Wie erwähnt, dient der EA dem Zweck, T-Menschen das Leben kurz nach dem CO /in der Übergangszeit (Alltagstest)/ zu erleichtern, bis korrekte Papiere da sind.
Bei mir war es eher eine moralische Unterstützung, denn durch Vorzeigen in Verbindung mit dem Personalausweis(PA) hätte ich 'offiziell' auf die Ausnahmesituation hinweisen können.
Vielleicht liegt es an Bayern, aber bei Einsätzen des EA in Behörden usw. machte ich die Erfahrung, dass der EA fast immer als irrelevant/ nicht korrektes Papier betrachtet wurde.
Naja viellleicht machte das Vorzeigen dort zumindest meine Erscheinung plausibel. Im privaten Umfeld konnte ich den EA verwenden und für Kontrollen in öffentlichen Verkehrsmitteln, bzw. durch die Polizei wäre er nützlich gewesen.

Behörden: Sogar als ich rechtskräftige Urteile (NÄ später PÄ) hatte, wurde für Änderungen, die Abgabe einer Kopie des Urteils verlangt.
Aber ich beschränkte mich auf die erste Seite (Urteil) und letzte Seite (Rechtskraft) mit der Begründung, dass auf den restlichen Seiten sehr persönliche Dinge erwähnt sind.
Bei Bank, Führerscheinstelle etc. begnügte man sich später mit der Kopie des neuen PA, :evil: wobei die Kopie des alten ungültigen Ausweises aber auch verlangt wurde.

Vielleicht besserten sich die Verhältnisse inzwischen.

Natürlich könnte ich mir auch andere Anwendungsgebiete vorstellen, trotzdem halte ich ein kleine Hürde für sinnvoll, um Mißbrauch auszuschließen.
Ebenso wie eine HET unter ärztlicher Kontrolle erfolgen sollte :wink:

Liebe Grüße
ab
Zuletzt geändert von ab08 am Do 8. Aug 2013, 09:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Natürlich halte ich ein kleine Hürde für sinnvoll, im Mißbrauch auszuschließen.
Mir stellt sich die Frage: wann ist/wäre es Missbrauch?
Ich sehe mich als "Mensch dazwischen" (ich will das nicht weiter erläutern; habe ich auch schon mehrmals) und ein als Mann geborener Mensch, der in Frauenkleidung unterwegs ist.
Um dieses Papier zu erhalten, müsste ich mich praktisch bei einer Ärztin "krank melden", d.h. ich müsste lang und breit erklären, was mit mir ist - und wenn sie damit übereinstimmt, dann bekomme ich die Bescheinigung für den Ergänzungsausweis - oder wenn sie mich zu einem/r Psycho überweist.

Gruß
Anne-Mette
ab08
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 5 im Thema

Beitrag von ab08 »

cpg hat geschrieben:Mir stellt sich die Frage: wann ist/wäre es Missbrauch?
Lieber Anne-Mette,

meine Aussage bezog sich auf diesen speziellen Ausweis.

Um alle Transgender zu erfassen, müßte der EA anders formuliert sein. Er dient dem Zweck, MzF oder FzM "Umwandlung" zu erleichtern. Vorstellungen, dem damaligen Weltbild entsprechend, liegen zugrunde. Der jetzige Ausweis ging eben aus Verhandlungen der dgti mit dem Ministerium hervor. Die dgti ist eine Interessengruppe mit bestimmten Zielen. Da ich mit einigen der Ziele nicht ganz übereinstimme, war ich dort übrigens nie dabei. Inzwischen bemüht sich die dgti, ihren Bereich zu erweitern, aber die ursprüngliche enge Ausrichtung ist noch erkennbar.

Einen Ausweis, wie Du ihn Dir vorstellst, für alle Betroffenen fände ich im Grunde auch besser, halte das aber im Moment noch für utopisch.
So weit sind wir längst noch nicht. Das dauert! *)

---> Ohne das Urteil des BVerfG vom 11.01.2011 wäre ich längst operiert, denn ich hätte es nicht mehr ausgehalten. (War schon in der Planungsphase.) Vor kurzem traf ich eine gleichaltrige Betroffene (Op 2010), die meinte "Wenn ich gewußt hätte, was auf mich zukommt und dass im folgenden Jahr das Urteil erfolgt, hätte ich es nicht gemacht!"
Gesetze, Urteile bestimmen leider unser Leben. Menschenrechte müssen wir uns hart erkämpfen...
---> Für "Menschen dazwischen" ist noch gar nix passiert.
---> Lucie Veith kämpft weiter mit den Windmühlen der Politik und nix geschieht.

