Zunächst Informationen über mich selbst:
Gymnasiallehrerin Mathematik/Physik - geb 1950 - seit 1980 bis heute
ohne Unterbrechung(!) voll berufstätig
allgemeines privates Outing ab 2007 - berufliches Outing 2008 - gerichtliche NÄ 12/2008 - PÄ 3/2011
Write Master hat geschrieben:
Wir stellen vorerst nur einige Fragen.
Die erste lautet : Wie gehen Freunde und Familie damit um ?
Normal - Meine Kinder haben halt zwei Frauen als Eltern, eine Frau die sie zeugte und eine, die sie gebar.
Da sie erwachsen (27, 29, 31) und recht intelligent sind, können sie gut damit umgehen. Es ist vielleicht ungewöhnlich, sie sehen aber auch Vorteile.
(Durch tiefere Einblicke in Mann & Frau habe ich erhebliches Einfühlungsvermögen für ihre eigenen Probleme, ich verstehe vieles ganz gut und kann ihnen oft vernünftig helfen...)
Meine Mutter ahnte es bereits bei meiner Geburt und stand daher dem Outing sehr aufgeschlossen gegenüber.
Bruder & Schwägerin verstanden es sofort und unterstützten mich.
Meine Schwester ist seit Jahrzehnten Mitglied in einer evangelikalen Sekte - und versteht es daher leider bis heute nicht.
Die übrige Verwandtschaft war recht aufgeschlossen.
Ich habe heute deutlich
mehr und
engere Freunde & Freundinnen als vor dem Outing.
Vom alten Freundeskreis brachen aber ungefähr 10% weg, die keinerlei Verständnis dafür aufbringen. Höhere Würdenträger der katholischen Kirche, streng religiöse, politisch extrem eingestellte - also irgendwie 'enge' Menschen lehnen mich ab und versuchen mir, wo möglich, zu schaden. Andererseits erfahre ich Solidarität und Unterstützung von vielen anderen...
Write Master hat geschrieben:
Wann haben sie entdeckt das sie im falschen Körper ?
Im Kindergarten, eigentlich wollte ich mit Mädchen spielen, das war aber zu dieser Zeit Anfang der 50er Jahre unmöglich. Die Jungs verhauten mich nur. Normalerweise floh ich, wenn ich eingefangen wurde, biß und kratzte ich, schlug aber nie zurück. Wenn im Kindergarten Aufsicht da war stand ich freiwillig einsam und traurig allein in einer Ecke.
Write Master hat geschrieben:
Empfinden sie ihre Veranlagung als Fluch oder eher als Segen ?
Weder - noch. Meiner Überzeugung nach wurde ich so, wie ich bin, von Gott geschaffen.
(Erläuterung: Ein Hase ist ein Hase, ein Elefant ist ein Elefant, eine Kuh eine Kuh und ich halt T-Frau Das ist weder Segen noch Fluch, es ist halt so!)
Da ich jahrzehntelang der Umgebung den Mann vorgespielt habe, kann ich mich ganz gut in die Denkweise von Männern hineinversetzen. Da ich eine Frau bin, kenne ich weibliche Emotionen nur zu gut. Andererseits hat alles den Nachteil, dass ich meine Kinder gern selber geboren & gestillt hätte, so konnte ich nur Kinder zeugen. Mit dem Zeugungsvorgang konnte ich emotional gar nichts anfangen, da ich kein Mann bin. Der Öffentlichkeit konnte ich den Mann vorspielen, das war recht einfach. Privat war es viel schwieriger. Meine Kinder hatten nie einen Vater, denn das überforderte mich. Die Beziehung zu den Kindern war zwar eng, aber nie 'männlich'. Erst nach dem Outing, als sie erwachsen waren, verstanden sie, warum mein Verhalten stets irgendwie komisch war. Unbewußt
verhielt ich mich privat früher bisweilen ganz normal, also wie eine Frau... Erst durch das Outing normalisierte sich die Beziehung zu den Kindern und wurde
sehr eng.
Write Master hat geschrieben:
Wann haben sie sich das erstemal offenbart und wem ? Wie war die Reaktion ?
Meine Partnerin wußte bereits zu Beginn unserer Beziehung (also ab 1974) Bescheid, war sich aber der Tragweite nicht bewußt.
- Reaktion zunächst keine
- Später 1985 nach Geburt der Kinder verstand sie es - dann geschwisterliche Partnerschaft / Ehe nur nach außen - intern freundschaftliche Beziehung zweier Frauen / 1996 Scheidung
Liebe Grüße
ab
(Frau, aber mit unpassenden Genitalien geboren)
P.S. Herzliche Gratulation zu Eurem Vorhaben und ich wünsche Euch gutes Gelingen!
- Wenn Flensburg nicht so weit wäre, käme ich gern auch persönlich vorbei.
8/2016 werde ich pensioniert, dann bin ich mobiler. -
Genauso stell ich mir vernünftige Aufklärung an Schulen vor!
Bravo!!! Respekt!! - Ihr besucht eine gute Schule!
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz