Leberwerte schlecht.
Leberwerte schlecht. - # 2

ChristinaF
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Re: Leberwerte schlecht.

Post 16 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Julia65 hat geschrieben: ..... Ich würde eher auf die HRT verzichten, als meine Gesundheit wissentlich zu versauen. Dass ich mit der HRT natülich Risiken eingehe ist mir schon klar, aber wenn sich was wirklich ernstes abzeichnet, geht mir die Gesundheit dann doch über Brustwachstum und feminine Shilouette.
Ausserdem rückt für mich somit eine GAOP zunächst erstmal noch in weitere Ferne.
LG
Julia
Hallo Julia,

ich fühle mit dir. Hoffentlich geht alles gut, das wünsche ich dir so von Herzen. Bei mir ist's leider so, dass ich für längere Zeit auf die HRT verzichten muss und die OP auch weit entfernt ist. Aber Gesundheit geht nun mal vor. (smili)
Liebe Grüße
Chrissie
Julia65

Totalausfall !! „ Erlebnissbericht„

Post 17 im Thema

Beitrag von Julia65 »

Es geschah am 14. März 2013.
Ich hatte einige Tage frei und habe viel Zeit im Chat verbracht und mit alten Freunden rumgeblödelt, aber an diesem Donnerstag Nachmittag waren meine freien Tage zu Ende. Um 17.30 Uhr würde ich auf der Arbeit antreten müssen. Ich verabschiedete mich also bei meinen "Chatfreunden" um mich so langsam aber sicher für die Arbeit fertig zu machen. Dafür hatte ich noch gut 3 Stunden Zeit, aber ich musste ja auch noch duschen etc...
Aber genau in diesem Augenblick geschah es. Ich hatte den Logout-Button vom Chat noch gar nicht geklickt, als mir plötzlich schwindelig wurde. "Huch, was ist das denn jetzt?" dachte ich, klickte den Logout-Button und stand auf.

Vor mehr als 2 Jahren habe ich vom Zigarettenrauchen auf elektrisches Rauchen umgestellt. Der Nachteil des elektrischen Rauchens ist ja der, dass eine E-Zigarette nicht abbrennt. Man kann also, so ganz in Gedanken, auch mal eine Stunde und länger am Stück dampfen. Und wenn ich am PC saß, dampfte ich eigentlich immer.

So war mein erster Gedanke, dass ich möglicherweise etwas zu viel Nikotin im Blut haben würde, was den plötzlichen Schwindel hätte ausgelöst haben können. Ich machte einen Schritt zum Fenster, öffnete es auf Kipp und nahm eine Nase frischer Luft. Da ich durch den Schwindel ziemlich unsicher war und eher trampelig agierte, riss ich dabei das Rollo runter, dass mir erst mal auf den Kopf fiel. Ich sah durch den Spalt nach draußen und sah die Nachbarhäuser waagerecht hin und herspringen.
Ich hob das Rollo auf und stellte sofort fest, dass es mir jetzt unmöglich war, es wieder aufzuhängen. Ich tastete mich ein paar Schritte bis zu meinem Bett und legte mich darauf. Ich legte die Beine hoch an die Wand. Ich fürchtete, dass mein Kreislauf kollabieren könnte und wollte es damit verhindern. Doch es wurde einfach nicht besser. Eine ganze Weile lag ich da und sah das Zimmer kreisen. Wenn ich die Augen schloss, war es ein wenig angenehmer. Sobald ich die Augen öffnete, drehte sich alles. Und wenn ich den Kopf auch nur leicht anhob, stieg inzwischen Übelkeit auf.

Ca. nach einer Stunde, die ich mit dem Drehschwindel auf dem Bett liegend verbrachte, wurde mir klar, dass ich heute nicht würde arbeiten können. Zum Glück lag mein Telefon greifbar nah an meinem Bett. Ich nahm es und wählte die Nummer von der Arbeit.
(Ich arbeite als Auslieferungsfahrerin bei einem Pizza-Lieferservice). Der Manager Ronny, der heute die Schicht führte, nahm ab und sagte seinen Spruch auf.

Ich: "Ich muss absagen, ich bin umgekippt und liege nun ziemlich hilflos auf dem Bett. Mir ist total schwindelig."
Ronny: " Ey das kotzt mich total an, dass du jetzt so kurzfristig absagst. Du hast doch letztens erst eine Grippe gehabt."
Ich: "ja, aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter. Es ist wie es ist. Ich melde mich dann wieder."
Ronny: " jaja, dann gute Besserung, schon wieder"

Ich legte auf und holte tief Luft. Ich bin es ja gewohnt, dass die Kollegen auf der Arbeit immer sehr besorgt um mein Wohlergehen sind — Achtung, Sarkasmus.

Wenn ich versuchte mich aufzusetzen oder irgendetwas ähnliches versuchte, wurde der Schwindel stärker. So stark, dass es mich nahezu wieder umwarf. Außerdem stieg Übelkeit auf. Es änderte sich einfach nichts. Ich spürte aber nun noch dazu, dass ich zur Toilette musste. Auch nach einer weiteren Stunde änderte sich nichts.

Nachdem ich dann gut 2 Stunden mit einem heftigsten Drehschwindel auf meinem Bett lag, hilflos wie eine Schildkröte auf dem Rücken, so als wäre ich vor Sekunden von einem enorm schnellen Karussell gesprungen, wuchs aus meiner Besorgnis eine kleine Panik.

Nach einigen Überlegungen griff ich dann zum Telefon und wählte 112. Ich erklärte, was passiert war und gab meine Adresse an. Der Feuerwehrmann sagte mir, dass er einen Rettungswagen schicken würde.
Nach dem Telefonat krabbelte ich vorsichtig aus dem Bett. Ich krabbelte auf allen Vieren durch das Zimmer. Ich wollte einerseits rausfinden, ob es mir gelingen würde, die Tür zu öffnen, wenn die Sanitäter da waren und ich wollte versuchen, vorher noch auf die Toilette zu gehen, denn es drückte mir im Darm.

Nach ein paar Metern übergab ich mich auf den Boden. Zum Glück habe ich dort keinen Teppich, sondern nur PVC-Boden. Ich erbrach eine Pfütze, die sich langsam ausbreitete.