Insofern hast Du völlig Recht: Ein solcher Ausweis sollte Menschen wie Dich und andere auch umfassen!
Der derzeitige EA mit seinen Vorschriften ist ein Relikt des alten TSG, dem ich 2008 noch stark unterworfen war.

Wir brauchen Solidarität aller Gruppen.
Menschenrechte stehen bei uns in dem Bereich sicher noch am Anfang! **)

Liebe Grüße
ab

*) Das TSG in seiner jetzigen Form grenzt ja sogar IS noch aus.
**) Auch vor vielen Jahren operierte Frauen laufen, bei falscher geburtlicher Zuordnung, bei uns noch mit 'M' im Pass rum, wenn sie die psychiatrische Begutachtung ablehnen...


P.S. Das was Du schreibst, ist für uns Alltag. Langanhaltende psychiatrische Begutachtung usw.
Es gibt sicher andere Fälle, aber bei mir gilt:
Freiwillig machte ich vieles nicht. Ich hielt es für Schikane, aber machte es, weil mich ein Gesetz zwang. Aber der Gesetzgeber kann Gesetze ändern... Und gottseidank gibt es das BVerfG.
Andererseits, um Ziele zu erreichen, müssen wir mit Schikanen leben. So schlimm ist es auch wieder nicht und amüsierte mich. Vgl Fritz Teufel "Wenn's der Wahrheitsfindung dient" :lol:
Zuletzt geändert von ab08 am Do 8. Aug 2013, 10:25, insgesamt 7-mal geändert.
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 6 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Hallo, Anne-Mette,
cpg hat geschrieben: müsste ich mich praktisch bei einer Ärztin "krank melden", d.h. ich müsste lang und breit erklären, was mit mir ist -
Ich habe das gerade vor einem Monat gemacht und fand es gar nicht schlimm. Ich habe mich aber auch nicht "krank" gemeldet. Ich habe meinem Arzt (einem neuen, erster Besuch) gleich erklärt, ich sei eine Transfrau, ihm dann etwas über meinen Werdegang erzählt (kaum Zwischenfragen) und ihm gesagt, ich brauche eine Überweisung zum Psychotherapeuten oder Psychologen. Die hat er mir sogleich ausgestellt und auf die Überweisung geschrieben "bitte Weiterbehandlung bez. Geschlechtsumwandlung" (sic!). Dabei hatte ich gar nichts von einer angestrebten Operation erzählt, sondern nur, dass ich eine Personenstandsänderung anstrebe. Die Kopie der Überweisung habe ich zusammen mit den übrigen angeforderten Utnerlagen bei der dgti eingereicht und wenige Tage später meinen Ergänzungsausweis erhalten. Gebraucht habe ich ihn freilich noch nicht. Die einzige Kontrolle seither war die meiner Fahrkarte, und da wurde kein Ausweis verlangt.

Ob Du meinst, dass der Ausweis für Dich das Richtige wäre, musst Du selbst wissen, vor der Offenbarung bei der Ärztin aber brauchst Du aber gewiss nicht zurückzuschrecken. Alles Gute,

Nicoletta
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 7 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo, Guten Tag zusammen,

nix gegen jedwede Hilfe wie einen EA für den beschriebenen Fall der "Nicht-Übereinstimmung" zwischen PA und äusserer Erscheinung.

Ausser einem Ergänzungsausweis gäbe es aber eine, meiner Meinung nach viel schlauere, Lösung, die hier neulich schon mal in einem von cpg verlinkten, niederländischen Text auftauchte.

Wenn in öffentlichen Registern und Papieren der Geschlechtseintrag entfallen würde, wäre ein guter Teil des Problems erledigt. Es blieben zwar immer noch die Diskrepanzen zwischen dem Bild im Ausweis und der Erscheinung der Person, die allerdings sind ja nicht so starr wie ein Geschlechtseintrag. Haare länger/kürzer, mit Bart/ohne, geschminkt/ungeschinkt oder ähnliches kommt bei Passbildern ja dauernd vor. Ausserdem könnte man dann einfach einen neuen Ausweis, mit neuem Bild, machen lassen, das Geschlecht als "Merkmal" wäre ja nicht mehr von Bedeutung.