Ich kroch in mein Badezimmer, hievte mich auf den Toilettensitz und verrichtete mein Geschäft. Es ging schnell und ich schaffte es sogar mir Knien die Hände zu waschen. Ich kroch in den Flur zur Haustüre.
Dann klingelte es an der Tür. Ich öffnete die Tür und drückte auf den Haustür-Öffner. Das alles auf dem Boden sitzend und mit nach wie vor vollem Drehschwindel.

Ich bin ja einige Tage zu Hause gewesen. Also war ich seit etwa 3 Tagen nicht mehr rasiert. Ich war natürlich ungeschminkt. Ich trug auch keinen BH und hatte nur ein T-Shirt an, in dem ich auch die letzte Nacht geschlafen hatte. Ich trug eine weiten langen schwarzen Rock, den ich zu Hause immer trage, weil er bequem ist. Dann hatte ich noch dicke Socken an, die ich zu Hause quasi als Pantoffeln trug.
Am letzten Dienstag, den 12. März war ich unterwegs. Ich war bei meinem Endokrinologen zur Blutentnahme. Da ja festgestellt wurde, dass meine Leberwerte seit Beginn der Hormontherapie sehr stark angestiegen waren, wurde nun ca. alle 4 Wochen eine Blutuntersuchung hinsichtlich der Leberwerte durchgeführt. Beim letzten Mal waren die Werte wieder etwas besser gewesen. Das Ergebnis dieser Blutuntersuchung würde ich am kommenden Monatag telefonisch erfragen können.

Die Sanitäter kamen in meine Wohnung. Ich krabbelte in das Wohnzimmer zurück, vorsichtig um den Kotz-See herum. Die Sanitäter fragten mich, ob ich mich da auf dem Boden an dem Bett hinlegen könnte. Sie machten einen großen Schritt über den Kotze-See und stellten einen Koffer auf den Boden ab. Da draußen noch Schneereste waren (es war noch sehr kalt Mitte März), trugen sie einiges an Schmutz in die Wohnung.

Mir wurde der Blutdruck gemessen, etwas Blut vom Finger abgenommen und einige Fragen gestellt, was ich denn gegessen hätte. Sie spekulierten etwas darüber, welche Ursache mein Befinden haben könnte. Schließlich hieß es: "Ihre Blutwerte und Blutdruck sind aber ok. Wir könnten Sie mitnehmen in die Klinik, aber da würden Sie wohl auch überwiegend nur rumliegen. Sie könnten aber auch einen Arzt, der Notdienst hat, anrufen, damit der vorbei kommt und Ihnen etwas gegen die Übelkeit gibt. Ist Ihre Entscheidung."

Nunja, rumliegen wollte ich nicht unbedingt. Und mit dem Drehschwindel jetzt durch das Treppenhaus getragen werden und eine Autofahrt zu machen mit der Übelkeit war auch nicht gerade eine verlockende Vorstellung. So entschied ich mich dafür zu Hause zu bleiben und einen Arzt zu rufen. Die beiden Sanitäter machten wieder einen großen Schritt über den Kotze-See und verließen meine Wohnung.
So lag ich da noch bestimmt ein Stündchen gegen mein Bett gelehnt, bis ich die Kraft und den Mut fand, langsam ins Bad zu krabbeln und den Putzeimer zu holen und mit ihm zurück zum Bett zu krabbeln. Auf dem Weg musste ich den Einer benutzen. Auch eine rolle Toilettenpapier habe ich mitgenommen und es trotz des totalen Drehschwindels irgendwie geschafft, mein Erbrochenes aufzuwischen und in den Einer zu bringen, unterbrochen von wiederholtem Übergeben, wegen der Bewegungen und dem enormen Schwindel. Schließlich lag ich endlich auf meinem Bett, den Eimer neben mir.

Nach einer Weile wählte ich die Rufnummer des ärztlichen Notdienstes, welche ich mir mal notiert hatte. Leider hörte ich nur eine Ansage, dass ich außerhalb der Sprechstundenzeiten anrufen würde. Hä? Notdienst oder was? Es war inzwischen ca. 19 Uhr abends.
Ich war natürlich nicht imstande gewesen im Internet nun nach einer Rufnummer für einen Notarzt zu recherchieren, also schrieb ich eine sms an meine Freundin Moni: "Ich brauche Hilfe" Kurz darauf kam die Antwort: "Was kommt jetzt?" Ich schrieb: "Bitte ruf mich an."
Am Telefon erklärte ich ihr, was passiert war und bat sie, mir eine Rufnummer für einen ärztlichen Notdienst rauszusuchen. Ich bräuchte einen Arzt, der herkommt. Sie sagte mir, dass sie sich kümmern würde und sich dann wieder melden würde. Nach einer Weile rief sie an und sagte mir, dass sie mit einem Arzt gesprochen hätte, der sich bei mir melden würde. Wieder eine Weile später rief ein Arzt an, dem ich erneut erklärte, was passiert war. Er sagte, ich hätte möglicherweise einen kleinen Hörsturz erlitten. Er würde nicht kommen wollen, ich sollte die 112 erneut wählen und mich umgehend in die Klinik bringen lassen.
Ich rief also erneut die 112 an. Und erneut war ein Rettungswagen der Feuerwehr unterwegs zu mir.

Diesmal waren die Sanitäter ein Mann und eine Frau. Wieder wurde der Blutdruck gemessen und dann hieß es: "Ok, wie holen den Stuhl und nehmen sie mit. Wir bräuchten mal die Versichertenkarte." Ich zeigte ihnen wo mein Portemmonaie lag und ließ es mir geben. Ich gab ihnen die Karte. Dann wollten sie noch wissen, welche Medikamente ich nehmen würde. Ich sagte in welcher Schublade sie die finden würden. Sie rissen von allen Schachteln die Deckel ab und steckten sie in meine Handtasche. Ich liess sie noch hohe Turnschuhe, einen Pullover , Socken und eine Jeanshose in eine Tasche packen. Außerdem mein Handy, Nasenspray und ein paar Kleinigkeiten noch schnell in meine Handtaschen. Sie halfen mir die Jacke überzuziehen und schnallten mich dann auf ihren Tragestuhl. Wie eine Sänfte. Man gab mir noch eine Plastiktüte in die Hand, für den Fall, dass ich mich während des Tragens übergeben müsse. Draußen war es bitterkalt. Zu meinem T-Shirt, dem Schlabberrock und den dicken Socken hatte ich nun nur noch die Jacke übergezogen, sonst nichts. Im Krankenwagen gab man mir dann eine praktische Kotztüte. Er fuhr und sie blieb hinten bei mir. Wir redeten ein wenig und ich musste mich auch während der Fahrt übergeben. Es war schon sehr unangenehm und ich war schon froh, als wir endlich die Neurochirurgische Ambulanz der Uniklinik Kiel erreichten.
Die Uniklinik in Kiel ist ein riesiger Komplex. Quasi eine Stadt in der Stadt.
Aus dem Krankenwagen wurde ich dann auf eine Liege verfrachtet, auf der ich dann ins Gebäude geschoben wurde. Das Wechseln von einer Liege auf eine andere war immer ziemlich unangenehm. Es ging immer nur sehr langsam und jedes Mal quälte mich Übelkeit und Schwindel.

Es muss ca. 22 Uhr gewesen sein, als ich dort ankam. 3 Männer in weißen Kitteln begrüßten mich und auch die beiden Rettungswagen-Sanitäter kamen mit rein. Zunächst wurden einige Untersuchungen gemacht, um festzustellen, ob ich Lähmungserscheinungen habe. Man untersuchte mich offensichtlich auf Symptome für Schlaganfall. Dann wurde mir Blut abgenommen und dann wurde ich in die Röhre geschoben. Schädel-CT. Das ging recht schnell und nach weiten 2 Wechseln der Liege lag ich wieder im Untersuchungszimmer. Der Arzt kam nach eine Weile zu mir und sagte: "Wir haben nun das CT gemacht. Es ist ein Gehirn drin und alles so wie es sein soll". — Also Entwarnung für den Schlaganfall. Zum Glück. Ich antwortete: " Wirklich? Ich könnte mindestens 10 Leute aufzählen, die behaupten würden, dass mit Sicherheit kein Gehirn drin ist." Wir lachten etwas.

Ich sollte nun von einem Krankenwagen abgeholt werden und in die HNO-Abteilung gefahren werden. Gleiche Uniklinik, aber anderes Gebäude. Weit genug weg, dass man einen Krankenwagen braucht.

Die beiden Sanitäter, die mich in die Uniklinik gebracht hatten waren immer noch da. Die Frau der beiden füllte anscheinend gerade etwas aus. Dann fragte sie mich plötzlich: "Sagen Sie, Frau Matuscheck, warum nehmen sie Homonpräparate? Haben Sie Menstruationsprobleme oder so was?" — Ich schaute verdutzt und antwortete: "Aber das ist doch eine gegengeschlechtliche Hormontherapie, ich bin doch Transident, bin eine T-Frau." Da schaut sie mich erstaunt an und sagte: "Ach? Da wäre ich jetzt gar nicht drauf gekommen. Im Ernst, auch nicht wegen der Stimme oder so." Wow, das ging runter wie Öl.

Obwohl der Schwindel noch immer voll da war, und obwohl die Übelkeit noch leicht mitschwang und sich verstärkte, sobald ich mich bewegte, fühlte ich mich etwas besser. Ich fühlte mich gut aufgehoben. Einen Schlaganfall hatte ich offensichtlich nicht. Die Ärzte sprachen von eine Ausfall eines Gleichgewichtorgans. Das wäre aber eine Sache der HNO und das wäre nicht so fürchterlich dramatisch. Daher fühlte ich mich ein wenig beruhigt, so dass ich mich über dieses Kompliment freuen konnte.

Nach einer Weile kamen dann die Sanitäter des anderen Krankenwagens, die mich in die HNO Abteilung fuhren. Es war inzwischen so annähernd Mitternacht, als ich dort ankam. Die HNO war wie leergefegt. Eine Schwester empfing mich und wieder musste ich die Liege wechseln. Sie schob mich in ein Untersuchungszimmer wo sie das Licht dann einschaltetet. Sie sagte mir, wir müssten auf die Ärztin warten. Beim Smaltalk fragte sie mich auch was ich beruflich machen würde. Ich antwortete, dass ich Pizza ausliefern würde. Da sagte sie: "Ach, lassen die Sie das denn machen, als Frau? Bei uns kommen da immer nur Männer." — Hui, danke sehr, noch einer. Ich antwortete: "Klar, lassen die mich. Ich habe ja quasi als Mann damit angefangen." Ich habe in dem Moment an die Decke geschaut oder die Augen gerade geschlossen gehabt, denn so war Schwindel und Übelkeit am besten auszuhalten, daher kann ich nicht sagen, ob und wie sie darauf reagiert hatte.

Es dauerte wieder eine ganze Weile, bis die HNO-Ärztin auftauchte und mich untersuchte. Sie schaute mit in die Ohren, und stellte einige Fragen. Es wird wohl der Ausfall eines Gleichgewichtsorgans im Ohr sein, sagte sie, das müsse aber noch mit einer bestimmten Untersuchung bestätigt werden. Es ginge dabei um das Spülen des Ohres mit abwechselnd heißem und kaltem Wasser, was künstlich den Schwindel und Übelkeit hervorrufen würde. Aber diese Untersuchung würde sie auf den nächsten Tag verschieben, wenn es mir etwas besser ging. Ich war dankbar.

Edit meint noch, es wäre gut noch hinzuzufügen, dass auch sie mir Blut abnahm und mir dann einen Zugang legte. Auf der Station bekam ich dann einen Tropf mit Kochsalzlösung und einem Medikament gegen die Übelkeit (Vomex).

Dann hörte ich einem Gespräch von ihr mit der Krankenschwester zu indem es darum ging ein freies Bett für mich auf Station zu finden. Es wurde auch ein Telefonat geführt. Schwer war es, denn es schien alles voll zu sein. Dann sagte die Schwester: In 307 ist noch ein Bett frei, aber das sei die Männerstation. "Nein, also wir können sie doch nicht auf die Männerstation legen". Am Ende wurde für mich noch ein Platz in einem 3-Bett-Zimmer gefunden. Wohl so gegen 2 Uhr morgens wurde ich in dieses Zimmer in den 3. Stock gebracht. 2 Frauen schliefen dort bereits. Es kehrte erst mal Ruhe ein, ich schlief ein, und ich fühlte mich gut aufgehoben.

... to be continued....

Die Geschichte geht noch weiter. Wenn Interesse besteht schreibe ich sie gerne weiter. Aber alles auf einmal reinzusetzen wäre wirklich viel zu viel.

LG
Julia
Yasmine
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Re: Leberwerte schlecht.

Post 18 im Thema

Beitrag von Yasmine »

Weiter.... weiter....!!!
LG
Yasmine
Sabrina Verena
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Re: Leberwerte schlecht.