Obendrein wäre damit auch jede Unterscheidung überflüssig, wer einen EA braucht und wer nicht. Im Ausweis steht "Mensch", das reicht.

Der niederländische Text zeigt ganz nachvollziehbar auf, dass die Geschlechtsangabe in Registern und Papieren keinen Nutzen hat, die Abschaffung also kein Problem wäre. Nur werden dem wohl wieder die dummen und nicht reflektierenden Sprechblasenmacher im Wege stehen, die ihr ewiges "das war schon immer so, das ist halt so und es muss bleiben"-Lied zum Besten geben.

Gruß an alle

Marielle
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 8 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Der niederländische Text zeigt ganz nachvollziehbar auf, dass die Geschlechtsangabe in Registern und Papieren keinen Nutzen hat, die Abschaffung also kein Problem wäre.
Wir werden sicherlich sehr lange brauchen, bis es da Änderungen geben wird. Auch in der Niederlanden war es mehr eine Idee und der gut gemeinte Anstoß zu einer Diskussion und keine jetzt schon praktizierte Lösung. Soweit ich informiert bin, ist der Alltag für Trans*-Menschen in den Niederlanden nicht wesentlich einfacher als bei uns.

Bis sich etwas getan hat, halte ich so einen Ausweis "für Menschen wie Du und ich (smili) " schon für wünschenswert (wer's denn will).

Gruß
Anne-Mette
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 9 im Thema

Beitrag von ab08 »

Kleine Ergänzung,

der Reisepass enthält die Geschlechtsangabe.
Die Angabe in der Geburtsurkunde, bzw. weil eine dritte Möglichkeit fehlt, hat leider Folgen: Es dient als Begründung für Operationen gesunder intersexueller Säuglinge.
Bei allem Verständnis, gerade die Angabe in der Geburtsurkunde ist nicht unproblematisch...

Liebe Grüße
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 10 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Die Angabe in der Geburtsurkunde, bzw. weil eine dritte Möglichkeit fehlt, hat leider Folgen: Es dient als Begründung für Operationen gesunder intersexueller Säuglinge.
Ich glaube eher, es ist ein übersteigerter Normungsgedanke, der Triebfeder für die OPs ist ("richtige Jungs" und "richtige Mädchen" sollen es schließlich sein).

Normung ist leider ein Steckenpferd vieler Menschen, auch von (angeblichen) Experten.
Deshalb ist mir auch in meinem Beitrag von vorhin der Satz zur Venus-Studie
Ihren persönlichen sexuellen Funktionsindex
sauer aufgestoßen.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 11 im Thema

Beitrag von Vincent »

Hallo,
Marielle hat geschrieben: das Geschlecht als "Merkmal" wäre ja nicht mehr von Bedeutung.
ja es wäre wünschenswert, dass das Geschlecht schlicht aus den Unterlagen gestrichen wird. Derzeit hat es bei uns für Behörden nur noch den, hoffentlich theoretischen, Sinn entscheiden zu können, wer im Verteidigungsfall als Kanonenfutter dient und wer das Futter versorgt.

Konsequenter Weise müsste aber auch unsere restriktive Gesetzgebung im Namensrecht fallen, gleichzeitig mit den Traditionen.

Ich denke ein Ergänzungsausweis macht vor allem für die Sinn, die auf dem Weg von der einen auf die andere Seite sind, speziell was die Erscheinung betrifft.
Wer irgendwo in der Mitte steht und da auch bleiben will, hat mMn dadurch keinen Vorteil - auch wenn man sich gelegentlich denkt, ein halber Schritt in die eine oder andere Richtung würde manches vereinfachen (was vermutlich auch nach aussen so wäre).
LG

Vincent
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 12 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo, Guten Abend zusammen,

kannste mal sehen Marie! Ich war der festen Überzeugung, dass das auch im Personalausweis noch eingetragen wird. Und die Geschichte aus Holland war tatsächlich ein Diskussionsbeitrag und keine gelebte Praxis. Das war mir schon klar, hatte ja den Text teilweise übersetzt.

Ich wollte den Aspekt aber gern in die Diskussion einbringen, weil ich denke, dass es besser ist unnötige Unterscheidungen komplett aufzugeben, als immer neue "Ausnahmeregelungen" für die eine oder andere Gruppe oder Person zu schaffen. Ich bin auch nicht naiv genug, um zu glauben, dass sowas in absehbarer Zeit umzusetzen wäre.