Post 19 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo Julia!
Auch ich habe Deine Story mit Interesse gelesen.
Mich wundert aber das Verhalten der ersten Sanitäter- Chrew.
Liebe grüße
Verena
Solange Du in Dir selber nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zu Haus.

Die Natur ist Wakan Tanka. Leider haben das nur Wenige verstanden.

Maka Ke Wakan Die Erde ist heilig
Lakota Sioux
Julia65

Re: Leberwerte schlecht.

Post 20 im Thema

Beitrag von Julia65 »

Freut mich, dass der Bericht auf Interesse stößt, dann werde ich also mal weiterschreiben.
LG
Julia
Claudia H.
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Re: Leberwerte schlecht.

Post 21 im Thema

Beitrag von Claudia H. »

Hallo Julia
Hauptsache es geht Dir jetzt wieder gut.
Kannst gerne weiter schreiben.
L.G.Claudia
Exuser-2014-02-18

Re: Leberwerte schlecht.

Post 22 im Thema

Beitrag von Exuser-2014-02-18 »

.
Hallo Julia

Tja ... bedrückend.... eine einschneidende Erfahrung, wenn wann erfährt, daß der eigene Körper eben doch nicht immer so 100% -ig fünktioniert, wie man es immer stillschweigend voraussetzt.
Mich wundert bei solchen Erlebnissen immer die eigene Ruhe, eventuell Ironie, vielleicht eine Art Selbst-Schutz.
Nur schlimm, wenn man quasi Opfer und Helfer in einer Person sein muss.

Ich muss mich auch Verenas Verwunderung anschliessen..."Mich wundert aber das Verhalten der ersten Sanitäter-Crew."

Alles Gute Dir weiterhin... und ich möchte auch die Geschichte weiter erfahren.

Liebe Grüße Tina ))):s
Julia65

Fortsetzung - 2

Post 23 im Thema

Beitrag von Julia65 »

Am Freitagmorgen, den 15 März 2013 wurde ich sehr früh geweckt. Es muss so gegen 5.30 Uhr gewesen sein. Eine der beiden Frauen in meinem Zimmer lief durch das Zimmer, schloss ihren Schrank auf und zu, kramte in Knistertüten rum, lies das Wasser im Waschbecken laufen, kämmte sich die Haare, zog sich an und so weiter. Ich war schrecklich müde und wollte einfach nur schlafen. Durch die Geräusche aber daran gehindert bekam ich Kopfschmerzen. Leider war mein Drehschwindel noch immer vorhanden, wenn auch schon deutlich abgeschwächter. Auch die noch leicht vorhandene Übelkeit war geringer und zeigte sich eigentlich nur bei dem Versuch , mich aufzusetzen oder eben andere Bewegungen zu machen.

Es wurde mir erklärt, dass das andere Gleichgewichtsorgan im anderen Ohr die Arbeit auch alleine übernehmen könnte. Andere Organe und Sinnesorgane würden zu Hilfe kommen. Gehirn, Tastsinn, Nerven und Muskeln etc. Aber es könne auch sein, dass sich das Gleichgewichtsorgan, das ausfiel, auch wieder erholen würde. Über Ursachen könne man nur spekulieren: Unterversorgung von Teilen im Kopf bzw. im Gehirn mit Blut, oder aber auch ein Virusinfekt. Auf jeden Fall sollte ich so bald wie möglich auf die Beine kommen und trainieren. Ich sollte aufstehen und etwas umherlaufen. Vor allem müsse ich etwas essen.

Der frühe Morgen zog sich endlos lange hin, denn an Schlaf war nicht zu denken. Die "Leute" gaben sich die Klinke in die Hand: Es kam eine grün gekleidete Frau mit einem Putzgerät bewaffnet hinein. "Guten Morgen" sagte sie und begann sofort den Boden zu wischen. Dann wurde die Fensterbank gewischt und einmal über den Tisch. Der ganze Besuch dauerte vielleicht 3 Minuten, dann verschwand sie wieder. Nach etwa 3 weiteren Minuten öffnete sich die Tür erneut. " Guten Morgen" . Eine Schwester kam herein und hat bei allen 3 Patientinnen Blutdruck und Fieber gemessen. Nach ein paar freundlichen Worten verschwand sie auch wieder. Weitere 3 Minuten später wurde die Tür erneut geöffnet: "Guten Morgen". Eine Krankenschwester kam herein und begann die Betten zu beziehen. Es gab teilweise neue Laken oder Bezüge. Erstaunlich, wie sie es schafft ein Bett neu auszustaffieren, ohne dass der Patient aufstehen muss. Nach 5 Minuten war sie soweit durch und ging.
Als nächstes kam eine Schwester und brachte jedem ein Tablett mit Frühstück ans Bett. Auch mir brachte sie ein Tablett und fragte mich, da ich ja keinen Essensplan ausgefüllt hatte, ob ich Tee oder Kaffee haben wollte und ob ich Brot oder Brötchen bevorzugen würde und ob ich Wurst, Käse oder Marmelade haben würde. Ich blinzelte sie an. Es muss etwa gegen 7.30 Uhr morgens gewesen sein.

Meine innere Uhr tickt anders. Da ich häufig ziemlich aufgedreht gegen Mitternacht von der Arbeit komme, wobei es besonders in den letzten 2 bis 3 Stunden viel zu tun gab, kann ich dann natürlich nicht gleich schlafen gehen. Nachdem ich mich ausgezogen und abgeschminkt habe und dann noch etwas gegessen habe, also meist dann so gegen 0.45 Uhr, setze ich mich an den PC und schaue die emails nach oder lese im Forum oder chatte. Nach ca. 2 Stunden bin ich dann etwas ausgeglichen und ruhig. Bevor ich endgültig schlafen kann, braucht es aber oft dennoch ein bis 2 Stunden TV-Programm. So wird es oft 4 oder 5 Uhr, ehe ich schlafe, dafür dann aber auch gerne mal bis nach 12 Uhr mittags.
Also war meine Antwort auf die Fragen der Schwester mit dem Frühstück: " Was würden Sie antworten, wenn nachts um 2 Uhr jemand Sie plötzlich aus dem Tiefschlaf wecken würde und eine Mahlzeit anbieten würde?" Ich erklärte ihr den Umstand und dass ich immer noch Übelkeit verspüren würde, sobald ich mich bewege und lehnte das Frühstück dankend ab.
Als nächstes kam eine Schwester, die bei einer meiner Zimmergenossinnen einen Verband wechselte. Als nächstes.... — nein, langweilen will ich euch nicht - das ging den ganzen Morgen so weiter, bis hin zur Visite etwa gegen 10 Uhr.

Der Arzt sagte mir, dass ich später noch zum Hörtest müsse. Ich sagte ihm dass mir total schwindelig sei und mir immer noch übel würde wenn ich mich bewegen würde. Darauf hin teilte er mir mit, dass heute ja Freitag sei und das bis 16 Uhr aber gemacht sein müsse, da sonst erst am Montag wieder jemand da sei für den Hörtest. Auch eine Untersuchung mit der Ohrspülung müsse ja noch gemacht werden.

Irgendwann zwischendurch bimmelte mein Handy. Es war Timo, ein Schichtführer von der Arbeit der heute Dienst tat. Ich war ja für das ganze Wochenende abends fürs Arbeiten eingeteilt gewesen. "Hey, du warst gestern ja nicht da. Wie sieht das heute mit Arbeiten aus, kannst du vielleicht schon früher kommen, sind knapp mit Fahrern." Ich: "Ich liege in der Uniklinik. Gestern hatte ich angerufen, weil ich umgekippt war mit Schwindel. Ich bin dann mit dem Krankenwagen hergekommen. Bitte sag mal bescheid, dass ich vorläufig nicht arbeiten kommen kann. Ich melde mich dann wieder wenn es mir wieder besser geht."
Die Antwort war ungefähr so, wie ich sie von dort gewohnt bin: "Hm, na dann wird das ja wohl heute nix mit arbeiten, was?"

Bisher war ich nur 2 mal aufgestanden. Einmal hatte ich in der Nacht die Nachtschwester herbeigeklingelt, weil meine Blase voll war. Klar, ich hing ja schließlich an der Infusion. Sie begleitete mich zur Toilette, die im Gang schräg gegenüber unseres Zimmers war. Es war schon etwas umständlich mit dem Infusionsgerüst zur Toilette zu gehen. Am Morgen ging ich dann erneut. Die Schwester brauchte mich nur zu begleiten und mich nicht mehr stützen. Ich schwankte schon noch sehr, schaffte es aber durchaus aufrecht zur Toilette zu gehen.

Draußen schien die Sonne. Aber es war bitterkalt. Wir hatten zu dieser Zeit Dauerfrost. —4 bis —8 Grad tagsüber, mit Wind der es sich manchmal wie bis zu —20 Grad anfühlen lies. Nachts hatten wir zu der Zeit tatsächlich —16 Grad.
Ich schrieb zwischendurch sms mit Moni. Ich schrieb ihr wie es mir ging und ich fragte sie, ob sie mich abholen könne, wenn ich entlassen werden würde. Und ob sie mir etwas von zu Hause bringen könnte. Meine wichtigen Medikamente hatte ich ja mit. Aber keine Hormonpflaster und am Samstag, also morgen , würde ich ein neues brauchen. Und ich hatte keine Wäsche zum wechseln und keine Zahnbürste, kein Rasierzeug, einfach nichts, gar nichts.
Entweder würde ich sehr bald entlassen werden müssen, oder ich müsste jemanden haben, der mir ein paar Sachen von zu Hause holt. Dringend. Da ich ja am Donnerstag nicht mehr dazu gekommen war zu duschen, würde es bald wirklich Zeit werden. Mir begann bereits die Kopfhaut zu jucken. Ich lag in meinem Bett.. immer noch mit den dicken Socken, dem schwarzen Rock und dem weißen T-Shirt, dass ich seit Mittwochabend trug.


Irgendwann um die Mittagszeit wurde ich dann zum Hörtest abgeholt. Man nahm den Tropf ab und setze mich in einen Rollstuhl. Dann ging es in das Erdgeschoss zum Hörtest. Diesen habe ich wohl ganz gut gemeistert, mein Gehör scheint keinen Schaden genommen zu haben.

Später erschien ein mir bis dahin fremder Arzt neben meinem Bett, der mich aufforderte, zu versuchen etwas zu essen, und wenn es nur etwas Weisbrot sei und viel zu trinken. Aber er sei gekommen um mich zu der Untersuchung der Gleichgewichtsorgane abzuholen.
Wieder wurde ich in ein Rollstuhl gesetzt und runtergefahren.
Bei der Untersuchung lag ich auf einer Liege und mir wurde erst links, dann rechts erst warmes und dann kaltes Wasser tief ins Ohr gedrückt. Dann wurde mir eine spezielle Brille aufgesetzt wodurch der Arzt besser sehen konnte ob meine Augen zuckten. Es ist ja so, dass bei Schwindel die Augen waagerecht hin und her schlagen. Er verglich die Zustände nach jedem Spülvorgang. Die Untersuchung mit den Spülungen war etwas unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Zusätzlichen Schwindel spürte ich nur wenig und zusätzliche Übelkeit nicht. Die Übelkeit war inzwischen durch das Medikament im Tropf deutlich weniger geworden.
Auf jeden Fall schien die Untersuchung den Ausfall eines Gleichgewichtsorgans deutlich zu bestätigen.
Es würde eine gewisse Zeit, auch mehrere Monate dauern, bis sich das Schwindelgefühl größtenteils legen würde, wenn ein Gleichgewichtsorgan alles alleine übernehmen müsse. Wenn es sich allerdings erholt, sollte es schneller gehen. Aber einige Tage oder Wochen würde es wohl dauern. Ich könnte aber morgen am Samstag, oder spätestens am Montag entlassen werden, sagte der Arzt. Ich selber könne das mitentscheiden.

Wieder im Zimmer auf meinem Bett liegend kam an diesem Nachmittag mehrmals ein Pfleger Praktikant. Er drängelte mich dazu wenigstens eine Scheibe Toast zu verdrücken. Ich tat mein bestes und kaute endlos lange auf jedem Bissen herum, weil ich immer wieder von Übelkeit überfallen wurde. Jedoch setzte ich mich immer wieder mal auf die Bettkante und begann vorsichtig aufzustehen und auch mal das Zimmer zu verlassen. Noch quasi an der Wand entlangtastend ging ich einige Schritte. Immer wieder tat ich das. Es drehte sich noch alles und mein Blickfeld zappelte nach wie vor vor meinem Gesicht, aber ich sollte ja trainieren. Auf die Toilette ging ich inzwischen alleine. Ich überredete die Schwester dann mir noch mal eine Infusion mit Vomex zu geben, die dann nach einigen Stunden durchgelaufen war. Meine Übelkeit war nun so gut wie verschwunden und ich lief den ganzen Abend den Gang hinauf und hinunter. Am späten Abend erschien die Nachtschwester zum Dienst, die mich ja auf das Zimmer geschoben hatte und die mich in der Nacht zum ersten Mal auf die Toilette begleitet hatte. Sie strahlte mich an: "Hey, Sie sind ja schon wieder auf den Beinen".