Auch wenn ich dafür Dresche beziehe und obwohl ich FÜR die Ausgabe der EA an Menschen die so einen wollen oder brauchen bin: Ein gesondertes Ausweispapier hat für mich auch ein bischen die Wirkung eines "rosa Winkels". (Nein, ich verharmlose gar nichts; habe nur den Aspekt der Kennzeichnung rausstellen wollen). Auch daher bin ich eben der Meinung, dass die ganze "Geschlechterunterscheiderei" am besten komplett abgeschafft wird. Dann muss sich auch niemand Gedanken um alles "dazwischen" machen.

Für den EA spricht m.E. allerdings die durchgängige Zuordnung von Namen zu einem Geschlecht. Mein obiger Vorschlag würde also erst dann richtig funktionieren, wenn nicht nur italienische Dreibeiner Andrea heissen dürften. Und das Ende des Weges zu diesem Ziel werde ich nicht mehr sehen, fürchte ich.

Grüße an alle von

Marielle

PS: Noch was zum grinsen: Ich stell mir grad vor wie ICH mit meinem äußeren Erscheinungsbild versuche eine Behörde von der Notwendigkeit eines EA zu überzeugen......lol. .., die suchen sofort den Schlüssel für Gustls frei gewordenes Zimmer :D
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 13 im Thema

Beitrag von Vincent »

Hallo Claudia,
natürlich hat die Natur meist das Eine oder das Andere angelegt, und Du hast völlig Recht, dass nur die betroffene Person entscheiden soll, wo sie steht.
Aber genau das wird durch ein festes vorgegebenes Raster erschwert oder verhindert.
Und auch die, denen die Eindeutigkeit wichtig ist — das dürfte vermutlich die überwiegende Masse der Menschheit sein, entstünde ja kein Schaden dadurch, dass nicht ausdrücklich benannt wird was sie sind und was sie leben.

Für diejenigen, die irgendwo in der Mitte stehen, sei es sozial, gefühlt oder auch biologisch und sich auch nicht mit der einen oder anderen Seite identifizieren können, haben durch die (vor allem gesellschaftliche) Einteilung schon einen Nachteil.

Du bist eine Frau. Wenn dich jemand fragen sollte ist das auch klar.
So klar bipolar kann und will aber nicht jeder antworten.
LG

Vincent
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 14 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-28 »

CPG hat geschrieben:Mir stellt sich die Frage: wann ist/wäre es Missbrauch?
Nun Missbrauch wäre es z.B wenn sich ein Spanner oder Sexualstraftäter so einen Ausweis besorgen würde nur um auf Damentoiletten zu kommen und eine Ausrede zu haben wenn er erwischt wird.

Ebenso wäre es Missbrauch, wenn jemand so einen Ausweis nur nutzt um auf Veranstaltungen zu kommen, wo nur Frauen zugelassen sind ( z.B. Weiberfastnacht )

Letztendlich, ja hier spricht wieder die Transpolizei wie mich CPG mal liebevoll genannt hat, wäre es auch Missbrauch wenn ein Fetischist damit seine Ausflüge zur Erlangung des besonderen sexuellen Kicks tarnen möchte.

Also ist es so wie es ist absolut ok, ich denke der Ausweis hätte auch nicht soviel Gewicht wenn er frei für jeden zugänglich wäre.

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.
Anne-Mette
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Re: Ergänzungsausweis - Überlegungen

Post 15 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Ich stell mir grad vor wie ICH mit meinem äußeren Erscheinungsbild versuche eine Behörde von der Notwendigkeit eines EA zu überzeugen......lol. .., die suchen sofort den Schlüssel für Gustls frei gewordenes Zimmer
Das sollte gerade kein Problem sein; schließlich gibt es auch BioFrauen mit Bart (smili)
Es sind auch keine Behörden, die den Ergänzungsausweis ausgeben, sondern http://www.dgti.org/
Wenn ich es durch meine recht eigenartig gefärbte Brille betrachte, ist es ungefähr so, wie Bobby Schenk es mal mit den Segelführerscheinen beschrieben - und betrieben hat*...

Aber ich schrieb ja schon: "Ergänzungsausweis - Überlegungen".

Gruß
Anne-Mette

*bei Bedarf werde ich gern das Thema aus seinen Büchern zitieren
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