So verging der Abend. Ich ging oft bis nach Indien. Warum Indien? Naja, eben bis zum Ende des Ganges ;-)

Gegen 22.30 Uhr, es war schon sehr ruhig geworden auf der Station und die Nachtschwester wachte ruhig im Stationszimmer, spürte ich Appetit aufkommen. Hm, bis zum Frühstück würde es aber noch wirklich lange dauern. Kurz darauf, ich weiß nicht mehr aus welchem Grund, kam die Nachtschwester ins Zimmer. Ich fragte sie nach Futter. Und tatsächlich: Minuten später brachte sie mir ein Tablett mit Kaffee, Brot, Wurst, Butter. Wow. Ich verdrückte gut 2 Scheiben Brot mit Appetit. Keine Übelkeit. Der Schwindel war jedoch nach wie vor vorhanden.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück wartete ich auf die Visite, denn ich sollte ja entlassen werden. Per sms fragte ich Moni, ob sie mich abholen könne. Sie schrieb, sie könne aber erst nach 16 Uhr. Ich antwortete ihr, dass das nicht so schlimm sein würde, hauptsache, sie käme überhaupt.

Eine Ärztin unternahm eine Entlassungsuntersuchung und stellte einen Kurzbrief an meinen Hausarzt aus. Dann war ich offiziell entlassen. Das muss so gegen 9 Uhr morgens gewesen sein, Samstag morgen.

Ich hatte ja nicht viel einzupacken. Das Waschbecken im Zimmer hatte ich ja nicht angerührt und auch keinen Schrank leer zu räumen. Alles was ich hatte war in der Schublade meines Nachtschrankes und in einer Tüte, die unten im Fach stand und meiner Handtasche. Zum Glück hatte ich geistesgegenwärtig noch eine Jeanshose, Socken und ein paar Turnschuhe einpacken lassen. Ich zog den Rock aus und die Jeans an. Ich zog die Turnschuhe an und nahm meine Jacke. Dann nahm ich meine Handtasche und die Plastiktüte in der nun der Rock war und ging auf den Gang. Ich fragte eine Schwester, wo ich warten könnte, denn ich würde erst später abgeholt werden. Man verwies mich auf den Aufenthaltsraum. An dem war ich schon einige Male vorbeigekommen, auf meinen Reisen nach Indien. Es war ein größeres Zimmer mit Tischen und Stühlen und einem Fernseher. Dort setzte ich mich auf einen Stuhl und schaute auf die Uhr. Es war 9.20 Uhr. Ich würde also über 7 Stunden jetzt hier warten müssen. Uff. Die Minuten krochen langsam dahin. Es dauerte eine Ewigkeit bis eine Viertelstunde vorüber war. Ich beschloss die Treppen langsam hinunter zu gehen zu versuchen und mal zu sehen wie es sich draußen anfühlte.

Es klappte ganz gut. Ich hielt mich am Geländer fest und konnte die Treppen schaffen. Unten trat ich ins Freie. Es war kalt, aber nicht zu sehr kalt. Die frische Luft tat gut. Die Sonne schien. Ich beschloss, vorsichtig etwas umherzulaufen und herauszufinden, wo ich mich befand. Vielleicht würde ich ja aus dem Klinikbereich hinausgehen können und in einen Bus steigen können. So ziemlich jeder Bus würde zum Bahnhof fahren und von dort aus, wäre es kein Problem, in einen Bus zu steigen, der fast bis vor meine Haustüre fahren würde. Ich wühlte in meiner Handtasche nach meinem Portemmonaie. Ich fand darin 1,10 Euro. Hm, das reicht nicht einmal für eine einzige Busfahrkarte. Also müsste ich vor der Haltestelle noch einen Geldautomaten finden. Na, das war wohl zu viel Optimismus. Dennoch schwankte ich weiter die Strassen entlang. Die Bordsteinkante zappelte hin und her und die Umrisse der Häuser wollten einfach nicht stillhalten. Da war es so ziemlich das erste Mal, dass ich dachte, wie unerträglich es doch ist, wenn man über längere Zeit ein Schwindelgefühl hat. Dennoch ging ich tapfer weiter langsam diese Strasse entlang. Der Wind pfiff mir in den Kragen und ich zog den Reißverschluss meiner Jacke fest bis zum Anschlag hoch und zog den Kopf ein wenig ein. Immer wieder drehte ich mich um, um die Orientierung nicht zu verlieren und notfalls das Gebäude aus dem ich gekommen war, wiederzufinden. Nach einer Weile und nur 2 Abbiegungen sah ich eine Schranke. Ein Ausgang vom Klinikgelände. Ich hoffte, dass dahinter die Strasse, die Feldstrasse wäre, denn dann wüsste ich wo ich bin. Und so war es.

Ich schritt durch die große Porte hinaus in die Stadt. Zum Glück kenne ich fast ganz Kiel wie meine Westentasche und ich wusste genau wo ich war und genau wie weit es bis nach Hause sein würde. Quasi einmal quer durch die ganze Stadt, geschätzte 6 bis 8 km. Ich ging ein Stück die Feldstrasse entlang, die dann auf die Brunswiker Str. traf. Dort ging ich brav an der Hauswand entlang. Einmal um ein wenig vor dem beißenden Wind geschützt zu sein , aber auch damit ich mich halten könnte, falls ich doch mal fallen würde. Denn ich war wackelig auf den Beinen. Ich fürchtete stets, Passanten könnten mich für betrunken halten. Ich erreichte eine Sparkasse mit Geldautomat. Ich ging an den Automaten, und zog 50 Euro, die leider nur als 50-Euro-Schein ausgegeben werden konnten. Ich wusste, dass Busfahrer einen 50 Euro-Schein nicht annehmen würden. Das war bekannt. Bei einem Fahrpreis von ca. 2,40 Euro würden sie bei einem 5 Euro Schein vielleicht eine Ausnahmen machen, aber niemals bei einem 50 Euro-Schein. In der warmen Vorhalle der Sparkasse, in der ich das Geld zog, verweilte ich etwas um mich aufzuwärmen und schrieb Moni eine weitere sms:
"Habe mich auf den Weg gemacht. Geldautomat gefunden. Suche mir Bus. Brauchst wohl nicht los."
Nach 5 Minuten kam eine Antwort, ich wollte gerade die Vorhalle verlassen: " Hätte auch nicht gekonnt, maus. Bin in anderer Richtung unterwegs. Mach aber langsam. Melde mich später."
Ich muss zugeben, ich war enttäuscht von Moni. Was, wenn ich nicht losgelaufen wäre und im Aufenthaltsraum weiter gewartet hätte. Es war inzwischen 10 Uhr und ich hätte inzwischen eine gute halbe Stunde gewartet in der Annahme nach 16 Uhr abgeholt zu werden. Wann hätte sie es für nötig befunden, mich davon in Kenntnis zu setzen, dass ich umsonst warte? Ich erinnerte mich daran, dass sie mal zu mir sagte, sie wäre immer für mich da und ich könnte sie jederzeit anrufen, wenn was wäre, Tag und Nacht. Nun fand ich es schmerzhaft, herauszufinden, was passiert, wenn wirklich mal was ist. Aber vermutlich hat sie die Situation nur falsch eingeschätzt, dachte ich und wird aus allen Wolken fallen, wenn ich ihr genauer erzähle, was los war.

Ich setzte meinen Weg fort. Ich ging auf jeden Fall weiter Richtung Heimat. Den Weg kannte ich genau. Es waren unzählige Abbiegungen und Ecken zu gehen, so richtig quer durch die Stadt. Den Weg jemanden erklären zu müssen wäre eine riesengroße, fast unlösbare Aufgabe gewesen. Ich war auf jeden Fall entschlossen nun auf eigene Faust nach Hause zu kommen, irgendwie. Jedoch fühlte ich mich ein wenig hilflos, weil mir immer noch so verflucht schwindelig war. Ich würde, um ggf. in einen Bus einsteigen zu können, den 50-Euro-Schein wechseln müssen. Aber hier sah ich jetzt erst mal noch keinen Laden.

In manchen Strassen war der Wind nicht so böse, weil die Häuser ein wenig schützen. In anderen Strassen dagegen pfiff der Wind energisch um die Ecken und ich zog mit einer Hand meinen Kragen noch etwas höher. Ich hatte die Idee, den schwarzen Rock aus der Tüte zu holen und ihn wie einen Schal um den Hals zu wickeln. Das würde zwar vermutlich ziemlich bescheuert aussehen, aber ich wollte mir im Bereich Hals bzw. Ohren nicht noch was einfangen. Ich bin sehr empfindlich an Hals und Ohren, schon immer gewesen.
Ein paar Ecken weiter kam ich an einem Kik-Laden vorbei. Ich spielte mit dem Gedanken hineinzugehen und mir einen billigen Schal zu kaufen. Aber ich verwarf den Gedanken wieder. Einen Schal kaufen, und dann möglicherweise noch 2 mal eine Busfahrkarte. Das alles zusammen würde mich fast 10 Euro kosten. Und ich war ohnehin schon knapp bei Kasse und wer weiß, wann ich wieder arbeiten gehen und was verdienen würde. Also ging ich weiter. Ich näherte mich allmählich dem Stadtzentrum, genauer gesagt dem Exerzierplatz. Dort hätte ich sicher schon mehr als die Hälfte des Weges geschafft. Am Exerzierplatz war eine Bäckerei und dort war auch ein Lokalität untergebracht, wo man Kaffee und Kuchen verzehren konnte.

Ich schätze, es muss so gegen 11 Uhr gewesen sein, als ich die Bäckerei betrat. Sie war gerade gut besucht und ich stellte mich an der Schlange der älteren Leute an und holte mir einen Kaffee. Ich trank den Kaffee gemütlich im warmen sitzend am Fenster, den Blick über den Exerzierplatz -Marktplatz im Zentrum von Kiel. Das ist übrigens der Markplatz, den Brösel darstellte in seinen Comics, bzw. auch im Film, wo dieses Fußballspiel stattfindet. Mein Blick ging über den Platz, auf der anderen Seite waren die Häuser auf dessen Dächer die Möwen im Werner-Comic biertrinkend dem Fußballspiel zusahen.

Es war urgemütlich und so schön kuschelig warm. Ich war natürlich immer noch unrasiert und die blonden Haarstoppel sprossen mir aus dem Kinn. Ich war natürlich auch ungeschminkt und hatte zerzauste fettige Haare. Ich trug eine Jeanshose, knöchelhohe schwarze Turnschuhe und eine olivgrüne Steppjacke. Dennoch habe ich das Gefühl, als Frau wahrgenommen worden zu sein. Aber ganz ehrlich: In dieser Situation war mir das ziemlich egal. Ich wollte nur etwas Pause machen, mich aufwärmen und dann den Weg nach Hause schaffen. Und ich wollte vermeiden, zu sehr zu schwanken, weil mir nach wie vor schwindelig war.

Jetzt würde ich den Rest des Weges auch noch laufen. Von hier würden sicher Busse in die richtige Richtung fahren. Jedoch würde ich möglicherweise nachdem ich endlich eine richtige Haltestelle gefunden hätte, noch eine halbe Stunde auf den Bus warten müssen. In der Zeit würde ich den Restweg auch Laufen können. Ich war jetzt erst mal aufgewärmt und die Sonne schien noch immer. Ich ging los. Langsam und darauf achtend nicht zu sehr zu schwanken und ja nicht hinzufallen.

Ich glaube, während der letzten 1 bis 2 km wurden meine Schritte etwas schneller. Ich freute mich auf zuhause. Aber ich erinnerte mich auch daran, dass der Eimer mit dem Erbrochenen noch vor meinem Bett stehen würde. Und der Dreck, den die Sanitäter in die Wohnung getragen hatten würde auch noch da sein. Ich würde also erst mal den Eimer ausleeren und auswaschen, das Fenster öffnen und durchwischen müssen. Aber ich wusste, dass das noch ein wenig viel sein würde, denn der Schwindel blieb hartnäckig.

Während der letzten 200 bis 300 Meter begann es leicht zu schneien. Leichter Schneegriesel fiel vom Himmel und ich dachte: "Hui, da habe ich ja gar nicht dran gedacht. Was, wenn unterwegs das Wetter richtig mies geworden wäre? Was wenn es richtig heftig zu schneien und zu stürmen begonnen hätte? Vermutlich hätte ich dann mit meinem Handy ein Taxi gerufen."
Als ich zu Haus ankam und meine Wohnung betrag, war ich überrascht, dass es nicht nach Erbrochenem stank. Denn in dem Eimer war ja fast eine ganze Rolle Toilettenpapier. Dennoch öffnete ich sofort die Fenster zum Lüften und leerte den Eimer aus und wusch ihn sauber. Erst eine Weile später feudelte ich den Fußboden. Langsam aber sicher machte ich eins nach dem andren. Dann telefonierte ich lange mit meiner Mutter und erzählte ihr alles.
Mein Blick fiel auf meine E-Zigarette die neben dem Computer in ihrem Ständer stand. Nein, es war nicht so , dass ich in der Klinik keinen Gedanken ans Rauchen verschwendet hätte. Ich habe sehr wohl daran gedacht. Aber erst spät, ich glaube am Freitagabend zum ersten mal, nachdem ich gut gegessen hatte. Ich war entschlossen, sie jetzt nicht mehr anzurühren. Ich lies sie wo sie war. Moni meldete sich nicht.

.... to be continued.
Sabrina Verena
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Re: Leberwerte schlecht.

Post 24 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo Julia!
Ich bin nur sprachlos, ich hatte ihn gelesen.
Und nein!! Er ist nicht langweilig!!!
Liebe Grüße
Verena
Solange Du in Dir selber nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zu Haus.

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Julia65

Re: Leberwerte schlecht.

Post 25 im Thema

Beitrag von Julia65 »

Sabrina Verena hat geschrieben: Ich bin nur sprachlos, ich hatte ihn gelesen.
Aber was macht dich sprachlos?

Das Verhalten der ersten Krankenwagencrew stimmte mich allerdings auch etwas nachdenklich. Sie vermuteten wohl nur eine Magenverstimmung oder einen Magen-Darm-Infekt, wegen meiner Übelkeit.
Schon komisch, dass die dem Dauer-Schwindel so wenig Bedeutung zumassen.

LG
Julia
Sabrina Verena
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Re: Leberwerte schlecht.

Post 26 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo Julia!
Naja, einmal quer durch die Stadt laufen, wenn man noch nicht ganz fit ist.
Da gehört schon etwas dazu.
Ich hätte aber auch nicht 7 Stunden im Wartezimmer sitzen wollen.

Ich kann aber auch in solchen Dingen ein Dickschädel haben.
Hab mal 4 Stunden lang nach einem Arbeitsunfall auf einer Baustelle weitergearbeitet.
Abends dann ins Krankenhaus.
Der Arzt hatte mich erst mal 4 Wochen krank geschrieben.
Das war eine Schnittverletznug mit 5 Stichen genäht.
Eigentlich bescheuert, mein Verhalten und verantwortungslos, dass der Kollegen.
War damals als Zeitarbeiter auf der Baustelle und hab natürlich die Kündigung bekommen.
Angeblich gab es Lieferschwierigkeiten und sie hätten die Leute nicht beschäftigen können.
Liebe Grüße
Verena
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Julia65

Re: Leberwerte schlecht.

Post 27 im Thema

Beitrag von Julia65 »

Hm, was du da erzählst, Verena, macht mich eher wütend und bestätigt mir meine Meingung über den Arbeitsmarkt und die Haltung der meisten Arbeitgeber.
Was meine Odyssee durch die Stadt angeht: Was hätte ich sonst tun sollen? Ich wusste mir wirklich nicht anders zu helfen. Und wenn ich doch gewartete hätte? Moni hätte ja nicht gekonnt, wie sie mir später per sms ja mitteilte.
Ich hätte also stundenlang gewartet um dann zu erfahren dass sie doch nicht kann und hätte dann wohl eh laufen müssen. War echt übel.
Aber die Geschichte geht noch weiter, muss nur mal Musse finden weiterzutippen.
LG
Julia
ab08
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Re: Leberwerte schlecht.

Post 28 im Thema

Beitrag von ab08 »

Liebe Julia,

danke für Deinen ausführlichen Bericht und erstmals von ganzem Herzen gute Besserung!! (flo)

Bemerkung der Lehrerin :oops: zum ursprünglichen Thema Leberwerte-HRT:

In Kombination mit anderem sicher nicht unproblematisch.
Aber z.B. bei mir /nie geraucht/ bis heute, in den ersten 62 Jahren des Lebens nie betrunken/ gesundheitsbewußt / genügend Bewegung+Schlaf / Medikamente ungern & sehr selten
Leberwerte (12.2.2013) trotz langjähiger HRT in Tablettenform: AP 42,5 (Norm 35-104(U/l) GOT 18,4 GPT 24,5 (Norm<35 U/l) GGT 16,0 (Da änderte sich in den ganzen Jahren kaum was)
Gesunde Lebensweise zahlt sich also aus... :oops:

Liebe Grüße und schon Dich
ab

:oops: Bitte nicht bös sein, bin halt Lehrerin und weiß manchmal alles besser :oops:
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Julia65

Re: Leberwerte schlecht.

Post 29 im Thema

Beitrag von Julia65 »

Liebe ab,
Seit ich mich erinnern kann, gab es für jeden Arzt, der ein Blutbild von mir machte, einen Grund meine Leberwerte anzusprechen. Es hiess immer: Die müssten wir mal im Auge behalten. Es scheint sich also um eine Sache zu handeln, die in den Genen steckte. Meine Lebensweise mag nicht ganz so vorbildlich gesund gewesen sein wie deine, jedoch durchaus gut. Alkohol war nie mein Freund. Betrunken war ich das letzte Mal 1987.
Aber: Die Geschichte wird noch von mir fortgesetzt werden und da kommen auch die Leberwerte wieder ins Spiel und interessante Erlebnisse in Verbindung mit den Hormonen.

LG
Julia
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Re: Leberwerte schlecht.

Post 30 im Thema

Beitrag von Yasmine »

[quote="Julia65" Die Geschichte wird noch von mir fortgesetzt werden [/quote]
Ist ja schlimmer als im Fernsehen, da weiß ich, wann der nächte Teil kommt :).
Also: Ich bin gespannt!
LG
Yasmine
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